Nachdem vor einiger Zeit Hollywood über Schweden hergefallen ist, um Stieg Larssons "Verblendung" (im schwedischen Original "Män som hatar kvinnor" und im jetzigen englischsprachigen Original "The girl with the dragon tattoo") nachzudrehen, mußte ich dieses Remake unbedingt sehen, zumal ein kleiner Teil des Films in Uppsala gedreht wurde. Ich bin dem amerikanischen Bedürfnis, das Rad jedes Mal neu zu erfinden, sprich gute und erfolgreiche internationale Filme nochmal nachzudrehen, gegenüber eigentlich skeptisch eingestellt. In diesem Fall konnte ich es erst recht nicht verstehen, weil die original Stieg Larsson Filme sehr, sehr gut gemacht sind. Ich bin also mit einem guten Maß Skepsis ins Kino gegangen.
Ich möchte jetzt auf keinen Fall den Inhalt des Filmes wiedergeben oder die eigentliche Geschichte bewerten. Was viel mehr interessiert, sind die folgenden Fragen:
Unterscheidet sich das Remake stark vom Original?
Nun ja, es wurde schon sehr darauf geachtet, den Inhalt nicht so stark zu verändern. Der wesentliche Handlungsverlauf ist gleich. Vielleicht sind es etwas weniger Details. Vor allem gegen Ende nimmt das Tempo stark zu und wirkt etwas gehetzt. Auch wird etwas weniger über die Personen und ihre Hintergründe berichtet.
Der größte Unterschied besteht tatsächlich darin, daß es natürlich andere Schauspieler in den Hauptrollen gibt: Daniel Craig als Journalist Mikael Blomkvist und Rooney Mara als Lisbeth Salander. Die Original-Lisbeth Noomi Rapace ist durch ihre Rolle zur Legende geworden und spielt derzeit die weibliche Hauptrolle im zweiten Sherlock Holmes Film. Sie hat die Rolle derart gut gespielt mit echtem Mut zur Häßlichkeit, daß jede andere Schauspielerin nur eine Kopie sein kann. Und so hat Rooney Mara ihre Sache zwar gut gemacht, aber war irgendwie zu hübsch und zu stylisch. Eine Holywood-Interpretation eben. Da kam ein deutlich normalgewichtigerer (er hat für die Rolle seine Bond-Form weggefuttert) Daniel Craig als Antiheld Mikael realistischer Rüber. Gestört hat nur, daß man mit dem Gesicht immer James Bond assoziiert, was irgendwie seltsam rüberkommt in der Kulisse. Übrigens ist aber der Vorspann des Films sehr Bond-mäßig.
Wie schwedisch ist das Hollywood-Remake des Films denn noch?
Der Film ist überraschend schwedisch. Alles (zumindest die Außenszenen) wurden in Schweden gedreht: recht viel in Stockholm, dann auf der Insel, wobei ich keine Ahnung habe, wo genau die ist, und dann die Szenen in Hedestad, die in Uppsala auf der Drottninggatan unterhalb des Schlosses gedreht wurden. Die Szenerie spielt eine ziemlich große Rolle, weshalb man viele Details sieht wie die U-Bahn in Stockholm, die schwedische Bahn, das Anwesen und das Sommerhaus auf der Insel, Polizeireviere, usw. Auch auf andere Details wurde geachtet: Sämtliche Marken von Kaffee und Brötchen zum Mitnehmen, Kaffeeautomaten, Fernsehsender, Polizeiuniformen sind echt. Für mich ist das etwas seltsam, daß es in einem Hollywoodfilm genauso aussieht wie in meinem Alltag. Vielleicht kennen sich ja Leute mit Tatortkommissaren in ihrer Stadt damit besser aus. Für mich ist es seltsam.
Ach ja, geschätzte 80% der Schauspieler sind Schweden, was außer dem Aussehen im deutschen Kino natürlich nicht auffallen wird. Doch im englischsprachigen Original ist der schwedische Akzent noch ein anderes Detail, daß der Film für mich seltsam surreal ist. Und nochwas: auch die nichtschwedischen Schauspieler sprechen die schwedischen Namen und Ortsbezeichnungen sehr korrekt aus.
Lohnt es sich das Hollywood Remake mit Daniel Craig zu sehen, wenn man die Originalfilme kennt?
Meine Meinung: ja. Der Hollywood-Film ist sehr gut gemacht und natürlich von Haus aus eine gute Geschichte. Insgesamt ist er weniger düster und verstörend als das Original. Also viel Spaß beim Kinobesuch.



















































