Montag, 31. Mai 2010

Eurovision, die Dritte


Zum Finale am Samstag hatten wir zu einer Eurovision-Party geladen. Die Idee war weniger, den Musikwettbewerb zu feiern, sondern zu genießen, daß unser Freundeskreis hier aus so vielen Nationen zusammengesetzt war. Ich bekomme es kaum noch zusammen, aber eingeladen waren Schweden, Deutsche, Engländer, Franzosen, Polen, eine Slowakin, eine Irin, ein Isländer, eine Russin, eine Venezonalerin, eine Spanierin und ... mmh, mehr krieg ich jetzt auch nicht mehr zusammen.

Die Party war, da ja nicht alle das Schlagerfestivalen (so der schwedische Name) mögen, etwas zweigeteilt. Die eine Hälfte der Leute saß draußen um den Grill, die andere verfolgte drinnen gebannt die schwedische Ausstrahlung des Eurovision Song Contest 2010. Es wurde sogar eine Abstimmung gemacht, die trotz schlechter Statistik recht nah am tatsächlichen Ergebnis lag.

Zum Ende der Show waren die schwedischen Kommentatoren auch wieder mit der Welt versöhnt, zum einen weil sie Lena lieben und zum anderen, weil bekanntgegeben wurde, wie knapp Schweden im Halbfinale ausgeschieden ist. Tatsächlich war Anna Bergendahl nämlich auf Platz 11, und es haben nur 10 Punkte gefehlt, um sie ins Finale zu schicken. Die nationale Krise des Eurovision Song Contest in Schweden scheint einigermaßen überwunden.

Und in Deutschland darf man endlich mal wieder stolz auf sich sein. Scheinbar brauchen wir sowas ja, um unseren zerbrechlichen Naionalstolz zu pimpen.

Donnerstag, 27. Mai 2010

Eurovision, die Zweite

Gerade singt Anna Bergendahl für Schweden im Vorentscheid für den Eurovision Song Contest. Ganz Schweden sitzt vor dem Fernseher und würde gern für sie anrufen. Dürfen sie natürlich nicht. Fürs Finale wird es wohl trotzdem reichen. Die Kommentatoren des schwedischen Fernsehens freuen sich jedenfalls, wie schön sie gesungen hat.

Die Schweden wissen eben, wie man den Geschmack der Allgemeinheit trifft. Die Schweden stehen übrigens tatsächlich ganz clichékonform auf Abba-Musik: poppig, melodiös, schnulzig. Den israelischen Beitrag halten die Schweden übrigens für das Allergrößte. Dagegen mochten sie den Beitrag der Niederlande und den aus Slovenien gar nicht. Ist ja auch verständlich bei Spielorgelmusik und Musikantenstadl auf dope.

Jetzt in der Werbepause sieht man im schwedischen Fernsehen keine Werbung. Stattdessen werden Zuschauerfragen beantwortet. Eine davon ist: Warum durfte Schweden am Dienstag im ersten Halbfinale nicht abstimmen? Das hat wohl etwas mit der Strategie zutun, daß man das typische Abstimmen für Nachbarländer verhindern möchte. Deshalb wurden Nachbarstaaten wie Schweden und Dänemark wohl auch ins selbe Halbfinale gelegt. Eine recht subtile Logik, die ich nur zur Hälfte verstehe.

P.S.: Das hat wohl doch nicht gereicht für Anna aus Schweden. Die Enttäuschung ist groß, zumal der Eurovision Song Contest hierzulande etwas ganz großes ist. Arme Schweden. Mal sehen, was die Zeitungen morgen so schreiben. Gerade jetzt werden wohl 9 Millionen Schweden vorm Fernseher weinen. Die Kommentatoren sind jedenfalls überzeugt, daß es ein knochenhartes Halbfinale war und daß Europa Anna einfach nicht verstanden hat.

Mittwoch, 26. Mai 2010

Noch ein Winter in Schweden

Ja, endlich steht es fest, ich darf noch ein Jahr in Schweden bleiben! In der Wissenschaft dreht sich leider alles darum, Geld für die eigene Stelle aufzutreiben. Das ist mir sehr viel Aufwand und mit noch mehr Frust verbunden, da man einen großen Teil seiner Zeit mit dem Schreiben von Projekten verbringt, die Erfolgsquote jedoch maximal bei 10% liegt.

Umso schöner, daß ich endlich erfolgreich war. Das bedeutet ein weiteres Jahr Sicherheit und Zeit, mehr Anträge zu schreiben. Und natürlich: noch ein Winter in Schweden.

Dienstag, 25. Mai 2010

Eurovision, die Erste

Ich schaue gerade den ersten Vorentscheid des diesjährigen Eurovision Song Contest im schwedischen Fernsehen. Schweden darf heute aus mir unergründlichen Gründen nicht abstimmen, aber ich hätte heute auch keinen echten Favorit gehabt. Belgien war ganz gut und könnte Lena wohl noch gefährlich werden. Und die schreiende Dame aus Lettland wohl auch. Wir werden es am Samstag erleben.

Wir veranstalten übrigens am Samstag eine Eurovision Party. Mal sehen, wieviele Nationalitäten wir zusammenbekommen.

So, noch 4 Minuten bis zum Ende der Abstimmung. Donnerstag ist Schweden dran. Da werden die Straßen wohl leergefegt sein. Also noch leerer als sonst. Aber für Schweden darf man ja von hier aus auch nicht anrufen. Aber für Deutschland!

Sonntag, 23. Mai 2010

Frühling, der sich wie Sommer anfühlt

Seit einer Woche ist der Frühling nun endlich wirklich da, auch bei uns auf dem Lande. Die Temperaturen sind sogar schon auf über 20°C geklettert. Endlich kann man wieder draußen sitzen und die Sonne genießen.

Innerhalb einer Woche ist auch alles schlagartig grün und blühend. Die kambrische Explosion war nix dagegen.Zum typisch schwedischen Landleben gehört natürlich auch die Gartenarbeit. Die Apfelbäume blühen, die erste Rabarberernte ist eingebracht, die Radieschen im Gewächshaus sind auch bald so weit.
Heute hat es übrigens den ganzen Tag geregnet. Aber wenn man ein Landei ist, dann ärgert man sich nicht, sondern freut sich, daß der Garten gewässert wird. Außerdem konnte ich den Tag nutzen, um das Gästezimmer zu streichen. Dabei hab ich natürlich an meinen Besuch gedacht, den ich nächsten Freitag aus Heidelberg erwarte. Hoffen wir, daß der Sommer dann zurück ist.

Winter

Nein, der nächste Winter hat noch nicht begonnen in Schweden. Aber ich dachte, der letzte Winter ist es wert, noch einmal an ihn zu erinnern. Für mich war es wirklich ein traumhafter, wenn auch langer Winter.

Winter heißt in erster Linie Schnee und kalt, von beidem gab es mehr als genug diesen Winter. Mitte Dezember hat es das erste Mal so richtig geschneit, und bis Anfang April lag auch durchgängig Schnee. Ich habe keine Ahnung, wieviel Zentimeter Schnee insgesamt gefallen sind. Das läßt sich schwer abschätzen, denn der Schnee ist ja immer wieder zusammengesackt. Aber dank der anhaltenden Minusgrade hat es auch kaum getaut. Von Mitte Dezember bis Anfang März gab es vielleicht 3 oder 4 Tage mit Temperaturen nahe am Gefrierpunkt. Ansonsten war es wirklich wochenlang unter -15°C. In der letzten Februarwoche ist das Quecksilber dann sogar nochmal auf -28°C gefallen. In Nordschweden waren es sogar mal unter -40°C.

In Schweden kommt natürlich noch eine Sache dazu: die Dunkelheit. Die ging mir ja in Deutschland schon immer auf die Nerven. Doch hier ist es nochmal eine ganz andere Größenordnung, wenn es erst 9 Uhr morgens hell wird und 14 Uhr schon wieder dunkel ist.Auf dem Weg zur Arbeit. Auf dem Heimweg war es ab Oktober bis März immer schon lange dunkel.

Es ist erstaunlich, wie sehr sich das Leben im Winter von dem im Sommer unterscheidet. Das ist in Schweden noch deutlicher als in Deutschland. Tatsächlich bedeutete Winter für uns im täglichen Leben in erster Linie heizen, Schnee schippen und Vollvermummung. Mehrere Wochenenden hintereinander haben wir mit Holz sägen und Holz hacken verbracht. Die erste Handlung jeden Abend nach dem Nachhausekommen war Feuer machen. Und immer wieder hieß es Schnee schippen. Morgens, um aus der Garage übers Grundstück auf die Straße zu kommen, abends, um wieder aufs Grundstück zu kommen. Im Laufe der Wochen wurde das Schippen auch immer schwieriger, denn der Schnee mußte immer höher über die Schneehaufen geworfen werden mußte.Das Grundstück um Neujahr herum mit geräumter Fahrspur zur Garage links hinterm Haus.

Nach einem Sturm Ende Februar waren wir über Nacht eingeschneit, sodaß wir zusammen mit unserem Wochenendbesucher aus Göttingen 3 Stunden geschippt haben, nur um die eine Seite der Fahrspur freizuschippen, damit wir zum Bahnhof fahren konnten. Blick aus der Haustür am Morgen nach dem Scheesturm. Die Treppe hat übrigens 6 Stufen nach unten. Von denen haben wir den ganzen Winter aber maximal 4 gesehen.

Abgesehen von den alltäglichen Dingen, die der Winter so mit sich bringt, gab es aber natürlich auch einige typisch "wintrige" Aktivitäten, die den Winter so schön gemacht haben. Dazu gehören:
1. Spaziergänge im Schnee und über das Eis auf den Seen.
2. Eislaufen und Grillen mit Freunden.
3. Freunde zu Besuch haben.
4. Unser Ausflug auf die Ålandinseln inklusive Fahrt durch die zugefrorene Ostsee.
5. Ski fahren.


Ach ja, was für ein schöner Winter. Trotzdem gut, daß er vorbei ist.

Samstag, 22. Mai 2010

Rabarberkuchen!

Der Sommer ist da, und passend dazu gab es heute den ersten Rabarberkuchen mit Rabarber aus dem Garten. Lecker! Das Rezept gibt's hier.
P.S.: Ginny durfte hinterher das Schlagsahnegefäß saubermachen.

Frühlingsfest

Einmal im halben Jahr veranstaltet mein Arbeitgeber ein Fest als Beitrag zur arbetsglädje (Arbeitsfreude). Gestern Abend war das Frühlingsfest des Instituts. Jeder, der wollte, war zu einem 3-Gänge-Menu eingeladen. Es gab sogar einen Dresscode: formell. Also haben sich alle in Schale geworfen und sind halb 7 im Gebäude der Västgötalands Nation, einer Studentenverbindung, zum Sektempfang und mingel (wörtlich: mischen).

Dann durften alle im Bankettsaal an einem von zwei Tischen platznehmen. Die Sitzornung war von den Organisatoren festgelegt und sah eine höchstmögliche Vermischung der Personen aus verschiedenen Abteilungen vor.Das Essen war gut, wenn auch zu wenig und unterbrochen von ein paar Reden und gelegentlichem Singen von Liedern, wie das eben so üblich ist auf schwedischen Parties. Teil des Programms war es auch, daß nacheinander alle Anwesenden geordnet nach ihren Heimatländern aufstehen und in ihrer Muttersprache Hallo sagen. Unter den 70 Anwesenden waren Angehörige von insgesamt 20 Nationen, dabei waren nicht mal alle da.

Nach dem Essen gab es dann - auch typisch schwedisch - erstmal wieder Kaffee, bevor dann getanzt werden durfte. Ab 1 Uhr wurde die Party dann ins Institut verlagert, wo wir uns dann aus dem Geschehen ausgeklinkt haben.

Dienstag, 18. Mai 2010

Touristenprogramm - Teil 2

Wie kommt es eigentlich, daß man sich so gut wie nie die Mühe (oder das Vergnügen) macht, sich die Umgebung, in der man wohnt, aus dem Blickwinkel des Touristen anzuschauen?

Diese Gefahr besteht bei mir defintiv auch. Aber zum Glück kamen letzte Woche meine Eltern zu Besuch, sodaß wir auch Gelegenheit dazu hatten, uns ein bißchen in der Umgebung umzuschauen. Am Donnerstag, der hier auch als Kristi himmelfärds dag ein Feiertag war, regnete es leider. Aber auch dafür gibt es ein entsprechendes Touristenprogramm: Die Silbermine in Sala.

Hier kann man sowohl ober- als auch unter Tage die Ergebnisse des jahrhundertealten Silberabbaus begutchten. Vom Touristischen Standpunkt ein echtes Erlebnis, wenn man sich auch warm anziehen sollte, denn in Schweden ist es kalt in der Tiefe. Führungen gibt es in verschiedenen Sprachen, zum Beispiel schwedisch, englisch, deutsch oder niederländisch. 1,5 h in der Unterwelt kosten gerechtfertigte 155 SEK.
Vom geologischen Standpunkt hätte ich mir vielleicht ein bißchen mehr Information gewünscht, aber man kann ja nicht erwarten, daß Führungen tiefgehendes Expertenwissen vermitteln.

Wer sich in 155 m Tiefe wohl fühlt, kann dort übrigens auch übernachten oder seine Hochzeit feiern. Für weitere Informationen verweise ich auf die Homepage der Mine.

Dienstag, 11. Mai 2010

Exkursion - mit, für und in Schweden

Dieser Post wartet schon viel zu lange auf seine Veröffentlichung, denn ich bin eigentlich schon am Freitag zurückgekommen von einer Studentenexkursion auf die Insel Utö im Stockholmer Archipel. Leider kamen 1000 Dinge dazwischen, sodaß ich nur kurz ein paar bildliche Eindrücke vermitteln möchte. Bei Gelegenheit werde ich dann aber hoffentlich noch etwas schreiben über die Geologie der Insel, die Verweichlichung von Studenten und das Bild einer amerikanischen Austauschstudentin von Schweden (und im Großen und Ganzen von Europa).Noch immer motivierte Studenten am ersten Tag der Exkursion. Leider sollte sich dieser Zustand nicht halten, denn es war ja windig und kalt. Aber was soll man eigentlichauch anderes erwarten auf einer Insel vor Stockholm im Mai? Immerhin hat es nicht geregnet!Ein Eindruck von der Schönheit dieser Insel: kristallklares Wasser, felsige Schären, weiße Sandstrände und fantastische Geologie. Was will man mehr?

OK, nun berichte ich doch noch ein paar Details. Also, wie kommt man auf diese Insel? Ganz einfach: Man nehme den Zug von Uppsala nach Stockholm Hauptbahnhof, dann die S-Bahn nach Västerhaninge, dann den Bus nach Årsta-Brygga, dann die Fähre nach Utö. Auf der Insel geht dann alles zu Fuß, denn außer den Einheimischen darf niemand sein Auto mitbringen.

Was kann man da so machen? Normalsterbliche machen auf Utö Urlaub, wandern, angeln, baden, fahren mit dem Boot etc. Ein paar Leute leben auch dort. Es gibt sogar eine Schule und einen Supermarkt, der 3 Tage die Woche auf hat, zumindest im Mai. Geologiestudenten werden einfach nur gequält, zum Messen und Zeichnen gezwungen und dem eisigen Wind ausgesetzt.

Gibt es da gefährliche Tiere? Persönlich habe ich eine Menge Vögel, ein paar Rehe und eine Ringelnatter gesehen. Doch das wohl gefährlichste Tier ist die Zecke, die sich leider sehr wohlfühlt auf Utö.

Wie war die Unterkunft? Unsere Gruppe war auf 3 Ferienhäuser aufgeteilt. Ich war mit unserer chinesichen Doktorandin, einer schwedischen Studentin und einer amerikanischen Austauschstudentin in einem Haus. Das war recht angenehm. Ziemlich ruhig und mit chinesischem Essen jeden Abend. Zur Unterhaltung hatten wir den Fernseher und die Amerikanerin, die wirklich jedes Cliché erfüllte. Abgesehen davon war die fansziniert davon, daß man in Europa tatsächlich mit dem Zug fährt. Sie dachte immer, das gäbe es nur bei Harry Potter. Außerdem war sie völlig aus dem Häuschen, als der Nachbar auf einmal Holz hackte. Da hätte sie am liebsten mitgemacht. Ihr Kommentar dazu war: "Ich fühle mich in Schweden wirklich wie 50 Jahre zurückversetzt." Wie primitiv aber auch, mit Holz zu heizen statt mit Strom aus dem Kohlekraftwerk!

Was habe ich da überhaupt gemacht? Ich war eine von 2,5 Betreuern auf dieser Geländeübung, deren Aufgabe es was, die Studenten anzutreiben. Insgesamt war die Motivationslosigkeit der Studenten zwar etwas demotivierend, aber es war toll, mal wieder draußen zu sein und nicht nur am Computer zu sitzen.

Samstag, 1. Mai 2010

Die ultimative Uppsala-Erfahrung

Gestern war Valborg, die schwedische Entsprechung von Walpurgis, und dies wird in Uppsala mit vielen Traditionen und vor allem mit noch viel mehr Alkohol gefeiert. Das darf man sich natürlich nicht entgehen lassen, denn immerhin wird an diesem Tag der Frühling offiziell eröffnet. Losgeht es traditionell mit einem Sektfrühstück mit Erdbeeren. Um der Tradition ganz genau zu folgen haben wir uns um 8 Uhr bei einer Kollegin eingefunden und dort zusammen mit unseren Freunden den Tag mit etwas Sekt, Erdbeeren und allem, was das Frühstücksherz begehrt, eröffnet.

Kurz nach 9 mußten wir uns alle dann auch auf den Weg in die Stadt begeben, denn es galt einen guten Platz am Fluß zu ergattern, von dem aus wir am Ufer das Forsränningen (das akademische Rennen) beobachten konnten. Der Sinn dieses Rennens ist es, mit möglichst kreativen, selbstgebauten Booten (meist aus Styropor) den Fluß herunterzufahren und dabei die 2 Stufen mit Wasserfällen zu überstehen. Der Witz für die Zuschauer ist natürlich, daß eine Reihe von Booten an den Stufen zerschellt und dann die Leute samt Trümmern statt ihrer Boote den Fluß heruntertreiben. Dieses Jahr war der Fluß außerordentlich voll und schnell, sodaß extra viele Taucher im Einsatz waren und die ins Wasser gefallenen Leute herausfischten.

Wir haben nicht mal bis zur Hälfte der Boote ausgehalten. Aber sie waren alle überwältigend schön, weshalb ich hier auch eine große Auswahl zeigen möchte. Man beachte zum Beispiel das Barbie-Mobil, das Polizeiboot, den schwimmenden Kackhaufen oder aber auch die diversen Trümmer.Danach ging es den Schloßberg hoch zum Picknicken. Überall hatten sich schon Leute niedergelassen, um sich bei sommerlichen 15°C mit ein wenig Alkohol zu erfrischen.Wir haben uns alle zusammen in den nahegelegenen botanischen Garten zum Picknick begeben. Dort ging es weniger wild zu, denn dort waren hauptsächlich Familien und Universitätsangestellte. Das traditionelle Essen bei einem Valborgspicknick, dem silllunch ist sill, Hering in saurer Lake eingemacht. Mittlerweile gibt es aber unzählige Soßen, deren Sinn es meiner Meinung ist, den Fischgeschmack zu überdecken. Hier eine kleine Auswahl (unter anderem schwarze Johannisbeere, Senf und französische Zwiebel):Beim Picknick war es dann auch schon fast sommerlich warm. Eine echte Idylle: lachende Menschen sitzen im Gras und essen Hering, andere spielen Folkloremusik auf altertümlichen Instrumenten, Kinder rennen durchs Gras und versuchen die übervolle Ente auf dem Teich zum Essen zu überreden, andere Kinder machen Seifenblasen im Wind, wieder andere Leute spielen Ball. So ist der Frühling in Schweden.Um 3 Uhr hatten wir dann noch einen weiteren wichtigen Termin: das berühmte mösspåtagning, bei der Rektor der Universität offiziell den Frühling verkündet, indem er vom Balkon der Unibibliothek Carolina Rediviva mit seiner Absolventenmütze winkt. Und die Leute in der Menge, die sich den gesamten Schloßberg hinunter stauen, zurückwinken. Danach rennen alle hinunter in die Nationen, die Studentenverbingungen. Das nennt man dann Champagnergalopp. Ursprünglich galt es als erster Student unten in den Fluß zu springen, woraufhin man seine Abschlußprüfungen erlassen bekam. Heutzutage wird einfach gefeiert und getrunken.Wir brauchten jedoch erst einmal eine Pause, bevor wir uns dann gegen halb 6 zu Freunden zum Grillen auf den Weg durch die Stadt machten. Dort sah es aus wie auf einem Schlachtfeld. Die Straßen voller Abfall, die Luft alkoholgeschwängert. Allerdings ging es unter den Betrunkenen doch sehr friedlich zu. Angeblich soll man an Valborg bis zum Morgengrauen trinken. Doch für uns war nach 14 Stunden das Feiern zuende, als es anfing zu regnen.

Aber das war wohl die absolut typischste Uppsala-Erfahrung, die man machen kann. Und wir waren dabei! Anderswo in Schweden gibts es übrigens in anderen Universitätsstädten auch ein paar Traditionen, allerdings nichts im Vergleich zu Uppsala. Ansonsten geht man zu Valborg abends trinken und feiern. Valborg in Uppsala ist also einmalig.

P.S.: Vor 2 Jahren berichtete übrigens die Tagesschau über Valborg in Uppsala.

Wo sich Pippi und Michel Gute Nacht sagen...


...da ist Småland. Und genau da waren wir Anfang der Woche für drei Tage, um ein paar Messungen zu machen und uns mit Kollegen aus Göttingen zu treffen. Ich war zwar schon etwa 5 Mal dort, aber für mich ist es trotzdem einer der schönsten Orte in Schweden und - vielleicht dank Astrid Lindgren - genau das, was man sich unter typisch schwedischer Landschaft vorstellt.