Dienstag, 3. August 2010

Mein 1. Schwedenjubiläum!

Bevor ich heute irgendetwas arbeite, muß ich kurz dieses denkwürdigen Anlasses gedenken: Heute vor einem Jahr bin ich in Schweden angekommen. Gerade mußte ich noch einmal meinen Blogeintrag zu meiner Ankunft hier lesen. Die Zeit vergeht wirklich wie im Flug, nicht wahr? Aus einschlägigen Sendungen zum Thema Auswandern im TV weiß man ja: Wenn man es 1 Jahr aushält, hat man es geschafft.

Dabei würde ich nicht mal von Aushalten sprechen. In Schweden läßt es sich mehr als nur aushalten. In dem einen Jahr ist sooooo viel passiert, aber ich kann jetzt aus Erfahrung berichten, daß es auch fast ein Jahr dauert, bis man wirklich angekommen ist. Es gibt einfach zu viele neue, d. h. ungewohnte Dinge:
  • eine neue Sprache
  • neue Kollegen, Bekannte und Freunde
  • ein neuer Jobb mit neuen Aufgaben, Methoden etc.
  • ein neues Heim
  • eine neue Umgebung, inklusive anderem Klima, anderer Natur, anderer Architektur etc.
  • neue Behörden, Banken, Versicherungen
  • neue Essensangebote
  • ...
All das hat man in gewissem Maße auch, wenn man innerhalb Deutschlands in eine andere Stadt umzieht, aber definitiv nicht in derart geballter Form. Auswandern ist also ein Langzeitprojekt, das viel Kraft, Ausdauer, Offenheit, Initiative, Zeit und auch sehr viel Geld erfordert. Ein wirklich einschneidender Punkt im Leben, der bestimmt vergleichbar ist mit Familiengründung.

Nach einem Jahr kann ich auch sagen, daß ich immer noch am Anfang stehe. Zwar bin ich mit den wesentlichen Dingen des Alltags vertraut, ich spreche einigermaßen fließend schwedisch, ich habe Freunde (90% davon sind keine Schweden), ein Zuhause und bin mit meiner Arbeit zufrieden, aber das bedeutet nicht, daß es nicht noch Raum gibt für Verbesserungen. Es erfordert definitiv Überwindung, am Telefon einen Termin zu machen z.B. mit der Autowerkstatt. Ich bin mit meinem Schwedisch noch nicht so zufrieden, wie ich es gern wäre. Ich wäre gern in der Lage, richtigen small talk zu machen, so höflich zu sein, wie ich es für angemessen erachte, meine Lehrveranstaltungen wenigstens teilweise auf schwedisch zu halten. Außerdem hätte ich gern Kontakt zu echten Schweden in meiner Umgebung, mit denen ich nicht zur Not englisch sprechen kann. Dazu muß ich mir ein Hobby suchen oder irgendwie Kontakt zu meinen Nachbarn knüpfen, was beides nicht einfach ist und Überwindung verlangt. Aber all das sind wenigstens Ziele, die ich in meinem 2. Jahr in Schweden angehen kann.

Es gilt also noch immer, was ich vor einem Jahr sagte: Ich lebe noch, es geht mir gut, Schweden ist schön!

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