Sonntag, 27. September 2009

Oktoberfest

Dieses Wochenende fand auf dem Markt hier in Uppsala ein Oktoberfest statt. Richtig gelesen: Es hat auch Schweden erreicht! Meine Kollegen hielten es an sich für eine gute Idee, dahin zu gehen. Ich war dagegen sehr skeptisch. Zu recht.

Wie sich herausstellte, kostete das ganze 140 SEK (ca. 14 €) Eintritt. Außerdem gab es nur eine Bierverkostung. Richtig zu trinken gab es natürlich nur schwedisches Bier. Und von ordentlichen Würstchen hat man in Schweden auch noch nichts gehört. Das ganze war also nicht im Mindesten authentisch, weshalb wir beschlossen, eine Gegenparty zu feiern. Nur so nebenbei: Heute berichte die Zeitung Uppsalas Nya Tidning, daß das Oktoberfest in Uppsala ein großer Erfolg war, was wohl auch daran lag, daß es lönhelg (das Wochenende nach dem Zahltag) war.

Unsere Gegenveranstaltung war jedenfalls mindestens genauso erfolgreich, wenn auch nur wenig authentischer. Als einzige anwesende Deutsche fiel die Auswahl der Biere und der Verpflegung in meinen Zuständigkeitsbereich. An dieser Stelle muß ich die Auswahl im systembolaget mal loben: Es gab Paulaner, Paulaner Oktoberfestbier, Franziskaner und Franziskaner und Paulander Weißbier. Nur Schöfferhofer war aus, aber man kann ja nicht alles haben. Fürs Essen sind wir zu Lidl gefahren. Da gab es wenigstens eine Sorte echte Bratwurst und Nürnberger. Immerhin! Schwedische Grillwurst kann man nämlich absolut vergessen. Da ja auch keine Bayern anwesend waren, dachte ich, der Autentizität ist damit genüge getan. Deshalb hatte das Menü auch nicht unbedingt was mit Oktoberfest zutun: Bratwurst, Nürnberger, Kartoffelbrei, gebratene Zwiebelringe und Tomatensalat. Alles ist sehr gut angekommen, besonders der Tomatensalat und das Bier. Dabei war das Essen ja nun wirklich nichts Besonderes für deutsche Verhältnisse. Ich sage nur: abgepackte Bratwurst...
Na ja, aber es war schön, mal wieder deutsches Bier zu trinken, wenn auch nicht aus den richtigen Gläsern.

So laß ich mir Oktoberfest gefallen!

Freitag, 25. September 2009

Grund zum Feiern

Auch wenn diese Woche sehr anstrengend war, muß ich doch sagen, sie hat durchaus zu meiner Zufriedenheit geendet. Mal davon abgesehen, daß es dank Exkursion und Abendessen beim Chef keinen Grund zur Langeweile gab und daß ich diese Woche meinen Schwedischkurs begonnen habe, gab es allein heute 2 Gründe, sich zu freuen:

1. Ich habe ein Paket von meiner Familie bekommen mit vielen tollen Sachen: z.B. Aspirin, Hustenbonbons, Nasenspray und Magentee (die nächste Erkältung ist auch schon wieder im Anmarsch), Filme für die Zeit ohne Fernsehen, eine Lampe, damit mich mein Papa auch sehen kann, wenn wir skypen, Heidelbeerlikör und eine Tasche von meiner Schwester, eine Tasse für die fika Pause (heute eingeweiht), Bücher, Knusperflocken und noch viele andere Kleinigkeiten. Ach, ist das schön, ein Südpaket zu bekommen!

2. Heute war Zahltag. Mein erster Lohn ist auf dem Konto eingetroffen. Daher kann ich jetzt anfangen, meine schwedische Visakarte zu benutzen und zahle nicht jedes Mal drauf, wenn ich mit meiner deutschen Karte zahle.

Trotz großer Müdigkeit schließe ich diese Arbeitswoche zufrieden ab und stoße an mit einer Dose lettöl. Skål!

Donnerstag, 24. September 2009

Ich hab ein Haus!!!

Ja, endlich hat das Suchen ein Ende. Ich habe ein Haus gefunden. Ein kleines Häuschen auf dem Lande, 81 Quadratmeter, Wohnfläche mit Küche, Bad, Wohnzimmer im Erdgeschoß und 2 Schlafzimmern im Obergeschoß. Das Häuschen ist nicht ganz neu, aber ich kann es mieten, so lange ich will - eine echte Rarität!

Doch bevor ich ins Detail gehe, hier erstmal, wie es dazu gekommen ist: Letzte Woche sind diese 2 Häuser im gleichen Ort bei den Anzeigen aufgetaucht. Der Link zur Anzeige ist vielleicht noch freigeschlatet. Der Ort heißt Järlåsa und liegt etwa 25 km westlich meiner Arbeit auf dem Lande. Ich dachte, daß das vielleicht der Schlüssel zum Erfolg ist: außerhalb wohnen. In der Stadt ist es, wie schon mehrfach beschrieben, unmöglich, etwas zu finden. Da ich ja in Göttingen auch außerhalb gewohnt habe, macht es mir nichts aus, nicht mitten in der Stadt zu wohnen. Warum also nicht mein Glück versuchen? Ich habe also eine Nachricht an beide Vermieter geschrieben. Das eine der beiden Häuschen durfte ich dann am Dienstag anschauen. Der Hausbesitzer hat mich sogar hier an meiner Arbeit abgeholt und ist mit mir rausgefahren. Er ist Marokkaner, lebt aber seit 26 Jahren in Schweden. Doch wie sich herausgestellt hat, hat er vorher auch eine Weile in Deutschland gewohnt, was man als Pluspunkt für mich verbuchen konnte, denn er mag Deutsche.

Die Besichtigung war lang aber aufschlußreich. Hier also mal ein Foto (das Foto ist Eigentum meines Vermieters):

Wie man sieht, ist das Haus nicht neu, aber ein guter Anfang. Außerdem gehört zum Haus noch ein Garten mit Apfelbäumen, eine Garage, ein Holzschuppen, ein Gästezimmer im Anbau an die Garage, ein kleines Gewächshaus und eine Menge Rasen.

Dank meiner Staatsbürgerschaft hatte ich also die Gelegenheit, das Haus einen Tag vor den anderen Interessenten zu sehen. Gut für mich, denn dadurch konnte ich trotz Beratung mit dem Freund und Bedenkzeit zusagen, bevor die anderen es überhaupt gesehen hatten.

Und heute hab ich schon den Mietvertrag unterschrieben. Ein Kollege und Freund war so nett, mitzukommen und mir das, was ich nicht verstehe, zu übersetzen. Jetzt hab ich den Schlüssel und muß nur noch einen Stromanbieter auswählen und versuchen, Interne zu bekommen. Nächste Woche ziehe ich auch schon ein, erstmal in ein leeres Haus (bis auf die Küchenausstattung). Aber jetzt kann endlich der Umzug geplant werden. Und noch was Gutes: Meine Raubtiere können nach Schweden ziehen und echte Waldkatzen werden. Hinterm Haus ist Wald!

An dieser Stelle wollte ich allen danken, die die Daumen gedrückt haben. Es hat geholfen!

Mittwoch, 23. September 2009

Ein laaanger Tag mit Exkursion und SFI

Heute (Ich schreibe hier aus der Mittwochsperspektive mit leichten Übergängen zum Donnerstag) war wieder einmal ein sehr anstrengender Tag, extrem anstrengend, weil lang. Heute morgen um 8 ging es auf Exkursion in die Gegend um die berühmte Dannemora Mine im Bergslagen-Gebiet. Einer der hiesigen Doktoranden hatte die Exkursion für Mitglieder meiner Abteilung und des SGU (den schwedischen geologischen Dienst/Amt, mein Deutsch versagt momentan im Angesicht der Menge an Englisch und Schwedisch um mich herum, also des survey auf neudeutsch) organisiert. Ich dachte, es wäre eine gute Gelegenheit, ein bißchen von der lokalen Geologie mitzubekommen, wenn ich schon mal hier bin. Und es war eine gute Idee: Das Wetter war phänomenal schön. Die Geologie ist beeindruckend mit metamorphen und mehrfach deformierten Vulkaniten und Sedimenten, die vor 1.89 Mrd Jahren eruptiert bzw. abgelagert wurden und nachträglich mineralisiert wurden. Ich wünschte wieder mal, ich hätte eine Kamera hier.

Wie versprochen waren wir um 17 Uhr zurück am Institut, wo ich mich aufs Fahrrad geschwungen habe, um eine halbe Stunde später an der Schwedischschule anzukommen. Ich hatte es nicht mal geschafft, meinen verbliebenen Apfel zu essen. Es folgte eine Stunde Einweisung in das Internetprogramm, in dem man einen Teil des Kurses zu absolvieren hat. Der Kurs svenska för invandrare (SFI) C soll bis Ende Februar dauern. Er besteht aus Unterricht vor Ort 2x die Woche für 2,5 h mit der Lehrerin. Der Kurs wird von der Kommune bezahlt, wir kriegen also alles gestellt. Sogar die Bücher bekommen wir geliehen. Der 2. Teil des Kurses besteht darin, daß man online Aufgaben löst (Leseverstehen, schreiben, Grammatik, Vokabeln, Sprechübungen, die man aufnehmen muß). Kurs C hat 7 Teile. Am Ende jedes Teils muß man eine längere Hausaufgabe mit mehreren Teilaufgaben an eine Lehrerin schicken, die in Malmö sitzt und die Hausaufgabe bewertet. Hat man einen Teil bestanden, kann man den nächsten angehen. Am Ende kann man die Prüfung für den C-Kurs machen. Man kann den online-Teil so schnell durchlaufen, wie man möchte, was gut ist, denn der Unterricht war für mich sehr langweilig. Da ich 2 Jahre norwegisch gelernt habe, verstehe ich schwedisch einigermaßen. Ich kann es nur nicht sprechen. In meinem Kurs sind aber vorwiegend Nichteuropäer, was es für sie zusätzlich schwierig macht. Nur ein Beispiel: Nach der Stunde fragte der junge Mann hinter mir, ob die Lehrerin nicht mal erklären könnte, was der Buchstabe "a" mit den 2 Pünktchen drüber bedeutet...

Nun ja, nach Unterrichtsschluß bin ich dann schon halb verhungert in die Innenstadt geradelt, wo sich einige der Exkursionsteilnehmer bei einem Italiener zum Essen verabredet hatten. Ich war dank des Kurses schon eine dreiviertel Stunde zu spät. Die anderen bekamen gerade ihre bestellten Gerichte. Doch erstmal hat es ewig gedauert, bis uns der Kellner bemerkt hat, um mir die Karte zu bringen, und dann hat er auch noch vergessen, meine Bestellung aufzunehmen. Ich war kurz vorm Hungertod, als wir endlich seine Aufmerksamkeit erregen konnten. Das Essen war sehr gut, das Ambiente auch, die Preise gehoben aber in Ordnung. Trotzdem werde ich da freiwillig nicht nochmal hingehen. Mit mir ist nicht zu scherzen, wenn ich hungrig bin!

Dann bin ich jedenfalls doch noch in die Septemberwohnung geradelt - mit kurzem Umweg übers Institut, um zu sehen, ob das Paket von meinen Eltern angekommen war. Leider nicht ;-( Na ja, ich bin dann verständlicherweise totmüde ins Bett gefallen und habe mir den Luxus gegönnt, heute bis 9 auszuschlafen. Puh!

Dienstag, 22. September 2009

Herbstanfang? Nicht in Schweden!

Heute ist kalendarischer Herbstanfang in Deutschland. Doch in Schweden ist immernoch Sommer, auch wenn das Laub an den Bäumen langsam gelb wird und gelbe Birkenblätter auf der Straße liegen. In Schweden ist und bleibt bis auf weiteres noch Sommer, denn hier gibt es keinen kalendarischen Herbstanfang.

In Schweden beginnt der Herbst, wenn es an 5 Tagen hintereinander tagsüber weniger als 10°C sind. Und das war dieses Jahr noch nicht der Fall und wird es laut Wetterbericht auch nicht mehr diese Woche werden. Mal sehen, wie lange der schwedische Sommer noch durchhält.

Montag, 21. September 2009

SFI

Heute war ich zur Eröffnungsveranstaltung des SFI Sprachkurses (Swedish for immigrants). Diese Kurse werden von der Kommune finanziert und haben das Ziel, Einwanderer in die schwedische Gesellschaft zu integrieren. Es gibt verschiedene Niveaus und Angebote. Man kann z.B. einen Intensivkurs machen, bei dem man neben dem Sprachlehrgang auch Unterricht in Landeskunde, Konversationstraining und die Vermittlung von Praktika angeboten werden. Dieser Intensivkurs findet allerdings tagsüber statt und ist sehr zeitaufwändig.

Wie einige meiner Kollegen auch, nehme ich an einem Abendkurs teil: montags und mittwochs 17:30 bis 20:00 plus obligatorische Arbeit am Computer von zu Hause aus. Heute war die Einführungsveranstaltung, auf der man seinen Stundenplan und wesentliche Informationen bekommen hat. Am längsten hat allerdings das Aufrufen der Namen gedauert. Es waren ca. 80 Leute anwesend, 60 davon Neuanfänger wie ich. Ich schätze, 40% waren aus arabischen Ländern, 40% aus dem fernen Osten, 10% waren Spanier oder Südamerikaner und 10% Europäer. In meiner Gruppe sind 28 Leute. Am Mittwoch geht es los mit einer Einweisung in das Internet-Übungsprogramm und dann mit dem Kurs. Ich bin mal gespannt, wie das so wird.

Samstag, 19. September 2009

Lördagsgodis

Wieder etwas typisch Schwedisches: Um zu verhindern, daß die schwedischen Kinder so fett werden wie die Kinder in anderen europäischen und nichteuropäischen Industrieländern, hat das schwedische Gesundheitsministerium vor einigen Jahren eine Kampagne mit dem Namen "lördagsgodis" (zu deutsch: Samstagssüßigkeiten) ins Leben gerufen. Die beinhaltet, daß man am Samstag so viel Süßigkeiten essen darf, wie man möchte, aber eben nur samstags. Das ist keine Gesetz, denn niemand hält einen davon ab, jeden Tag der Woche Tonnen von Süßigkeiten zu erstehen und zu essen, aber es funktioniert scheinbar.

Die Schweden sind im Durchschnitt wesentlich gesünder proportioniert als die Deutschen, wenigstens nach meinem Eindruck. Die meisten sind normalgewichtig. Man sieht nur ganz selten wirklich fette Leute, dafür aber auch nur selten klapperdürre. Das wird wohl nciht nur an den Lördagsgodis liegen, sondern wohl auch daran, daß man in Schweden einfach mehr auf sich achtet, sich gesund ernährt und mehr Sport treibt. Wird ja auch alles vom Arbeitgeber unterstützt.

Ich finde, die Lördagsgodis sind eine tolle Idee. Man kann sich die ganze Woche darauf freuen; und ist der Samstag erstmal da, kann man ohnehin nur eine begrenzte Anzahl von Süßigkeiten zu sich nehmen, bevor einem übel wird. Na dann guten Appetit, ein paar Stunden haben wir noch.

Donnerstag, 17. September 2009

Blutfontäne

Wer hat eigentlich behauptet, es tut nicht weh, wenn man sich mit einem scharfen Messer schneidet? Alles gelogen! Es tut verdammt weh. Ich wollte nur kurz den Salat für heute Mittag vorbereiten. Dabei hab ich mir dann im Eifer des Gefechts in die Daumenkuppe geschnitten. Toll, wenn man keinerlei Verbandszeug hat. 1. Hilfe besteht dann im Umwickeln mit Toipa und Arm hochhalten.

Heute heißt es dann, einhändig tippen, einarmig Fahrrad fahren und jetzt erstmal einhändig den Salat fertigmachen. Juhu!

Aber man soll sich ja nicht von jeder Kleinigkeit die Laune verderben lassen. Immerhin scheint die Sonne so schön vom wolkenlosen Himmel. Einen wunderschönen Tag allen meinen Lesern.

Dienstag, 15. September 2009

Mein Frust geht exponentiell gegen unendlich

Warum fühlt man sich eigentlich immer wie ein Idiot, wenn man etwas Neues lernen muß und es nicht auf Anhieb hinbekommt? Ich kann jedenfalls verstehen, warum sich die meisten Leute damit zufriedengeben, die meiste Zeit über das zu tun, was sie können, und da zu bleiben, wo sie sich auskennen.

Es ist ganz schön frustrierend, wenn man etwas lernen soll, für das man sich nicht unbedingt interessiert, in meinem Fall MATLAB. Ich weiß genau, warum ich nur Mathe Grundkurs hatte und Geologie studiert habe, wo es nur 2 Semester Mathe gab! Trotz Videotutorials bezweifle ich, daß aus mir noch eine Mathematikerin wird. Es reicht ja schon, daß ich in Linux rummodelliere, wo ich nur zahlen sehe, noch dazu Zahlen, die auf irgendeinem Server in Frankfurt existieren. Und um bunte Farben zu machen, brauche ich nunmal MATLAB!

So, das war meine Frustration. Ich denke, morgen werde ich einen neuen Anlauf wagen und vielleicht jemanden finden, der mir ein bißchen was erklären kann. Aber für heute hatte ich genug. Morgen kann ich die Sache wieder als Herausforderung betrachten, heute war es einfach ein Ärgernis. Und das mußte ich mal zur Sprache bringen, einfach ignorieren.

Nachtrag vom 17.09.:
Es hat sich herausgestellt, daß ich nicht ganz und gar blöd bin. Danke für die unterstützenden Worte. Den aufbauendsten Kommentar möchte ich allerdings mit allen teilen, die sich manchmal genauso fühlen wie ich:
ich über skype: "nothing works, I don't know why, and I feel extremely stupid"
my colleague: "No, don't worry... You are very smart! But computers are very stupid usually, and it can require some time to adapt to their level..."

Montag, 14. September 2009

Warum es schön ist, in Schweden zu arbeiten

1. Es gibt 2 feste Kaffeepausen (fika) zusätzlich zur Mittagspause jeden Tag.
2. Kaffee ist kostenlos.
3. Jeden Montag gibt es einen Obstkorb für die Angestellten, in manchen Firmen angeblich jeden Tag.
4. Der Arbeitgeber bezahlt einem einen gewissen Anteil zu den Kosten für sportliche Aktivitäten wie z.B. Fitneßstudio oder Sportkurse.
5. Man kann vom ersten Monat an Urlaub nehmen.

Samstag, 12. September 2009

Finnland oder nicht Finnland...

... das ist hier die Frage.

Am Freitag bin ich von meiner ersten Reise aus Finnland wiedergekommen, aber irgendwie war ich doch nicht so richtig in Finnland. Ich war nämlich auf den Åland-Inseln, einer Inselgruppe bestehend aus mehr als 60000 Inseln zwischen Schweden und Finnland, in etwa auf der gleich Höhe wie Uppsala und Stockholm. Die Åland-Inseln sind eine autonome Provinz Finnlands mit Amtssprache schwedisch. Die Åländinger betrachten sich deshalb nicht als Finnen.

Der Grund meiner Reise war eine Exkursion der Unis Frankfurt und Turku (Finnland). Mein Chef hatte mir nahegelegt, teilzunehmen., weshalb ich trotz Erkältung und wenig Zeit und Motivation mitgefahren bin. Es war aber doch ganz schön, vor allem wegen der Landschaft und der Geologie. Ich wünschte nur, ich hätte eine Kamera dabei gehabt. So muß ich hier auf Fotos zurückgreifen, die mir Helena, Nico und Toni zur Verfügung gestellt haben (Danke!).
Impressionen der Landschaft der Insel Åva. Neben einem Exkursionsteil hatten wir das Vergnügen, ein bißchen zu kartieren (geologische Strukturen in dem Fall). Ich hatte ganz vergessen, wie gern ich das mache.

Die Geologie der östlichen Åland-Inseln ist wirklich einmalig: ein 1,8 Milliarden Jahre alter Ringkomplex innerhalb 1,9 Milliarden Jahre alter amphibolit- bis granulit-fazieller Inselbogengesteine. Das ist sogar aus Geologensicht ein beträchtliches Alter. Beeindruckender sind aber die Strukturen - für mich jedenfalls.

Außerdem gibt es dort noch ein paar Rapakivi-Intrusionen mit teilweise etwas exotischen Gesteinen zu bestaunen:

Außerdem hatten wir Gelegenheit, von den finnischen Studenten etwas von der finnischen Kultur und Sprache mitzubekommen, so zum Beispiel finnische Sauna, angeblich ein Muß bei jeder Geländearbeit. Die finnische Sprache ist dagegen ein Buch mit 6 Siegeln, denn immerhin habe ich ein paar Worte gelernt, wie z.B. hüvää (gut), Päkhinäsekoitus (Nußmischung) und pussi (Tüte, Beutel).

Ich denke, ich werde auf jeden Fall noch mal privat auf die Åland-Inseln fahren, um dort Urlaub zu machen. Dann auch mit Kamera.

P.S. Ein Ausflug nach Åland ist für die meisten Schweden und Festlandfinnen hauptsächlich ein Vorwand, um Alkohol im Duty Free Shop einzukaufen. Es gibt einen richtigen Alkohol-Tourismus. Ich habe es mir natürlich auch nicht nehmen lassen, ein bißchen was einzukaufen. Man weiß ja nie, wofür das nochmal gut ist.

Mittwoch, 2. September 2009

Die September-Wohnung

Da ich jetzt leider etwas unfreiwillig Zeit habe (ich bin krank), dachte ich, ich nutze die Gelegenheit und schreibe kurz etwas zu meiner September-Wohnung. Ich glaube, ich habe schon beschrieben, wie ich dazu gekommen bin. Der Einzug und die Wohnung selbst sind aber auf jeden Fall nochmal einen post wert.

Die Wohnung selbst befindet sich in einer Reihe neugebauter und z.T. noch unfertiger Blocks und zwar in dem ersten Block, der letztes Jahr im Mai fertig geworden ist. Die Wohnungen sind daher sehr modern - zu modern. Warum, erkläre ich gleich. Jeder Block ist nach dem Baukastenprinzip gebaut. Die Wohnungen (übrigens alle aus Holz) wurden vorgefertigt und dann wie Legosteinchen aufeinander gestapelt. Eine Wohnung hat ca 20 Quadratmeter und besteht aus Flur, Küchenbereich und Wohn/Schlafbereich ohne Türen, aber mit Trennwänden dazwischen, und dem Bad. Das Bad ist gefliest, aber ansonsten typisch skandinavisch: die Dusche hat keine Wanne oder sonstige Abtrennung zum Rest, sodaß ich erstmal lernen muß, zu duschen ohne das gesamte Bad zu fluten. Ebenfalls typisch für Schweden - und ein großer Vorteil gegenüber Deutschland - ist die Einrichtung: Es gibt 3 große Schränke, Kühl- und Gefrierschrank und eine voll eingerichtete Küche mit Herd, Backofen und Schränken.

Ebenfalls typisch für Schweden: In der Miete sind Heizung und kaltes Wasser enthalten. Ich bezahle nur noch extra für Internet, warmes Wasser und Strom. Den Verbrauch der letzten beiden Posten kann ich (und jeder andere auch) übrigens täglich auf der Website der Firma, die diese Wohnungen vermietet, verfolgen. Und das ist nur der Anfang der technischen Wunderwelt dieser Wohnung.

Hier funktioniert nämlich nichts mit Schlüssel. Nein! Es gibt einen Chip, den man für alles braucht, angefangen von der Haustür unten, dem Briefkasten, der tvättstuga (Waschmaschinenraum) und schließlich auch für die Wohnungstür. Möchte man zum Beipsiel Wäsche waschen, geht man zu dem Monitor vor der tvättstuga und bucht entweder 2 oder 3 Stunden, wann immer der Raum frei ist. Man kommt auch nur zu diesen Zeiten rein, was wohl schon zu mehreren Einbruchsversuchen geführt hat. Drinnen gibt es mehrere Waschmaschinen, Trockner und Trockenschränke (für die Wäsche, die nicht in den Trockner darf). Diese sind natürlich auch brandneu und können ca. 8 verschiedene Sprachen.

Wie bereits erwähnt, ist das alles etwas zu modern, denn hier wurden teilweise unerprobte Technologien zum ersten Mal eingesetzt. Dementsprechend schlecht funktionieren sie. Zum Beispiel der Briefkasten. Mit dem Chip sollte sich das Magnetschloß eigentlich ohne Weiteres öffnen lassen. Tut es nur nicht. Da es aber ein Magnetschloß ist, kann man mit ein bißchen Übung den Magneten so nach oben fummeln, daß sich die Tür öffnet. Toll, oder?

Doch damit nicht genug. Am Samstag wollten ein paar Leute aus dem Institut zu IKEA, was mir natürlich sehr gelegen kam, da ich außer einem geborgten Bett, Sessel, Tisch und Stuhl nichts weiter für die Wohnung hier habe. Also habe ich allerhand Kleinkram gekauft, z.B. Besteck, Geschirr, eine Lampe, einen Duschvorhang etc. Im zweitgrößten IKEA der Welt einkaufen zu gehen, wäre bestimmt ein größerer Spaß gewesen, wenn ich eine dauerhafte Wohnung hätte :-(
So war es in erster Linie anstrengend, sodaß ich ganz froh war, als mich mein Kollege mit meinen Sachen vor der September-Wohnung absetzte. Mein vermietender Kollege hatte mich, als er mir die Wohnung gezeigt hatte, schon gewarnt, daß das Schloß nicht immer funktioniert. Normalerweise sollte eine rote LED anzeigen, wenn abgeschlossen ist, eine grüne, wenn offen ist. Nur wenn es eine Fehlfunktion gibt, sollte es piepsen und rot blinken. Und genau das tat es! Also stand ich da mit meinen Sachen vor der Tür, kam nicht rein, konnte nicht weg, und zu allem Überfluß war auch noch mein Handyakku alle. Zum Glück war der Kollege, mit dem ich bei IKEA war, noch da. Also haben wir erstmal versucht, meinen Vermieter zu erreichen. Der war mit dem 2. Chip ca 1 Stunde vorher in der Wohnung gewesen, um mir eine Matratze zu hinterlegen. Doch leider war er nicht erreichbar (später stellte sich heraus, daß sein Handyakku alle gewesen ist), nur seine Freundin, die auch nicht wußte, wo er gerade war. Deshalb habe ich den Service angerufen, der für solche Störfälle zuständig ist und nach ca 20 Minuten da war. Nun ergab sich aber noch ein weiteres Problem: Ich als Untermieterin konnte natürlich vor Ort nicht beweisen, daß ich dort wohne. Wer hat schon seinen Mietvertrag immer dabei? Außerdem bin ich ja nur Untermieterin. Die Wohnung an sich war auch leer, sodaß nichts darin war, um meinen Anspruch zu beweisen. Zum Glück rief in dem Moment mein Vermieter von seiner Freundin aus zurück. Nach weiteren 15-20 Minuten war er dann auch da - mit Mietvertrag und Ausweis.
Es stellte sich heraus, daß der Chip, den ich bekommen hatte nur in etwa 3 von 10 Fällen funktioniert, der andere in 8 von 10 Fällen. Jetzt hab ich beide Chips, und auch wenn es nicht immer sofort klappt, komm ich irgendwie rein.
Ich kann meinem Kollegen nur danken, daß er so viel Geduld hatte und mich von A nach B nach C kutschiert hat. Wir waren jedenfalls beide total fertig. Nachdem er mich danach auch noch bei der Post vorbeigefahren hatte, konnte ich mich aufs Fahrrad schwingen und war nach ca 45 Minuten zurück in bei meinen Gastgebern, wo ich den ganzen August gewohnt habe. Ich wollte mich eigentlich nur hinlegen und vor der Party am Abend noch ein bißchen schlafen, aber siehe da: der Tisch im Garten war gedeckt und es sollte gerade Abendessen geben. Ich habe es dann doch noch geschafft, eine Stunde zu schlafen. Und es hat sich auch gelohnt. Die Party war toll, auch wenn ich keinen Tropfen Alkohol getrunken habe: Ich war die Fahrerin. Somit hab ich auch meine Volvo-Premiäre gehabt.

Sonntag gabs dann nach Brunch im Garten ein paar Stunden Pilze- und Bärensammeln (hab ganz viele Preiselbeeren, die demnächst nach Dresden reisen wollen), bevor ich dann mit meinen Sachen in die Septemberwohnung umgezogen bin. Montag bin ich dann mit Kopfschmerzen aufgestanden und mit Halsschmerzen abends zurückgekommen. Dienstag ging so gut wie gar nichts mehr, sodaß ich 15 Uhr schon wieder von der Arbeit zurück war. Zum Glück hab ich von Kollegen/Freunden polnische Grippetabletten bekommen (Paracetamol und noch so ein paar andere Sachen). Heute hab ich dann den Großteil des Tages verschlafen. Die Halsschmerzen sind fast weg, nur der Kopf tut noch weh. Es ist aber defintiv keine Schweine-Grippe. Ich hab kein Fieber. Ist aber schon komisch, denn ich bin nicht die einzige, die es hat. Und es ist seltsam, weil es vorgestern das erste Schweinegrippeopfer Schwedens ausgerechnet in Uppsala gab und überall im Institut Desinfektionsmittel rumstehen und Warnhinweise rumhängen. Ich hoffe, ich bin bald wieder OK. Was mich nämlich am meisten beunruhigt, ist, daß ich nicht krankenversichert bin momentan. Aber daran kann ich so schnell nichts ändern. Deshalb geh ich jetzt mal zurück ins Bett.