Dienstag, 31. Dezember 2013

Das war 2013!

Jetzt ist wohl im Allgemeinen die Zeit gekommen, auf das vergangene Jahr zurückzublicken und sich erinnern, was alles passiert ist.

Januar
Der Januar stand auf jeden Fall noch im Zeichen von Renovierung und Umzug, ein wahnsinniger Anstrengungsakt, dem ich im dunklen Winter niemandem empfehlen kann. Da kam auch die Dienstreise in die Slowakei nicht so passend, auch wenn es mir dort ansonsten sehr gut gefallen hat und ich gern nochmal privat hinfahren würde. Freizeittechnisch war also nicht viel los im Januar. Eine der positivsten Überraschungen war da noch die Entdeckung, daß wir eine beleuchtete Skiloipe in der Nachbarschaft haben, die auch prompt ein paar Freunde zu Besuch anlockte.

Februar
Der Februar war so vollgepackt, daß ich gar nicht weiß, wie ich diesen Monat überstanden habe. Gleich zu Anfang ging es für einen Workshop nach Oslo und dann nur wenige Stunden danach zum 2tägigen Einstand meines Führungskräftekurses auf ein Schloß bei Knivsta. Die folgenden Wochen waren voll mit Unterricht inklusive geologischem Kuchen. So ganz nebenbei haben wir im heimischen Chaos noch am Eßzimmer gearbeitet, das nach der Küche die weitaus größte Renovierung nötig hatte.

März
Der März war dagegen beinahe ereignislos, auch wenn auf Arbeit eine Menge los war, inklusive Anträgen, Beitreuung und Meetings. Zu Hause ging es mit der Renovierung des Eßzimmers und des Flures weiter. Rein wettertechnisch ist mir der März noch deutlich in Erinnerung: es war konstant knitterkalt (-15°C) und supersonning, sodaß der Schnee langsam von der Sonne weggefressen wurde und wir in der Fensterbank angefangen haben, Chilisamen auszusähen.
Resorptionsstrukturen im Schnee.
April
Ostern ist hier in Schweden eigentlich immer etwas enttäuschend, da draußen noch immer alles tot und grau ist, nachdem der Schnee so langsam wegtaut. Umso mehr habe ich mich gefreut, wenigstens für ein Wochenende meine Familie in Dresden zu besuchen. Von dort ging es direkt (na ja, mit umsteigen) nach Wien zur alljährlichen Tagung, wenn auch diesmal nur für die Hälfte der Zeit. Und auch da war dieses Jahr noch nichts von Frühling zu sehen. Wieder zu Hause mußten wir noch bis in die zweite Aprilhälfte warten, bis endlich die ersten Frühblüher zum Vorschein kamen.

Mai
Über den 1. Mai war ich mit meinen Schulfreunden an der deutschen Nordseeküste, was wirklich schön war, aber wie immer viel zu kurz. In der darauf folgenden Woche war ich nämlich wieder einmal mit den Stundenten im stockholmer Schärengarten auf Exkursion. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite, ganz zur Freude von Studenten und Lehrern. Wieder zu Hause war dann endlich der Frühling da. Die Katzen bekamen einen Freilaufbalkon und ich ein Kräuterbeet im noch immer etwas kahlen Garten. Am Samstag, den 18. Mai, haben wir dann endlich unsere Einweihungsparty gefeiert, zu der die meisten unserer hiesigen Freunde (sogar ein paar aus Oslo) gekommen sind. Bei fast vorsommerlichen Temperaturen haben wir das erste Mal im Garten gegrillt und drinnen Cocktails getrunken und Eurovision Song Contest geschaut. Rein wettertechnisch hat der Mai ansonsten keine Wünsche offengelassen: eine echte Frühlingsexplosion mit allem, was dazugehört.

Juni
Neben Mai ist Juni einer meiner Lieblingsmonate in Schweden. Dieses Jahr stand erstmal ein Wochenendbesuch in Stavanger an, bevor es dann ab Mittsommer in den Urlaub ging. Der führte uns und unsere Freunde ein paar tausend Kilometer nach Norden durch Schweden, Finnland und Norwegen zunächst nach Alta und dann an den Lyngenfjord zum Angeln. Sowohl zu Hause als auch bei 70°N war das Wetter einfach nur fantastisch. Ein Sommer, wie man ihn sich besser nicht wünschen kann.

Juli
Als es Anfang Juli aus dem Urlaub wieder zurückging, war der schwedische Sommer noch in vollem Gang. Bei langen Tagen und warmem Wetter machte selbst das Arbeiten Spaß, zumal der ganze Stress von Meetings im Sommer einfach ausfällt. Zu meinem Geburtstag waren wir dann auf Exkursion, um etwas mehr über Schwedens Geologie zu lernen. Die war gefolgt von einem kleinen Stresspeak, da wir auf Arbeit Besuch von einem Kamerateam von Discovery Channel hatten.

August
Der August stand hauptsächlich im Zeichen der Geländearbeit in Island. Neben einem Besuch auf dem Vulkan Hekla, hatten wir noch eine ganze Menge anderer Aufgaben zu erledigen. Unter anderem haben wir eine neue Caldera entdeckt und den schönsten Berg Islands bestiegen. Für mich war die Islandreise nicht zuletzt wegen des außergewöhnlich tollen Wetters der Höhepunkt des Jahres, wenn auch leider das Ende des Sommers.

September
Der September bringt mit dem Anfang des Herbstsemesters immer auch eine riesige Menge Arbeit mit sich. Die ersten zwei Wochen laufe ich generell Stundenten im Wald hinterher, was in der ersten Woche dieses Jahr noch OK war, denn der Sommer war kurzfristig zurück. Ab der zweiten Woche wurde es aber doch sehr herbstlich, was der Motivation der Studenten nicht gerade zuträglich ist. Die schöne Seite des Septembers ist, daß man es sich endlich wieder auch drinnen gemütlich machen kann und im Garten ernten kann, was über den Sommer gewachsen ist.

Oktober
Den diesjährigen Oktober verbinde ich in erster Linie mit Laubharken und Wintervorbereitungen. Und irgendwo war da auch noch Zeit für Kreativität, sowohl in meinem Führungskräftekurs, als auch zu Hause. Das Wetter war typisch für den Oktober. Bei einem Sturm fiel doch tatsächlich ein Baum in unserem Garten um und verfehlte nur knapp das Haus.

November
Der November ist generell mein am wenigsten geliebter Monat. Aber ein großer Teil der Lehre des Herbstes war vorbei und so beschlossen eine Freundin und ich, übers Wochenende nach Kopenhagen zu fahren, um zu shoppen und uns zu erholen. Außerdem fand noch die 2tägige Abschlußveranstaltung meines Kurses auf dem Rånäs-Schloß statt. Am zweiten Tag bekam ich dann die Nachricht, daß meine zweite Nichte das Licht der Welt erblickt hatte, was den Monat November dieses Jahr auf jeden Fall zu einem der vorderen Plätze verhilft. Mitte des Monats fand dann auf Arbeit noch ein populärwissenschaftliches Kolloquium zum 50. Jubiläum des Vulkanausbruchs, der die Insel Surtsey geschaffen hat, statt. Dort durfte ich auch einen Vortrag halten. Abgesehen davon habe ich dann in der zweiten Hälfte des Monats noch recht viel unterrichtet, was in dem Fall aber wirklich Spaß gemacht hat. Zum Schluß des Monats bin ich dann nach Deutschland zu meinem 12jährigen Klassentreffen gereist. Wow, ein ereignisreicher November!

Dezember
Vom Klassentreffen ging es dann weiter nach Dresden, wo ich meine neue Nichte kennenlernen durfte und mit meiner "alten" Nichte ihren 3. Geburtstag gefeiert habe. Trotz Sturm bin ich nach einer Woche wieder in Schweden angekommen, nur um in der Woche darauf wieder nach Deutschland zu reisen. Das zweite Mal ging es zur diamantenen Hochzeit meiner Großeltern. Ein echter Blitzbesuch übers Wochenende. Am Montag darauf war ich zum Abendessen bei der Unipräsidentin. Und dann war weihnachtsbedingt endlich frei! Ich kann Euch sagen, daß ich nach einem solch rasanten Jahr echt geschafft bin und mich über ein paar freie Tage gefreut habe.

2013 war also ein Jahr voller Ereignisse. Man könnte sagen, es war das Jahr der Kurzreisen und das Jahr, in dem unser Haus ein richtiges Heim geworden ist. Ein tolles Jahr, das wahnsinnig schnell vorbeiging und in dem es eindeutig zu wenig Zeit für Freizeit gab. Ein Jah, an das ich mich auf jeden Fall gern erinnern werde.

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Stuck, Schrotkugeln und Nobelpreisträger

Zum finalen Abschluss meines diesjährigen Führungskräftekurses war ich in der Woche vor Weihnachten zusammen mit den anderen Teilnehmern zum Abendessen bei unserer Unirektorin (in Deutschland entspricht das wohl der Unipräsidentin) eingeladen. Sowas passiert natürlich nicht bei der Rektorin zu Hause.  Dafür gibt es im Hauptgebäude der Uni eine Repräsentationswohnung, die mit antiken Möbeln, Stuck und Gemälden eingerichtet ist.

Die Rektorin muß wahrscheinlich öfter solche repräsentativen Abendessen abhalten, als ihr lieb ist, Smalltalk und Reden halten und wichtige und weniger wichtige Leute treffen. Meine Gruppe war diesen Monat jedenfalls nicht der Höhepunkt, denn der Gästebucheintrag auf der Seite vor der, auf der wir unterschrieben war von den diesjährigen Nobelpreisträgern, die am Freitag zuvor Uppsala besucht hatten.

Doch auch wenn wir nicht die wichtigsten Besucher waren, bekamen wir hervorragendes Essen. Zum Hauptgang gab es Wildente (inklusive Schrotkugel), was dem Geschmack aber keinen Abbruch tat.

Punkt 20 Uhr war der Ball, äh das Abendessen jedenfalls vorbei, und ich ließ mich von meiner blauen Kutsche abholen.

Dienstag, 24. Dezember 2013

Die Regeln des schwedischen Weihmachtsessens

Mittlerweile war ich schon auf diversen julbord (schwedischen Weihnachtsessen), doch es hat bis zu diesem Weihnachten gebraucht, um endlich herauszufinden, welche Regeln bei diesem traditionellen Festessen gelten.
Dies ist einer der 4 Tische, durch die man sich kämpfen kann/muß.
Wie man auf dem Bild gut erkennen kann, ist der Tisch mit den verschiedensten Gerichten voll beladen. Wie soll man sich da entscheiden? Zum Glück gibt es dafür Richtlinien, an die man sich halten kann, wenn man traditionsbewußt ist. Diese Richtlinien sehen 5 verschiedene Gänge vor:
  1. Der erste Gang besteht aus eingelegtem Hering in allen Varianten, zusammen mit Brot (süß oder Knäckebrot).
  2. Darauf folgt ein Gang mit geräuchertem, gebeiztem, gekochtem usw. Lachs, Lachpastete und halben gekochten Eiern mit Kaviar.
  3. Bei Gang Nummer 3 gibt es dann endlich was Substanzielles: Sülze, Pasteten, Würstchen, Roastbeef, Hirsch, geräuchertes Fleisch und Julschinken.
  4. Wer jetzt immer noch nicht genug hat, kann sich beim 4. Gang mit Weihnachtswürstchen, Auflauf, Omelette, Rippchen, Rotkohl und in Lauge gekochtem Trockenfisch (lutfisk) und Fleischbrühe mit eingetunktem Brot.
  5. Völlig fertig darf man sich beim 5. Gang endlich den süßen Dingen des Lebens widmen, dem Nachtisch. Der besteht typich schwedisch aus Reisbrei mit Schlagsahne (ris a la Malta), knuspriges Waffelgebäck, Bonbons und Pralinen, Käse und Cracker, sowie natürlich der obligatorische Kaffee.
Das julbord stammt aus ärmeren Zeiten, in denen die Bauern im Winter alles aufgefahren haben, was sie hatten. In Michel aus Lönneberga gibt es eine Szene, in der Michel die Armen des Dorfes zum julbord einlädt. Heutzutage ist ein solch überschwängliches Essen natürlich nicht mehr richtig mit unserem Lebenstil zu vereinbaren. Deshalb halte ich mich beim Arbeitsweihnachtsessen an die Sachen, die ich mag, zum Beispiel warmgeräucherten Lachs, geräucherte Entenbrust und Julschinken. Das macht es deutlich leichter, nach dem Essen, nicht als Kugel zurück auf Arbeit rollen zu müssen.

Einige der Gerichte habe ich übrigens zu meinem Foodblog voracious silence verlinkt, solltet Ihr jetzt Appetit haben. Frohes Nachkochen!

Montag, 16. Dezember 2013

Diamanten, Plätzchen und Harzkäse

Am Wochenende waren wir auf Blitzbesuch in Deutschland zur diamantenen Hochzeit meiner Großeltern. Für alle, die wie ich vor ein paar Wochen nicht wussten, was das ist: diamantene Hochzeit feiert man nach 60 Jahren Ehe. Wahnsinn! 

Das Wochenende war also sehr kurz und intensiv mit gerade genug Zeit, um unsere Harzkäse- und Kaffeevorräte aufzustocken und dann mit der Familie im Dorf meiner Großeltern bei Kaffee und Plätzchen (und Kuchen) und dann später beim Abendessen zu feiern. Es war schön, mal wieder etwas Zeit mit Verwandten zu verbringen, die schon Jahre nicht gesehen habe.

Sonntag Mittag saßen wir dann auch schon wieder im Flieger zurück nach Schweden. Für mich war das dieses Jahr übrigens mein 21. Flug (Verbindungsflüge einzeln gezählt). Das reicht wohl.

Freitag, 13. Dezember 2013

Happy Lucia allerseits!

Heute ist nicht nur Freitag, der 13., sondern auch das schwedische Lichterfest zu Ehren der heiligen Lucia. Zudem waren heute auch fünf der diesjährigen Nobelpreisträger in Uppsala, um nach alter Tradition Vorlesungen zu halten. Und trotz der ganzen Action bin ich gerade auf dem Weg nach Deutschland.

Grüße aus 10 km Höhe, besonders an meine Nichte, die heute Namenstag hat

Freitag, 6. Dezember 2013

Familienurlaub mit Neubekanntschaft

Jeder Auswanderer wird es einem bestätigen: Besuche in der Heimat werden nie wieder erholsam sein, wenn man erstmal im Ausland wohnt. Dann muß man nämlich Familie und Freunde in kürzester Zeit besuchen.

Gerade sitze ich nach einem sechstägigen Deutschlandbesuch auf dem schönefelder Flughafen und hoffe, daß Orkan Xaver mir nicht die Heimreise verdirbt. Bis jetzt waren meine 6 Tage in Deutschland nämlich sehr schön. Ich habe meine Klassenkameraden aus der Schulzeit und meine alten Freunde getroffen, hab meine Eltern und Großeltern gesehen und hab dann 4 Tage mit der Familie meiner Schwester verbracht. Dort habe ich meine fast 4 Wochen alte, zuckersüße und total liebe Nichte kennengelernt und hab ausgiebig Zeit mit meiner anderen Nichte verbracht, die heute schon ihren dritten Geburtstag feiert. Es hat super viel Spaß gemacht, mit ihr Plätzchen zu backen und ein Pfefferkuchenhaus zu bauen. Heute Vormittag haben sie und ich auch einen Ausflug zum Tierladen gemacht und für Leon ein neues Bällchen gekauft. Dann hat sie heute Nachmittag die Kerzen auf ihrem Geburtstagskuchen ausgepustet. Sie ist echt schon wieder so groß.

Ich hoffe, meine Reise nimmt demnächst noch ein planmäßiges Ende und ich kann, wie meine Nichte es ausdrücken würde, heute wieder in meinem Schweden schlafen.

Mittwoch, 4. Dezember 2013

1 Jahr Hausbesitzer

Vor einem Jahr haben wir die Schlüssel zu unserem Haur bekommen und bei sonnigem -23 Grad und einem halben Meter Schnee mit dem Umzug begonnen.

Kaum zu glauben, daß wir schon wieder ein Jahr in unserem Haus wohnen.

Sonntag, 1. Dezember 2013

Jahrgangstreffen 12 Jahre nach dem Abitur

Gestern fand in einem kleinen Restaurant in meiner Heimatstadt ein Treffen meines Abiturjahrgangs statt, zu dem aber nur etwa ein Viertel gekommen sind. Trotzdem war es mal interessant herauszufinden, was aus allen so geworden ist.

Nach 12 Jahren gibt es natürlich einiges zu berichten in den Kategorien "mein Haus, mein Auto, meine Pferdepflegerin". Allerdings klangen die tatsächlichen Berichte eher nach "mein Beruf, meine Kinder, und ich wohne in Hannover". Die wenigsten haben tatsächlich die Berufe ergriffen, die sie damals im Jahrbuch als Berufswunsch angegeben haben. Einige haben schon richtig große Kinder, andere haben Tschibofilialen oder ein Priestergelübde. Einer war neulich im Fernsehen. Einer ist ein Aussteiger. Eine wohnt in den USA. Einer ist gerade wieder bei Mami eingezogen.

Es war sogar eine Lehrerin da, meine Klassenlehrerin in der 11. und 12. Klasse. Auf die hätte ich wirklich verzichten können.

Irgendwie hat mich im Vorhinein der Gedanke an so ein Jahrgangstreffen mental wieder zurückversetzt in die Schulzeit, in der man sich an der Meinung der Mitschüler mißt. Doch beim Treffen wurde mir klar, daß auch die anderen Falten bekommen haben und daß ich auf meiner Pferdepflegerinnenliste genau da bin, wo ich sein will.