Mittwoch, 30. Juni 2010

Hejdå SFI!

Svenska kursen är nu slut, eftersom jag pratar flytande. (Der Schwedischkurs ist jetzt vorbei, weil ich fließend spreche.) Auf schwedisch klingt das irgendwie schöner. Trotzdem weiter auf deutsch: Tatsächlich ist an diesem denkwürdigen Tag meine letzte Prüfung meines zweiten SFI (svenska för invandrare = schwedisch für Einwanderer)-Kurses gewesen. Nach einer schriftlichen Prüfung mit 90 Minuten Leseverstehen, 30 Minuten Hörverstehen und 60 Minuten Schreibvertigkeit letzte Woche Dienstag, sowie einer mündlichen Prüfung mit Einzelgespräch und Dialog am letzten Mittwoch lag heute die letzte Prüfung an: noch eine mündliche Prüfung. Dieses Mal ging es darum, sich über Netmeeting mit meiner Weblehrerin in Malmö zu unterhalten. Diese hatte über die vergangenen 4 Monate meine Online-Hausaufgaben, die man zwingend für den Kurs erledigen mußte, korrigiert.

Jede solche Hausaufgabe umfaßte Schreibübungen, Leseverstehensübungen zu Texten im Lehrbuch, Grammatikaufgaben, Hörverstehensübungen und Sprechübungen, die man mit dem Computer aufzeichnen und als MP3 speichern mußte. Davon gab es zu jedem Kapitel im Buch eine. Thematisch ging es um geographische Landeskunde, Familienrecht, Ökonomie, Politik, Recht und Arbeit. Das heißt, manhat in diesem Kurs nicht nur die Sprache sondern auch viel darüber gelernt, was man als guter Bürger so wissen muß.

Sprachlich ging es darum, beliebige Texte lesen, beliebige Konversationen verstehen und führen zu können, sowie seine Meinung äußern zu können. Damit ist Stufe D abgeschlossen (Ich weiß nicht, wie sich das in den europäischen Referenzrahmen für Sprachen einordnen läßt.). Es besteht die Möglichkeiten, Kurse für svenska som andra språk (Schwedisch als Fremdsprache) zu belegen und bis zum Gymnasialniveau zu kommen, aber leider gibt es dazu keine Abendkurse. Wir werden also sehen, wie sich mein Schwedisch weiter entwickelt.

Insgesamt ist es aber für einen Deutschen möglich, innerhalb eines Jahres gut genug schwedisch zu lernen, um im täglichen Leben damit durchzukommen.

Touristenprogramm: Disa Gården

Wer schon immer wissen wollte, wie das Landleben in Schweden vor Bullerbü und Michel so war, sollte das open air Museum Disa Gården besuchen. Hier gibt es die Nachbildung eines typischen Dorfes aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, das aus etwa drei Höfen besteht.

Die Häuser sind Originale, die aus verschiedenen Teilen des Landes antransportiert wurden. Sie sind mit Originalmöbeln ausgestattet. Außerdem gibt es Kühe und Schafe und Gärten, eben wie auf einem echten Bauernhof.

Disa Gården istein Teil des Upplandsmuseums. Es befindet sich gleich neben Gamla Uppsala, am Fuß der Hügelkette. Der Eintritt kostet 25 SEK für Erwachsene.
Zum Trocknen aufgehängtes Knäckebrot in der Küche eines Bauernhauses.
Wohnzimmer eines der Bauernhäuser mit hübschen Wandmalereien.

Samstag, 26. Juni 2010

Midsommar!

Es ist so weit: das schwedischste aller schwedischen Feste ist gekommen, und ich war dabei! Midsommar 2010.

Aber Moment! Ist Mittsommer nicht am 21. Juni zum Sommeranfang? Nein! Mittsommer ist immer am darauffolgenden Wochenende, und zwar ist freitags midsommarafton (Mittsommerabend) und samstags midsommardagen (der Mittsommertag). Insgesamt ist Mittsommer das wohl wichtigste schwedische Fest. Es wird überall auf dem Lande gefeiert, sodaß die Städte menschenleer sind.

Wichtiger Bestandteil ist die midsommarstång, der Maibaum. Der wird am Donnerstag Abend mit Blumen und Grün geschmückt und auf dem Dorfplatz aufgestellt. Am midsommarafton wird dann um den Maibaum herumgetanzt, und zwar so (Unbedingt angucken! So ist es wirklich!). Außerdem gibt es allerhand Musik und Volkstanz von glücklichen Schweden mit Blumenkränzen und (teilweise) Trachten.
Traditionell wird zu den Feierlichkeiten tagsüber gepicknickt. Man ißt Frühkartoffeln mit Dill und eingelegten Hering (wir erinnern uns an Valborg). Zum Nachtisch gibt es Erdbeeren.Wir haben Midsommar ganz traditionell in Disa Gården gefeiert. Disa Gården ist ein Teil des Upplands Museums und stellt ein traditionelles schwedisches Dorf dar (dazu demnächst mehr). Welcher Ort wäre also besser geeignet? Die gleiche Idee hatten auch hunderte andere Uppsalenser. Es wird also nicht nur getanzt und gepicknickt, man sitzt auch einfach so im Gras rum und windet Blumenkränze unterhält sich und ist glücklich. Am erstaunlichsten fand ich, daß alle Generationen mitmachen: vom schwedischen Urgestein bis zum 2010er Jahrgang. Alle sind mit von der Partie.
Abends nach Ende der Maibaumgeschichte wird heutzutage meistens gegrillt. Dann beginnt der Teil der Veranstaltung, bei dem nicht alle Generationen mitmachen dürfen, der feuchtfröhliche. Zu Mittsommer wird wohl noch mehr getrunken als zu allen anderen Festen, sodaß dies (lustiges IKEA Video über Mittsommer) definitiv nicht nur ein Cliché ist.

Midsommar ist auf jeden Fall mein liebstes schwedisches Fest.

Montag, 21. Juni 2010

Sommarsolståndet

Heute ist der längste Tag des Jahres, Sommeranfang und Sommersonnenwende (sommersolståndet). In einem Land, in dem die Jahreszeiten so unterschiedlich sind wie in Schweden, ist das ein wirklich wichtiger Tag. Von jetzt an werden die Tage wieder kürzer.

Abgesehen davon, daß wir nicht wirklich weit nördlich wohnen ( knapp 60°N), besteht doch ein gravierender Unterschied zwischen hier und Göttingen. Dort geht die Sonne augenblicklich 21:39 Uhr unter und 5:07 Uhr wieder auf, während der Sonnenuntergang in Uppsala um 22:08 Uhr stattfindet und der Sonnenaufgang um 3:36 Uhr, berechnet mit dieser Sonnenpositionsberechnung. Die Sonne geht bei uns tatsächlich im Norden unter und im Nordosten wieder auf. Von wegen "im Norden ist sie nie zu sehen"! So richtig dunkel ist es zwischendurch auch nur kurz. Vielleicht schaffe ich es ja, heute Nacht mal ein Foto zu machen.

Ansonsten, nur zur Erinnerung:
Sonnenuntergang am 29.12.2010 gegen 14:30

Samstag, 19. Juni 2010

Det kungliga bröllopet

(=die königliche Hochzeit)
Wie man wohl auch in Deutschland unschwer ignorieren konnte, hat heute die schwedische Kronprinzessin Viktoria ihren Fitneßstrainer Danieln Westling geheiratet. Wie schon ihr Vater, König Carl Gustav, hat sich Viktoria einen Bürgerlichen zum Ehepartner erwählt, was zunächst nicht ganz gut bei eben diesem Vater ankam. Doch letztlich hat sich Viktoria durchgesetzt.

In Schweden ist die Hochzeit von Viktoria und Daniel seit Monaten das Lieblingsthema der Presse, nur gefolgt von der Verlobung und späteren Trennung der jüngeren Prinzessin Madlein. Viktoria ist bei den Schweden immerhin die beliebteste der Royals, obwohl die generelle Beliebtheit der Monarchie im Allgemeinen in den letzten Jahren drastisch gesunken ist, sodaß nur noch 46% der Schweden der königlichen Familie eine Berechtigung einräumen. Schweden ist schließlich keine Monarchie, nein, im Schwedischkurs lernt man: Schweden ist eine parlamentarische Demokratie. Der König hat keine echte politische Macht. Er und seine Familie repräsentieren lediglich. Und so sehen es auch nicht alle Schweden mit dem größten Verständnis, daß ihre (und auch meine) Steuergelder für diese Hochzeit verwendet werden. Immerhin bezahlt Papa König wenigstens die Hälfte aus seinem Privatvermögen.

Aus meiner Perspektive habe ich von der Hochzeit und den ganzen Vorbereitungen nur ein Minimum mitbekommen. Dieses Minimum bestand vorwiegend aus der Verwunderung über die Vermarktung der Hochzeit. In jedem Supermarkt findet man derzeit Schokolade, Porzellan, Servietten, Postkarten, Limonade, Kuchen, Küchlein, Notizbücher, etc. mit dem Logo und dem Bild des Kronprinzessinnenpaares. Das Logo wurde im Januar offiziell als Serie mit Copyright und allem Drum und Dran eingeweiht, wie man in dieser Pressemitteilung auf der Website des Königshauses nachlesen kann. Sogar Briefmarken gibt es. Im größten Flughafen Schwedens hing zudem seit Anfang des Jahres ein riesiger Countdown mit Foto des Paares. Die Tourismusbranche hat sich natürlich auch ein Stück der Hochzeitstorte abschneiden wollen und das Event unter dem Namen Love Stockholm 2010 vermarktet.

All das nützte trotzdem nicht halb so viel, wie man sich ausgemalt hatte, denn das große Interesse, das von den Medien gepusht wurde, blieb aus. Public Viewing wurde in vielen Großstädten statt für die Hochzeit für Fußball anberaumt. Sonderzüge blieben größtenteils leer. Zwar wurde Ende dieser Woche auf Arbeit scherzhaft herumgefragt, ob denn jemand zur Hochzeit nach Stockholm fährt, aber keiner wollte sich dem wirklich live aussetzen.

Mußte man ja auch nicht, denn das schwedische Fernsehen übertrug die Feierlichkeiten von 8 Uhr morgens bis spät in die Nacht live. Dem kann man sich nicht entziehen, wenigstens nicht einer kurzen Zusammenfassung, die ich unter Recherche für diesen Blogg verbuche. Laut Fernsehen ist wohl alles wie geplant verlaufen. Das Wetter war traumhaft, das Kleid erst recht (Das ist mal ein echt schönes Hochzeitskleid gewesen!). Die Prinzessin sah unbeschreiblich glücklich aus, ihr nun Angetrauter neben ihr wie immer etwas deplatziert aber ebenfalls glücklich.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute...

P.S. Die Einnahmen aus der Hochzeitsserie sowie Geldgeschenke an das Paar stiften die beiden übrigens in einer offiziellen Stiftung zur Unterstützung kranker und ausgegrenzter Kinder.

P.P.S. Wenn irgendwo in Schweden außerhalb Stockholms doch Euphorie aufgekommen sein sollte, dann war das in Ockelbo. Da kommt Daniel Westling, jetzt Prinz Daniel, Herzog von Västgötaland, nämlich her. Bisher kannte man den Ort nur von seinem Käse, jetzt ist er die Heimat des Gatten der Tronfolgerin von Schweden.

Sonntag, 13. Juni 2010

Katze auf Gras

Das passiert, wenn man Ginny einen Strauß Blumen aus dem Garten mitbringt: sie pickt sich den einzigen Grashalm raus.

Samstag, 12. Juni 2010

Touristenprogramm: Gamla Uppsala

Es ist Zeit für einen neuen Bericht aus der Reihe "Was kann man als Tourist in Uppland alles erleben?" Dieses Mal geht es um die älteste Stadt Schwedens, einen Ort mit jahrtausendealter Geschichte: Gamla Uppsala (Altuppsala).Ein Blick entlang der Grabhügel von Gamla Uppsala.

Gamla Uppsala befindet sich am Stadtrand Uppsalas und besteht aus einer Kette von Grabhügeln, sowie einer Kirche, die auf das angrenzende Flachland hinabblickt. Gamla Uppsala war in der Wikinger und Völkerwanderungszeit Sitz eines Könighofs, religiöses Zentrum und Grabstätte. In den Grabhügeln fand man bestattete Personen aus dem 5. und 6. Jahrhundert, deren Grabbeigaben und Überreste im Gamla Uppsala Museum ausgestellt sind. Die heutige Kirche steht angeblich auf dem gleichen Grund wie die ältere heidnische Kultstätte, von der ein isländischer Sagenschreiber und ein deutscher Mönch im Mittelalter berichten. Beide beschreiben blutige Rituale mit Menschenopfern.Das Gamla Uppsala Museum.

Der Besuch des Museums lohnt sich. Im Eintritt inbegriffen ist eine Führung (auf schwedisch oder englisch), die von einem Archäologen durchgeführt wird, der durch die Highlights des Museums führt und ein paar interessante Anekdoten aus der Geschichte Gamla Uppsalas zum Besten gibt. Völlig kostenlos ist dagegen ein Spaziergang um die Grabhügel oder ein Blick in die Kirche.Der Kirchturm der Kirche von Gamla Uppsala.

P.S.: Mit dem letzten Post wurde unbemerkt die 200er-Marke überschritten.

Donnerstag, 10. Juni 2010

Eyjafjallajökull und ich - Teil 2

Wer hätte gedacht, wie weite Kreise meine Einmischung in die Belange des o.g. isländischen Vulkans irgendwann noch ziehen würde. Nach dem ganzen Presserummel während der Eruption gab es nämlich noch ein Nachspiel hinter den Kulissen. Dabei sollte sich herausstellen, daß meine Einmischung ein zwar ungeplanter, aber taktisch sehr kluger Schritt für meine Karriere war.

Vor wenigen Wochen stellte sich nämlich heraus, daß die schwedische Behörde für Gesellschaftsschutz und Bereitschaft jedes Jahr Geld für die Anstellung junger Wissenschaftler vergibt. Just in diesem Jahr haben sie auch noch kurzfristig das Thema "Gefahr durch vulkanische Asche" in die Liste der förderwürdigen Themen aufgenommen. Leider erreichte diese Information unseren Korridor am Tag der Deadline. Doch mit viel Improvisation und Teamarbeit haben wir tatsächlich zwischen 2 Uhr nachmittags und 9 Uhr abends einen Antrag zusammengeschustert und abgeschickt. Entschieden wird darüber im Juli.

Letzte Woche ergab sich dann noch eine weitere Last minute Gelegenheit, als bekannt wurde, daß für dieses Jahr noch ein paar interne Gelder des Zentrums für Naturkatastrophen zur Verfügung stehen, über die am Dienstag dieser Woche entschieden werden sollte. Also hieß es mal wieder einen Antrag zusammenzuklöppeln. Zum Glück in diesem Fall nur einen kurzen, da für wenig Geld. Dienstag wurde dann entschieden, daß wir beinahe den gesamten beantragten Betrag bekommen, was bedeutet, daß wir fast 2 volle Monate Gehalt für mich rausgeschlagen haben. Ich werde also in diesem Herbst an 2 Projekten arbeiten. Zu meinem nun bewilligten Projekt, an dem ich schon seit letztem Jahr arbeite, kommt jetzt noch die Analyse von Ascheproben der Eyjafjallajökull-Eruption. Dabei soll ich herausfinden, welchen Weg das Magma genommen hat, wie lange es wo gespeichert wurde, und das ganze mit den Erdbebendaten, die während des Ausbruchs aufgezeichnet wurden, vergleichen.

Wer hätte das gedacht...

Freitag, 4. Juni 2010

Stockholm im Juni

Am Mittwoch waren wir das erste Mal in Stockholm. Ich bin zwar schon ein paar Mal mit dem Auto auf der Autobahn und einmal mit dem Zug durchgefahren. Doch aus Anlaß meines Heidelbergbesuchs war die ideale Gelegenheit gekommen.

Stockholm ist nicht nur die Hauptstadt, sondern auch die größte Stadt Schwedens. Hier ist der Reichstag, also die Regierung. Außerdem wohnt die königliche Familie hier. Und zwar hier:Eine Parade mit fröhlicher Blasmusik von den Männern in weiß auf dem Weg um den königlichen Palast. Das kommt nicht alle Tage vor. Am Mittwoch war es wohl eine Übung für den Nationalfeiertag am Sonntag.

Stockholm liegt über viele kleine Inseln im Schärengarten der Ostsee verteilt. Auf einer dieser Inseln liegt der Reichstag, auf einer anderen der Königspalast:
Auf einer anderen Insel liegt diese Kirche mit durchsichtigem Dach, übrigens die älteste Kirche Stockholms, das erst zur Hansezeit gegründet wurde.Auf einer anderen Insel liegt gleich neben dem Palast die Altstadt, die Gamla Stan, mit niedlichen gelben Häuschen, kleinen Gäßchen und jeder Menge Touristen.
Das ist die Mini-Touristenrunde. Man soll es ja nicht übertreiben. Bis zum nächsten Mal im großen, lauten, fortschrittlichen und doch so traditionellen Stockholm.