Montag, 30. September 2013

Berufsbedingte Schizophrenie

Neulich hatte ich in einer Sitzung der Institutsleitung ein seltsames Erlebnis. Eine Delegation der Fakultätsleitung, die sich mit Wissenschaftskommunikation beschäftigt, will im Oktober unser Institut besuchen. Zu diesem Anlass sollen sich Repräsentanten verschiedener Gruppen und Abteilungen finden, die die Delegation treffen und ihre Fragen beantworten. Ich hatte mich von meinem Abteilungsleiter breitschlagen lassen, unsere Abteilung zu vertreten, weil ich einen ganz guten Überblick über unsere Forschung habe. Im besagtem Meeting ging jedenfalls unser Institutsleiter die Namen durch, die ihm bisher als Repräsentanten vorgeschlagen worden waren. Außer mir stand nur der Leiter des Kommunikationsrates und der Austauschbeauftragte auf der Liste. Daraufhin meinte die Chefin unserer Administration nur, daß es doch wichtig wäre, wenn auch jemand dabei wäre, der die Forschung vertreten könnte. Da mußte ich dann erstmal protestieren. Ich bin schließlich in erster Linie Forscherin. Auch der Institutsleiter und die Abteilungsleiter haben für mich Partei ergriffen, zumal sie ja auch im gleichen Boot sitzen.

Auf jeden Fall hat mich die ganze Sache zum Nachdenken über die schizophrene Rollenverteilung in meinem Berufsfeld gebracht. Offiziell bin ich 60% meiner Arbeitszeit Forscherin, 20% Lehrerin und 20% Stellvertreterin des Institutsleiters, was Räume und Hausmeisterdienste angeht. Ich spiele also täglich drei verschiedene Rollen, in denen ich mich unterschiedlich wohlfühle. Meine Forscherrolle ist die natürlichste für mich. Das bin wirklich ich, auch außerhalb der Arbeitszeit. Meine Lehrerrolle habe ich mittlerweile auch ganz gut im Griff. Es macht mir mehr und mehr Freude, anderen etwas beizubringen und Studenten in ihrer Entwicklung zu betreuen. Meine neueste Rolle in der Institutsleitung hat mir sozusagen über Nacht Verantwortung für fünf Angestellte, ein größeres Budget und strategische Entscheidungen, die das ganze Institut betreffen verschafft. Es hat fast ein Jahr gedauert, bis ich mich in dieser Rolle einigermaßen daheim gefühlt habe. Nach einem Jahr mit allen drei Rollen simultan wachse ich jedenfalls langsam wieder zu einer Person zusammen.

Nichtsdestotrotz ist es so, daß die meisten in ihrem Arbeitsalltag wahrscheinlich immer nur eine Person sein müssen. Die Chefin der Administration ist wahrscheinlich immer nur in ihrer Rolle als Chefin der Administration unterwegs. Ich habe keine Ahnung, ob es in anderen Berufen eine vergleichbare Schizophrenie gibt.

Wahrscheinlich fühlen sich die meisten nur wie gespaltene Persönlichkeiten, wenn sie im Beruf und im Privatleben verschiedene Rollen spielen, Angestellter und Elternteil zum Beispiel. Das ist bei mir eher nicht der Fall, da ich mein "Forscherego" immer mit nach Hause nehme. Meine Lehrer- und meine Chefsrolle lasse ich dagegen auf Arbeit und vermeide wenn möglich, mich von ihnen am Wochenende stören zu lassen.

Puh, das ist ganz schön philisophisch geworden. Würde  mich aber schon interessieren, ob Ihr auch gespaltene Persönlichkeiten seid.

Weintrauben und Hopfen

Es ist Herbst, und das bedeutet hier wie überall Erntezeit. Dabei ist es mitunter überraschend, was man hier auf 60°C Nord so alles ernten kann. 

Heute haben wir sowohl Hopfenblüten als auch fast zweieinhalb Kilo blaue Weintrauben in unserem Garten geerntet. Die Trauben wachsen an der Südfassade des Hauses und das Ergebnis eines fantastischen Sommers. 

Mal sehen, was wit mit dem Hopfen und den Trauben anfangen.

Sonntag, 29. September 2013

Einrichten für den gemütlichen Teil des Jahres

Jetzt wo die Tage rapide kürzer werden und es draußen ungemütlich wird, ist es an der Zeit, es sich drinnen extra gemütlich zu machen. Im Schwedischen gibt es das Wort mysig, was angenehm und gemütlich bedeutet. Es sich am Freitagabend mit Chips vor dem Fernseher gemütlich machen, nennt der Schwede fredagsmys. Sich an dunklen Herbsttagen drinnen einzukringeln bezeichnet er als höstmys.

Für mein höstmys habe ich heute neue Kissenbezüge genäht, nachdem ich endlich den perfekten Stoff passend zur Wohnzimmereinrichtung gefunden habe. Jetzt bin ich bereit für den Herbst. 

Samstag, 14. September 2013

Das ultimative Schweden-Vogelhäuschen

Nach Stunden und Tagen mühevoller Arbeit habe ich heute endlich mein erstes selbst gebautes Vogelhäuschen aufgestellt. Die Fütterungsstation ist vom Aussehen her unserem Haus nachempfunden und soll im Winter der Unterhaltung der Katzen dienen. Sowohl vom Wohnzimmerfenster als auch vom Balkon aus hat man gute Sicht auf die hoffentlich zahlreich dort speisenden Vögel. Aber auch ohne Vögel waren Ginny und Leon schon sehr interessiert an dem Häuschen, das da auf einmal auf einem Podest auftauchte.
Das Häuschen besteht aus Leimholz und ist mit Akryllack auf Wasserbasis lackiert.
Als Dachbelag habe ich einen Fußabtreter zurechtgeschnitten und mit der Unterseite nach oben aufs Dach genagelt.
Das Häuschen ist auf ein Brett geschraubt, das wiederum auf einem quadratischen Kantholz befestigt ist, der in einem dafür passenden Erdanker steckt.

Donnerstag, 12. September 2013

Heimliche Bekenntnisse zur Herbstliebe

Daß der Sommer in Schweden heilig ist, ist kein Geheimnis und wurde hier ja auch schon ausführlich dargelegt. Jedenfalls führt diese Sommerverehrung dazu, daß nach den Sommerferien die große Depression einsetzt. Doch mittlerweile habe ich eine interessante Entdeckung gemacht. 

Unter der Oberfläche bekennen sich doch so einige Schweden dazu, daß sie erleichtert sind, daß der Sommer vorbei ist. Endlich ist es abends zu dunkel, um rausgehen zu müssen. Endlich gibt es (demnächst) auch mal wieder ein regnerisches Wochenende, an dem man es sich auf dem Sofa vor dem Fernseher gemütlich machen kann.  Endlich gibt es wieder deftiges Essen, das nicht vom Grill kommt. Endlich wieder richtige Pullover, Jacken und Mützen. 

Offensichtlich beinhaltet das zwanghafte Genießen des Sommers doch einiges an Stress. Nur gut, daß jetzt Herbst ist (wenn auch mit Temperaturen über 20ºC).

Donnerstag, 5. September 2013

Katzenfernseher

Seit vorgestern haben unsere Katzen ihre eigenen Haustiere. Unsere alten Nachbarn, die gerade ausziehen und die Katzen gefüttert haben, während wir in Island waren, haben uns ihr Aquarium überlassen. Sie haben in ihrem neuen Haus keinen Platz dafür. Also haben Ginny und Leon jetzt einen Katzenfernseher.