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Samstag, 3. August 2013

4 Jahre Schweden

Heute vor 4 Jahren bin ich nach Schweden gekommen! 
 
Gewöhnlich philosophiere ich ja zu meinem Jahrestagen immer, was sich seit dem Anfang und seit dem letzten Jubiläum so ereignet hat. Nach einem Jahr fühlte ich mich noch immer, als stände ich am Anfang. Nach zwei Jahren fand ich mich einigermaßen zurecht. Nach drei Jahren fühlte ich mich hier zu Hause. Was kann sich da nach einem weiteren Jahr schon noch getan haben?

Der wahrscheinlich größte Unterschied zum letzten Mal ist wohl, daß ich in meinem eigenen Haus sitze und blogge. Das ist schon ein riesiger Schritt. Und rein arbeitstechnisch habe ich mich recht gut eingefunden in meine Stelle, die seit letztem September ja auch teilweise eine Führungsrolle im Institut beinhaltet. Beides, das eigene Haus und meine Arbeit, hat irgendwie dazu geführt, daß ich näher als je zuvor am Eingang zur schwedischen Kultur stehe. 
 
Ich bilde mir ganz und gar nicht ein, daß ich tatsächlich einen echten Einblick habe. Bisher habe ich wirklich nur beobachtet. Ich kenne wenige Schweden privat, und es fehlt mir einfach an einem Hund oder Kind, um wirklich Kontakt aufnehmen zu können. Trotzdem habe ich im letzten Jahr noch einmal wahnsinnige Fortschritte beim schwedisch Sprechen gemacht. Ich kann jetzt richtig small talk halten. Vor einer halben Stunde habe ich doch tatsächlich mit unserer Nachbarin geredet, sie überredet unsere Katzen zu füttern und ihr beim Stachelbeeren pflücken geholfen. Das ist für mich ein Meilenstein der Kontaktaufnahme. Mittlerweile sind schwedische Konversationen um mich herum oder im Radio auch nicht mehr nur Hintergrundrauschen. 
 
Vielleicht wird Jahr 5 ja das Jahr der echten Kontaktaufnahme. Wer weiß? Ich bin gespannt.

Samstag, 1. Dezember 2012

Schwedisch für Wegrenner

Die schwedische Sprache hält schon einige Köstlichkeiten bereit, die man erst so richtig zu schätzen weiß, wenn man deutsch oder englisch beherrscht. Hier ein paar Beispiele:

Multislip - ist nicht etwa ein Schlüpfer für jede Lebenslage, sondern ein Schleifgerät mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten.

Glidfunktion - ich weiß ja nicht, was ihr jetzt denkt, aber dieses Wort bedeutet Gleitfunktion.

Chuck - wer hier an Chuck Norris denkt, liegt falsch. Chuck bedeutet Bohrfutter.

Universalknut - ein Knut für alle Fälle, ne! Falsch gedacht. Einen universalknut findet man in einem Steckschlüsselsatz, und zwar ist es das Gelenk.
Multislangnippel
Bubbelplast - ein schönes Wort. Mit einem kindlichen Ansatz kann man sogar drauf kommen, daß es sich hierbei um Bläschenfolie handelt.

Sittpuff - ein so viel schöneres Wort als Hocker.

Trottelhus - ist nicht etwa ein Haus (hus), in dem Trottel wohnen, sondern ein Teil des Gaszuges im Automotor.
Das hier ist ein trottelhus. Bild von hier.

Montag, 26. November 2012

Mein 1. schwedisches Buch

Endlich hab ich mich mal dazu durchgerungen, neben Kochbüchern auch mal ein richtiges Buch (ohne Bilder) auf schwedisch gelesen. Dabei wollte ich nicht einfach eine Übersetzung lesen, sondern ein Buch, das auch auf schwedisch geschrieben wurde. Auf Anraten meiner Schwedischlehrerin habe ich mir das young adult-Buch Circeln von Mats Stranberg und Sara Bergmark Elfgren. Es ist das erste Buch einer Trilogie, von der gerade erst der 2. Teil, Eld, erschienen ist. Dennoch ist der 1. Teil schon jetzt ein internationaler Bestseller, der als schwedisches "Twilight" gehandelt wird. Auf deutsch heißt das Buch Zirkel.
Originalcover des Buches, zum Beispiel erhältlich bei bokia.se
Ich fand das Buch wirklich toll. Abgesehen von der fantasy-Komponente ist die Handlung eher eine Mischung aus Jugendroman, Krimi und Horrorgeschichte. Die Charaktäre sind sehr, sehr realistisch und vielschichtig, weil eben gar nicht heldenhaft oder übermenschlich. Und die Handlung ist fesselnd, schockierend und von der ersten bis zur letzten Seite spannend. Im Gegensatz zur idealisierten Twilight-Welt gibt es nur die Enttäuschungen, Krisen und Triumphe des echten Lebens. In den USA muß das Buch wahrscheinlich gekürzt oder als Jugendbuch angepaßt werden.

Alles in allem eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe.

Samstag, 13. Oktober 2012

Dreisprachig leben und arbeiten

Wenn man sich im Fernsehen Auswanderersendungen anschaut, kann man eines schnell feststellen: wer erfolgreich in einem fremden Land leben und arbeiten will, muß die Landessprache lernen. Völlig ohne Sprachkenntnise in ein anderes Land zu ziehen und zu erwarten, daß man sich mit englisch oder gar deutsch durchschlagen kann, ist außer im englisch- und deutschssprachigen Ausland einfach nur illusorisch. Spätestens wenn man wirklich ein Teil der Kultur des Landes werden möchte, kommt man um das Lernen der Sprache nicht herum.

In Schweden ist es zunächst leicht, mit englisch über die Runden zu kommen. Die meisten Skandinavier sprechen hervorragend englisch und wechseln sofort ins Englische, wenn sie bemerken, daß sie es mit einem Nichtschweden zutun haben. Und in einem Einwandererland wie Schweden können selbst die Ämter mit fremdsprachigen Formularen und Übersetzungen aufwarten. Dennoch wird erwartet, daß man nach der Ankunft so schnell wie möglich schwedisch lernt, um sich in den Arbeitsmarkt integrieren zu können.

Da ich nach Schweden gezogen bin, weil ich einen Job angeboten bekommen hatte, fiel diese Art von Motivation für mich weg. Zudem war dieser Job an der Uni, die per Definition ein Subuniversum darstellt, in dem es multikulturell zugeht und englisch gesprochen wird. Tatsächlich sind bei mir auf Arbeit nur die Sekretärinnen wirklich schwedisch. In meiner Abteilung haben wir nur noch eine festangestellte Schwedin, und von den ca. 15 Doktoranden sind auch nur 3 schwedisch. Das heißt, meine Arbeitssprache in der Wissenschaft ist englisch. Am Institut und in der Abteilung gibt es auch eine beträchtliche Anzahl an Deutschen. Mit denen rede ich natürlich deutsch, allerdings nur wenn niemand in der Nähe ist, der nicht deutsch spricht. Dann wird schonmal mitten im Satz die Sprache gewechselt. Und zu Hause wird natürlich auch deutsch gesprochen.

Seit Neuestem bin ich ja am Arbeitsplatz auch eine gespaltene Persönlichkeit: zu 65% bin ich Wissenschaftlerin, zu 20% Lehrerin und zu 15% arbeite ich in der Institutsleitung. Meine neuen Pflichten in der Institutsleitung erledige ich zu 95% auf schwedisch. Das bedeutet, ich sitze in Meetings, rede mit den mir unterstellen technischen Mitarbeitern und kommuniziere mit der Univerwaltung und das alles auf schwedisch. Das ist manchmal gar nicht so einfach, aber mein Schwedisch ist schon viel besser geworden, weil ich eben dazu gezwungen bin, zu sprechen und zu schreiben. Da zahlt es sich doch aus, daß ich weiter Unterricht genommen habe. Selber unterrichte ich weiterhin auf englisch. Da fühle ich mich irgendwie nicht sicher genug mit meinem Schwedisch, zumal ich die ganzen Fachworte auf schwedisch auch gar nicht kann. Aber wenn die Studenten auf schwedisch fragen, verstehe ich das schon. Also sind die Sprachen da etwas vermischt.

Ansonsten hilft es natürlich auch im Alltag, einigermaßen schwedisch sprechen zu können, wenn es zum Beispiel um den Schwatz mit meiner Friseurin oder den Hauskauf geht. Und vielleicht kann man sich ja tatsächlich mit den neuen Nachbarn anfreunden. Wer weiß?

P.S.: In welcher Sprache ich träume, weiß ich gar nicht. Da muß ich heute Nacht mal drauf achten.

Freitag, 3. August 2012

3 Jahre Schweden!

Fast hätte ich es vergessen, aber heute ist doch tatsächlich mein 3jähriges Schwedenjubiläum! Es ist kaum zu glauben, daß schon so viel Zeit vergangen ist, seit ich damals mit meinem großen Rucksack, Laptop und Handgepäck in Uppsala ankam und am Institut erst einmal vor verschlossenen Türen stand. Damals war mir eine Stelle für 1 Jahr angeboten worden. Ich wußte weder, wo ich an dem Abend schlafen würde, noch ob ich in dem Jahr Geld für eine weitere Anstellung auftreiben könnte. Das war schon ein echt großes Abenteuer, vielleicht das Abenteuer meines Lebens, und das will schon was heißen!

Heute, 3 Jahre später, bin ich immer noch hier. Laut Auswanderersendungen im Fernsehen kann man ja nach einem Jahr behaupten, es geschafft zu haben. Und ich würde schon behaupten, daß das Abenteuer Auswandern geschafft ist. Aus dem Abenteuer ist Alltag geworden, aus dem fremden Land zu Hause. Ich spreche mittlerweile fließend schwedisch. Wir wissen, wo und wie wir Dinge des täglichen Lebens bekommen. Und im großen und ganzen kommen wir gut zurecht.

Ansonsten heißt das aber nicht, daß sich so gar nichts mehr tut. Vor einem Jahr wußte ich nicht, wie es Ende August mit meiner Stelle weitergehen würde. Heute habe ich eine feste Stelle und ein 4jähriges Forschungsprojekt. Wir sehen uns nach einem Haus um. Und ich versuche, mit meinen neuen Pflichten als Lektorin klarzukommen. Das Leben ist also durchaus noch aufregend, wenn auch aus anderen Gründen. Bin gespannt, was sich in Jahr 4 so alles tut.

Samstag, 30. April 2011

Vi pratar fortfarande svenska

Man sollte meinen, nach knapp 20 Jahren Ausbildung (Grundschule + Gymnasium + Bachelor + Diplom + Doktor) hätte ich mal genug vom Lernen. Nach dem traditionellen Weltbild sollte man auch annehmen, daß man als Erwachsener eben irgendwann erwachsen ist und damit ausgelernt hat. Heutzutage gilt aber eher das Konzept des "Lebenslangen Lernens", was sich in Weiterbildungen, Umschulungen und Freizeitkursen äußert.

Als ich 2009 nach Schweden gezogen bin, war es selbstverständlich, daß ich schwedisch lernen würde. Deshalb habe ich auch 9 Monate lang zwei SFI-Kurse (Schwedisch für Einwandererkurs) der Kommune gemacht. Die zielen darauf ab, Neu-Schweden in der Gesellschaft zu integrieren und ihnen ein Maß an schwedisch beizubringen, daß es ihnen erlaubt, einen Job zu finden. Für Deutsche ist das allemal schaffbar. Für mich war der Zeitaufwand das größte Hindernis.


Nachdem ich im Juni letzten Jahres den letzten SFI-Kurs abgeschlossen habe, hatte ich wenig Gelegenheit, mein schwedisch weiter zu verbessern. Im Alltag habe ich eben hauptsächlich mit Nicht-Schweden zutun, die schwedisch auch nur als Fremdsprache gelernt haben.Nun gibt es seit einiger Zeit bei uns am Institut eine Sprachwissenschaftlerin namens Peggy, die das nicht-studentische Personal (alle Angestellten mit Doktor) auf Wunsch in der schwedischen Sprache unterrichtet. Bei meinen Kollegen mit permanenten Verträgen steht nämlich sogar im Vertrag, daß sie nach ein paar Jahren auf schwedisch Vorlesungen halten können müssen.


Da ich sowieso überlegt hatte, wie ich mein Schwedisch weiter verbessern kann, dachte ich mir, ich sollte es wenigstens mal mit Peggy versuchen. Mittlerweile hatte ich meine 4. Privatstunde mit Peggy. Das Gute ist, daß das während der Arbeitszeit stattfindet, statt wie beim SFI zweimal die Woche 2,5 Stunden nach der Arbeit. Das ist schon ein echter Vorteil. Früher oder später will Peggy mich in eine der Gruppen bei uns am Institut integrieren, aber momentan arbeitet sie mit mir an meinen Defiziten im Einzelunterricht. Eine Sache, an der wir gearbeitet haben, ist Prosodie. Das Wort war mir zuvor völlig fremd und bezeichnet die Sprachmelodie, die in der schwedischen Sprache besonders wichtig ist. Wenn Schweden sprechen, ist das sehr melodiös. Sie betonen einige Worte im Satz, sodaß es für uns schon ziemlich übertrieben klingt. Aber wenn man die Sprache wirklich lernen will, muß man eben auch die Sprachmelodie beherrschen.


Einzelunterricht mit Peggy scheint mich also mit meinem Schwedisch durchaus weiterzubringen. Es ist auch eine neue Erfahrung für mich, auf diese Art und Weise zu lernen, ziemlich intensiv. Aber solange es was bringt...

Montag, 28. Februar 2011

Krya på dig!

... sagt man in Schweden, wo man in Deutschland "Gute Besserung!" wünscht.   Also ein lieber Gruß nach Dresden und Hoppas att du snart är pigg igen.

Freitag, 25. Februar 2011

Schwedisierung

Wenn man einen Neuanfang wagt und auswandert, gibt es verschiedene Phasen der Eingewöhnung und Anpassung. Inwieweit jeder einzelne davon betroffen ist, hängt natürlich von einer ganzen Reihe von Faktoren ab, wie z.B. ob man weit wegzieht, wie anders die neue Kultur im Vergleich zur eigenen ist, ob man allein auswandert, wo man wohnt und arbeitet, von den Erwartungen, die man an das neue Leben knüpft, und natürlich von der eigenen Persönlichkeit.

Mein Ziel, als ich nach Schweden gegangen bin, war nicht unbedingt, ein vollständig assimilierter Teil der schwedischen Gesellschaft zu werden. Aber erleben, wie das Leben in Schweden so ist, wollte ich schon.  Ein wichtiger Schritt war natürlich, schwedisch zu lernen, auch wenn es nicht absolut notwendig ist, weil fast jeder englisch spricht. Aber schwedisch zu lernen, war mir von Anfang an wichtig, und das habe ich auch einigermaßen geschafft, was den alltäglichen Umgang z.B mit Papierkram erleichtert. Was die soziale Integration angeht, habe ich, bedingt durch meine Arbeit, hauptsächlich mit anderen Ausländern zutun. Die sind einfach in der gleichen Situation wie ich und deshalb aufgeschlossen und hilfsbereit, sodaß wir alle wie eine große Familie sind. Im Gegensatz dazu ist es schwierig, mit Schweden Freundschaft zu schließen. Die bleiben trotz freundlichen Umgangs auf Arbeit privat unter sich. "Wie lernt man Schweden persönlich kennen?" ist bei meinen Freunden und mir ein häufig diskutiertes Thema, für das wir noch keine zufriedenstellenden Antworten gefunden haben.

Abgesehen von der zwischenmenschlichen Anpassung an Schweden macht man kulturell natürlich mit, was sich so an Gelegenheiten bietet. Dazu gehören nicht nur Feste, sondern auch typisches Essen (ich sag nur surströmming).

Doch so ein paar Dinge habe ich mir bisher immer für Deutschland aufgehoben. Doch da ich ja mitunter monatelang nicht nach Deutschland komme, muß ich diese wohl oder übel angehen. Ob das einfacher wird, als mit einem Schweden Freundschaft zu schließen, wird sich herausstellen. Ich werde berichten.

Sonntag, 23. Januar 2011

Falsche schwedische Freunde

"Falsche Freunde" sind beim Sprachenlernen solche Wörter und Ausdrücke, die einen schon mal auf die komplett falsche Färte lotsen, weil man sie leicht mit Wörtern und Ausdrücken mit völlig anderer Bedeutung aus der Muttersprache verwechseln kann. Das kann dann durchaus zu Mißverständnissen und lustigen Situationen kommen.

Schwedisch ist dem Deutschen ja durchaus sehr ähnlich. Als Deutscher hat man gegenüber anderen Nationalitäten beinahe unfaire Vorteile beim Schwedischlernen. Oftmals kann man, wenn man ein Wort nicht kennt, einfach mal das deutsche Wort ausprobieren. Die Chance, daß man richtig liegt, ist schätzungsweise 70%. Trotzdem gibt es auch hier "falsche Freunde", hier ein paar Beispiele:
semester - nicht etwa ein Studienhalbjahr sondern das Wort für Ferien
termin - bedeutet dagegen Halbjahr oder Semester an der Uni
öl - auch ein "Schmiermittel": Bier
ost - findet man im Supermarkt, nicht auf der Landkarte: Käse
axel - etwas weiter oben angebracht ist die schwedische Schulter
kram - bedeutet Umarmung, auf norwegisch heißt die übrigens klem
bulle - haben die Schweden zum Fressen gern: Klößchen (wie köttbullar = Fleischklößchen) bzw. Kringel (wie kanelbullar - Zimtkringel)
stund - die schwedische stund dauert nur eine Weile, nicht etwa eine Stunde
ränta - die darf jeder bekommen, auch junge Leute: Zinsen
snabel - schwedische Elefanten haben ihn: den Rüssel, übrigens heißt @ snabel-a (Rüssel-a)
ficka - Tasche im Sinne von Hosentasche, eine Taschenlampe ist demnach eine ficklampa
blötkaka - ein ganz harmloser Kuchen (kaka), blöt heißt dagegen einfach naß
gammal - nicht etwa gammlig, sondern einfach nur alt
mogel, möglig - heißt tatsächlich Schimmel, schimmlich
snäll - nicht schnell, sondern lieb
förblöda - nein, nicht verblöden, sondern verbluten
gift - ja, heißt auch Gift, aber komischerweise auch verheiratet, hihi
villkor - ganz und gar nicht negativ behaftet: die Bedingung
titta - heißt ganz unschuldig schauen

Mehr Beispiele gibt es in der Wikipedia auch für andere Sprachen.

Eher zum Nachdenken anregend finde ich dagegen noch, daß das Wort skatt nicht nur Steuer bedeutet, sondern auch Schatz.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

schwedische Kinder und Vulkane

Ich vermute mal, die meisten Kinder finden Vulkane cool. Da ist es nicht weiter verwunderlich, daß meine Abteilungsleiter vor einiger Zeit eine Anfrage von einer Bibliothek hier in Uppsala bekam, ob nicht ein paar von uns Lust hätten, einen Beitrag in dieser Richtung für den sogenannten vetenskapsklub (Wissenschaftsklub) dieser Bibliothek zu gestalten. Zusammen mit einer Kollegin/Freundin aus England, mit der ich auch schon meinen Schwedischkurs gemacht habe, erklärte ich mich bereit dazu. Das ganze sollte für 15 bis 20 Kinder zwischen 10 und 12 Jahren sein und 1 bis 2 Stunden dauern.

Da wir beide keine Muttersprachler sind, erforderte die ganze Sache neben fachlicher und organisatorischer natürlich auch sprachliche Vorbereitung. Deshalb haben wir Anfang September eine Art schwedische Diskussionsgruppe ins Leben gerufen, wo wir uns auf schwedisch über Geologie und Vulkane unterhielten und uns die nötigen Vokabeln aneigneten. Abgesehen davon haben wir uns auch ausgedacht, was im Wissenschaftsklub veranstaltet werden sollte.

Wir entschieden uns für eine "Virtuelle Vulkanexkursion" mit allerlei Aktivitäten zum Thema Ausbruchsformen und -produkte mit Videos, Bildern und Experimenten. Wir hatten auch Mikroskope dabei und eine Menge Steine, Asche von der Eyjafjallajöjulleruption und Bimsstein. Die ganze "Exkursion" über mußten die Kinder ein eigenes "Geländebuch" ausfüllen, d.h. malen, einfache Fragen beantworten, und Bilder und Ascheproben einkleben.

Als Testlauf hatten wir uns von einem Kollegen seine beiden Söhne ausgeborgt, die mit uns eine Menge Spaß hatten am Montag Nachmittag. Gestern Nachmittag fand dann die eigentliche Veranstaltung in der Bibliothek statt, an der 17 Kinder teilnahmen. Zur Absicherung hatten wir uns noch einen unserer schwedischen Doktoranden mitgenommen. Aber es lief ganz gut mit dem Schwedisch, es war nur insgesamt sehr anstrengend. Ich bin jetzt noch völlig fertig.

Mein Fazit also: Lehrer zu sein, ist ein Knochenjob. Man verbrennt ca. 5000 kcal pro Stunde. und hat dauerhaft eine Körpertemperatur von 2°C über normal. Wir waren nur 2 Stunden zu Gange. Wie halten das Lehrer an Schulen den ganzen Tag aus? Ich bin nachträglich noch ganz gestreßt, was nicht zuletzt daran liegt, daß ich aufgrund der Vorbereitungen meine eigentliche Arbeit liegenlassen mußte. Außerdem vernachlässige ich meinen Besuch aus Göttingen. Schande auf mein Haupt!

Dienstag, 3. August 2010

Mein 1. Schwedenjubiläum!

Bevor ich heute irgendetwas arbeite, muß ich kurz dieses denkwürdigen Anlasses gedenken: Heute vor einem Jahr bin ich in Schweden angekommen. Gerade mußte ich noch einmal meinen Blogeintrag zu meiner Ankunft hier lesen. Die Zeit vergeht wirklich wie im Flug, nicht wahr? Aus einschlägigen Sendungen zum Thema Auswandern im TV weiß man ja: Wenn man es 1 Jahr aushält, hat man es geschafft.

Dabei würde ich nicht mal von Aushalten sprechen. In Schweden läßt es sich mehr als nur aushalten. In dem einen Jahr ist sooooo viel passiert, aber ich kann jetzt aus Erfahrung berichten, daß es auch fast ein Jahr dauert, bis man wirklich angekommen ist. Es gibt einfach zu viele neue, d. h. ungewohnte Dinge:
  • eine neue Sprache
  • neue Kollegen, Bekannte und Freunde
  • ein neuer Jobb mit neuen Aufgaben, Methoden etc.
  • ein neues Heim
  • eine neue Umgebung, inklusive anderem Klima, anderer Natur, anderer Architektur etc.
  • neue Behörden, Banken, Versicherungen
  • neue Essensangebote
  • ...
All das hat man in gewissem Maße auch, wenn man innerhalb Deutschlands in eine andere Stadt umzieht, aber definitiv nicht in derart geballter Form. Auswandern ist also ein Langzeitprojekt, das viel Kraft, Ausdauer, Offenheit, Initiative, Zeit und auch sehr viel Geld erfordert. Ein wirklich einschneidender Punkt im Leben, der bestimmt vergleichbar ist mit Familiengründung.

Nach einem Jahr kann ich auch sagen, daß ich immer noch am Anfang stehe. Zwar bin ich mit den wesentlichen Dingen des Alltags vertraut, ich spreche einigermaßen fließend schwedisch, ich habe Freunde (90% davon sind keine Schweden), ein Zuhause und bin mit meiner Arbeit zufrieden, aber das bedeutet nicht, daß es nicht noch Raum gibt für Verbesserungen. Es erfordert definitiv Überwindung, am Telefon einen Termin zu machen z.B. mit der Autowerkstatt. Ich bin mit meinem Schwedisch noch nicht so zufrieden, wie ich es gern wäre. Ich wäre gern in der Lage, richtigen small talk zu machen, so höflich zu sein, wie ich es für angemessen erachte, meine Lehrveranstaltungen wenigstens teilweise auf schwedisch zu halten. Außerdem hätte ich gern Kontakt zu echten Schweden in meiner Umgebung, mit denen ich nicht zur Not englisch sprechen kann. Dazu muß ich mir ein Hobby suchen oder irgendwie Kontakt zu meinen Nachbarn knüpfen, was beides nicht einfach ist und Überwindung verlangt. Aber all das sind wenigstens Ziele, die ich in meinem 2. Jahr in Schweden angehen kann.

Es gilt also noch immer, was ich vor einem Jahr sagte: Ich lebe noch, es geht mir gut, Schweden ist schön!

Mittwoch, 30. Juni 2010

Hejdå SFI!

Svenska kursen är nu slut, eftersom jag pratar flytande. (Der Schwedischkurs ist jetzt vorbei, weil ich fließend spreche.) Auf schwedisch klingt das irgendwie schöner. Trotzdem weiter auf deutsch: Tatsächlich ist an diesem denkwürdigen Tag meine letzte Prüfung meines zweiten SFI (svenska för invandrare = schwedisch für Einwanderer)-Kurses gewesen. Nach einer schriftlichen Prüfung mit 90 Minuten Leseverstehen, 30 Minuten Hörverstehen und 60 Minuten Schreibvertigkeit letzte Woche Dienstag, sowie einer mündlichen Prüfung mit Einzelgespräch und Dialog am letzten Mittwoch lag heute die letzte Prüfung an: noch eine mündliche Prüfung. Dieses Mal ging es darum, sich über Netmeeting mit meiner Weblehrerin in Malmö zu unterhalten. Diese hatte über die vergangenen 4 Monate meine Online-Hausaufgaben, die man zwingend für den Kurs erledigen mußte, korrigiert.

Jede solche Hausaufgabe umfaßte Schreibübungen, Leseverstehensübungen zu Texten im Lehrbuch, Grammatikaufgaben, Hörverstehensübungen und Sprechübungen, die man mit dem Computer aufzeichnen und als MP3 speichern mußte. Davon gab es zu jedem Kapitel im Buch eine. Thematisch ging es um geographische Landeskunde, Familienrecht, Ökonomie, Politik, Recht und Arbeit. Das heißt, manhat in diesem Kurs nicht nur die Sprache sondern auch viel darüber gelernt, was man als guter Bürger so wissen muß.

Sprachlich ging es darum, beliebige Texte lesen, beliebige Konversationen verstehen und führen zu können, sowie seine Meinung äußern zu können. Damit ist Stufe D abgeschlossen (Ich weiß nicht, wie sich das in den europäischen Referenzrahmen für Sprachen einordnen läßt.). Es besteht die Möglichkeiten, Kurse für svenska som andra språk (Schwedisch als Fremdsprache) zu belegen und bis zum Gymnasialniveau zu kommen, aber leider gibt es dazu keine Abendkurse. Wir werden also sehen, wie sich mein Schwedisch weiter entwickelt.

Insgesamt ist es aber für einen Deutschen möglich, innerhalb eines Jahres gut genug schwedisch zu lernen, um im täglichen Leben damit durchzukommen.

Samstag, 27. Februar 2010

Jag pratar svenska

Diese Woche war Prüfungswoche in meinem Schwedischkurs sfi (Schwedisch für Einwanderer). Am Dienstag wurde der schriftliche Teil erledigt, Donnerstag der mündliche. Nun fehlt nur noch das Gespräch mit der Online-Lehrerin, die meine Hausaufgaben korrigiert, dann wird die Note festgelegt. Aber ich denke, bestanden hab ich auf jeden Fall. Deshalb geht es ab nächstem Dienstag auch gleich weiter mit dem Nachfolgekurs, Kurs D (ich hab bei C angefangen).

Langsam bringt es sogar richtig was. Nun gut, Fortschritte gab es sowieso die ganze Zeit. Dafür ist schwedisch dem Deutschen einfach zu ähnlich. Aber mittlerweile ist der Knoten geplatzt, ich kann mich richtig unterhalten und verstehe eine Menge. Es fehlen nur noch mehr Wörter und etwas Übung. Aber dafür mache ich ja den nächsten Kurs. Wenigstens ist er bei der gleichen Lehrerin, was wirklich viel wert ist. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Der schwedische Telefonservice

Mal abgesehen, daß man in Schweden fast alles online erledigen kann, geht der direkte Weg zum Kundenservice meist der über das Telefon. Darum führt oft kaum ein Weg herum. Schon als ich hier angekommen bin, mußte ich beim Centrum für Vuxnas Lärande (Zentrum für Erwachsenenbildung) anrufen, um einen Termin zu machen, um mich für einen Schwedischkurs zu registrieren. Das ging nicht per Mail. Auch mein Festnetztelefon konnte ich nur telefonisch anmelden.

Überhaupt haben in Schweden scheinbar alle Unternehmen Telefonhotlines. Kein Wunder, daß Hörverstehen ein wichtiger Teil beim Schwedischkurs ist. Erst gestern haben wir eine Übung mit einer Ansage vom Telefonservice eines Kaufhauses gemacht. Ich telefoniere tatsächlich mehr mit schwedischen Hotlines, als mir lieb ist. Heute gleich schon wieder mit Agria, weil der Brief mit Leons Versicherung noch nicht da ist (er ist unterwegs).

Es gibt da wie in Deutschland auch diese Systeme, wo man sich mit Hilfe von Nummern durchwursteln muß oder wo man sagen muß, was man will. In Deutschland verstehen letztere einen ja grundsätzlich nie. Umso überraschter war ich, als ich gerade bei Vattenfall wegen der Stromrechnung angerufen habe. Auf die automatische Frage des Systems "Warum rufst Du an?" sagte ich "Betalningspåminnelse" (Zahlungserinnerung). Darauf der Computer: "Dein Anliegen hat mit der Rechnung zutun. Ist das richtig?" Ich: "Ja." "Dann verbinde ich Dich mit dem richtigen Mitarbeiter." Und durch war ich. Doch das war nicht alles. Ich wollte fragen, warum der Rechnungsbetrag nicht einfach abgebucht worden ist. Ich hatte ja eine Einzugsermächtigung geschickt. Ohne nach meinem Namen, meiner Personennummer, meiner Kundennummer oder der Rechnungsnummer zu fragen, sagte mir die Frau: "Ja, die Einzugsermächtigung gilt erst ab der nächsten Rechnung. Die beiden anderen vorher mußt Du so überweisen." Schön. Unkompliziert. Aber GRUSELIG! Die wußten, wer ich bin. Natürlich habe ich meine Nummer angegeben, als ich den Vertrag im Internet abgeschlossen habe. Aber das hat in Deutschland auch noch nie einem mitgeteilt, wer ich bin.

So gesehen, ist das mit den Telefonhotlines in Schweden einfacher als in Deutschland. Man erfährt auch, welche Nummer man in der Warteschleife hat und wie lange es noch dauert.

Und was lernen wir daraus?
VIELLEICHT ist in Schweden alles leichter. Zumindest am Telefon.
Auch am Telefon sagt man immer du, niemals Sie. Gesiezt wird nur die königliche Familie.

Zum Schluß noch etwas aus der Kategorie unnützes, empirisches Halbwissen: Am Telefon verabschieden sich die Schweden irgendwie immer mit "Hej!", was sowohl Hallo als auch Tschüß bedeutet. Aber im normalen Leben sagen sie zum Abschied eher "Hej då!" Ob da ein System dahintersteckt?

Sonntag, 7. Februar 2010

6 månader Sverige

Diese Woche war etwas stressig, weshalb ich nicht dazu gekommen bin, am 3. Februar mein Resumé über meine ersten 6 Monate in Schweden zu posten. Hier also der Nachtrag:

6 Monate! Die Zeit vergeht wirklich wie im Flug, besonders wenn man sich seine Alltagsroutine aufgebaut hat. Mittlerweile bin ich wirklich so richtig angekommen. Die Arbeit läuft. Das Heim ist eingerichtet. Es gibt keine großen Überraschungen mehr. Ich mache immer noch meinen Schwedischkurs. Mittlerweile bin ich sogar ganz zufrieden mit meinem Kurs, meiner Lehrerin und meinen Fortschritten - auch wenn ich schneller sein könnte, wenn ich mehr Zeit hätte zum Lernen. Ende diesen Monats ist dann auch die nationale Prüfung für den Kurs. Danach geht es weiter mit dem aufbauenden Kurs. Nach ca. 4 Monaten bin ich aber schon ganz zufrieden mit meinem Schwedisch. Ich verstehe Fernsehen und Radio ganz gut und Gespräche auch. Ich muß halt noch ein paar Vokabeln lernen und sprechen üben. Aber das ist ja generell so bei Sprachen. Also für den Hausgebrauch reicht es, sprich am Telefon Termine machen, nach dem Weg fragen, mit Kollegen plauschen, im Geschäft nach irgendwas fragen, im Internet Rezepte oder irgendwelche Informationen suchen,... Trotzdem werde ich den Kurs weitermachen. Er nimmt zar immer noch viel Zeit in Anspruch (5 Zeitstunden Unterricht allein plus online-Aufgaben und Hausarbeiten), aber er ist kostenlos und bringt wirklich was. Warum also nicht.

Abgesehen vom Schwedischkurs verbringe ich meine Wochentage natürlich mit Arbeiten. Über Langeweile kann ich mich dort auch nicht beklagen. Nächste Woche habe ich mal wieder 2 Stunden Lehre. Ansonsten gehts nach Ostern auf eine Tagung in Frankfurt und im Mai mit den Studenten auf eine Insel. Außerdem hält mich mein Chef auch so ganz gut auf Trab.

Neben Arbeit und Schwedischkurs bleibt dann nicht mehr viel Zeit für irgendwelche anderen Aktivitäten in der Woche. Am Wochenende gehen wir dann schon eher mal raus, neuerdings langlaufen, was sich hier in der Umgebung irgendwie anbietet: Viel Schnee, keine Berge, jede Menge Platz und Wege. Wir müssen nicht mal irgenwo hinfahren.

Es ist tatsächlich erstaunlich, wie wenig Spannendes ich nach einem halben Jahr noch zu berichten habe. Es ist alles irgendwie alltäglich geworden. Man findet nicht mehr alles so faszinierend wie am Anfang. Dabei war das schön und aufregend. Man betrachtete irgendwie alles wie ein Kind. Vielleicht sollte ich mich doch bemühen, wieder ein bißchen genauer hinzuschauen. Immerhin ist es schön und aufregend, hier zu leben! Also Augen auf!

Freitag, 22. Januar 2010

schwedische Clichés über Deutsche

Es scheint, als gäbe es gar keine Neuigkeiten mehr von mir, nicht wahr? Nun ja, um die Zeit bis zu den nächsten spannenden Ereignissen zu überbrücken, möchte ich kurz über die Clichés berichten, die die Schweden so haben, wenn es um Deutsche geht. Ich hatte bereits zuvor davon gehört, aber heute morgen war eine deutsche Band (die Baseballs) im Radio. Ich muß gestehen, ich kannte die drei Jungs (einer davon ist Schwede) bisher nicht, doch offensichtlich sind sie recht bekannt, auch in Skandinavien. Auf jeden Fall wurden zum Anlaß ihres Besuchs in der Morgensendung Rixmorgonzoo auf Rix FM alles an Clichés über Deutsche ausgegraben, was der Schwede so zu bieten hat. Hier die Meldung direkt von der Website (hoffentlich korrekt zitiert, ich will mir ja keinen Ärger einhandeln):

Fantastiska 50-talsbandet The Baseballs var morgonens gäster. De tar nya låtar och levererar dem i 50-talstappning. Lysande. Vi överraskade med guldskiva och tårta. Vi fick också veta att alla tyskar som varit i Sverige har en älg-dekal på bilen och eventuellt en älg-vägskylt i bakluckan. Schultz är som att heta Svensson informerade de också.

Für alle, deren Schwedisch ein wenig eingerostet ist, hier meine Übersetzung:
"Die fantastische 50er-Jahre-Band The Baseballs waren die Gäste des Morgens. Sie verwenden aktuelle Lieder und präsentieren sie im Stil der 50er. Brilliant. Wir überraschten sie mit einer goldenen Schallplatte und einer Torte. Außerdem fanden wir heraus, daß alle Deutschen, die in Schweden waren einen Elchaufkleber auf dem Auto haben und eventuell ein Elchschild im Kofferraum. Und sie informierten uns, daß Schulz so ist, als hieße man Svensson."

OK, abgesehen von der Schulz-Svensson-Sache, bei der es sich um Allerweltsnamen in Schweden und Deutschland drehte, ging es beim Radiogespräch um folgende Clichés:
  • Die Schweden glauben, die Deutschen sind notorische Elchschildklauer, was bestimmt nicht ganz aus der Luft gegriffen ist. Ich habe übrigens noch kein Elchschild - weder geklaut noch gekauft.
  • Die Deutschen sind nicht gut darin, sich in einer Schlange anzustellen. Dazu muß ich sagen: Die Schweden übertreiben es etwas mit ihren Schlangen (man muß überall eine Nummer ziehen und sich anstellen, in der Apotheke, bei der Post, im Handyladen...). Ich kann mir dieses Cliché nur so erklären, daß sie Deutschen lange nicht so geduldig sind und sich dann möglicherweise lautstark beschweren und die Schlange wechseln. Das ist für einen Schweden undenkbar.
  • Außerdem wurde noch die alte Geschichte mit den Handtüchern aufgewärmt, die Deutsche angeblich immer in aller Frühe auf die Liegen am Pool platzieren. Doch zu unserer Entlastung wurde gesagt, daß jetzt ja wohl die Russen die Ferienziele erobern und sich wesentlich schlimmer benehmen.
  • Ansonsten denkt man hier laut meiner Kollegen eigentlich nur das, was alle Welt von uns denkt: daß wir superpünktlich, fleißig, effizient und sehr pessimistisch sind. Diese Aussage kommt aus meinem internationalen Kollegenkreis, weshalb man sagen könnte, das ist es, was alle Welt denkt.
Da wollen wir doch mal sehen, ob ich die Schweden nicht in einigen Punkten vom Gegenteil überzeugen kann.

Donnerstag, 7. Januar 2010

God fortsättning!

wörtlich: Gute Fortsetzung!

Das wünscht der Schwede nach Neujahr, wo der Deutsche ein frohes neues Jahr wünscht. Ich habe schon unter den wenigen Kollegen, die in dieser Woche auf Arbeit sind, nachgefragt, warum man das sagt, aber leider ohne Erfolg. Doch ich bleibe dran und werde nächste Woche meine Schwedischlehrerin zu dem Thema befragen. Fortsättning följer.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

svensk fika

Da wir Einwanderer hier am Institut normalerweise englisch miteinander reden, sodass wir wenig Gelegenheit haben, schwedisch zu sprechen. Das ist natuerlich schade, wo viele von uns wöchentlich zum Schwedischkurs gehen. Hinzukommt, dass die Schweden es auch oft vorziehen, mit uns englisch zu sprechen. Aus diesem Grund haben wir uns vor einiger Zeit dafuer entschieden, einmal pro Woche bei der Kaffeepause nur schwedisch zu sprechen. Heute war das 2. svensk fika, und bisher ist es ein voller Erfolg.


Donnerstag, 5. November 2009

3 månader Sverige

3 Monate Schweden, ja, so lange bin ich schon wieder hier. Es ist kaum zu glauben, wie die Zeit vergeht und was sich in den 3 Monaten alles getan hat:
  • Ich bin von der unbezahlten Gastwissenschaftlerlin, zur stundenweise bezahlten Arbeitskraft zur richtigen Mitarbeiterin "befördert" worden.
  • Nachdem ich im August bei Kollegen zu Gast war, habe ich im September zur Zwischenmiete gewohnt, um ab Oktober ein eigenes Haus zu mieten.
  • Ich bin von einer reinen Fahrradfahrerin über das Stadium des täglichen Überlandbusreisens zur Autobesitzerin geworden.
  • Ich bin aus dem Gästebüro erst diese Woche in mein eigenes Büro umgezogen und habe seit gestern sogar Telefon.
  • Von Schwedisch-einigermaßen-verstehen-aber-nicht-wissen-was-ich-antworten-soll, bin ich mittlerweile zu ziemlich-gut-verstehen-und-holprige-Konversationen-führen-können fortgeschritten.
  • Die schönen Sommertage mit Sonnenschein bis 10 Uhr abends sind leider Schnee und Dämmerung ab 3 Uhr nachmittags gewichen.
Gut, mehr fällt mir gerade nicht ein. Das sind ja doch ganz beachtliche Fortschritte (bis auf den letzten Punkt). Ich bin aber nach wie vor sehr zufrieden, hierhergekommen zu sein. Natürlich gibt es noch so einige Baustellen (nicht zuletzt das Bad), aber die sind in Arbeit. Diesen Monat habe ich Großes vor (umziehen und Cat Transfer). Und mein Ziel ist, daß bis Ende des Jahres so etwas wie Normalität eingekehrt ist. Das ist doch ein guter Vorsatz.


Mittwoch, 23. September 2009

Ein laaanger Tag mit Exkursion und SFI

Heute (Ich schreibe hier aus der Mittwochsperspektive mit leichten Übergängen zum Donnerstag) war wieder einmal ein sehr anstrengender Tag, extrem anstrengend, weil lang. Heute morgen um 8 ging es auf Exkursion in die Gegend um die berühmte Dannemora Mine im Bergslagen-Gebiet. Einer der hiesigen Doktoranden hatte die Exkursion für Mitglieder meiner Abteilung und des SGU (den schwedischen geologischen Dienst/Amt, mein Deutsch versagt momentan im Angesicht der Menge an Englisch und Schwedisch um mich herum, also des survey auf neudeutsch) organisiert. Ich dachte, es wäre eine gute Gelegenheit, ein bißchen von der lokalen Geologie mitzubekommen, wenn ich schon mal hier bin. Und es war eine gute Idee: Das Wetter war phänomenal schön. Die Geologie ist beeindruckend mit metamorphen und mehrfach deformierten Vulkaniten und Sedimenten, die vor 1.89 Mrd Jahren eruptiert bzw. abgelagert wurden und nachträglich mineralisiert wurden. Ich wünschte wieder mal, ich hätte eine Kamera hier.

Wie versprochen waren wir um 17 Uhr zurück am Institut, wo ich mich aufs Fahrrad geschwungen habe, um eine halbe Stunde später an der Schwedischschule anzukommen. Ich hatte es nicht mal geschafft, meinen verbliebenen Apfel zu essen. Es folgte eine Stunde Einweisung in das Internetprogramm, in dem man einen Teil des Kurses zu absolvieren hat. Der Kurs svenska för invandrare (SFI) C soll bis Ende Februar dauern. Er besteht aus Unterricht vor Ort 2x die Woche für 2,5 h mit der Lehrerin. Der Kurs wird von der Kommune bezahlt, wir kriegen also alles gestellt. Sogar die Bücher bekommen wir geliehen. Der 2. Teil des Kurses besteht darin, daß man online Aufgaben löst (Leseverstehen, schreiben, Grammatik, Vokabeln, Sprechübungen, die man aufnehmen muß). Kurs C hat 7 Teile. Am Ende jedes Teils muß man eine längere Hausaufgabe mit mehreren Teilaufgaben an eine Lehrerin schicken, die in Malmö sitzt und die Hausaufgabe bewertet. Hat man einen Teil bestanden, kann man den nächsten angehen. Am Ende kann man die Prüfung für den C-Kurs machen. Man kann den online-Teil so schnell durchlaufen, wie man möchte, was gut ist, denn der Unterricht war für mich sehr langweilig. Da ich 2 Jahre norwegisch gelernt habe, verstehe ich schwedisch einigermaßen. Ich kann es nur nicht sprechen. In meinem Kurs sind aber vorwiegend Nichteuropäer, was es für sie zusätzlich schwierig macht. Nur ein Beispiel: Nach der Stunde fragte der junge Mann hinter mir, ob die Lehrerin nicht mal erklären könnte, was der Buchstabe "a" mit den 2 Pünktchen drüber bedeutet...

Nun ja, nach Unterrichtsschluß bin ich dann schon halb verhungert in die Innenstadt geradelt, wo sich einige der Exkursionsteilnehmer bei einem Italiener zum Essen verabredet hatten. Ich war dank des Kurses schon eine dreiviertel Stunde zu spät. Die anderen bekamen gerade ihre bestellten Gerichte. Doch erstmal hat es ewig gedauert, bis uns der Kellner bemerkt hat, um mir die Karte zu bringen, und dann hat er auch noch vergessen, meine Bestellung aufzunehmen. Ich war kurz vorm Hungertod, als wir endlich seine Aufmerksamkeit erregen konnten. Das Essen war sehr gut, das Ambiente auch, die Preise gehoben aber in Ordnung. Trotzdem werde ich da freiwillig nicht nochmal hingehen. Mit mir ist nicht zu scherzen, wenn ich hungrig bin!

Dann bin ich jedenfalls doch noch in die Septemberwohnung geradelt - mit kurzem Umweg übers Institut, um zu sehen, ob das Paket von meinen Eltern angekommen war. Leider nicht ;-( Na ja, ich bin dann verständlicherweise totmüde ins Bett gefallen und habe mir den Luxus gegönnt, heute bis 9 auszuschlafen. Puh!