Der Eurovision Song Contest ist in Schweden sowas wie die jährliche Fußball-Europameisterschaft, das absolut wichtigste Fernsehereignis des Jahres, auf das man sich monatelang mit den eigenen Vorausscheiden vorbereitet. Verständlicherweise war
das Ausscheiden der letztjährigen Teilnehmerin für Schweden beim Halbfinale. Das war ein Schlag für die schwedische Abba-Seele, ein kollektives Trauma, auf das man aber - typisch schwedisch - mit Selbstreflexion statt Wut reagierte.
Umso verwunderlicher, daß man (eine Jury und das Fernsehpublikum) in diesem Jahr einen derartigen Schrottbeitrag aufergewählt hat. Der Sänger, Erik Saade, ist letztes Jahr auf Platz 3 gelandet und durfte zum Trost die schwedischen Punkte nach Oslo schicken. Schon letztes Jahr war sein Lied "ManBoy" eine typische Ein-Mann-Boygroup-Pop-Nummer. Das diesjährige Lied, "Popular" ist aber leider noch furchtbarer, sozusagen eine Karikatur des letztjährigen, also eine Ein-Mann-Boygroup-Pop-Nummer-Karikatur. Da kann Dieter Bohlen bessere Lieder schreiben!
Glücklicherweise steht Schwedens Beitrag jetzt mit allen anderen auf der offiziellen Website des Eurovision Song Kontest, und zwar
hier.
Bitte, tut es Euch an, einmal nur. Und dann sagt mir, was Ihr davon haltet.
Meiner Meinung nach, wird Schweden im Halbfinale hochkant rausfliegen. Wenn alle Lieder so furchtbar sind, hat Lena ja vielleicht doch eine Chance.
Kleine, unnütze Seiteninformation: Die Fähnchen, die im Publikum bei Erik Saades Auftritt geschwenkt werden, sind übrigens nicht schwedisch, sondern
åländisch. Vielleicht waren es ja die Åländingar, die sich heimlich im Namen Finnlands gegen Schweden verschworen haben,
schnell mit der Fähre nach Stockholm gekommen sind und für den schlimmsten Kandidaten angerufen haben.