Freitag, 30. September 2011

Islandbericht Teil 3: Geländearbeit im Nordosten

Der Vollständigkeit halber kommt jetzt endlich der dritte Islandbericht, der über unsere Geländearbeit im August. Aus Zeitgründen und weil ich aus Island direkt schon ein bißchen geschrieben habe, erfolgt die Berichterstattung hauptsächlich in Bildern.
Das Flugzeug auf dem Flughafen von Reykjavik kurz vor dem Inlandsflug nach Egilstadir. Das bedeutet: 1 Stunde fliegen statt 10 Stunden Auto fahren.
Der schönste Berg Islands, der Hvitserkur, gleich am ersten Abend zur Einstimmung. Im Vordergrund: meine schwedische Doktorandin, ein Freund und Kollege, der vor mehr als 25 Jahren nach Island ausgewandert ist.
Geologen wissen, warum ich mich freue.
Am Fuße der Dyrfjöll (Türberge). Die Tür ist nicht zu sehen, aber der Weg hierher hat sich trotzdem gelohnt. Wir haben ungefähr 30 km von dem hellen Gestein genau vor uns den Berg runtergeschleppt.
Ein erster Vorgeschmack auf den Nebel, der uns die meisten Geländetage verdorben hat. Mal abgesehen vom Regen.
Der zweite Tag, das erste Mal nasse Schuhe und Füße, das letzte Mal trockene Schuhe und Füße.
Der Hvitserkur an einem der beiden Tage mit gutem Wetter. Ist er nicht wunderschön (steil). So und jetzt stelle man sich vor, daß wir zur Hälfte hochgeklettert sind, um Proben zu nehmen. Und von dort ist dann die Kamera 200 m runtergerollt. Kaum zu glauben, daß ihr nix passiert ist.
Am gleichen Tag. Zumindest auf den Bergen war das Wetter schön. Hinten rechts wieder der Hvitserkur. Vor uns grünes Gras, Blumen, Steine. Nach tagelangem Regen und Nebel kann man nur mit staunenden Augen die Farbenpracht bewundern.
Den Rucksack voller Steine. Ach war die Sonne eine Wohltat.
Ja, das ist echt und kein Acker oder sowas. Stattdessen entsteht dieser Boden durch Frost- und Tauzyklen.
Feierabend. Der lange Tag des guten Wetters hat uns eine Menge Proben eingebracht. Und man glaubt es kaum: innerhalb von 5 min waren wir von Nebel umgeben, und dann war das gute Wetter wieder vorbei.
Ein weiterer Geländetag. Diesmal war das Wetter auf Meereshöre besser als in den Bergen (besser, nicht gut). Dafür war der Geruch nicht so gut, was an diesem verwesenden Minkwal gelegen hat. Der arme Kerl war hier wohl gestrandet.
Der letzte Geländetag, eine Schönwetterblase genau da, wo wir hinwollen. Die Mission: rauf auf den Berg und Proben nehmen, vor allem von dem kammartigen Gipfel weiter vorne.
Eins der tollsten Erlebnisse, die ich bis jetzt in Island hatte: Eine Herde von vielleicht 100 Rentieren rennt etwa 50 m vor uns über ein Schneefeld. Klingt wie ein Wasserfall. Übrigens war unser Vermieter Jäger, der andere Rentierjäger führt. Eigentlich hätten wir ihm von unserer Sichtung berichten müssen, haben wir aber nicht gemacht. Hoffentlich haben alle die Jagdsaison überlebt.
Der Berg war extrem steil. Hochzukommen war anstrengend genug, aber runter ist für die Knie die Hölle, besonders mit dem Rucksack voller Proben. Da haben wir aus der Not heraus das Skifahren ohne Skier erfunden. Ging ziemlich gut, auch wenn ich nicht sehr elegant war.
So, das war ein visueller Bericht von der Geländearbeit im August. Mittlerweile haben sich meine Knie wieder erholt, nur das Gefühl, den Sommer verpaßt zu haben, ist geblieben.

Donnerstag, 29. September 2011

Schwedisierung: Besuch beim glasögonspecialist (Optiker)

Nach mehr als zweieinhalb Jahren, in denen ich nicht beim Optiker war, war es dringend Zeit, meine Augen testen zu lassen, bevor ich neue Kontaktlinsen bestellen konnte. Außerdem war es höchste Zeit, mir überhaupt wieder eine Brille (glasögon) machen zu lassen. Meine 16 Stunden täglich,  7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr Kontaktlinsengewohnheiten sind nämlich nicht besonders gesund für die Augen, auch wenn ich eigentlich nie Probleme hatte. In Chile mußte ich nach einer Nacht auf dem Altiplano meinen Kontaktlinsenbehälter auftauen, bevor ich die Linsen reintun konnte, aber das war nicht so schlimm.

Also hatte ich vor 3 Wochen einen Sehtest (synundersökning) beim Optiker (optiker) hier in Uppsala. Das ganze hatte ich einfach übers Internet gebucht und dann am Telefon etwas abgestimmt. Ein Sehtest für Kontaktlinsen kostet 395 SEK (ca. 43 €), einer für eine Brille 295 SEK. Beim Kontaktlinsendings ist aber die Brillenuntersuchung schon mit drin. Funktionieren tat das ganze wie ich das aus Deutschland auch kannte: Buchstaben vorlesen, durch seltsame Geräte schauen, runter gucken, hoch gucken usw. Das einzige, was seltsam war, was, daß ich meine Kontaktlinsen anfangs drinhatte und dann rausnehmen sollte. In Deutschland durfte ich sie die 7 Stunden vor der Untersuchung nicht tragen. So oder so haben sich meine Augen aber erstaunlicherweise seit dem letzten Sehtest nicht verschlechtert. Eine positive Überraschung.

Nach dem Sehtest, der etwa eine halbe Stunde dauerte, bestellte Karin, die nette Optikerin im Laden, meine Kontaktlinsen. Nach 3 Tagen bekam ich dann eine SMS, daß ich sie abholen konnte. Zu dieser Gelegenheit habe ich mir dann gleich mal eine Brille ausgesucht. Der Optiker, der mich dabei beraten hat, war sehr nett. Ich mußte ihn nur bei der Farbe der Brillengestelle bremsen, denn offensichtlich ist lila gerade die Modefarbe. Einige der Brillengestelle, die er mir empfahl und die mir wohl standen, sind den Brillen meiner Schwester sehr ähnlich. Darauf sagte der Optiker, daß ich meiner Schwester zu ihrem guten Brillengeschmack gratulieren soll (also Gratulation! sera). Am Ende wurden es zwei Brillen zum Preis von einer, was mir auch die Auswahl erleichterte.

Nach eineinhalb Wochen konnte ich dann die Brillen abholen. Jetzt muß ich mich nur noch an sie gewöhnen. Nach den ersten paar Stunden hatte ich ganz schön Kopfschmerzen. Außerdem wird mir noch etwas schwindlich beim Laufen. Aber das wird schon werden.
Die eine Brille. Mit dünnem Rand. Trägerin war heute Morgen noch ziemlich verschlafen.

Die Schwester-Brille. Und ich muß sagen, der Optiker und der Freund haben recht.

Montag, 19. September 2011

Zurück in der Realität

An sich war ich ja nicht verreist oder im Urlaub, aber die letzten Wochen fühlten sich doch an, als hätte ich nicht an meinem Leben teilgenommen. Schuld war der Pädagogikkurs, der mich die letzten 2 Wochen vollständig in Beschlag genommen hat. Der Kurs ist zwar noch nicht ganz vorbei - es warten noch einige Hausaufgaben und 3 Tage Kurs im Oktober und November auf mich -, aber ich bin endlich wieder in meinem Büro und kann meiner Routine nachgehen. Ich bin schon ein echtes Gewohnheitstier.

Auf jeden Fall fand ich es sehr anstrengend, daß sich die Welt neben meinem Kurs auch noch weitergedreht hat, sprich daß ich am Ende des Tages trotzdem genauso viele Emails und Aufgaben in meinem Büro vorgefunden habe wie sonst auch. Das führte natürlich zu Verzögerungen und Stress, sodaß ich am Freitag nur froh war, daß die Arbeitswoche zuende war.
Nun nach einem Wochenende mit Gartenarbeit, Holzhacken und Ausschlafen fühle ich mich bereit und motiviert, wieder in die Realität einzutauchen.

Samstag, 10. September 2011

Gefräßiges Schweigen

Da es hier ja durchaus hin und wieder kulinarisch zugeht und kochen eines meiner Hobbies ist, das ich zufällig auch mit Freunden und Familie teile, bin ich nun Teil eines aufregenden und neuen Kochprojekts, dem blog voracious silence (wörtliche Übersetung des Ausdrucks "gefräßiges Schweigen"). Schaut doch mal vorbei.

Donnerstag, 8. September 2011

Zurück auf der Schulbank

Eigentlich schreibe ich diesen Blogbeitrag nur, um nicht meine Hausaufgaben machen zu müssen. Ja, ich gehe sozusagen wieder in die Schule. Und zwar nehme ich derzeit an einem Kurs über Pädagogik für Universitätslehrer teil. Das ganze wird mit ca. 5 Wochen Vollzeitarbeit berechnet und dauert zunächst einmal 2 Wochen, in denen ich hier am Pädagogischen Institut den ganzen Tag im Kurs sitze. Dann gibt es Tonnen von Hausaufgaben und noch einmal 4 oder 5 Tage Kurs im Oktober und November.

Im Kurs sind außer mir noch 23 andere Universitätsangestellte aus allen Fachrichtungen. Da ich im englischen Kurs sitze, sind es Leute aus allen Ländern Europas, den USA, China und Indien. Diese Woche bestand aus einer Menge verschiedener Vorlesungen über Unterrichtsmethoden, Gruppenarbeit, Evaluation, den Umgang mit schwierigen Studenten usw. Außerdem gibt es sehr viele Gruppendiskussionen und Aktivitäten, unterbrochen von Kaffeepausen und bezahltem Mittagessen. Das ist alles ziemlich anstrengend, sodaß ich nach 16:30, wenn der Kurs zuende ist, leider nicht allzuviel von meiner eigentlichen Arbeit schaffe.

Morgen hat meine Gruppe eine Sitzung, in der wir beim Unterrichten gefilmt werden. Danach schauen sich das alle zusammen an und geben Feedback. Wie peinlich! Wer sieht sich schon gern auf Video? Auf jeden Fall bin ich froh, wenn diese Woche vorüber ist. Außerdem bin ich ab morgen auch nicht mehr allein mit den Kitties.

Montag, 5. September 2011

Islandbericht Teil 2: Museumstour in Reykjavik

Zeit für Teil 2 des Islandberichts. Nachdem wir mit dem Bus in Reykjavik angekommen waren und es auch dort regnete und stürmte, entschieden wir uns gegen den Campingplatz und für die Übernachtung in einem Gästehaus mit Dach, Dusche und Frühstück. Das ist zwar nicht wirklich billig in Reykjavik, aber für 3 Nächte war es uns das wert. Insgesamt hatten wir also noch zweieinhalb Tage, bevor wir uns mit meinem Chef und der neuen Doktorandin treffen sollten. Zeit genug für ein wenig Sightseeing. Am günstigsten ist es, wenn man sich eine sogenannte Welcome Card kauft. Die kostet für 24 Stunden 1900 ISK (ca. 12 €) und für 48 Stunden 2400 ISK (ca. 15 €). Für diesen Preis gibt es freien Eintritt in eine ganze Reihe von Museen und in sieben der Schwimmbäder in Reykjavik, sowie die kostenlose Nutzung der Busse und Rabatt in einigen Touristengeschäften.

Abgesehen von zwei Abenden in herrlich heißen Hot Pots im Schwimmbad haben wir uns vier Museen angeschaut. Im Folgenden eine kleine Zusammenfassung.

871±2 - Die Besiedlungsausstellung
Das neueste Museum Reykjaviks befindet sich direkt im Zentrum unter einem Haus im Keller. Hier gibt es das älteste Haus Reykjaviks zu sehen, ein Langhaus aus der Zeit kurz nach der Besiedlung durch die Vikinger. Eine Mauer, die zum gleichen Haus gehört, ist sogar älter als die sogenannte "Besiedlungsschicht", eine Ascheschicht aus dem Jahre 871±2, die zur Datierung der Besiedlung benutzt wird.

Um das eigentliche Haus herum gibt es jede Menge Information über das Leben zur Zeit, als das Haus bewohnt war, über die Besiedlung, Bauweise und Kultur. Das ganze ist mit jedem nur möglichen technischen Schnickschnack aufgearbeitet, den man sich vorstellen kann: Touchscreens, Smartboards, interaktive Videos etc. Doch all das kommt zu einem wirklich guten Gesamterlebnis zusammen, das es einem möglich macht, sich wirklich in die Zeit zurückzuversetzen. Die Besiedlungsausstellung ist wirklich einen Besuch wert.
Eingang zum Museum im Keller des Hauses.
Blick über das ausgegrabene Langhaus. Die Lichtstimmung unterstützt die Gesamtpräsentation.
Ein kurzer Eindruck aus der Innenstadt:

Vikin - Das maritime Museum
Das maritime Museum liegt am Hafen in der Nähe der Whale Watching Stationen. Schon von Außen sieht man die Boote, die zum Museum gehören, ein gelbes Fischerboot und ein größeres Militärboot. Im Inneren geht es vor allem um die Fischereigeschichte Islands. Leider ist ein Großteil der Ausstellung in isländisch. Die Exponate und die gesamte Ausstellung macht leider einen etwas altmodischen Eindruck. Einen Besuch kann man deshalb nur echten Fischereienthusiasten empfehlen.
Der Eingang des maritimen Museums.
Exponat zum Thema Trockenfisch.
Árbær - Freiluftmuseum zur Stadtentwicklung
Dieses Museum liegt in den Außenbezirken der Stadt und ist mit dem Bus in einer halben Stunde zu erreichen. Es ist ein Freiluftmuseum, das um den Bauernhof Árbær herum angelegt wurde. Im Prinzip handelt es sich um eine Sammlung originaler Häuser aus verschiedenen Epochen der Stadtentwicklung. Die Häuser wurden als ganzes auf das Gelände transportiert und mit Möbeln aus der jeweiligen Zeit (teilweise direkt aus den dazugehörigen Häusern) ausgestattet. Außerdem gibt es Angestellte, die in Kostümen passenden Aktivitäten nachgehen. So gibt es zum Beispiel Soldaten aus dem zweiten Weltkrieg, die Liebesbriefe schreiben, Drucker, Schafmelker und Hersteller von Schuhen aus Fischleder. Kinder können sogar mit Spielsachen aus alten Zeiten spielen.
Am Eingang des Árbær-Museums.
Das Museum ist sehr schön und ist mit Liebe zum Detail aufgebaut. Zum Eindruck gehört auch, daß man außerhalb der Grenzen des Museums die Stadt mit Hochhäusern und Lärm wahrnimmt, und in den Häusern in eine völlig andere Zeit abtauchen kann. Ein Besuch des Museums lohnt sicht also mit der ganzen Familie.
Der "Stadtplan" des Museums. Da ist definitiv noch Platz für mehr Häuser.
Die Kirche mit Grasdach ist sogar in Betrieb.
Das Haus hinter der Statue ist Teil des Bauernhofes, der hier original steht.
Säcke mit Schafwolle in der Scheune des Bauernhofes.
Ein Haus, das noch immer restauriert wird.
Das Nationalmuseum
Nach drei Museen am ersten Tag haben wir uns am zweiten Tag noch das Nationalmuseum angeschaut. Dort geht es auf zwei Hauptetagen um die kulturelle und politische Entwicklung der Nation Island. Die Ausstellungsstücke sind sehr beeindruckend, vor allem die Fundstücke aus verschiedenen Vikingebauernhöfen und die Bischofsgewänder. Die Ausstellung ist sehr umfassend. Leider waren wir schon etwas übersättigt von all den Museen, aber das Museum ist definitiv empfehlenswert. Außerdem hat es einen recht großen Museumsshop und ein sehr schönes Café.
Das Nationalmuseum von außen.
Das waren also die zweieinhalb Tage Sightseeing in Reykjavik. Insgesamt kann man nur zum Kauf einer Welcome Card raten. Der Preis ist  duchaus gerechtfertigt, denn der Eintritt zu jedem der Museen kostet 1100 ISK und der Bus erleichtert einem vieles. Außer den Museen, die wir uns angeschaut haben, gibt es noch einige Kunstmuseen, die in der Karte inbegriffen sind. Mit etwas Shopping und Kunst läßt es sich also durchaus noch länger in Reykjavik aushalten. Doch für uns waren zweieinhalb Tage Tourismus genug Menschen, Kultur und Zivilisation.