Vor längerer Zeit hatte ich ja bereits erklärt, daß man als Wissenschaftler immer erst Geld für die eigene Forschung und oft auch für die eigene Stelle auftreiben muß, indem man Anträge auf Förderung schreibt. Es gibt verschiedene nationale und internationale Stiftungen und Forschungsgemeinschaften, die Gelder vergeben. Wenn man dann tatsächlich Förderung von einem der großen Forschungsfinanzierer bekommt, dann bedeutet das so etwas wie eine Kombination aus Lottogewinn, Goldmedallie und Bundesverdienstkreuz, wobei der Arbeitsaufwand in etwa mit dem für eine Goldmedallie vergleichbar ist. Einer von diesen Forschungsfinanzierern ist der Europäische Forschungsrat, und derzeit schreibe ich gerade einen Antrag für Forschungsgelder dorthin. Die Chancen sind extrem gering, und falls man bei der Beurteilung nicht Höchstnoten bekommt, wird man für ein oder zwei Jahre für weitere Anträge gesperrt, und dann ist man womöglich zu alt für diese Art der Förderung. Sehr riskant also die ganze Sache, aber falls man Erfolg hat, Lottogewinn/ Goldmedallie/Bundesverdienstkreuz.
Die zweite Art, in der Wissenschaft zu Prestige zu kommen, ist, in Zeitschriften wie Nature oder Science zu veröffentlichen. Die lehnen schonmal mehr als 99% aller eingereichten Manuskripte ab, ohne sie auch nur begutachten zu lassen. Wenn man doch durchkommt, bekommt man zwar nicht direkt Geld, aber es kann durchaus die Karriere verändern. Auf jeden Fall hat man bessere Chancen auf Jobs, Beförderungen, Forschungsförderung usw. Seit einigen Jahren gibt Nature außerdem eine Reihe von spezialisierteren Zeitschriften heraus, zum Beispiel Nature Physics oder Nature Geoscience. Auch wenn diese Zeitschriften natürlich nicht ganz an der Spitze stehen, so bringt es doch eine Menge Prestige mit sich, dort zu veröffentlichen, weil sie oftmals ein Vielfaches des Impakts normaler Zeitschriften haben. Wir haben diesen Monat übrigens einen Artikel in Nature Commnications veröffentlicht. Mal sehen, als wie karriereverändernd sich das noch herausstellen wird. Ohne diesen Artikel hätte ich bei meinem oben erwähnten Antrag jedenfalls kaum eine Chance.

