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Donnerstag, 3. April 2014

Gran Canaria - Teil 2

So, wir sind wieder da! Also gibt es hier schnell die zweite Hälfte des Urlaubsberichtes zu Gran Canaria.

Tag 5: Heute soll es dann doch noch klappen mit dem Wandern und wir fahren hoch auf den Paß Cruz de Tejeda. Von dort aus geht es durch Wälder, vorbei an Obstplantagen, und steile Wanderwege vom Wahrzeichen Gran Canarias, dem Roque Nublo, vorbei hinab ins Dörfchen La Culata. Und weil es immer wieder hoch gehen muß, wenn man runtergegangen ist, dann auch wieder hoch. 13 km und einige hundert Höhenmeter später kommen wir im Nebel wieder oben auf dem Paß an. Eine schöne Wanderung für einen Sonntag. Zur Belohnung essen wir kanarische Tappas in einer Palmenoase unterhalb von Fataga. Als einzige Gäste bekamen wir vom holländischen Kellner auch eine Sonderbehandlung ;-)

Tag 6: Heute ist ein Rumfahrtag, in zweierlei Hinsicht: Zum einen geht es in Europas einzige Rumbrennerei nach Arucas, wo wir an einer Führung teilnehmen und die Palette der Spirituosen durchprobieren und kaufen können. Die Stadt Arucas selbst ist übrigens sehr hübsch! Mittagspause machen wir an der Nordküste auf einer Bank an der Mohle. Kurz vorm Einpacken werden wir leider von einer Welle unfreiwillig geduscht. Nur gut, daß es 25°C sind! Weiter geht's entlang der Nordküste nach Agaete, eine niedliche Stadt mit kleinem botanischen Garten und leckerem und billigen Kaffee im La Esquina. Dann ein Abstecher zur Küste, wo die Fähre nach Teneriffa ablegt. Die Fischrestaurants merken wir uns für den nächsten Tag. Dann geht die Umrundung der Insel (es ist ja ein Rumfahrtag) weiter entlang der Westküste über kurvige Straßen, ein halbes Auge auf imposante Gelogie gerichtet, um dann irgendwann wieder in Maspalomas anzukommen. Einmal rum eben!

Tag 7: Eine letzte Wanderung steht an: das Agaete-Tal. Wir starten mit einem Kaffee im La Esquina und beginnen gegen 10 die Wanderung, die uns über einen Pilgerpfad vorbei an Gärten und Stauseen hinauf auf das Tabadaba-Massiv führt. Wir laufen lange durch flechtenverhangene Nebenwälder und blicken irgendwann wieder auf den Ausgangspunkt ganz weit unter uns zurück. Die letzten Kilometer geht es leider nur noch steil bergab, aber dafür vorbei an ehemals von den Ureinwohnern geschaffenen Höhlen und sonnige Steilhänge voller Blumen. Nach etwa 17 km und 1300 Höhenmetern erreichen wir nach 7 Stunden wieder das Auto. Wir lassen uns ins Tal hinunterrollen, wo wir im La Esquina noch einen cafe con leche schlürfen. Dann geht's noch weiter runter an die Küste zum Fisch essen. Na wenn das mal kein würdiger Abschluß für einen letzten Urlaubstag war!

Tag 8: Packen, auschecken und ein letzter Einkauf, um uns mit Verpflegung für den Flug und Leckerlies für zu Hause einzudecken. Dann sitzen wir auch schon auf dem scheinbar endlosen Flug zurück nach Schweden. Nach einer Woche ist es komisch, daß im Flugzeug nur noch schwedisch gesprochen wird :-)

Fazit: Gran Canaria ist toll! Tolle Geologie. Tolles Essen. Frühling mit Blumen und Sonne ist wunderbar, wenn man um die Zeit aus Schweden kommt. Charterreisen sind anstrengend und zähren an der Erholung. Keine E-Mails lesen oder an Arbeit denken für eine Woche, unbezahlbar!

P.S.: Fotos kommen demnächst.

Samstag, 29. März 2014

Gran Canaria - Teil 1

Ein kleiner Bericht aus dem Urlaub auf Gran Canaria, wo wir für eine Woche mit TuiFly Nordic über ein Last Minute-Angebot Urlaub machen.
Pause im Schatten eines Löwenzahns.
Tag 1: Der Flug von Schweden ist laaang! Fünfeinhalb Stunden. Umso schöner ist es, wenn man endlich da ist, und es sind 20°C mehr als zu Hause. Die Unterkunft ist ein Bungalow ohne große Extras. Doch dank Mietwagen sind wir wohl eh nur zum Schlafen hier. Zum Abendessen gibt es kanarisches Essen: Schrumpelkartoffeln und Fisch bzw. Ziegenfleisch.

Tag 2: Nach einem frisch gepressten Fruchtsaft geht es auf eine Wanderung hoch in den Bergen. Herrliche Calderastrukturen überall! Und Blumen. Nur an die Sonne sind wir irgendwie noch nicht gewöhnt. Am späten Nachmittag sind wir fix und fertig zurück am Auto nach nur fast 6 Stunden wandern und 15 km. Zum Abschluß des Tages geht's noch in den Kakteengarten bei Aldea de San Nicolas.

Tag 3: Die Füße tun immer noch weh von gestern und die Nase hat Sonnenbrand. Wir entscheiden uns also für einen Tag in der Hauptstadt Las Palmas de Gran Canaria. Dort laufen wir durch die Straßen, schauen die hübschen Häuser an, besuchen das kanarische Museum und das Museum Elder, ein Wissenschaftsmuseum, sowie den Stadtstrand und die deutsche Bäckerei. Bevor es zurückgeht, schauen wir noch in den jardín canario, den riesigen botanischen Garten, im Nordosten der Insel. Zurück in Maspalomas ist sogar noch ein Strandspaziergang drin.

Tag 4: Eigentlich wollten wir wieder wandern und fahren hoch in die Berge. Doch es nieselt und die Einheimischen veranstalten eine Ralley auf den engen kurvigen Straßen. Also schauen wir uns das Bergdörfchen Tejeda an, kaufen Kuchen in der Dolceria und trinken cafe con leche. Dann winden wir uns die Kurvenstraßen auf der anderen Seite der Berge wieder hinunter und schauen uns noch ein Städchen an. Mehr ist wohl auch nicht drin an einem Samstag. Soll ja auch Urlaub bleiben.

Das war erstmal Teil 1.

Sonntag, 12. Januar 2014

Konferenz in Edinburgh

Um nach der langen Feiertagszeit wieder in Gang zu kommen, beziehungsweise um gar nicht erst so richtig einzurosten, ging es diese Woche zu Tagung der Volcanic and Magmatic Studies Group (VMSG) der Londoner Geologischen Gesellschaft. 
Blick auf den erloschenen Vulkan neben dem Konferenzzentrum in Edinburgh
Die Tagung, die dieses Jahr ihr 50. Jubiläum feierte, findet jedes Jahr in einer anderen Stadt in Großbritannien und Irland statt. Dieses Jahr war sie in Edinburgh in einem Tagungszentrum am Fuße eines alten Vulkans, welch passender Ort für eine Vulkanologietagung! Die Veranstalter haben zudem wirklich tolle Arbeit geleistet und sowohl die eigentlichen Tagungskomponenten (Vorträge und Poster), als auch das Drumherum hervorragend organisiert. So gab es eine Menge Twittergewitter und Blogs, die simultan berichteten, sowie einen "Vulkanausbruch" kombiniert mit einem Quietscheentchenrennen, bei dem die Enten der Teilnehmerunis auf spektakuläre Art und Weise in die Luft gejagt wurden. Das Konferenzdinner fand im "Our Dynamic Earth" Museum statt und beinhaltete die ein oder andere schottische Spezialität, unter anderem mit Häggis gefüllte Hähnchenbrust. Nach dem Essen gab es ein sogenanntes Ceilidh, eine Art Squaredance mit schottischer Volksmusik.
Vor dem Konferenzdinner im Our Dynamic Earth Museum.
Der Besuch der Konferenz diente natürlich in erster Linie der Arbeit. Die Vorbereitung der Vorträge und Poster hat durchaus einige Stunden unserer Weihnachtsferien in Anspruch genommen. Nur gut, daß sie auch gut ankamen. Zum Poster meines einen Doktoranden wurden wir sogar von Deadline News interviewt. Den etwas sensationsjournalistischen Nachrichtenartikel dazu gibt's hier.

Jedenfalls war die VMSG-Tagung ein toller Start ins neue Jahr. Und die ersten 4 Flüge sind auch schon wieder auf dem Flugkonto.

Donnerstag, 14. November 2013

50. Geburtstag einer Vulkaninsel

Heute um 7:15 isländischer Zeit vor 50 Jahren begann ein Vulkanausbruch vor der Südküste Islands, der letztlich die Geburt der Insel Surtsey markierte. 

Surtsey war von Anfang an Adoptivtochter der Wissenschaft, nicht nur in den ersten explosiven Jahren. Auch nachdem der Vulkanausbruch vorbei war, kamen Geologen, Biologen und Geographen, um zu sehen, wie sich eine neugeborene Insel entwickelt. Viel zu oft waren nämlich neue Vulkaninseln schon nach wenigen Monaten den Wellen zum Opfer gefallen. Doch Surtsey trotzte zu größten Teil der Erosion und wurde nach und nach die Heimat von Pflanzen und Tieren.
Menschen durften Surtsey, die nach dem schwarzen Feuerriesen Surtur aus der nordischen Mythologie benannt ist, bisher kaum besuchen. Nur manchen Wissenschaftlern machten nähere Bekanntschaft. Dennoch kennt man Surtsey auf der ganzen Welt aufgrund der dort definierten surtseyanischen Eruptionsart, in der sich Lava und Wasser in einer explosiven Reaktion treffen. 

Seit gehört Surtsey zum UNESCO-Welterbe und wird heute zu Recht gefeiert. Bei uns gab es heute morgen zur Feier des Tages eine populärwissenschaftliche Vortragsreihe, bei der auch etwas zur Geologie im Inneren von Vulkanen erzählen durfte. Heute Nachmittag wurde dann eine Fotoausstellung einer älteren Geologin, die schon vor 50 Jahren beim Ausbruch dabei war, eröffnet. 

Happy birtday, Surtsey!

Sonntag, 25. August 2013

Island-Missionen erfüllt

Der schönste Berg Islands ist übrigens auch ein Teil einer Cadera. Diesmal waren wir oben... und davor, dahinter, daneben...
Die Island-Geländearbeit ist vorbei, und wir sind seit Donnerstag wieder zu Hause. Dank des fantastischen Wetters hatten wir kaum eine ruhige Minute. Wenn es nicht regnet, muß man halt raus. Das hat allerdings auch zur Planübererfüllung geführt, wir haben also mehr geschafft, als auf der To-do-Liste stand. Das ist doch mal ein echt tolles Gefühl!

Zurück zu Hause heißt es jetzt, sich langsam wieder auf den Alltag einzustellen. Nächste Woche fängt das Herbstsemester an, und ab übernächster Woche gilt es, fast Vollzeit zu unterrichten. Da werde ich mich mental doch hin und wieder auf einen einsamen sonnigen Berg in Island projezieren.
Hierhin kann ich mich ja an stressigen Tagen zurückträumen. Übrigens klingt das Laufen auf diesen Gesteinsscherben (von einem Ignimbrit), als würde man auf Katzenstreu laufen.

Sonntag, 18. August 2013

Live aus Island: Auf der Jagd nach der verschollenen Caldera

Dienstag und Mittwoch waren der Mission dieser Geländekampagne gewidmet, die mir am meisten am Herzen gelegen hat. Wir waren ausgezogen, um eine verschollene  Caldera zu finden. Und das war ein echtes Abenteuer.
Doch fangen wir am Anfang an. "Was ist eigentlich eine Caldera?", mag sich der geneigte Leser fragen. Eine Caldera entsteht, wenn das Dach einer Magmakammmer in einem Vulkan einbricht und dabei ein riesiger Einsturzkessel entsteht. Oft entweicht dabei hoch explosives Magma in einem Ausbruch, dessen Eruptionssäule bis in die Stratosphäre reichen kann. Nach kurzer Zeit fällt die Eruptionssäule, die aus Lava, Gesteinsbrocken und vulkanischen Gasen besteht, wieder in sich zusammen und rast als Glutwolke über die Landschaft in der Umgebung des Vulkans. Wenn die Glutwolke dann abkühlt, entsteht ein Gestein, das Ignimbrit heißt. Bekannte Beispiele für Calderen sind übrigens Yellowstone in den USA, Santorin in Griechenland und Toba in Indonesien, deren Ausbruch fast die Menschheit ausgerottet hätte.
Zurück nach Island und zur Suche nach der verschollenen Caldera. Warum eigentlich verschollen? Nun, hier in den Ostfjorden gibt es eine ganze Reihe alter, toter und ziemlich stark erodierter Vulkane, die nebenbei noch eine der schönsten Landschaften Islands geformt haben. Die alten Vulkane sind meine Lieblingsforschungsobjekte, denn sie erlauben mir, zu sehen, wie Vulkane von innen aussehen. Alles, was man hier in den toten Vulkanen lernen kann, hilft, die aktiven Vulkane, die nur ein paar Stunden Autofahrt entfernt sind, zu verstehen. Momentan sind wir im Nordosten Islands, der nur wenig erforscht ist. Viele der Fjorde sind sogar nicht einmal mehr bewohnt, weil sie so abgelegen sind und das Leben hier so hart war. Die wenigen Menschen, die hier von der Schafzucht lebten, waren teilweise 6 Monate von der Außenwelt abgeschnitten. Heute gibt es nur noch zwei bewohnte Fjorde. In einem der beiden gibt es ein winziges Dorf, in das Touristen nur ein oder zwei Tage kommen, um Papageientaucher zu sehen und zu wandern. Von hier führt eine einzige mit Geländewagen zu befahrende Straße in die sogenannten "verlassenen Fjorde". Hier gibt es nur Ruinen von alten Bauernhöfen, ein paar Wanderwege und Schutzhütten. Die alten Vulkane zu untersuchen, bedarf es oft  einer Menge Lauferei und Kletterei. Und so ist es nicht völlig verwunderlich, daß es tatsächlich noch weiße Flecken auf der geologischen Karte gibt. Zum Beispiel entdeckten drei deutsche Diplomanden, die 1988 hier kartierten, eine bis zu 120 m dicke Schicht von Ignimbrit auf den Gipfeln mehrerer Berge. Doch wo dieser Ignimbrit herkam, war bis Dienstag dieser Woche ungeklärt. So riesig, wie der Ignimbrit heute noch ist - und es sind immerhin nur noch Reste davon auf den Bergen übrig -, muß es eine gigantische Eruption gegeben haben, bei der sich eine Caldera gebildet hat.
Das Problem bei der Suche ist, daß es so wahnsinnig schwer ist, in das Gebiet vorzustoßen, in dem man die Caldera vermuten könnte. Die drei Diplomanden von damals sind 7 Stunden bis in ihr Kartiergebiet gelaufen, haben dort ihr Zelt aufgebaut und in der Umgebung kartiert. Jede Woche sind sie einmal für 7 Stunden ins nächste Dorf drei Fjorde nach Norden gelaufen, haben Proviant gekauft und sind dann 7 Stunden über Berge und Täler zurück zu ihrem Gebiet gelaufen. Die Arbeit, die sie geleistet haben, ist für einen Zivilisationsmenschen von heute kaum in ihrem Wert abzuschätzen. Zum Glück sind aber auch die Bedingungen nicht mehr ganz so wie 1988.
Wie findet man also eine  verschollene  Caldera? Zur Vorbereitung habe ich mir schon vor Monaten alles an Informationen beschafft, die es über das Gebiet gibt. Ich habe mit dem Betreuer der drei Kartierer guten Kontakt, und wir haben viel darüber diskutiert, wo man denn suchen müßte. Google Earth ist übrigens unbezahlbar bei ei er solchen Suche. Auf jeden Fall konnte ich es dann gar nicht mehr erwarten, als wir endlich hier im Nordosten angekommen waren. Nur das Wetter mußte für 2 Tage gut sein!

Der Wetterbericht fuer Dienstag und Mittwoch klang vielversprechend, also machten wir uns am Dienstag Morgen mit dem Geländewagen auf den Weg in den suedlichsten der verlassenen Fjorde. Nach zweieinhalb Stunden Fahrt stellten wir das Auto an der Schutzhuette ab, die Wanderern als Unterkuft dient. dann ging es zu Fuss weiter ein Tal hinauf, in dem es keine Pfade mehr gibt, immer auf den Berg zu, in dem ich die Caldera vermutete. Nach drei Stunden ständigem Bergaufgehen, dem Ueberqueren von drei Fluessen und einigem Gekletter mit schweren Rucksäcken, fanden wir einen Platz unterhalb des Berges, den wir uns anschauen wollten, an dem wir unser Zelt aufbauten. Dann ging esmit etwas leichterem Gepäck weiter hinauf an den Fuss des vermeindlichen Calderaberges. Und anderthalb Stunden später standen wir endlich vor ihr, der verschollenen Caldera!

Die Sonne stand schon ziemlich niedrig, aber es war trotzdem klar, dass dort einmal eine gewaltige Eruption stattgefunden hatte. Ich erspare Euch die Details, aber es war eindeutig der Ursprung des riesigen Ignimbrits, den die Diplomanden vor 25 Jahren gefunden hatten!

Gluecklich ueber die Entdeckung, ging es zurueck zum Zelt, wo es zur Feier des Tages ein leckeres Fertiggericht gab. Leider zogen ganz plötzlich Wolken auf, ein kalter Wind blies vom Berg herunter und es gan sogar einen Regenschauer. Es war also fraglich, ob wir unseren Plan, am nächsten Tag den Calderaberg von der anderen Seite zu untersuchen, am nächsten Tag in die Tat umsetzen konnten oder ob wir den gleichen Weg, den wir gekommen waren, wieder zuruekgehen mussten. Am nächsten Morgen, als ich die Zeltklappe aufmachte, war ich also auf alles gefasst - Nebel, Wolken? Doch zum Glueck schien die Sonne und kam langsam herum in unser Tal. Zum Fruehstueck gab es dann Instantcappucchino, den mein Chef uns in einem kleinen Ueberlebenspaket eingepackt hatte.
Ein leckerer Cappucchino an einem der schönsten Orte, an denen ich je gezeltet habe.
So gestärkt konnte es weiter gehen, mit komplettem Gepäck und einigen Gesteinsproben, die wir am Abend zuvor mitgenommen hatten. Es ging immer weiter nach oben und um den Calderaberg herum. Was mich nämlich immernoch wunderte, war die Grösse der Caldera. Denn ein so gewaltiger Ausbruch sollte eigentlich eine viel grössere Caldera hinterlassen. Erst nachdem wir am höchsten Punkt unserer Wanderung angekommen waren und den Berg fast völlig umrundet hatten, wurde klar, dass die Caldera tatsächlich viel grösser war als nur der eine Berg. Tatsächlich tronte ueber uns eine kilometerlange senkrechte Wand aus Ignimbrit, die wahrscheinlich das Calderainnere fuellte, bevor grosse Teile des Vulkans abgetragen wurden. Die nächsten Kilometer gingen wir ueber ausgedehnte Schneefelder unterhalb der Ignimbritwand entlang. Dabei dachte ich die ganze Zeit darueber nach, warum vor uns noch niemand diese riesige Caldera gefunden hatte. Wahrscheinlich liegt es daran, dass sie hoch oben ueber einer Hochfläche tront, von der aus man in etwa 5 bis 6 Stunden bis zur nächsten Strasse laufen laufen kann. Von der anderen Seite, also vom Fjord aus, ist die Caldera dagegen kaum zu sehen, weil sie so weit oben liegt.

Leider enden Abenteuer wie dieses nie auf dem Höhepunkt der Entdeckung. Im wirklichen Leben muss man immer noch stundenlang ueber Schneefelder, durch eiskalte Fluesse, Klippen hinunter, durch sumpfige Wiesen und eiskalte Fluesse laufen - und die Fluesse unterhalb der Schneefelder sind so kalt, dass einem schon nach wenigen Schritten Fuesse und Beine so wehtun, dass man am liebsten schnell ans andere Ufer rennen möchte. Doch weil die Wasserströmung so stark ist, darf man sich nur ganz langsam und Schritt fuer Schritt vortasten. Erst wenn die Fuesse wieder trocken sind und in warmen Socken und Wanderschuhen stecken und zu kribbeln beginnen, denkt man, dass sich der Schmerz fast gelohnt hat.
Fuesse trocknen vor dem Abstieg ins Tal.
Insgesamt haben wir an den zwei Tagen fast 2000 Höhenmeter bergauf und mehr als 31 km zu Fuss durch die weglose Wildnis zurueckgelegt. Zur Belohnung gab es eine bisher unentdeckte Caldera. Wenn man bedenkt, dass die meisten Vulkane der Welt bekannt sind, ist es eine einmalige Erfahrung, eine solche Entdeckung zu machen. Diese ist also wahrscheinlich meine erste und letzte selbst entdeckte Caldera!

Mittwoch, 14. August 2013

Live aus Island: Bezwingung der Hekla

Die erste Mission bei dieser Geländekampagne war es, ein paar Proben von Hekla, Islands zweitaktivstem Vulkan zu holen. Hekla ist ein unberechenbares Biest, das in der Vergangenheit schon mal einen Großteil der landwirtschaftlichen Produktionsfläche Islands zerstört hat. Im Durchschnitt bricht sie alle 10 Jahre aus, zuletzt 2000 und davor 1991, und 1980/81. Das Problem dabei ist, daß Hekla vor einem Ausbruch keinerlei Anzeichen gibt, wie andere Vulkane das Monate oder sogar Jahre vor einem Ausbruch tun. Bei Hekla beträgt die Vorwarnzeit, wenn man Pech hat, 20 min!

Ein Problem, das damit zusammenhängt, ist, daß niemand weiß, wo die Magmakammmer unter Hekla liegt und wie groß sie ist. Das können Geophysiker normalerweise mit Hilfe von Erdbeben und Geodäten mit Hilfe der Verformung der Vulkanoberfläche bestimmen, aber bei Hekla funktioniert das offenbar nicht. Deshalb haben wir den Auftrag bekommen, Proben zu nehmen, mit deren Hilfe unsere Kollegen bestimmen können, in welcher Tiefe zum Beispiel in der Lava enthaltene Kristalle gewachsen sind und ob das in einer großen oder mehreren kleinen Magmakammmern passiert ist. Die Methode heißt Thermobarometrie, und durcbgeführt wird sie von Petrologen. Das Ergebnis können dann Geodäten und Geophysiker benutzen, um ihre Daten zu interpretieren. Das führt dann im Idealfall dazu, daß die Vorwarnzeit für eine Heklaeruption länger wird.

Und da sag mal noch einer, Wissenschaftler machen nichts Nützliches! 

Das Foto zeigt mich beim Probennehmen auf der Lava von 1980. Im Hintergrund sieht man einen der Krater und vielleicht sogar die Lava von 2000.

Montag, 12. August 2013

Live aus Island: Abenteuer Geländearbeit

Endlich bin ich wieder in  Reichweite der digitalen Welt, um mich aus Island melden  zu können. Seit Freitag Nachmittag sind wir beide zurück in Island für zwei Wochen "multifunktionale" Geländearbeit. Das heißt, wir haben eine ganze Reihe von Aufgaben für unterschiedliche Projekte zu erledigen. Das führt uns von Reykjavik einmal auf die andere Seite des Landes mit ein paar Zwischenstopps. Die logistische Planung war nicht einfach, aber es fühlt sich einfach toll an, wieder hier zu sein und alt bekannte Orte wieder zu sehen und neue zu entdecken.

Die Fotos zeigen mich bei einer kurzen, aber obligatorischen Pause am Jökullsárlon, der berühmten Gletscherlagune, und vor dem Hoffelsjökull, bei einem kurzen Nostalgiestopp an meinem Diplomarbeitsvulkan.

Mittwoch, 31. Juli 2013

Besuch vom Discovery Channel

Die letzten zwei Tage auf Arbeit waren im wahrsten Sinne des Wortes ein Ausnahmezustand. Ein Team von Discovery Channel Kanada hat uns besucht, um einen Beitrag für eine Dokumentation über Vulkanausbrüche zu drehen. Entgegen meiner früheren Erfahrungen mit Kamerateams war es dieses Mal eher spannend und lustig. Also falls Ihr zufällig Ende August kanadisches Fernsehen guckt, könnt Ihr mich ja vielleicht im Hintergrund entdecken.

Samstag, 17. November 2012

Quer durch Südafrika - Teil 5

Tagung und Exkursion
Der eigentliche Grund für die Südafrikareise war ja eigentlich eine Tagung zum Thema Geologie magmatischer Intrusionen, die etwa alle 2 Jahre immer an einem anderen Ort stattfindet. Ich wollte schon immer mal zu dieser Tagung, hatte aber nie das Geld und die Zeit. Dieses Mal mußte ich deshalb dabei sein. Und es hat sich echt gelohnt. Solche kleine Tagungen (mit etwa 45 Teilnehmern) sind die perfekte Gelegenheit, sich mit Experten auf dem Gebiet zu unterhalten und seine Forschung dem richtigen Publikum vorzustellen. Für mich hat sich die Teilnahme wirklich gelohnt. Ich konnte mich sogar sehr freundlich mit einem sehr Bekannten Amerikaner unterhalten, der schon einige kritische Gutachten zu meinen Artikeln geschrieben hat. Im Vorhinein war ich deshalb ziemlich nervös, was er so zu meinen Vorträgen und meinem Poster sagen würde. Aber es war wie gesagt sogar sehr nett, sich mit ihm zu unterhalten.

Die Exkursion zur Tagung führte in die Karoo-Halbwüste, wo wir uns sozusagen von unten nach oben durch eines der größten Sedimentbecken der Welt arbeiteten. Vor etwa 180 Millionen Jahren stieg hier eine riesige Menge heißen Gesteins aus dem Mantel auf und schuf eine sogenannte große magmatische Provinz (Large Igneous Province = LIP). Dabei drangen mehrere Millionen Kubikkilometer Magma nach oben durch die Erdkruste. Etwa die Hälfte davon blieb auf dem Weg in den Gesteinsschichten des Karoobeckens stecken. Die andere Hälfte schaffte es an die Oberfläche und eruptierte als riesige Flutbasalte, die damals nicht nur fast das gesamte Gebiet Südafrikas, sondern auch Teile Namibias und Botswanas mit einem mehr als 1,5 km dicken Lavapaket bedeckten. Seit damals wurde viel von den Laven und auch einiges vom Becken erodiert. Die Laven findet man fast nur noch in Lesotho und den Drakensbergen in Südafrika. Das steckengebliebene Magma sieht man dagegen überall in der Karoo als sogenannte Intrusionen, also das perfekte Ziel für die Exkursion. Mich interessierten dabei natürlich die Intrusionen, die nichts anderes sind als Transportkanäle für Magma und Magmakammern. Die kann man übrigens sogar vom Weltraum aus sehen. Wenn man sich Südafrika in Google Earth anschaut, sieht man jede Menge kreisförmige Strukturen. Das sind die Ränder von Intrusionen, die in etwa die Form von Untertassen haben, sogenannte saucer-shaped sills.
Der Golden Valley Sill von oben.
Geologenkaravane auf dem Weg zum Rand des Gold Valley Sills.
Zwei sills von der Seite gesehen bilden die Klippen.

Ein weiteres wichtiges Thema der Forschung an solchen LIPs ist, daß durch die Hitze des Magmas das organische Material in den Sedimenten in CO2 umgewandelt werden kann, was bei der riesigen Menge an Magma und Sediment einen globalen Effekt auf das Klima haben kann. Viele Massenaussterbeereignisse, zum Beispiel die Kreide-Tertiär-Grenze, an der die Dinosaurier ausstarben, werden heutzutage mit LIPs in Verbindung gebracht, nicht unbedingt mit Meteoriteneinschlägen.

Auf jeden Fall hat es sich gelohnt, die Tagung und Exkursion mitzumachen. Es steht zwar noch nicht fest, wo die nächste Tagung dieser Reihe stattfindet, aber ich hoffe wirklich, daß ich wieder dabeisein kann.

Mittwoch, 20. Juni 2012

Arbeit auf Rum - Teil 2

Statt einen schönen Abend mit meiner dresdner Familie zu verbringen :-( habe ich jetzt Gelegenheit, diesen Post zu vervollständigen. Hier kommt also der zweite Teil des Rum-Reiseberichts, der sich damit befassen soll, was Geologen dort eigentlich so interessant finden.
Der Berg Hallival. Die Schichten spielen eine entscheidende Rolle in unserer Erzählung.
Zu Zeiten, in denen die Dinosauerier gerade am abtreten waren, also vor etwas mehr als 60 Millionen Jahren, gab es den Atlantik noch nicht, und Grönland, Nordamerika und Europa hingen noch zusammen. Damals war Rum ein Vulkan, und zwar ein zunächst einmal ziemlich explosiver. An einigen Stellen auf der Insel findet man noch Ablagerungen von Glut- und Aschewolken und Strukturen großer, explosiver Ausbrüche. Diese gehören zu einer sogenannten Caldera, einer Einsturzstruktur eines Vulkangebäudes. Heute ist davon noch ein wenig vom Inneren und vom Rand der Caldera zu erkennen.

In einer zweiten Phase der Aktivität des Rum-Vulkans bildete sich an der Stelle der Caldera eine neue Magmakammer im Inneren des Vulkans. Diese Kammer wurde über lange Zeit hinweg mit Magma aus der Tiefe gespeist, das immer wieder in Pulsen in die Magmakammer eindrang. Aus dem flüssigen Magma kristallisierten dann beim Abkühlen verschiedene Arten von Mineralen als Kristalle. Die Kristalle sanken dann auf den Boden der Magmakammer und bildeten dort Schichten aus grobkörnigem Gestein. Jeder Puls neuen Magmas bildete eine neue Schicht.
Ein Gestein namens Peridotit, das zum größten Teil aus dem Mineral Olivin besteht. In der salzigen Meeresluft der Hebriden verwittert der Olivin und das Gestein sieht aus wie schweizer Käse.
Die Erosion (also mehrere Vergletscherungen, Wind und Wetter) hat den Rum-Vulkan dann bis auf das Niveau des Magmakammerbodens abgetragen. Weil die Schichten teilweise unterschiedliche Zusammensetzung haben, werden sie unterschiedlich stark abgetragen (siehe Foto 2) und bilden die deutlich sichtbaren Schichten in den Bergen von Rum (siehe Foto von Hallival oben). Auf Rum kann man also auf dem Boden einer Magmakammer entlang laufen und Gesteine und Strukturen analysieren, die sich dort gebildet haben.

Da ich mich in meiner Forschung damit beschäftige, wie Vulkane in ihrem Inneren funktionieren, ist Rum für mich ein geologisches Wunderland!

Donnerstag, 26. April 2012

Vienna calling

So, endlich finde ich ein klein wenig Zeit, mich aus Wien von der EGU-Tagung zu melden. Die EGU ist die grösste geowissenschaftliche Tagung Europas. Dieses Jahr sind mehr als 10000 Wissenschaftler gekommen, um an 5 Tagen ihre Forschung vorzustellen und sich mit Kollegen zu treffen. Wie schon im letzten Jahr und im Jahr davor, bin auch ich wieder mit dabei. Eine Reise nach Wien im Fruehling ist ja auch nicht das aller Schlimmste, was einem passieren kann.
Ich habe ja schon im letzten Jahr berichtet, wie so eine Tagung vor sich geht. Dieses Jahr ist insofern anders, als dass ich mit Freunden und Kollegen aus Deutschland, England, Norwegen, Frankreich und Belgien eine eigene Session geplant hatte. Dazu gehört, eine Beschreibung bei den Organisatoren einreicht. Wenn diese dann entscheiden, dass das Thema von Interesse ist, wird die Session im Programm der Tagung angeboten, und Teilnehmer können Beiträge fuer Vorträge und Poster fuer die Session einreichen. In unserem Fall waren das ziemlich viele Leute, sodass wir den gesamten Dienstag Vormittag Vorträge und dann am Nachmittag Posterpräsentationen hatten. Als Convenerin (Organisatorin einer Session) hatte ich in diesem Jahr keinen eigenen Vortrag, sondern ein Poster. Ausserdem durfte ich noch das Poster meiner Doktorandin und ein Poster meiner Arbeitsgruppe, das wir wegen einer kurzfristigen Absage aufgehangen haben, präsentieren. Das war ganz schön anstrengend, sodass ich so gut wie keine Zeit hatte, mir andere Poster anzuschauen.

An den anderen Tagen höre ich mir natuerlich Vortäge in anderen Sessions an, die mich interessieren. Am Montag habe ich so erfahren, dass der riesige Vulkan, der die Santorini-Inseln bildet und vor 3600 Jahren die minoische Kultur durch einen Ausbruch vernichtet hat, wieder Zeichen von Aktivität zeigt. Sehr besorgniserregend! Gestern war ich dann beim Vortrag von Deutschlands beruehmtestem Vulkanologen, dem "Grossvater der deutschen Vulkanologie", Hans-Ulrich Schmincke. Den kennt man sonst aus dem Fernsehen, wenn er ueber die Eifel oder die Kanaren berichtet.

So eine Tagung muss natuerlich auch mit der Zeit gehen, und so ist mir neben den EGU-Fähnchen an den Strassenbahnen vor allem das EGU-App aufgefallen, das anstelle eines Tagungsbandes das Programm und die Raumpläne der Tagung enthält. Noch gibt es zwar einen gedruckten Band mit Zeit und Namen der einzelnen Sessions, aber das App enthält auch den Titel der einzelnen Vorträge und Poster, eine Suchfunktion, einen verlinkten Raumplan und so weiter. Zudem ist mir zum ersten Mal untergekommen, dass jemand sein Poster mittels QR-Code auf seinem gedruckten Poster mit dem PDF verlinkt hatte. Sehr spitzfindig.

Abends geht es eigentlich immer mit Freunden und Kollegen irgendwo essen. Die österreichische Kueche ist ja bekannt fuer Deftiges und Suesses aller Art. Ansonsten kann ich mich nur ueber das wunderbare Wetter freuen. Hier ist der Fruehling wirklich in vollem Gange: Die Sonne scheint, es ist 20 Grad und alles blueht. Zu Hause in Schweden hatte es am Wochenende noch geschneit und wir hatten uns gefreut, dass die Krokusse bluehen und der Rhabarber langsam aus der Erde schaut. Aber dafuer haben wir dann eben nochmal Fruehling von vorn.

Freitag, 3. Februar 2012

Supervulkane im tödlichen Würgegriff der Physik

Am 1. Februar ist im berühmten Wissenschaftsjournal Nature ein Artikel über Magmenentwicklung im Santorin-Vulkan in Griechenland erschienen. Solche Nature-Artikel erhalten immer eine Menge Aufmerksamkeit von Seiten der Presse. Dieses Mal wurde auch mein Chef interviewt, und zwar zum einen von einem Journalisten von Spiegel Online und zum anderen von einer schwedischen Journalistin vom Wissenschaftsradio. Da es der Presse irgendwie nie schnell genug gehen kann, wurde auch mein kompletter Arbeitsalltag durcheinander gewirbelt, weil ich helfen  mußte, die Antwort an den deutschen Journalisten zu formulieren, und beim Interview mit der schwedischen Radiotante dabei war. Nun ja, ein bißchen Abwechslung hat noch keinem geschadet. Ich mußte nur leider meinen Friseurtermin verschieben.

Zwei Tage später erschien dann sowohl das Radiointerview als auch der Spiegel-Artikel. Letzterer ist ganz schön reißerisch ausgefallen. Irgendwie hatte es der Spiegel-Journalist mit seinen Fragen auch darauf abgesehen, eine Sensationsstory zu schreiben. Zum Beispiel war eine seiner Fragen, ob es denn jetzt überhaupt keine Vorwarnzeiten vor einem großen Ausbruch eines Supervulkans gäbe. Dazu muß man sagen, daß in dem Artikel von der minoischen Eruption auf Santorin vor 3600 Jahren handelt. Dieser Ausbruch war zwar groß und hat zum Niedergang der minoischen Kultur geführt, das macht Santorin aber noch lange nicht zum Supervulkan. Außerdem sprechen die Autoren des Artikels von erhöhter Aktivität innerhalb von etwa 10 Jahren vor dem Ausbruch. Das sollte doch etwas Zeit zum Kofferpacken lassen. Die Effekthascherei des Spiegel-Journalisten ist übrigens auf Ironie von Seiten der Leser gestoßen. Besonders gelacht habe ich über den Kommentar von Robert_Rostock: "Vulkan-Kraft, nein danke! Dann wird es allerhöchste Zeit für einen Vulkanausstieg! Zumal es ja für die Endlagerung des ganzen Magmas ja noch keinerlei Konzepte gibt"
Auch der Kommentar von Jens Schuetz auf die Frage "Kann ich mich gegen Supervulkane versichern?" war nicht schlecht: "Vulkane sind in meiner Versicherung mit drin, wenn auch nur begrenzt auf zwei Eruptionen pro Woche, sind es drei wird der Schaden von der dritten nicht uebernommen... Da Supervulkane nur eine Unterkategorie der ganzen Vulkanklasse sind muessten die mit abgedeckt sein." Köstlich.
Ansonsten sind einige Kommentare einfach nur Schwachsinn. Ich sage nur "Im tödlichen Würgegriff der Physik"

Mittwoch, 18. Januar 2012

Island im Januar - Teil 3

Wieder mal lautet das Motto "besser spät als nie". In dem Falle heißt das: Ich bin seit Freitag Nachmittag zurück aus Island, hab aber eine ziemliche Erkältung, weshalb ich das Wochenende hauptsächlich auf dem Sofa verbracht habe. Jetzt bin ich wieder auf Arbeit, das aber vorwiegend wegen Deadlines und Vorbereitung für einen Kurs, den ich in 2 Wochen unterrichten muß. Trotzdem erst einmal noch mein restlicher Bericht aus Island.

Tag 2: Konferenzdinner
Vor dem Dinner: Blick von der Empore auf die Tische. Im Hintergrund der Pool mit schneebedeckten Felsen am Rand.
Nach einstündiger Busfahrt durch den Schneesturm zur Blauen Lagune erwartete uns Konferenzteilnehmer ein ziemlich nobles Restaurant direkt mit Blick auf den Pool. Die Tische waren weiß gedeckt, und eröffnet wurde das ganze von der isländischen Umweltministerin, die eindeutig besser reden kann als die Tourismusministerin, die am Vorabend den Empfang im Rathaus eröffnet hatte. Auch beim Dinner gab es wieder Livemusik, diesmal von einem jungen Mann mit Gitarre und dann von zwei Damen, eine davon die Nichte von irgendeinem Minister. Vielleicht hätte den Mädels jemand sagen sollen, daß man bei einem solchen Event keine Lieder über Kindesmißbrauchh singt. Die Stimmung war jedenfalls kurzfristig recht gedrückt. Das Essen war dagegen durchgängig gut, wenn man auch nicht wußte, was man da aß. Das wurde immer erst nachträglich mitgeteilt. Und vom Aussehen konnte man auch nicht immer auf das tatsächliche Gericht schließen. Als Vorspeise gab es Garnele, Hummer und Jakobsmuschel (natürlich in entprechend vornehmen Portionsgrößen). Zum Hauptgericht gab es dann Lammsteak auf einem Ragout aus 12 Stunden-gekochtem Lammhals an einem Kartoffel-Pilz-Gratin, das aber eher aussah wie Lasagne. Und schließlich zum Nachtisch gab es eine Skyr-Creme (ein typisch isländisches Milchprodukt, dem deutschen Quark sehr ähnlich) mit Schokofüllung und ein Ananas-Basilikum-Sorbet an getrockneter Ananasknusperscheibe. Wie gesagt, der Überraschungseffekt war ein wichtiger Teil des Dinners. 5 Minuten nach dem Ende des Deserts wurden dann alle wieder in die Busse verfrachtet, und es ging zurück nach Reykjavik. Die 1stündige Fahrt habe ich komplett verschlafen.
Tag 3: Exkursion zum Eyjafjallajökull
Glücklicherweise war der Schneesturm am nächsten Morgen vorüber. Im Dunkeln (die Tageszeiten waren wie bereits erwähnt sehr schräg angeordnet) machte ich mich auf den Weg zum Konferenzzentrum, von wo aus Busse zu drei verschiedenen Exkursionszielen abfuhren. Da der Exkursionstag mitten in der Konferenz lag und in der zugegebenermaßen horrenden Tagungsgebühr enthalten war, gab es kein Alternativprogramm für mich, auch wenn ich den Sinn einer geologischen Exkursion in Island im Januar sehr zweifelhaft finde. Von den 3 möglichen Exkursionszielen gab es keines, das ich nicht aus dem Sommer kannte. Deshalb habe ich mich für die populärste Exkursion entschieden, die zum Eyjafjallajökull.

Der mittlerweile in der ganzen Welt berühmte Vulkan liegt etwa anderthalb bis 2 Stunden Fahrt von Reykjavik entfernt an der Südküste. Die Fahrt führt entlang der Ringstraße durch die Dunkelheit. So gegen 10:30 kamen wir dann zum Seljalandsfoss, der an der Westflanke des Vulkans liegt. Jetzt im Winter besticht er vor allem durch Eiszapfen, die aufgrund des Spritzwassers alles überziehen.
Eiszapfen am Geländer des Aussichtspunkten am Seljalandsfoss.
Weiter ging es zum Skogafoss, einem sehr populären Ausflugsziel an der Ringstraße. Ich erinnere an diesen Post von 2009. Im Winter hat er auch seinen Charm, aber im Sommer ist er eindeutig schöner.
Der Skogafoss in Südisland am Fuße des Eyjafjallajökull.
Mittags kam dann auch langsam die Sonne raus, die zwar sehr niedrig am Horizont stand, aber der an der Südküste nicht hinter Bergen verschwinden kann. Und erstaunlicherweise war auch kaum eine Wolke über dem Gipfel des Eyjafjallajökull zu sehen. Selten ist er so schön zu sehen. Nur im Sommer habe ich ihn noch schöner gesehen auf unserer Wanderung.
Eyjafjallaökull in winterlicher Schönheit.
Geologen beim Buddeln in der Asche.
Für die Exkursionsteilnehmer gab es sonst wenig Geologie zu sehen. Wir hielten leidglich an der Straße um zu sehen, daß der Fluß dort immer noch voller Asche ist und nur ein paar Dezimeter unter der Brücke durchfließt. Dann gab es noch einen Stopp an einem neuen Besucherzentrum, das von einer Bauernfamilie eingerichtet wurde, die direkt am Fuße des Eyjafjallajökull wohnt und damals evakuiert wurde. Jetzt zeigen sie einen Film über ihre Erfahrungen und verdienen eine Menge Geld mit Souveniers.
Eyjafjallajökull und ich.
Und noch mal: Eyjafjallajökull (die Flanke) und ich. Mein leicht verquollenes Gesicht deutet meine Erkältung nur an.
Tag 4: und noch ein Tagungstag
Ja, am Donnerstag fanden dann nochmal Vortrgäge und Posterpräsentationen statt. Am interessanten fand ich einen Vortrag über den Vulkan Hekla (wir erinnern uns: 2. Bild), einem wahrscheinliches Kandidaten für den nächsten Ausbruch in Island. Im Gegensatz zu Katla gibt es dafür aber maximal eine Vorwarnzeit von 50 min.

Am Nachmittag war dann die Tagung vorbei. Dumm nur, daß es nur einen Flug pro Tag nach Stockholm gibt. Also saß ich noch bis zum nächsten Morgen in Island fest. Mein Chef überredete deshalb Sylvia und mich dazu, zu einem Konzert in der Harpa, dem Konzert- und Kongresshaus, zu gehen. Am Abend spielten und sangen 4 junge Solisten zusammen mit dem isländischen Symphonieorchester in einer Art "Island sucht den Superstar", nur daß sie Mozart und Prokoview aufführten. Es war schon mal interessant, so ein Klassikkonzert.
Nochmal ein etwas besseres Bild von der Harpa. Die Lichtspiele sollen das Nordlicht simulieren.
Die Decke in der Eingangshalle der Harpa.
Tag 5: Heimreise
Schon um 4:30 mußte ich aufstehen, um den Bus zum Flughafen um 5 Uhr zu erwischen. Ist schon seltsam, sein Gepäck durch das dunkle und völlig menschenleere Reykjavik und die Schneehaufen am Straßenrand zu tragen. Es regnete übrigens ziemlich. Der Flug ging dann um 7:45. Und um 11:40 bin ich dann endlich in Arlanda gelandet. Den Flug hab ich verschlafen, was will man auch anderes machen? Und nach Taxi, Mittag beim Chef, etwas Arbeit und Einkauf war ich dann endlich wieder zu Huase. ENDLICH!

Montag, 17. Oktober 2011

Vulkansprechstunde: El Hierro

Auf speziellen Wunsch von gallinaenana kommt hier eine Vulkansprechstunde über den derzeitigen Ausbruch im Meer südlich der Kanareninsel El Hierro.
Ein Bild der Wasseroberfläche über dem Ausbruch. Bild: AFP/Desiree Martin. Hier gibt es mehr.
Fakt ist, daß am 10. Oktober eine Eruption am Meeresboden südlich der Insel begonnen hat und bis heute andauert. Da sich das alles unter Wasser und nicht in der Nähe der Oberfläche abspielt, kann man den Ausbruch bisher hauptsächlich über die damit verbundene Erdbebenaktivität (Seismik) verfolgt werden. Das übernimmt auf den Kanaren das spanische Instituto Geográfico Nacional. Die seismische Aktivität, die der Eruption vorherging, deutete schon seit Wochen (soweit ich mich erinnere, seit etwa Juli oder August) auf einen Ausbruch hin.

Warum gibt es überhaupt Vulkane auf den Kanaren?
Die Frage sollte eher heißen: Warum gibt es die Kanaren? Denn die Kanareninseln sind Vulkane. Ohne Vulkanismus keine Kanaren. Die Inselgruppe gehört zu einem sogenannten hot spot (heißer Fleck), an dem heißes Material aus dem Erdmantel nach oben steigt. Der erhöhte Wärmefluß und die Druckentlastung führen zur Bildung von Magma an der Grenze zwischen dem Erdmantel und der Kruste. Von dort steigt das Magma auf und erreicht gelegentlich die Erdoberfläche, zunächst also den Ozeanboden. Langsam bildet sich ein großer Unterwasservulkan und irgendwann eine Insel. Diese Insel wächst, im Falle der Kanaren sogar sehr schnell. Es bilden sich große Vulkane mit steilen Hängen, die gelegentlich so steil werden, daß eine ihrer Flanken ins Meer rutscht und einen großen Tsunami auslöst. Was bleibt ist eine "Narbe" in der Insel, die aussieht, als hätte jemand ein Stück herausgebissen. Alle Kanareninseln haben solche Narben, El Hierro ganz besonders.

Die Vulkane von El Hierro
El Hierro ist die jüngste Kanareninsel. Die ältesten Gesteine sind nur eine halbe Millionen Jahre alt. Dennoch hat die Insel die meisten jungen Krater aller Kanareninseln. In historischer Zeit, also seit Beginn der Zivilisation, hat es vielleicht einen Ausbruch gegeben und zwar 1793 (laut Global Volcanism Program).

Ist der Ausbruch jetzt gefährlich?
Nun, ausschließen will das natürlich niemand, aber nach der geologischen Geschichte El Hierros zu urteilen, nicht unbedingt. Die Eruption, die gerade im Gange ist, wird wahrscheinlich direkt aus dem Mantel gespeist. Darauf deuten die tiefen Erdbeben hin. Solches Mantelmagma, das da aufsteigt, bezeichnen Vulkanologen als primitiv. Das bedeutet, es ist dünnflüssig und wenig explosiv. In Verbindung mit Wasser kann es zwar in der Nähe der Oberfläche durchaus zu Explosionen kommen, aber nicht so gewaltigen mit einer Menge Asche. Man nennt eine solche Eruption surtseyanisch, nach der isländischen Insel Surtsey, die in den 1970ern aus dem Ozean aufgetaucht ist. Solche Eruptionen sind auf den Kanaren nicht ungewöhnlich, es ist prinzipiell die Art und Weise, wie solche Inseln wachsen.

Kann der Ausbruch gefährlich werden?
Was nicht auszuschließen ist, ist, daß sich ein neuer Krater an Land bildet. Es scheint eine Menge Magma aus der Tiefe aufzusteigen. An Land wäre das dann eine typische Spalteneruption mit relativ kleinen Vulkankegeln. Es kann Lavaströme geben, aber auch kleine Explosionen, wenn Magma in Kontakt mit Grundwasser kommt. Natürlich sollte man nicht gerade sein Haus im Weg stehen haben, aber fürchterlich gefährlich sind solche Eruptionen nicht. Sie haben lokale Auswirkungen. Ich würde also nicht mit einer großen Gefahr für die Lokalbevölkerung und die Touristen rechnen.

Solltet Ihr mehr Fragen zur Eruption bei El Hierro haben, zögert nicht, mich zu fragen.
P.S. Sobald die Eruption an Land geht, werden übrigens drei meiner Kollegen unverzüglich nach El Hierro fliegen, um Proben zu nehmen.

So, nun noch ein paar visuelle Eindrücke von kleinen Vulkanen auf den Kanaren, also solchen, die sich im Falle eines Ausbruchs an Land auf El Hierro bilden könnten:
Eine Eruptionsspalte mit einem kleinen Vulkankegel (Berg). Der Ausbruch fand 1949 auf La Palma statt. Die Lava floß in nach links auf dem Bild und sammelte sich in einem Lavasee, bevor es den Hang hinabfloß.
1949 fand auf La Palma nich ein weiterer Ausbruch statt, bei dem die Lava auf der anderen Seite den Hang hinabfloß (man sieht die graue Spur im Wald und die Lava im Vordergrund). Der Lavastrom verschonte übrigens eine Kirche.
2007 am Rande eines Kraters, der zur Teneguíaeruption 1971 auf La Palma gehört. Aus dem Gebiet wird heute sehr viel Wein angebaut.
Lavafeld der Timanfayaeruption von 1974 auf der Insel Lanzarote. Das Gebiet ist heute ein Nationalpark, in dem die Wiederbesiedlung der Lava durch Pflanzen und Tiere untersucht wird.
Und zu guter letzt Gran Canaria. Hier sieht man einen Teil eines kleinen Vulkankegels, von dem die nahe gelegene Stadt Geröll abgebaut hat. Die Studenten auf dem Bild suchen übrigens nach Kristallen.

Sonntag, 28. August 2011

Islandbericht Teil 1: Laugavegur

Es ist an der Zeit, die Fotos und Berichte von unserer diesjärigen Islandreise zu posten. Fangen wir also mit der ersten Woche an, in der wir den Laugavegur gewandert sind. Der Laugavegur ist der wohl poupulärste Langsstreckenwanderweg Islands. Er führt von Landmannalaugar im Hochland über 55 km in vier Tagesetappen nach Thorsmörk an den Fuß des Eyjafjallajökull. Auf der Google Earth-Karte sieht man die GPS-Aufzeichnung unserer Route, sowie ein paar Ortsnamen, die ich nachgetragen habe. Also los geht's!
Unsere GPS-Aufzeichnung des Laugavegur.

Tag 1: Anreise & Etappe 1 von Landmannalaugar nach Hraftinnusker
Landmannalaugar wird im Sommer zweimal täglich von Bussen angefahren. Einen davon haben auch wir genommen. Die Fahrt dauert ca. 4 Stunden und führt von Reykjavik über die Ringstraße und anschließende Schotterstraßen am Vulkan Hekla vorbei nach Landmannalaugar. Unterwegs durchfährt der Bus ein paar Flüsse.
Hinter mir sieht man den zweitaktivsten Vulkan Islands: Hekla.
Blick aus dem Busfenster beim Durchfahren eines Flusses auf dem Weg nach Landmannalaugar.

In Landmannalaugar angekommen, registriert man sich kurz bei der Campingplatzrezeption für die Wanderung (aus Sicherheitsgründen, falls man verlorengeht), und dann geht die Wanderung auf dem Laugavegur auch schon los. Landmannalaugar ist übrigens ein beliebtes Touristenziel wegen einer heißen Quelle, die aus einem fast erkalteten Lavastrom aus Obsidian (vulkanisches Glas) entspringt, und wegen der bunten Farben der Berge. Der Grund für beide Phänomene ist vielen Touristen allerdings nicht bekannt: hier befindet man sich in einem der größten Vulkane Islands, Torfajökull (siehe Kreis auf der Google Earth-Karte). Die heißen Quellen und die bunten Gesteine sind Ausdruck der vulkanischen Aktivität. Außerdem sind sie natürlich wunderschön.
Hier geht es offiziell los: 12 km bis zum Ende der ersten Etappe unf 55 km bis zum Ziel.
Auf der Obsidianlava, über die der Anfang des Laugavegur führt.
Blick von der Obsidianlava auf die bunten Berge von Landmannalaugar.

Die ersten Kilometer des Weges sind nicht ohne, besonders wenn man einen 16 kg schweren Rucksack auf dem Rücken hat.
Eis und heiß: heiße Quellen entspringen hier und da.

Anfangs hatten wir am ersten Tag durchaus schönes Wetter mit Wolken und Sonne, doch gegen Abend wurde es sehr windig, und beim Überqueren von immer mehr Schneefeldern gab es kaum Schutz. Das Ziel der ersten Etappe, Hraftinnusker, liegt auf 1100 m Höhe. Dort gibt es eine Schutzhütte, in der man auch übernachten kann, ein paar Plumpsklos und ein paar etwas geschützte Campingstellen. Durch den Wind waren wir ganz schön erledigt und mußten uns, nachdem wir das Zelt aufgebaut hatten, erstmal hinlegen. Normalerweise kann man von dort aus noch ein paar kleine Abstecher zu Eishöhlen machen, aber der Wind nahm stetig an Stärke zu und zu allem Überfluß zog auch noch Nebel auf. Da bleibt einem eigentlich nur: Abenbrot und dann früh schlafen.
Immer höher ging es über endlose Schneefelder, die von der Asche des Eyjafjallajökullausbruchs vom letzten Jahr ganz grau waren.


Tag 2: Etappe 2 von Hraftinnusker zum Álftavatn
Leider hatte sich am Morgen des zweiten Tages das Wetter noch verschlechtert. Zum Sturm kam noch Regen. Die Sicht war mehr als schlecht, aber was will man machen? Also packten wir unsere Sachen, bauten das Zelt ab und machten uns wieder auf den Weg.
Ein trauriges Bild am Morgen von Tag 2.
Vom zweiten Tag gibt es kaum Bilder, weil man zum einen nur sehr wenig sehen konnte und die Kamera nicht zu naß werden sollte. Wir haben nur eine ungefähre Ahnung davon, wie schön die Landschaft eigentlich ist, die wir durchwandert haben. Angeblich waren wir am Fuß eines Gletschers, den wir aber nicht gesehen haben. Es gab wieder viele Schneefelder und heiße Quellen, aber der Nebel wurde einfach nicht weniger. Teilweise hatten wir Schwierigkeiten, die nächste Wegmarkierung zu finden. Der Wind ließ ich nicht nach, was mir das Laufen extrem erschwerte. Mit meinem Rucksack hatte ich große Probleme, auf den Beinen zu bleiben. Es ging am einen oder anderen Abgrund vorbei, von dem ich mich nur mit Hilfe der Wanderstöcke wegstemmen konnte. Dadurch gab es auch keine Gelegenheit, anzuhalten und etwas zu essen oder zu trinken, was natürlich auch nicht gerade hilfreich ist. Durch den Wind sind auch eine unserer Regenhüllen für den Rucksack und zeitweise eine der Isomatten davongeflogen. Die andere mußten wir dann zur Sicherheit auch abmachen.
Eines der wenigen Fotos von Tag 2.
Auf den letzten Kilometern dieser Etappe ging es dann sehr steil bergab. Dort verläßt man den Torfajökull-Vulkan. Gleich darauf gilt es, den ersten Fluß der Wanderung zu überqueren. Da ich dazu kein Foto gemacht habe, erkläre ich Flußüberquerungen bei der nächsten Etappe. Glücklicherweise ging es auf den letzten 3 km nur über flaches Gelände bis zur Rettungshütte am Álftavatn, einem See. Der Campingplatz dort ist eigentlich sehr schön gelegen: mit einer grünen Wiese, an der ein Fluß vorbeifließt. Es gibt Toiletten mit Wasserspülung und man kann sogar seinen Müll wegwerfen.

Leider war die Aufgabe des Abends, Klamotten und Schlafsäcke mit Hilfe der Körperwärme so gut wie möglich zu trocknen. Zum Abendbrot gab's sogar 2 Packungen Fertignudelgericht (zum Frühstück nur eine) für uns beide, sowie eine Tasse Tee und eine Brausetablette.
Mmmmhhh lecker, Fertignudelgericht.
Tag 3: Etappe 3 von Álftavatn nach Emstrur
Entgegen der Wettervorhersage und unseren Erwartungen hatte sich am nächsten Morgen der Wind gelegt und es regnete nicht mehr, sodaß wir ein paar unserer Sachen trocknen konnten. Nach einem Schwätzchen mit einer Gruppe junger Holländer, die gerne wissen wollten, was geologisch eigentlich los ist in dem Gebiet, was man auf dem Laugavegur durchwandert, ging es dann wieder weiter.

Die dritte Etappe führt durch eine magische grüne Landschaft außerhalb der großen Vulkane. Hier gibt es langgestreckte Hügelketten, die durch Spalteneruptionen unter einem Gletscher entstanden sind. Teilweise sind sie mit Moos und Heide bewachsen, teilweise läuft man aber auch durch eine wüstenartige Landschaft auf schwarzer Vulkanasche. An diesem Tag gab es einige Flüsse zu queren. Die reißendsten waren zum Glück überbrückt. Doch durch zwei Flüsse mußte man zu Fuß. Dazu zieht man am besten seine Schuhe aus, bindet sie an den Rucksack, krempelt die Hose so weit wie möglich hoch und sucht sich die beste Stelle zur Querung aus. Das ist oft die breiteste und daher flachste Stelle. Sehr empfehlenswert sind Sandalen, da die Steine im Fluß spitz sein können. Stöcke helfen, die Balance zu halten. Das Wasser kann nämlich ganz schön reißend und tückisch sein, vor allem ist es aber sehr kalt, so kalt, daß es wehtut. Aber wenn man wieder rauskommt, fangen die Füße schön an, zu kribbeln.
Flußdurchquerung: kein Problem, wenn man weiß, wie es geht.
Nach der Hälfte der Strecke nähert man sich dem Myrdalsjökull, dem Gletscher, der über dem Vulkan Katla liegt. Hier und da liegen riesige Felsbrocken auf der sandigen Ebene, die durch Schmelzwasser vom Gletscher bei Vulkanausbrüchen transportiert worden sind.
Päuschen in der Vulkanwüste. Im Hintergrund Myrdaljökull.
Wenn einem die schwarze Wüste fast schon so vorkommt, als würde sie nie enden, kommt man zur Schutzhütte von Emstrur, die sich in einem winzigen Flußtal befindet. Hier ist plötzlich alles grün und voller Blumen, wie eine Art Oase. Der Campingplatz ist wunderschön mit zeltgroßen Wiesen gleich neben dem Flüßchen.
Tag 4: Etappe 4 von Emstrur nach Husadalur in Thorsmörk
Für den vierten Tag hatten wir von der Hüttenwärtin die Warnung bekommen, daß die Windrichtung wieder so sein sollte wie an dem Sturmtag. Glücklicherweise konnten wir aber unser Zelt noch in einigermaßen trockenem Zustand einpacken, und das Wetter hielt auch noch eine Weile. Diese Etappe führt ganz nahe am Vulkan Katla vorbei. Gleich zu Beginn wird man auf einer Infotafel vor den Gefahren eines Ausbruchs gewarnt. Im Falle eines solchen Feuern die Hüttenwarte Leuchtraketen ab, was zur sofortigen Evakuierung auffordert, denn in diesem Gebiet ist nicht nur mit Asche und giftigen vulkanischen Gasen zu rechnen, sondern auch mit gewaltigen Schmelzwasserfluten entlang der Flußtäler (Gletscherlauf) und mit Blitzeinschlägen durch elektrische Stürme. Äußerst beruhigend!
Warntafel mit Evakuierungsinformationen.
Die ersten Kilometer des Wanderweges an diesem Tag machen einen ziemlichen Umweg, weil man ein tief eingeschnittenes Gletschertal von einem Auslaßgletscher des Myrdaljökull überwinden muß. Zum Glück führt über diesen Fluß eine Brücke, den bei den reißenden Fluten hätte keiner eine Chance.
Da möchte man noch nicht mal den kleinen Zeh reinhalten.
Der Entujökull, ein Auslaßgletscher des Myrdaljökull.
Ganz nah an Katla.
Hat man das Gletschertal umgangen geht die Wanderung weiter Richtung Eyjafjallajökull. In Senken liegt überall blauschwarze Asche vom Ausbruch im letzten Jahr.
Überall liegt Asche vom Eyjafjallaausbruch.
Nach und nach wird es immer grüner. Es gibt kleine Büsche, Blümchen und sogar ein paar Bäume, je weiter man sich Thorsmörk, dem Ziel der Wanderung nähert. Kurz vor dem Ende gilt es noch einmal einen recht tiefen Fluß zu überqueren, der extra tückisch ist, da man das Wasser nicht durchsichtig ist. Wenn man beim Durchqueren auf die Wasseroberfläche schaut, kann einem ganz schön schwindlich werden. Deshalb sollte man lieber das Ufer im Auge behalten.
Der letzte zu Fuß zu überquerende Fluß der Wanderung.
Dann ist man tatsächlich im Tal von Thorsmörk nördlich des Eyjafjallajökull angekommen. Es geht nun durch eine fast alpin anmutende Landschaft mit Hangwiesen voller Blumen und Wald, bevor man zu einem der Camping- und Hüttendörfer kommt. Wir beendeten unsere Wanderung in Husadalur, wo es sogar Kaffee und Kuchen zu kaufen gab. Es ist ein tolles Gefühl, so eine Wanderung geschafft zu haben. Irgendwie kommt es einem vor, als wäre man Ewigkeiten unterwegs gewesen.

Da sich das Wetter dann doch rapide verschlechterte, beschlossen wir, noch an diesem Tag nach Reykjavik zurückzufahren, statt noch ein paar Tage in Thorsmörk zu bleiben. Aus Thorsmörk fährt im Sommer zweimal täglich ein Bus nach Reykjavik. Dieser muß wirklich einen Fluß nach dem anderen durchqueren, weshalb nicht viele Leute mit dem Auto dorthin fahren. Mietwagen sind sind übrigens bei Flußdurchquerungen nicht versichert.
Der Bus zurück nach Reykjavik.
Am Fuß des Eyjafjallajökull. Und das Wetter animiert wirklich nicht mehr zum Wandern.
Fazit
Die Laugavegurwanderung ist zu recht eine der beliebtesten Wanderungen Islands. Sie ist größtenteils nicht allzu anspruchsvoll, auch wenn einige Abschnitte trittsicherheit uns Schwindelfreihet voraussetzen. Das Wetter ist der größte Unsicherheitsfaktor. Der Sturm am zweiten Tag war nur ein kleiner Vorgeschmack von dem, was möglich ist. Und man befindet sich wirklich größtenteils außerhalb der Zivilisation. Insgesamt besteht aber der größte Reiz des Laugavegur in seinem Abwechslungsreichtum der Landschaft: gelb-orange-rot-grüne Berge und weißgraue Schneefelder mit dampfenden Quellen in Landmannalaugar, mittelerdeartige grüne Hügel, schwarze Aschewüsten, reißende Flüsse, blauschimmernde Gletscher, Lavafelder, Heide, Wälder und Wiesen.

Für mich war die Wanderung auf dem Laugavegur ein unvergeßliches Erlebnis.