Mal abgesehen, daß man in Schweden fast alles online erledigen kann, geht der direkte Weg zum Kundenservice meist der über das Telefon. Darum führt oft kaum ein Weg herum. Schon als ich hier angekommen bin, mußte ich beim
Centrum für Vuxnas Lärande (Zentrum für Erwachsenenbildung) anrufen, um einen Termin zu machen, um mich für einen Schwedischkurs zu registrieren. Das ging nicht per Mail. Auch mein Festnetztelefon konnte ich nur telefonisch anmelden.
Überhaupt haben in Schweden scheinbar alle Unternehmen Telefonhotlines. Kein Wunder, daß Hörverstehen ein wichtiger Teil beim Schwedischkurs ist. Erst gestern haben wir eine Übung mit einer Ansage vom Telefonservice eines Kaufhauses gemacht. Ich telefoniere tatsächlich mehr mit schwedischen Hotlines, als mir lieb ist. Heute gleich schon wieder mit
Agria, weil der Brief mit Leons Versicherung noch nicht da ist (er ist unterwegs).
Es gibt da wie in Deutschland auch diese Systeme, wo man sich mit Hilfe von Nummern durchwursteln muß oder wo man sagen muß, was man will. In Deutschland verstehen letztere einen ja grundsätzlich nie. Umso überraschter war ich, als ich gerade bei
Vattenfall wegen der Stromrechnung angerufen habe. Auf die automatische Frage des Systems "Warum rufst Du an?" sagte ich "Betalningspåminnelse" (Zahlungserinnerung). Darauf der Computer: "Dein Anliegen hat mit der Rechnung zutun. Ist das richtig?" Ich: "Ja." "Dann verbinde ich Dich mit dem richtigen Mitarbeiter." Und durch war ich. Doch das war nicht alles. Ich wollte fragen, warum der Rechnungsbetrag nicht einfach abgebucht worden ist. Ich hatte ja eine Einzugsermächtigung geschickt. Ohne nach meinem Namen, meiner Personennummer, meiner Kundennummer oder der Rechnungsnummer zu fragen, sagte mir die Frau: "Ja, die Einzugsermächtigung gilt erst ab der nächsten Rechnung. Die beiden anderen vorher mußt Du so überweisen."
Schön. Unkompliziert. Aber GRUSELIG! Die wußten, wer ich bin. Natürlich habe ich meine Nummer angegeben, als ich den Vertrag im Internet abgeschlossen habe. Aber das hat in Deutschland auch noch nie einem mitgeteilt, wer ich bin.
So gesehen, ist das mit den Telefonhotlines in Schweden einfacher als in Deutschland. Man erfährt auch, welche Nummer man in der Warteschleife hat und wie lange es noch dauert.
Und was lernen wir daraus?VIELLEICHT ist in Schweden alles leichter. Zumindest am Telefon.
Auch am Telefon sagt man immer du, niemals Sie. Gesiezt wird nur die königliche Familie.
Zum Schluß noch etwas aus der Kategorie
unnützes, empirisches Halbwissen: Am Telefon verabschieden sich die Schweden irgendwie immer mit "Hej!", was sowohl Hallo als auch Tschüß bedeutet. Aber im normalen Leben sagen sie zum Abschied eher "Hej då!" Ob da ein System dahintersteckt?