Donnerstag, 29. März 2012

Deutschlandrundreise Teil 1: Kiel

Gerade sitze ich in einem Hörsaal im Geomar in Kiel. Ich bin auf der alle 2 Jahre irgendwo an einer deutschen Uni stattfindenden Tagung "Symposium zur Tektonik, Strukturgeologie und Kristallingeologie" (TSK). Die 14. TSK findet, wie man sich denken kann, in Kiel statt. Im Gegensatz zu meinen bisherigen Erfahrungen (Klassenfahrt 10. Klasse) regnet es nicht, sondern die Sonne scheint. Schon gestern bei unserem Flug von Stockholm nach Hamburg hat sich das Wetter von seiner besten Seite gezeigt.
Eine schwimmende Instrumenteninsel. Jetzt gerade natuerlich nicht schwimmend.

Heute morgen ging die Tagung dann wie üblich mit Anmeldung los. Da die Tagung ziemlich klein ist (100 Leute etwa) und ich viele Leute aus Göttingen und von früheren Tagungen kenne, ist die Atmosphäre recht ungezwungen. 

Ich hatte dann auch gleich den 4. Vortrag und bin jetzt frei, mir in Ruhe die Vorträge der nächsten Tage anzuhören und die Poster anzuschauen.

Im Anschluß an die Mittagspause gab es dann für alle Teilnehmer die Mõglichkeit, an einer kleinen Führung in den Gerätepark der Geomar teilzunehmen. Dort gab es unter anderem Instrumenteninseln für den Einsatz auf hoher See, ein unbemanntes U-Boot und ein ROV (ferngesteuertes Vehikel) für Arbeiten in Meerestiefen bis zu 6000 m zu sehen. Gestern war übrigens Kanzlerin Merkel hier und hat sich die gleichen Geräte angeschaut.
Das ROV, das bis zu 6000 m tief tauchen kann.
Getoppt wurde das dann aber noch deutlich von der ice breaker-Party, die während einer Fahrt auf der Kieler Förde mit der MS "Stadt Kiel" stattfand.

Die MS "Stadt Kiel".
Heute am 2. Tag war das Wetter mit Wolken, Wind und sogar Nieselregen schon eher kielartig. Da konnte man sich auch viel eher auf die Vorträge konzentrieren.
Das Konferenzdinner heute Abend fand dann in der Geomarkantine mit Buffet und Flens statt. Es war echt schön, mit den alten Kollegen und Freunden aus Göttingen zusammen zu sitzen.
Morgen ist dann auch schon der letzte Tag der Konferenz, und für mich geht's weiter nach Nordhausen, zur zweiten Station der Deutschlandrundreise.

Sonntag, 25. März 2012

Heute ist Waffeltag (våffeldagen)!

Zumindest in Schweden ist der 25. März våffeldagen, der Waffeltag, an dem Schweden traditionellerweise Waffeln essen. In allen Läden gibt es schon Wochen vorher Waffeleisen zu kaufen. Letztes Jahr haben auch wir uns eines gegönnt. Und da man ja ein solches Gerät typischerweise leider nicht allzu oft einsetzt, mußte es heute ein Waffelfrühstück geben. Das Waffelrezept ist aus der Rezeptzeitung unseres Stammsupermarktes, die einmal monatlich erscheint. Dazu ist nur zu sagen, daß sowohl Pfannkuchen als auch Waffeln in Schweden normalerweise keinen Zucker enthalten und sowohl herzhaft oder auch süß gegessen werden, je nach Beilage.
Für 14 Waffeln im Waffeleisen
Zutaten
50 g Margarine oder Butter
2 Eier
300 g Weizenmehl
400 ml kaltes Mineralwasser mit Kohlensäure
3 TL Backpulver
1/2 TL Salz
Öl oder Butter zum Fetten des Waffeleisens
Zubereitung
1. Mehl und Wasser zu einem glatten Teig mischen.
2. Margarine/Butter schmelzen und etwas abkühlen lassen.
3. Eier trennen und das Eigelb, Salz, Backpulver, Salz und Margarine in den Teig mischen. Den Teig etwas ruhen lassen (bis zu 30 min).
4. Eiweiß steif schlagen und unter den Teig heben.
5. Waffeleisen fetten und heizen. Dann den Teig portionsweise zu Waffeln backen.
Als Beilage empfehlen sich Marmeladen, Honig, nach englischer Variante Zucker und Zitronensaft oder Schlagsahne, wenn man es süß mag, oder Kräuterfrischkäse, Schinken, verschiedene Dips etc. für ein deftiges Mahl.

Donnerstag, 22. März 2012

Wie E-Books beeinflussen, was wir lesen

Zwar bin ich noch recht frisch auf dem E-Book-Planeten mit meinem Reader, aber mir sind schon jetzt einige Veränderungen beim Bücherstöbern bei amazon.com und anderen online-Buchläden wie kobo.com aufgefallen, denn auch wenn ich kein Kindle habe, mag ich das Stöbern bei amazon einfach, um eine Idee zu bekommen, was ich als nächstes lesen möchte.

Dabei sind mir spontan ein paar Dinge aufgefallen. Vielleicht sind es subjektive Eindrück, aber ich wollte sie einfach mal zum Besten geben. Sollte ich mich irren, bitte ich um Nachsicht.

  1. Klassiker wie die von Jules Vernes, Shakespeare und Karl Mai sind überall frei also kostenlos als E-Books erhältlich. Das wird vermutlich dazu führen, daß sie neue Leser gewinnen. Junge Leute vielleicht, die einfach neugierig sind auf die großen Namen, sich aber nie für Geld ein analoges Papierbuch gekauft hätten. Diese Entwicklung finde ich äußerst positiv.
  2. Für deutsche Bücher gilt sowohl für Papierbücher als auch E-Books die Buchpreisbindung. Daher sind E-Books nicht billiger als Papierbücher. Das finde ich wirklich schade, denn auch wenn ich den Autoren ihr Geld gönne, kann ich mir doch vorstellen, daß ein E-Book in Herstellung und Transport billiger ist als ein Papierbuch. Und umweltfreundlicher ist es allemal. Zum Glück beschränke ich mich nicht auf deutsche E-Books. Zum gleichen Preis würde ich mir doch öfter mal ein Papierbuch kaufen.
  3. Auf dem englischsprachigen Markt, der dank fehlender Buchpreisbindung und größerer Leser- sowie Autorenschaft recht wandlungsfähig und modern ist und damit wohl am besten die Trends für die Zukunft anzeigt, gibt es momentan die Tendenz, den ersten Band mehrteiliger Romane für kleines Geld oder sogar kostenlos anzubieten. Die filgenden Bände sind dann etwas teurer. Das finde ist für mich ein deutlicher Kaufanreiz, und ich habe schon 2 solcher Serien gelesen. Von denen hat das erste Buch der einen Serie 99 cent gekostet und das der anderen Serie war sogar kostenlos.
  4. Überhaupt sind E-Books auf dem englischsprachigen Markt viel billiger, billiger als Papierbücher allemal. Wenn man nicht gerade ein ganz bestimmtes Buch sucht, kann man leicht etwas Billiges finden.
  5. Wie schon das Internet im Vergleich zu Printmedien verhelfen E-Books im Vergleich zu gerdruckten Büchern Autoren dazu, sich Gehör zu verschaffen. Bisher stand es einem Autoren offen, sein Buch auf eigene Kosten im Selbstverlag zu publizieren oder einen Verlag von der Qualität des Manuskriptes zu überzeugen. Letzteres war der Fall, wenn einem einfach das Geld fehlte, beinhaltet aber natürlich, daß die Verlage sich die besten Manuskripte aussieben können und im Erfolgsfall dann auch mitverdienen wollen. So eine Publikation über einen Verlag hat natürlich auch Vorteile: ein Lektor hilft, das Manuskript zu überarbeiten und inhaltlich sowie grammatikalisch und orthografisch zu verbessern, und ein PR-Mensch hilft bei der Vermarktung. Das steigert die Qualität eines Buches natürlich allgemein sehr, macht es aber schwierig, überhaupt veröffentlichen zu dürfen. Durch E-Books ist es im Prinzip möglich, daß jeder seine geistigen Ergüsse öffentlich zur Verfügung stellt, und sei es auf der eigenen Website. Auch amazon und andere E-Bookläden bieten E-Books an, die im Selbstverlag veröffentlicht wurden. Ich habe eine Serie gelesen, deren erster Band zumindest im Selbstverlag als E-Book erschien, dann dank der positiven Resonanz der Leser auch von einem Verlag publiziert wurde. Als ich angefangen hatte, das erste E-Book der Reihe zu lesen, fiel mir auf, daß da doch der ein oder andere Rechtschreib- und Grammatikfehler drinsteckte. Das wäre mit einem Verleger nicht passiert. Nach etwas Nachforschung stellte ich dann aber fest, daß man sich eine überarbeitete Fassung des Buches mit Korrekturen runterladen kann. Der Autorin hat die Welt der E-Books jedenfalls offensichtlich ermöglicht, mittlerweile 3 Bücher zu veröffentlichen und eine beträchtliche Fangemeinde zu sammeln. So gesehen machen E-Books die Veröffentlichung eines Buches leichter und billiger, wenngleich auch die Gefahr besteht, daß die Qualität der Manuskripte im Allgemeinen sinkt. Wie so oft im Leben ist die Lösung dazu einfach, wählerisch zu sein.
So weit meine subjektiven Eindrücke zu E-Books. Was meint Ihr? 

Montag, 19. März 2012

Wetter- und Computerkapriolen

Ein irgendwie seltsamer Tag. Heute morgen bin ich aufgewacht, und draußen schneite es fröhlich vor sich hin. Es schneit immer noch, und eine dünne, weiße Schneedecke liegt auf dem Dach vor meinem Bürofenster. Dabei ist mittlerweile fast sämtliches Eis getaut. Am Freitag haben wir sogar schon die ersten drei Schneeglöckchen im Garten entdeckt. Seit 15. März haben wir sogar offiziell Frühling laut Jahreszeitenkarte des schwedischen Wetterdienstes. Letztes Jahr war der Frühlingsanfang übrigens zwischen dem 26. März und 1. April bei uns, also um einiges später. Um die Zeit sah es allerdings noch immer weiß und kalt aus. (Hier zur Erklärung, wie der Frühlingsanfang in Schweden bestimmt wird).
 
Auch ansonsten ist heute ein seltsamer Tag. Mein Arbeitsrechner hatte seit letzter Woche begonnen, sporadisch und immer öfter einfach abzustürzen. Vermutete Ursache ist ein Defekt der on-board Grafikkarte. Also konnte ich heute erstmal nicht an meinem Computer arbeiten, was immer seltsam ist, wenn man aus seiner gewohnten "Arbeitsumgebung" gerissen wird. Eine Systemzurücksetzung auf ein Datum vor zwei Wochen hat geholfen, daß der Computer nicht ständig abstürzt. Und mittlerweile liegt hier auch eine neue Grafikkarte, die auf ihren Einbau wartet. (Übrigens hätte ich schon Freitag eine neue haben könne, wenn Dell nicht so komische Plastikkonstrukte in seine Rechner einbauen würde, die sämtlichen Platz wegnehmen.)

Dann mußte ich beim Versuch, meine Arbeit von letzter Woche zu öffnen, feststellen, daß der Computerabsturz leider die Datei beschädigt hat. Zu allem Überfluß hatte auch das tägliche Backup meiner Dateien seit 2 Wochen nicht funktioniert. Damit schien die Arbeit der letzten anderthalb Wochen dahin zu sein. Doch zum Glück kennt sich meine kurzfristig beschäftigte Postdoktorandin mit dem bösen Programm aus, das ich da benutze (ArcGIS), und mit einigem Hin und Her in einem anderen Programm konnte sie meine Datei retten. Manchmal ist es einfach nur gut, Leute zu haben, die sich auskennen (in diesem Fall mein Schatz und meine Postdoktorandin). Danke!!!!

Freitag, 9. März 2012

Leben und lesen mit meinem E-Book-Reader

Zu Weihnachten hat mir mein Freund einen Sony Reader PRS-T1RC geschenkt, und zwar in rot! Damit bin ich die einzige in ganz Schweden mit diesem Reader in rot, denn hier gibt es ihn nur in weiß und schwarz. Mein Reader kommt von amazon und hat seinen Weg über meine dresdner Familie zusammen mit einem Etui und einer LED-Klemmlampe zu mir gefunden. Seitdem bin ich eine Readerin.

Ursprünglich war ich ja ein wenig skeptisch eingestellt gegenüber E-Books. Ich liebe meine Papierbücher, den Geruch, das Gefühl beim Durchblättern, das Blättern zu nächsten Kapitelanfang und meine Bibliothek. Ich nehme sogar Bücher mit zum Wandern in Island. Andererseits habe ich beruflich natürlich tagtäglich mit Literaturrecherche zutun, was zu 98% online aufläuft und meinen Computer mit hunderten PDFs von wissenschaftlichen Artikeln füllt. Nur lese ich diese Artikel nur äußerst ungern am Bildschirm. Also drucke ich sie mir aus und lese sie auf Papier. Würde ich also einen E-Book-Reader überhaupt nutzen?

Nach nur 2 Monaten mit meinem Reader habe lese ich mittlerweile mein 5. E-Book. Ich nehme meinen Reader überall mit hin und lese überall. Ich bin äußerst zufrieden damit, wie es sich mit dem Reader liest. Anfangs habe ich das Durchblättern vermißt, aber dafür ist der Reader handlicher als ein Buch. Er klappt sich nicht von alleine zu, wenn man ihn nicht festhält. Er ist superleicht. Der Akku hält so lange, daß ich den Reader bisher einmal geladen habe, und jetzt ist er gerade halb voll.
Was elektronische Bücher und ihre Beschaffung angeht, gibt es leider noch ein paar Schwierigkeiten mit einem in Deutschland erworbenen Reader in Schweden zu sitzen, wenn es bisher noch keinen deutschen Sony-Store gibt und der amerikanische Sony-Store nicht an Kunden ohne amerikanische Kreditkarte verkauft. Mit einem Kindle (von amazon) gäbe es ein ähnliches Problem: In Schweden bekommen wir beim Suchen nach E-Books auf amazon.de die Nachricht: "Bei amazon.de sind keine Kindle-Titel für Ihr Land verfügbar. Kindle-Bücher finden sie bei amazon.com." Nun ja, zum Glück gibt es ja auch noch unglaublich viele kostenlose E-Books da draußen. Und PDFs kann man mit meinem "Rotkehlchen" (so hab ich meinen Reader genannt (nach einem kostenlos mitgelieferten Buch auf dem Reader und der roten Farbe) auch lesen.

Sonntag, 4. März 2012

Loppis: Flohmarkt auf schwedisch

Eine der liebsten Wochenendbeschäftigungen für alle Schweden ist der Besuch eines Flohmarkts, auf schwedisch loppis. Neben zahlreichen sporadisch abgehaltenen kleinen und großen Flohmärkten gibt es jeden Samstag auf dem Vaksalatorg, dem größten Marktplatz in Uppsala, gleich neben dem Konzerthaus, und jeden Sonntag direkt hinter unserem Supermarkt einen großen Flohmarkt. Im Gegensatz zu Deutschland, wo es auf Flohmärkten neben marokkanischen Billigprodukten und billigen Raubkopien kaum etwas gebrauchtes zu kaufen ist, ist der schwedische loppis noch das, was man von einem Flohmarkt erwartet: alte Leute und Kinder, Mütter und Teenager, Schweden und Einwanderer sitzen hinter ihren Klapptischen, die mit Porzellan, Lampen, Gläsern, Büchern, Videokassetten, DVDs, Schmuck und selbstgehäkelten Deckchen überquellen. Daneben stehen Kleiderständer mit Kindersachen, Mänteln, Abendkleidern und Pullovern, unter dem Tisch stehen Kisten mit altem Werkzeug und getragene oder auch nie getragene Schuhe. Außerdem verkaufen einige selbstgebackene Zimtschnecken, Plätzchen und Kuchen.
 
Ein schwedischer loppis ist ein bißchen wie ein Volksfest. Alle gehen hin: Eltern mit ihren Babies und kleinen Kindern, alte Leute, Teenager, junge Pärchen. Man schaut sich um, kauft, handelt nicht (jedenfalls nicht mit den Schweden), kauft Kuchen und trinkt dann Kaffee (fika).

Wir haben auf diversen Flohmärkten Weinbalons, Karaffen und Bücher erstanden. Loppis ist mehr als einkaufen, loppis ist ein schwedisches Hobby.