Freitag, 29. März 2013

How to be German... in Sweden - Teil 2

Auf Teil 1 folgt hier die Fortsetzung meines persönlichen "Wie deutsch bin ich noch?"-Tests inspiriert von dieser Wesite.

7. Bilde Dich weiter. Daß Bildung wertvoll ist, ist auch in Schweden eine bekannte Tatsache. Die Schweden sind übrigens Weltmeister im Belegen von Volkshochschulkursen nach der Arbeitszeit. Und auch ansonsten ist Bildung wichtig. Eine Universitätsausbildung ist für schwedische und europäische Bürger kostenfrei. Bafög gibt es hier für alle schwedischen Studenten unabhängig vom Einkommen der Eltern. Nach dreieinhalb Jahren Einblick in die schwedische Universitätsausbildung und den Standard schwedischen Studentenwissens muß ich aber leider sagen: die schwedische Schul- und Universitätsausbildung ist eine Schande. Teilweise liegt das daran, daß es wichtiger ist, die Pausenzeiten einzuhalten und darauf zu achten, daß sich auch alle wohlfühlen, als daß es um Disziplin und Wissensvermittlung geht. Was meine Bildung angeht, seit ich nach Schweden gekommen bin, so kann ich aber nicht behaupten, daß ich faul gewesen wäre. Ich habe immerhin zwei Schwedischkurse der Kommune und zwei Pädagogikkurse der Uni. Zur Zeit mache ich einen Kurs für Führungskräfte und nehme auch weiterhin von der Uni bezahlten Schwedischunterricht.

8. Nur bei grün über die Ampel gehen. Da bin ich noch immer gehorsam, was aber wohl daran liegt, daß sich die meisten hier an die Ampelmännchen halten. Schwedische Autofahrer halten übrigens an Zebrastreifen.

9. Trink Bubbelwasser und Apfelschorle. Dieser Punkt ist ein klares britisches Cliché, weil man in Großbritannien nämlich die Freuden der Kohlensäure nicht zu schätzen weiß (siehe warmes Bier). Hier in Schweden gibt es hauptsächlich Mineralwasser mit Sprudel in allen nur erdenklichen Geschmacksrichtungen. Schorle ist nicht so verbreitet, kann aber zum Glück selbst hergestellt werden. Ein kohlensäurehaltiges Getränk, das ich übrigens erst hier in Schweden zu schätzen gelernt habe, ist Apfelcider. Das liegt weniger am schwedischen Cider (der ist süß wie Limonade und teuer), sondern an einem Hobby, das sich hier aufgrund vorhandener Apfelbäume ergeben hat: Cider selbst herstellen.

10. Iß deutsches Essen! Sorry, aber dieser Punkt wird länger. Wenn es ums Essen geht, wird man nämlich erst im Ausland so richtig deutsch - und ich meine nicht die Malletouristen, die im Urlaub ihr Schnitzel und ihre Pommes brauchen. Doch wer schonmal sechs Wochen im Ausland war, der versteht wenigstens ein wenig, daß man bestimmte Lebensmittel von zu Hause einfach vermißt. Wenn man auswandert, wird die Liste ziemlich lang. Und lustigerweise finden sich auf der Liste aller Deutschen im Ausland ziemlich ähnliche Sachen: Platz 1 ist immer Brot!!! Andere Lebensmittel auf der Liste sind Bier, thüringer Bratwurst, Lebkuchen, Laugenbretzeln, Bockwurst (warum fallen mir so viele Fleischsachen ein?), Gummibärchen, deutscher Kaffee (Kaffeepads!!!). In Schweden hat man definitiv den Vorteil, daß sich viele Sachen irgendwie und irgendwo beschaffen lassen. Eine wichtige Rolle dabei spielt Lidl, ein Supermarkt den ich in Deutschland nicht gern besucht habe, der hier aber die einzige Quelle für authentische Weihnachtssüßigkeiten und Laugenbretzeln ist. Deutsches Bier ist zu traurig hohen Preisen bei systembolaget zu haben. Wir haben auch einen Markt gefunden, der deutsche Bockwurst im Glas verkauft. Die Schweden entdecken sogar langsam das Sauerteigbrot, wenn sie auch nicht verstanden haben, daß Hefe nichts in einem ordentlichen Brot zu suchen hat.

Mittwoch, 27. März 2013

How to be German... in Sweden - Teil 1

Eigentlich wollte ich schon eine Ewigkeit einen Post zu diesem Thema schreiben. Eine irische Freundin hat diese Webseite von einem deutschen Kollegen in Schottland geschickt bekommen, und mußte sie natürlich mit uns Deutschen hier auf Arbeit teilen. Die Seite beschreibt aus der Sicht eines in Deutschland lebenden Engländers 20 einfache Schritte, wie man Deutscher werden kann (also mental und verhaltensmäßig). Die Beschreibung ist herrlich clichébehaftet, aber wie so oft, haben Clichés ja auch einen wahren Kern. Deshalb erfreut sich diese Seite auch extremer Beliebtheit, und die Liste ist mittlerweile auf 25 angewachsen.
Doch an dieser Stelle, kommt bei mir die Frage auf: Wie deutsch bin ich denn noch nach dreieinhalb Jahren in Schweden? Dazu muß man sagen, daß einige der Punkte auf der Liste auch typisch für Schweden sind. Andererseits tendiert man als Auswanderer dazu, bestimmte clichéartige Eigenarten zu entwickeln. Also zur Liste:
  1. Trag immer deine Hausschuhe! Ich weiß nicht, was daran komisch ist. In Schweden zieht man (wie in Deutschland) immer die Straßenschuhe aus, wenn man in eine Wohnung kommt.
  2. Frühstücke lange! Aufgrund eines Mangels an Bäckern in diesem Land gibt es zum Sonntagsfrühstück leider nur Aufbackbrötchen, aber dafür auch mindestens 5 verschiedene selbst gemacht Marmeladen (ein Hobby, das sich erst hier ergeben hat). Die Schweden sind übrigens große Frühstücker. Meine Doktorandin kocht jeden Morgen ihren Haferschleim mit Früchten.
  3. Planung ist alles! Ja, Deutsche tendieren dazu, Dinge zu planen und zu optimieren. Dafür haben sie im Ausland den Ruf, gründlich, pünktlich und zuverlässig zu sein. Auch wenn ich dafür eine Menge Gegenbeispiele kenne, ist schon was dran am Cliché der deutschen Tugenden. In Schweden fällt das vor allem in der Werbung für Autos, Reifen und Maschinen auf. Ich sag nur: Das Auto!
  4. Für alles eine Versicherung! In Schweden kommt mir das Versicherungssystem unkomplizierter vor als in Deutschland. Vielleicht klingen aber auf schwedisch die Beschreibungen einfach weniger gefährlich und kompliziert.
  5. Sei immer passend gekleidet! Angeblich tragen Deutsche immer Outdoorklamotten, um für jedes Wetter gerüstet zu sein. Tatsache ist, daß Outdoorklamotten seit ein paar Jahren in Mode sind. In Schweden wie in Deutschland ist es ganz normal, mit Regenjacke herumzurennen. Deutsche erkennt man übrigens in Schweden wie auch überall sonst an Jack Wolfskin-Klamotten und Deuter-Rucksäcken. Übrigens ist passende Kleidung für Mädchen in Schweden bei Temperaturen über -15°C ein kaum erkennbarer Minirock.
  6. Sprich deutsch! Seit ich in Schweden lebe, nehmen mein Ausdrucksvermögen und mein Wortschatz der deutschen Sprache rapide ab. Und es fällt mir immer schwerer, es zu verbergen.
Hier ist Teil 2.

Bizarrer Traum

Letzte Nacht hatte ich den wahrscheinlich bizarrsten Traum meines Lebens, so bizarr, daß ich ihn an dieser Stelle aufschreiben möchte.

Wer mich aus meinen Doktorzeiten kennt, weiß, daß ich kein gutes Verhältnis zu meinem ehemaligen, aus Island stammenden Chef, dem Betreuer meiner Diploarbeit, habe. Und das ist sehr milde ausgedrückt. Wenn ich ihn einmal im Jahr in Wien von Weitem sehen muß, wird mir noch immer ganz anders. Und auch wenn er in meinem Fachgebiet international erfolgreich und einflußreich ist, würde ich mich nicht freiwillig mit ihm an einen Tisch setzen.

Jedenfalls träumte ich letzte Nacht, daß mich eben dieser Mann besuchte, um mir mitzuteilen, daß ich eine Stelle für 5 Jahre in Island bekommen hätte und dort in den nächsten 10 Tagen einen Workshop zum Thema Tiefbohrungen besuchen müßte. Ich erinnere mich nicht mehr an sehr viele Details, aber ich weiß noch, daß ich meinte, ich hätte keine Zeit für den Workshop. Und: mein ehemaliger Chef war entgegen seiner tatsächlichen Art solariumsgebräunt und mit Goldkettchen behangen. 

Wahrscheinlich liest sich das alles komplett unspektakulär, wenn man ihn nicht kennt und wenn man damals nicht dabei gewesen ist. Und bei Träumen ist es ja so oft auch eher das Gefühl, das man hat und das meistens länger anhält als der Traum selbst. Auf jeden Fall ist dieser Traum für mich so eine Art "Snape im Kleid von Neville Longbottoms Oma"-Situation.

Donnerstag, 21. März 2013

Märzupdate

Wenn ich abends nach Hause komme, denke ich oft, ich müßte doch mal wieder was bloggen. Als nächstes denke ich, daß es eigentlich nichts Spannendes zu berichten gibt. Es passiert zwar viel, aber eben nur auf Arbeit:
  • Letzte Woche habe ich mit Kollegen einen großen Antrag auf Forschungsgelder abgeschickt. Das war ein hartes Stück Arbeit mit langen Tagen. Aber hinterher waren wir alle verdientermaßen stolz auf uns.
  • Die Zeit der Bachelor- und Masterarbeiten hat angefangen. Ich betreue und zweitbetreue 4 Bachelor- und 2 Masterstudenten. Mit den Bachelorstudenten geht es morgen ins Gelände in die Nähe von Stockholm. Das wird ein Spaß bei -8 bis max. -4°C.
  • Heute habe ich nach mehreren Monaten Arbeit unserem Vorstand einen Plan vorgelegt, wie man die Platzprobleme unseres Instituts lösen kann. Der Plan wurde angenommen. Jetzt kann die Arbeit also richtig losgehen.
Zu Hause ist dagegen kaum was los:
  • Der tolle neue und besonders teure IKEA-Herd in unserer neuen Küche ist kaputt. Wenn wir Glück haben, können wir Ostern vielleicht wieder was backen. 
  • Das Eßzimmer wird als solches genutzt, auch wenn wir noch nicht ganz fertig sind und auch noch keine Lampe an der Decke hängt.
Wie gesagt, das alles ist kaum der Rede wert. Hoffentlich ist bald Frühling.

Dienstag, 5. März 2013

Eßzimmer Stand 4. März

Das Wochenende ist wieder für Renovierungen draufgegangen, und es gibt Fortschritte zu verbuchen. Samstag haben wir fertig tapeziert und das erste mal die Decke gestrichen, was schon einen riesigen Unterschied gemacht hat.
Fertig tapeziert und die Decke ein erstes Mal gestrichen. Übrigens hat das Eßzimmer ein Nord- und ein Ostfenster, sowie eine Tür zur Küche, eine zum Wohnzimmer und eine nach draußen auf die überdachte Terrasse auf der Ostseite.
Am Sonntag haben wir die Decke dann ein zweites Mal gestrichen. Dann waren auch die Wände dran: der Großteil ist weiß geworden, aber die Ecke, wo die Panele hinkommen (die ehemals böse Ecke), und meine zukünftige Sandwand (wo ich meine Sandsammlung ausstellen will) sind grau.
Hier ein Blick auf die böse Ecke und aus dem Nordfenster auf unsere Garage.
Ein Teil meiner Sandwand und der Durchgang zum Wohnzimmer. Ach ja, es gibt übrigens noch einen Einbauschrank rechts für Gläser und einen begehbaren Einbauschrank links auf dem Bild.

Montag, 4. März 2013

Treppenhauspremiere


Zum Thema "es werden doch nach und nach Dinge im Haus fertig": Hiermit präsentiere ich unser frisch renoviertes Treppenhaus. Aufgrund loser Tapete mußten wir ein paar Quadratmeter neu tapezieren und dann das ganze Treppenhaus malern. Und mit der Bildergallerie, einem Blümchen und dem Leon sieht es auch gar nicht mehr leer aus.

3 Monate Hausbesitzer

Gestern war unser 3monatiges Hauskaufjubiläum. Noch immer sind nicht alle Räume eingeräumt. Der Keller ist voller alter Küchenteile von der Renovierung. Flur und Eßzimmer stehen noch voller Werkzeuge, und es gibt noch einiges zutun:
  • Das Eßzimmer muß fertig werden.
  • Das Arbeitszimmer braucht einen Schreibtisch mit Katzenparadies.
  • In der Küche fehlen noch Lampen unter den Hängeschränken und einige Kleinigkeiten.
  • Wir müssen noch jede Menge Müll loswerden.
  • Der Keller ist ein großes Schlachtfeld.
Aber wenigstens fühlt es sich an wie Zuhause.