Freitag, 27. Februar 2009

Tourismus - die Zweite

Nach einer ziemlich arbeitsreichen Woche mit viel Spanisch und leider wenig Zeit für meine Disputationsvorbereitung und noch weniger Zeit für solche Dinge wie Blogs kann ich jetzt endlich ein wenig von meinem Urlaub letzte Woche auf Lanzarote berichten. Da es sich ja um eine Pauschalreise handelte, kam ich zur Abwechslung mal in den Genuß des puren Tourismus - mit Bungalowanlage und Chartermaschine und jeder Menge deutscher und britischer Rentner.

Lanzarote ist wirklich durch und durch Touristeninsel, besonders natürlich in den Tourismushoch-burgen im Süden der Insel. Allerdings ist das Tourismuskonzept insgesamt ausgeklügelt und von einem Künstler namens César Manrique bestimmt, der die meisten Sehenswürdigkeiten der Insel gestaltete. Sein zum Surrealismus zählender Stil verbandt Natur und Kunst, indem er die Gesteine der Insel sowie den Wind und Pflanzen mit in seine Werke einbezog (Das Foto zeigt einen Teil der Mühle des Jardín de Cactus). Dieses Gesamtkonzept ist meiner Ansicht nach wesentlich angenehmer als das architektonische und künstlerische Durcheinander auf den anderen Inseln.

Lanzarote ist also durchaus bewußt dem Tourismus verschrieben, auch wenn ihr dank Manrique das Durcheinander, die Neonreklame und sonstige Bausünden, die zum Beispiel den Süden Teneriffas kennzeichnen, erspart geblieben sind. Nichtsdestotrotz trifft man auf einer Touristeninsel selbst in der Nebensaison nun mal überall Touristen, was rein gar nicht meinem Geschmack entsprach. Alles war auf die Touristen ausgelegt, überall sprach man englisch und deutsch und fast nirgends konnte man Einblick in das normale Leben der Lanzarotenos gewinnen oder mit ihnen ins Gespräch kommen.

Allerdings ist es auf den zweiten Blick doch nicht ganz so schwierig, den übrigen Touristen zu entkommen, denn die sind per Definition lauffaul. Deshalb braucht es nur eine kleine Wanderung, um sie für eine Weile hinter sich zu lassen. Und dank des nicht zum Baden geeigneten Wetters waren auch nicht alle Strände mit solchen Touristen belegt, die sich wie Walrösser nur alle 15 Minuten von einer Seite auf die andere drehen. Was Strände angeht, hat Lanzarote wirklich einiges an Abwechslung zu bieten, zum Bespiel den Strand südlich von Caleta de Famara.

Mittwoch, 25. Februar 2009

Geruchsgeoversum

Als ich heute auf dem (echt weiten) Weg durch mein Fakultätsgebäude zur Sekretärin war, fiel mir, als ich gerade den Flur des Prüfungsamtes durchquerte, auf: Hier riecht es eindeutig nach Lakritze! Was für ein unerwarteter Geruch an einem so tristen Ort!
Was wäre, wenn es in jedem Flur anders unerwartet riechen würde: im Foyer nach Pfannkuchen, im Treppenhaus nach frisch gemähtem Rasen, im Keller nach Kartoffelbrei mit Röstzwiebeln? Meiner Meinung nach würde das den tristen Alltag eines jeden, der tagtäglich dieses Gebäude durchstreifen muß, erheblich bereichern.
Soviel zu meinen spontanen Assoziationen beim Gang durchs Haus.

Montag, 23. Februar 2009

Wieder da!

Nach einer Woche Sonne und Freizeit auf Lanzarote bin ich nun wieder zurück an meinem Schreibtisch. Hier erwartet mich in den nächsten Wochen noch einiges an Arbeit, angefangen mit der Vorbereitung meiner Disputation in 3,5 Wochen bis hin zu meinem mir zusätzlich aufgebürdeten Spanischkurs, der mich nun 3 Wochen lang jeden Vormittag beschäftigen wird.
Jetzt muß ich mich erst einmal wieder in meinen Alltag einfinden. Alles weitere zu meinem Urlaub später.

Freitag, 13. Februar 2009

Am Rande des Abgrunds

2005 war ich im Rahmen einer Exkursion der Uni Jena auf der griechischen Insel Santorin. Es ist ein seltsamer Ort, wenn man ihn aus der Perspektive des Vulkanologen betrachtet. Schließlich leben hier mehrere Tausend Menschen buchstäblich am Abgrund, genauer gesagt am Rande und im Krater eines der gefährlichsten Vulkane Europas. Die kreisförmige Inselgruppe, Santorin ist nämlich der Kraterrand eines großen Vulkans, der sich hauptsächlich unter Wasser befindet.
Vor etwa 3600 Jahren gab es einen verheerenden Ausbruch des Vulkans, der das Vulkangebäude in die Luft spengte. Zudem wurden einige Kubikkilometer Bims und Asche in die Atmosphäre geblasen, die die Insel und Teile des östlichen Mittelmeerraums bedeckten. Außerdem gab es vermutlich einen Tsunami, dem die Bewohner der Insel, die schon vor dem Ausbruch ihr Heim auf Booten verlassen hatten, vermutlich zum Opfer fielen. Auch in den Jahren nach der Eruption dürften Klima und Ernten wohl noch beeinträchtigt gewesen sein.
Auch heute schläft der Vulkan keineswegs. Die beiden Inseln in der Mitte des Kraters sind bei den jüngsten Eruptionen entstanden (die letzte fand in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts statt). Zudem erschüttern des Öfteren Erdbeben die Insel und zertören die Städte, die wie Kletterpflanzen immer weiter in den Krater hineinwuchern.
Derzeitig kündigt sich allerdings keine größere Caldera-Eruption an, weshalb es sich auf Santorin scheinbar ganz gut leben läßt. Trotzdem wird es früher oder später wieder zu einem Ausbruch kommen. Deshalb kann man sich schon fragen: Wieviel ist man bereit in kauf zu nehmen, um in einem Paradies zu leben?

Befreit!?

So, ich habe es vollbracht: Gerade habe ich die letzten notwendigen Formalien abgeschlossen und bin jetzt offiziell zum Dissertationsverfahren angemeldet. Das heißt, meine Arbeit liegt geschrieben, gelayoutet, korrigiert, gedruckt und gebunden zusammen mit den Formularen und Zeugniskopien im Stahlschrank des Dekanats meiner Fakultät.
Von nun an geht sie ohne mich auf die Reise zum Prüfungsamt, zu den Gutachtern und Mitgliedern der Prüfungskommission. Bis sie und ich uns Mitte März am Tag meiner Verteidigung wiederbegegnen, habe ich Zeit, meine Disputation vorzubereiten. Das heißt: 30minütigen Vortrag basteln und mich in meine Prüfungsthemen einlesen. Dazu habe ich jetzt noch 4,5 Wochen Zeit.
Das ist eine Menge Zeit, auch wenn sie wahrscheinlich schneller vorbeigeht, als ich es mir jetzt vorkommt. Trotzdem habe ich mich schon um Beschäftigung bemüht: Morgen geht es erst einmal für eine Woche nach Lanzarote - Sonne tanken, wandern, ausruhen. Danach mache ich einen 3wöchigen Spanischkurs, der mich 4 Tage pro Woche vormittags ins Anspruch nehmen wird, während ich nachmittags lerne und Präsentation bastele. Ein ausgeklügelter Plan! Bin gespannt, wie er sich umsetzen läßt :-)

Noch eins: Man fragt sich vielleicht, wie man sich so fühlt nach der Abgabe seiner Doktorarbeit. Ich persönlich fühle gar nichts, schon die ganze Woche nicht. Ich war/bin weder aufgeregt, noch gestreßt oder stolz oder erleichtert oder glücklich oder traurig. Ich fühle mich einfach nur leer und emotionslos. Na ja, vielleicht realisiere ich ja demnächst irgendwann, was da gerade passiert ist...

Dienstag, 10. Februar 2009

Kinobesuch

Gestern Abend war ich, um mich mal von der Arbeit abzulenken, mit Freunden im Kino in "The Curious Case of Benjamin Button". Der Film beschreibt das Leben des Benjamin Button, der 1918 alt geboren wird und bis zu seinem Tod 2003 immer jünger wird. Der Film ist, soweit ich weiß, für 14 Oskars nominiert; und nachdem ich ihn jetzt gesehen habe, kann ich sagen: zu recht!
Die Geschichte: äußerst einfühlsam erzählt, frei von Clichees oder Schnulzen. Es geht ums Altern und darum, daß nichts von Dauer ist. Es wird viel gestorben, aber auch gelebt.
Die Schauspieler: Mit Besetzungen wie Brad Pitt, Cate Blanchet, Julia Ormond, Tilda Swinton etc. haben sich einige sehr berühmte Hollywoodgrößen verpflichtet. Aber auch die Nebenrollen wie "Queeny", die Benjamins Mutter spielt, sind fantastisch besetzt. Besonders fällt das Make up der Charaktere auf, das die Jahrzehnte, die vergehen, auf den Gesichtern absolut realistisch erscheinen läßt. So nimmt man Cate Blanchet die 23 Jahre genauso ab wie die 90 Jahre. Besonders beeindruckend fand ich den "Mut zu Falten" bei Julia Ormond. Der Film geht eindeutig gegen den Trend der Alterslosingkeit bei Schauspielerinnen in Hollywood.
Ich finde den Film wirklich gelungen. Endlich wieder einmal ein Film, den man mehrfach schauen könnte.

Donnerstag, 5. Februar 2009

Danke sagen

Nachdem nun alle bisherigen Korrekturwünsche eingearbeitet sind, habe ich mich gestern an die letzte große Hürde gewagt: die Danksagung.
Dieser Teil einer jeden Bachelor-, Diplom-, Master- oder eben auch Doktorarbeit steht normalerweise ganz vorn und gibt einem die Chance, neben dem hochwissenschaftlichen Inhalt der Arbeit eine persönliche Wertung zu geben und sich bei einigen Leuten zu bedanken. Das sind meist diejenigen, die einen während der Arbeit unterstützt und beeinflußt haben. Nich fehlen dürfen deshalb Betreuer, Laborpersonal, Freunde und Familie.
Das Schreiben der Danksagung fällt meist in die finale Phase der Arbeit, wenn man in den meisten Fällen ohnehin wenig Zeit hat und unter Druck steht. Deshalb ist es ratsam, schon von Anfang an eine Liste zu führen, damit man am Ende niemanden vergißt.
Ich denke auch schon seit einigen Wochen darüber nach, wem ich zu danken habe, denn ich finde, die Danksagung ist einer der wichtigsten Teile einer Arbeit. Die Dansagung liest jeder. Ich zumindest lese sie immer ganz zuerst, denn sie verrät sehr viel über den Autor als Mensch. Eine sehr kurze Danksagung, in der man nur die Betreuer und vielleicht noch die Familie erwähnt, ist für mich ein Zeichen dafür, daß der Verfasser nur stoisch in seinem Kämmerchen gehockt hat, ohne mit anderen Leute zu interagieren. Gerade bei einer Doktorarbeit, die in den Naturwissenschaften in der Regel mindestens 3 Jahre dauert, kann ich mir nicht vorstellen, daß es niemanden gibt, der einen beeinflußt, inspiriert, motiviert, herausfordert oder unterstützt hat. Eine Danksagung ist also ein Statement, das vorrangig dem Zweck dient, den Anteil derer, die neben dem Autor zum Gelingen der Arbeit beigetragen haben, zu würdigen.
Eine gute Danksagung ist natürlich schon per Definition persönlicher als der Rest der Arbeit. Besonders interessant sind subtile Kommentare, Insider und Bemerkungen, die hinter die Kulissen der perfekt ausgearbeiteten Arbeit blicken lassen. Gerade das ist auch so schwierig beim Verfassen; denn einerseits soll alles einigermaßen professionell klingen und einem zukünftigen Arbeitgeber keinen Schrecken einjagen. Zum anderen möchte man aber auch etwas von seinen Gefühlen vermittelt und zwar am besten nur denen, die es betrifft.
Zudem wünscht man sich manchmal, daß es auch eine Anti-Danksagung geben sollte, in der man all denen, die einen immer nur behindert und geärgert haben, die Meinung sagen kann. In einer normalen Danksagung muß man Kritik deshalb entweder gut verpacken, oder man "nicht-bedankt" sich durch deutliches Weglassen. Eine gute Freundin hat bei ihrer Diplomarbeit den geschickten EInfall gehabt, eine zweite, inoffizielle Danksagung zu verfassen, in der sie offen und ein bißchen bissig mit ihrer Betreuerin abrechnet. Diese Version hat sie dann natürlich nur an ihre Freunde verteilt.
Das Verfassen einer Danksagung ist eindeutig eine Gratwanderung. Ich muß, bevor ich meine endgültig in meine Arbeit einbaue, dringend noch den Rat eines Freundes einholen, der überprüfen soll, ob ich irgendwelche Mißverständnisse eingebaut habe. Ich möchte einfach zufrieden sein mit der Danksagung, denn schließlich ist sie eine Art Befreiung.

Mittwoch, 4. Februar 2009

Tourismus

Da ich nicht schon wieder über die Arbeit schreiben will, hier ein neues Bild aus meinem Geoversum. Wieder von 2005, als ich für meine Diplomarbeit dort war. Der Skogarfoss ist eine der Touristenattraktionen schlechthin, und wird wahrscheinlich auf jeder Tour angefahren. Nebenan ist ein Häuser-museum, das sehr schön sein soll. Außerdem ist er auch ein beliebtes Filmmotiv in der Werbung (z. B. Lenor) oder in Musikvideos (James Blunt, High, glaube ich, war's).
Wenn man nach Vík im Süden oder nach Südostisland auf der Ringstraße fährt, kommt man unweigerlich daran vorbei, es sei denn, man übersieht ihn wegen schlechten Wetters.

Montag, 2. Februar 2009

Endlich wieder Arbeit!

Es ist endlich so weit: Ich kann mich wieder an die Arbeit machen. Am Wochenende habe ich die Korrektur meiner Arbeit aus China bekommen, schön als PDF mit Kommentaren. Das bedeutet, ich muß mir heute nicht überlegen, womit ich meine Zeit totschlage. Gestern habe ich nur einen flüchtigen Blick auf die Korrektur geworfen; sah aber ganz konstruktiv aus. Mal sehen, wie sich das so umsetzen läßt.

Update:
Nachdem ich nun Zeit hatte, die Kommentare zu sichten, bin ich zuversichtlich, daß ich sie alle innerhalb dieser Woche einarbeiten kann. Damit sollte ich also mit meinem Zeitplan hinkommen. Es sei denn, mein zweiter Betreuer schickt mir doch noch irgendwelche Änderungsvorschläge.