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Montag, 16. Juni 2014

Hochzeit auf dem Kyffhäuser

Am Wochenende haben zwei liebe Freunde von mir auf dem Kyffhäuser ihre Hochzeit gefeiert. Die Feier war wunderschön, mit ca. 75 Gästen genau die richtige Größe. Und so gut wie alle meine Freunde waren da (bis auf einen, der ausgerechnet am Tag der Hochzeit im Interesse der Nation in Mali gebraucht wurde!). Es war so schön, alle wiederzusehen und mit ihnen einen so besonderen Tag zu feiern. 

Danke für die Einladung! Alles Gute für die Zukunft! Ich vermisse Euch jetzt schon.

Dienstag, 24. Dezember 2013

Die Regeln des schwedischen Weihmachtsessens

Mittlerweile war ich schon auf diversen julbord (schwedischen Weihnachtsessen), doch es hat bis zu diesem Weihnachten gebraucht, um endlich herauszufinden, welche Regeln bei diesem traditionellen Festessen gelten.
Dies ist einer der 4 Tische, durch die man sich kämpfen kann/muß.
Wie man auf dem Bild gut erkennen kann, ist der Tisch mit den verschiedensten Gerichten voll beladen. Wie soll man sich da entscheiden? Zum Glück gibt es dafür Richtlinien, an die man sich halten kann, wenn man traditionsbewußt ist. Diese Richtlinien sehen 5 verschiedene Gänge vor:
  1. Der erste Gang besteht aus eingelegtem Hering in allen Varianten, zusammen mit Brot (süß oder Knäckebrot).
  2. Darauf folgt ein Gang mit geräuchertem, gebeiztem, gekochtem usw. Lachs, Lachpastete und halben gekochten Eiern mit Kaviar.
  3. Bei Gang Nummer 3 gibt es dann endlich was Substanzielles: Sülze, Pasteten, Würstchen, Roastbeef, Hirsch, geräuchertes Fleisch und Julschinken.
  4. Wer jetzt immer noch nicht genug hat, kann sich beim 4. Gang mit Weihnachtswürstchen, Auflauf, Omelette, Rippchen, Rotkohl und in Lauge gekochtem Trockenfisch (lutfisk) und Fleischbrühe mit eingetunktem Brot.
  5. Völlig fertig darf man sich beim 5. Gang endlich den süßen Dingen des Lebens widmen, dem Nachtisch. Der besteht typich schwedisch aus Reisbrei mit Schlagsahne (ris a la Malta), knuspriges Waffelgebäck, Bonbons und Pralinen, Käse und Cracker, sowie natürlich der obligatorische Kaffee.
Das julbord stammt aus ärmeren Zeiten, in denen die Bauern im Winter alles aufgefahren haben, was sie hatten. In Michel aus Lönneberga gibt es eine Szene, in der Michel die Armen des Dorfes zum julbord einlädt. Heutzutage ist ein solch überschwängliches Essen natürlich nicht mehr richtig mit unserem Lebenstil zu vereinbaren. Deshalb halte ich mich beim Arbeitsweihnachtsessen an die Sachen, die ich mag, zum Beispiel warmgeräucherten Lachs, geräucherte Entenbrust und Julschinken. Das macht es deutlich leichter, nach dem Essen, nicht als Kugel zurück auf Arbeit rollen zu müssen.

Einige der Gerichte habe ich übrigens zu meinem Foodblog voracious silence verlinkt, solltet Ihr jetzt Appetit haben. Frohes Nachkochen!

Mittwoch, 29. Mai 2013

Der einzig wahre Vulkankuchen

Für die Doktorfeier meiner Freundin, die letzte Woche über ein vulkanologisches Thema promoviert hat, haben meine Freunde und ich einen Vulkankuchen gebacken. Wenn man volcano cake googelt, findet man eine Menge Ideen. Auch auf youtube gibt es einen schier unglaublichen Schatz and Ideen rund um dieses Thema. Bei uns hat die Idee allein ausgereicht, um eine Flut von Emails über alle Möglichkeiten zu erzeugen. Letztendlich kam aber dabei folgender Kuchen heraus:
Dies ist der wahrscheinlich einzige Vulkankuchen, der auch wirklich von Vulkanologen gemacht wurde, und der aufgrund dessen vollständig wissenschaftlich korrekt ist. Er hatte unter anderem Lavaströme, einen Lavadom, eine Magmakammer, eine unter dem Vulkan liegende Schicht aus Sedimentgestein und Xenolithe.

Um den Kuchen ins rechte Licht zu rücken, gab es auf der Party sogar eine power point-Präsentation, die an die Verteidigungspräsentation angelehnt war und den Kuchen in einen wissenschaftlichen Kontext setzte. Das große Finale war dann, daß meine Freundin den Kuchen anschneiden und zusehen durfte, wie das Magma (Kirschsauce) aus der Magmakammer herauslief. Ganz nebenbei hat der Kuchen dann natürlich auch als Nachtisch gedient.

Eine fast schwedische Doktorfeier

Am Freitag Abend fandt die Doktorfeier einer guten Freundin statt, die ein halbes Jahr vor mir hierher nach Uppsala gekommen ist. Sie gehört also wirklich zu meiner internationalen Familie hier, und es ist ein bißchen schockierend, wie schnell die Zeit doch vergangen ist.

Während ich an anderer Stelle schon berichtet habe, wie hier eine typische Verteidigung aussieht, ist es jetzt wohl an der Zeit, mal eine schwedische Doktorfeier zu beschreiben, oder besser eine internationale Adaption einer schwedischen Doktorfeier - meine Freundin ist Katalonierin.

Im Allgemeinen sind Doktorfeiern hier wesentlich formalisierter und finden am Abend der Verteidigung statt. Der Doktorand lädt am Tag des spikning zur Feier ein. Gäste müssen dann ca. 300 Kronen als Beitrag für Essen und Getränke bezahlen. Der Doktorand organisiert einen Ort, wo die Party stattfindet, sowie Essen und Getränke. Nicht nur aufgrund der hohen Preise für Alkohol deckt der Gastbeitrag die Kosten für die Feier eigentlich nicht mal im Ansatz. Für die Organisation der Party holt sich der Doktorand dann Hilfe von einem oder zwei Masters of ceremony (MC), die auch dafür sorgen, daß während der Party alles glatt läuft und daß sich der frisch gebackene Doktor auf Gäste und Programm konzentrieren kann.

Die Party selbst ist im Prinzip erst einmal ein recht formelles Abendessen. Man trägt Abendgarderobe und die Tische sind festlich dekoriert. Eine wichtige Institution während jeder Doktorfeier sind kurze Ansprachen. Der Opponent, die anderen Kommitteemitglieder, Familienmitglieder, Freunde, der Betreuer und jeder, der sich berufen fühlt, kann beim MC Bescheid sagen, der dann für Aufmerksamkeit sorgt und den Redner ankündigt. Der toastet dann dem Doktoranden zu, erzählt eine Anekdote oder überreicht ein Geschenk. Hier ist es üblich, daß sich Doktorand und Doktorvater beschenken. Außerdem organisieren auch die Freunde ein Geschenk, das im Laufe des Abends übberreicht wird.

Da sich in Schweden wahrscheinlich niemand amüsieren würde, gibt es noch eine wichtige Tradition, die auf keiner Doktorfeier fehlen darf: das Singen. Neben dem MC gibt es auch noch einen songmaster, der ein Heftchen mit Liedtexten zusammenstellt. Hin und wieder kündigt der songmaster dann an, welches Lied gesungen wird und stimmt es an. Die ganze Festgesellschaft singt mit und prostet sich dann am Ende zu. Die meisten Lieder sind nämlich Trinklieder.

Außerdem gibt es ein Lied, daß nach jeder Rede gesungen wird. Es ist eine Art Frage- und Artwortspiel zwischen dem Redner und den Zuhörern und läuft natürlich auch auf Trinken hinaus (ich hab leider nur den Schlager bei youtube gefunden, und der ist niemandem zuzumuten).

In unserer internationalen Adaption einer schwedischen Doktorfeier gab es natürlich verschiedenste Lieder, u.a. ein katalonisches und ein slowakisches. Außerdem hatten wir uns ein T-Shirt designt, daß wir alle anhatten und dann unserer Freundin geschenkt haben. Es gab ein Spiel, bei dem sie Cocktails erraten mußte. Und einen Vulkankuchen (kommt im nächsten Post). Die Spiele sind immer auf die jeweilige Person zugeschnitten. Wir hatten schon mal ein "Rate den Pfannkuchen"-Spiel, bei dem die Doktorin Pfannkuchenvariationen aus den zehn Ländern erraten mußte, in denen sie während der Doktorarbeit war. Wir hatten einen flashmob mit einstudierter Choreographie, verschiedene Quizze. Dabei ist natürlich ein großer Teil des Spaßes, all das im Geheimen vorzubereiten und dann während der Feier damit zu überraschen.

Alles in allem ist eine schwedische Doktorfeier also ziemlich anders als in Deutschland.

Dienstag, 21. Mai 2013

Grillfest

Am Samstag hatten wir zu unserer ersten Party im neuen Haus geladen. Aus psychologischen Gründen handelte es sich um ein Grillfest, nicht um eine Einweihungsparty. Trotzdem haben wir zwei Tage am Stück geputzt und aufgeräumt.
Zur Party selbst war es dann überraschenderweise plötzlich Sommer: Es war sonnig und warm, der Garten blühend und grün und der neue Grill ein Anziehungspunkt für unsere ca. 20 Gäste, die selbst aus Oslo gekommen waren. Cocktails und Burger fanden ebenfalls ihre Abnehmer, sodaß es ein fantastischer Abend wurde.

Jetzt wissen wir jedenfalls, daß das Haus auch partytauglich ist.

Dienstag, 30. April 2013

Grüße von der Nordseeküste

Statt Postkarte an dieser Stelle viele liebe Grüße von der deutschen Nordseeküste, wo sich über den 1. Mai eine ganze Reihe neuerdings 30jähriger Freunde von mir zum Feiern eingefunden haben. In der Schule hatte mein Klassenlehrer ja behauptet, wir hätten mit 30 keinen Kontakt mehr zueinander. Ätsch, denkste, Herr O!

Jedenfalls ist es schade, daß ich Donnerstag Nachmittag schon wieder auf Arbeit sein muß.

Dienstag, 1. Januar 2013

Das war 2012

Wieder mal ein Jahr vorbei, und entgegen meiner Gewohnheit habe ich dank Umzug wenig bis gar nicht darüber nachgedacht, was mir 2012 so gebracht hat. Das will ich jetzt wenigsten ins Kurzform nachholen.
 
Mein großer und fast einziger Vorsatz war, mit meinem neuen Job und den damit verbundenen Herausforderungen klarzukommen. Da ich noch immer am leben bin, keine meiner Lehrveranstaltungen zum Disaster geworden ist und ich auch noch nicht von meinen 5 Angestellten gelyncht wurde, verbuche ich meinen Vorsatz mal als erfüllt. Bis zu diesem Punkt, war es ein ganz schön stressiges Jahr, das aber auch ein paar Highlights hatte, auf die ich mich lieber konzentrieren möchte. Also hier bitte:
 
Meine Highlights 2012 und zwar ohne Ranking, sondern chronologisch rückwärts:
Ich wünsche Euch allen ein aufregendes und erfolgreiches neues Jahr 2013!

Freitag, 6. Januar 2012

Schwedenupdate im neuen Jahr

Zwar gibt es hier im dunklen, schwedischen Wald nicht wirklich etwas Neues, aber mitunter vergißt man ja, die alltäglichen Befindlichkeiten zu berichten, wenn man gefragt wird, was es so gibt. Hier also ein kleines Update des Alltäglichen.

Die Feiertage haben wir dieses Mal hier in Schweden verbracht und es einfach mal ruhig angehen lassen. Nach dem Streß der letzten Monate hatte ich das wirklich dringen nötig. Heilig Abend und Silvester waren wir bei Freunden, die seit August Nachwuchs haben. Entsprechend ging es ruhig zu, was aber nicht reichliches Essen ausschloß. Zu Weihnachten gab es typisch polnische Spezialitäten, zum Beispiel Borscht. Für mich das erste Mal, der/die/das Borscht. Silvester gab es dann italienische Speisen, da kann man ja nichts falsch machen. Neujahr ging es dann wie im letzten Jahr auch schon zu meinem Chef zum Mittagessen, wo entsprechend fränkischer Tradition Sauerkraut und Würstchen auf den Tisch kamen. Sauerkraut zu Neujahr zu essen, bringt angeblich Geldsegen für das neue Jahr.
Borscht mit pilzgefüllten Teigtaschen.

Ansonsten wurde nicht wenig gearbeitet, was irgendwie ganz schön war, da fast niemand auf Arbeit war. Endlich konnte ich mich mal den Dingen widmen, für die ich sonst zu wenig Zeit habe. Und überhaupt ist es manchmal ganz schön, mal einen Moment innezuhalten und zu überlegen, was denn in den nächsten Monaten so anliegt und wohin es denn gehen soll.

Dazu gibt es natürlich die ein oder andere Sache, die schon geplant sind für 2012. Nächste Woche bin ich erstmal für eine Konferenz in Reykjavik. Ich hab zwar nicht so richtig Lust zu verreisen momentan, und schon gar nicht an einen Ort, an dem es dunkel und naß und kalt ist, aber in dem Fall geht es um networking, vom Chef verordnet. In der dritten Januarwoche beginnt dann ein Kurs über die Betreuung von Doktoranden für mich, der ein paar Tage im Januar und dann hin und wieder im Februar, März und Mai stattfindet. Ende Januar und Mitte Februar unterrichte ich dann einen Kurs in geologischer Kartenanalyse. Den muß ich demnächst auch erstmal richtig vorbereiten. Dank dieses Kurses fällt leider auch unser geplanter Thailandurlaub ins Wasser. Dabei würd ich so gern Urlaub machen und die Sonne sehen. Bis auf eine Woche Urlaub in Island und ein paar einzelne Tage, als der Besuch aus Dresden da war und als wir übers Wochenende in Stavanger und Dresden waren, gabs 2011 keinen Urlaub. Mal sehen, was sich dann 2012 so an Urlaub einrichten läßt. Urlaubsreif bin ich jetzt schon. Abgesehen davon geht es im März nach Deutschland. Vor Ostern findet in Kiel eine Tagung statt, bei dem wohl auch einige Kollegen aus Göttingen sein werden. Apropos Tagung: Im April ist dann auch wieder die EGU in Wien. Diesmal muß ich unbedingt einen Kaiserschmarrn essen. Und dann heiraten im Juli unsere besten Göttingen/Stavanger-Freunde. Da muß ich mich langsam mal auf Kleidsuche begeben.

Vieles ist aber auch noch ungeplant, vor allem was meine Stelle angeht. Da bisher alle im Urlaub waren, hat sich da nicht nichts getan. Na ja, das Leben in Schweden wird ab nächste Woche schon wieder losgehen. Diese Woche ist jedenfalls schon wieder vorbei, weil morgen Feiertag ist, nein, nicht Knut, sondern der 13. Tag nach Weihnachten. Am 20., dem Namenstag von Knut, werden hier in Schweden traditionell die Weihnachtsbeleuchtung und der -schmuck entfernt. Frei ist deshalb nicht.

Noch was: Neujahrsvorsätze. Die fallen dieses Jahr bescheiden aus. Vor allem aber: so weitermachen wie bisher und mit allem Neuen klarkommen.

Mittwoch, 26. Januar 2011

Verpaßtest Jubiläum

Da hab ich doch glatt den 2jährigen Blog-Geburtstag verpaßt. Na ja, immerhin hab ich mich noch im Januar dran erinnert. Auf ins nächste Jahr.

Dienstag, 4. Januar 2011

Start ins neue Jahr

Der Start ins neue Jahr war ruhig und schneereich. Das alte Jahr endete bei Freunden mit Elchgulasch und Schneesturm und begann mit Sekt und Wunderkerzen. Am 1. Januar waren wir dann bei meinem Chef zum traditionellen deutschen Essen eingeladen. Sauerkraut soll laut fränkischem Volksmund angeblich dafür sorgen, daß einem im neuen Jahr das Geld nicht ausgeht. Wollen wir hoffen, daß das stimmt!

Auf der Wiese liegt der Schnee kniehoch.
Nach dem sehr ausgedehnten Essen kamen wir am Abend genau richtig, um zu beobachten, wie der Schneeräumdienst sämtliche Einfahrten zuschob. In unserer Einfahrt lagen bestimmt 40 cm. Doch glücklicherweise kam hinher gleich noch ein zweiter Bagger, der die Einfahrten wieder freimachte. Was für ein Glück! Den Sonntag verbrachten wir dann natürlich mit Schnee schaufeln. Es geht also genauso weiter im neuen Jahr, wie das alte aufgehört hat.

Der Weg zum Holzschuppen muß freigehalten werden.
Ein glückliches neues Jahr Euch allen, oder wie der Schwede sagt: Gott nytt år!

Montag, 6. Dezember 2010

Fossilien und andere Altlasten

Der Besuch in Göttingen ist vorbei, und es gab eine Menge Dinge, die dort zu erledigen waren. Ein Grund, warum wir gerade jetzt nach Göttingen gereist sind, war das Alumnitreffen der Geologie, das umgangssprachlich auch "Fossilientreffen" genannt wird. 189 "Fossile" waren da und haben bei deftiger Hausmannskost ausgetauscht, was denn in den letzten Jahren und Jahrzenten passiert ist. Besonders habe ich mich gefreut, daß sehr viele Leute aus meinem Semester da waren. Manche von ihnen hatte ich seit Jahren nicht gesehen, zumal meine Kommilitonen nicht nur über Deutschland, sondern auch die Schweiz und Dänemark verteilt sind. Außerdem war es natürlich auch schön, alte Kollegen in Göttingen zu besuchen.

Abgesehen vom obligatorischen Besuch bei der Familie war ein anderer wichtiger Grund, mit dem Auto nach Deutschland zu fahren, daß wir noch so einiges in unserem alten Büro stehen hatten. Und so haben wir gestern Nachmittag alles ausgeräumt und in den Skoda geladen. Nur gut, daß wir einen Kombi haben!

Und natürlich haben wir auch noch ein paar Defizite des schwedischen Lebens kompensiert, z.B. mit einer Fleischdiät und dem Erwerb von Kaffeepads, Hallorenkugeln etc. Das war wirklich echt schön, mal wieder in Deutschland zu sein.

Dienstag, 23. November 2010

1980/2010 oder: Bin ich langsam zu alt für Mode?

Gerade komme ich von einem kurzen aber intensiven Shoppingtrip mit 3 Freundinnen in der Innenstadt Uppsalas zurück. Wir hatten eine Mission: Am Samstag gehen wir alle zu einer 80er-Jahre-Party! 
Abgesehen von Kindheitserinnerungen bietet sich als Quelle der Inspiration für die Kleidung natürlich Google an. Bei den Ergebnissen dort  fragt man sich durchaus, ob Leute vor 20 bis 30 Jahren wirklich so rumgelaufen sind. Wäre ich nicht selbst dabei gewesen, würde ich es nicht glauben. Allerdings sind die Bildergebnisse für Suchbegriffe wie "80er Mode Madonna" durchaus inspirierend. 
Was ist also typisch 80er? Hochtupierte Haare mit einer Menge Haarspray und Stirnband, Nietenhals- und armbänder, bis zur Unkenntlichkeit ausgeblichene Jeanshosen, -jacken, -westen, Strumphosen oder Leggins in allen erdenklichen Farben und Mustern, Stulpen, Glitzer und Blingbling, Kleider, die oben anliegend und unten fluffig sind, dicke Plastikbrillen, Farben, die mit neon- anfangen und auf pink, türkis, etc. enden.......

Wir sind also heute nach der Arbeit losgezogen, um im Second-Hand-Laden ein paar Sachen zu finden. Der war überraschend ergiebig. Hab ein schwarzes, durchaus tragbares Kleid mit Tüllunterrock erstanden, die anderen glitzernde Tops und sowas. Dann gings weiter in "richtige" Geschäfte, die heutige Mode verkaufen sollten. Erster Stopp war Glitter (sowas wie Bijou Brigit), ein Modeschmuckladen. Und da kann einen wirklich der Schlag treffen, wenn man nicht vorbereitet ist auf (wie der Name schon sagt) GLITTER. Dort gibt es wirlich nur Blingbling in allen Farben. Und das Größte: Alles, wirklich alles ist 80er-tauglich! Für die Party habe ich Plastikohrstecker, einen Haarreifen mit Stoffblume, eine 8fache Glitzerperlenkette und Spitzenhandschuhe erstanden. Schön und gut für ne Party, aber wer kauft solche Sachen im Ernst?! Offensichtlich gibt es genug Käufer, denn sonst würde sich so ein Laden ja nicht halten.

Nächster Stopp: Schuhladen. Alles voller 80er-tauglicher Schuhe mit goldenen Nieten! Aber zu teuer, um sie nur für eine Party zu kaufen. Ich komme aus dem Wundern nicht mehr raus, daß es wirklich Leute gibt, die sowas kaufen und sogar tragen.

Die nächsten 2 Stopps kann man gemeinsam abhandeln: Cubus und H&M, beides Klamottenläden voll mit 80er-tauglichen Klamotten. Dort haben wir vor allem nach Leggins und Stulpen gesucht. Und das ist absolut nicht schwer. Es gibt sie in allen Farben, selbst pink in verschiedenen Tönen,. Eine davon habe ich erworben, zusammen mit grauen Stulpen (wie zurückhaltend!). Trotzdem habe ich mich noch nicht an den Gedanken gewöhnt, daß es Leute gibt, die sowas tatsächlich tragen, ohne daß sie dafür bezahlt werden.

Fazit: Die Mode der 80er Jahre ist zurück in all ihrer Häßlichkeit. Die heutigen Träger sind wahrscheinlich zu jung, sich an die 80er zu erinnern, sonst könnte man ja vermuten, daß das Modebewußtsein sind insgesamt weiter- und nicht zurückentwickelt. Für mich ist es jedenfalls zu früh für ein Revival.

Samstag, 25. September 2010

Apfelparty

Eine Art, mit zu vielen Äpfeln umzugehen:
 Wer die verschlüsselten Teile entziffern kann, ist natürlich eingeladen.

Sonntag, 12. September 2010

kulturnatt - Nacht der Kultur in Uppsala

Gestern war ganz Uppsala auf den Beinen: Das größte kulturelle Ereignis des Jahres stand an, die Nacht der Kultur. Das ist eine Art Tag der offenen Tür in Museen, Galerien, Bibliotheken, Schulen und allen sonstigen Einrichtungen den ganzen Tag und die halbe Nacht in der Innenstadt von Uppsala. Auf den Straßen gibt es Stände von kulturellen Vereinen, live-Konzerte, Tanzvorführungen und Gesangsdarstellungen. In fast jeder Kneipe gibt es live-Musik. Außerdem gibt es Mitmachaktionen zu allen möglichen Themen, z.B. Salsa- und Tangokurse und thematische Spaziergänge durch die Stadt. Die hunderten von Programmpunkten werden in einer Spezialausgabe der Zeitung veröffentlicht, sodaß man planen kann, was man sich wann ansieht.

Wir waren zu Anfang bei einer Gesangsdarbietung zum Thema "britische Musik vom Mittelalter bis heute" im English Bookshop. Dann haben wir uns Salsa und Bauchtanz einer Tanzschule angeschaut, bevor wir uns dann mit einigen anderen Freunden beim Thailänder zum Essen getroffen haben. Danach waren wir uns im schottischen Pub schottische Live-Musik angehört. Dann ging es langsam durch die feiernde Stadt vorbei an verrückten Elchen und den im Allgemeinen in Schweden sehr knapp bekleideten Mädchen. Selbst kurz nach Mitternacht, als wir uns auf den Heimweg begaben, war die kulturnatt noch in vollem Gange.

Technomusik mit tanzenden Tieren, die sinnlose Dinge in die Menge werfen. Das ist halt Kultur.
Leider ist die kulturnatt auch das letzte Ereignis vor dem Winter. Jetzt werden die Bürgersteige hochgeklappt, bis die Stadt Ende März wieder aus dem Winterschlaf erwacht.
Französisch-irisch-kenianisch-deutsche kulturelle Verständigung während der kulturnatt.

Mittwoch, 25. August 2010

Familienzuwachs oder Die Rückkehr der Romantik

Was bringt zwei Menschen dazu, monatelang zu planen, sich zu stressen, jede freie (und auch die meisten nicht freien) Minuten ihrer Zeit und eine Geldsumme in der Höhe des Preises eines guten Kleinwagens zu investieren und sich zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Familie und Freunden zu machen? Weil sie heiraten wollen und (da sie all das oben genannte freiwillig erdulden) weil sie sich sehr lieben.

Seit Samstag ca. 10:45 habe ich eine verheiratete kleine Schwester, einen Schwager und obendrein Adoptivschwiegereltern. Das ganze wurde standesgemäß mit der absolut fantastischsten Hochzeitsfeier aller Zeiten zelebriert, die den anwesenden Gästen nicht nur wegen des ausgefeilten Stylings, der beeindruckenden Hochzeitstorte oder wegen des opulenten, vegetarierfreundlichen Buffets unvergeßlich bleiben wird.

Und nachdem ich das Strahlen des Brautpaares gesehen habe, verstehe ich endlich auch, warum die Hochzeit auch als der schönste Tag im Leben genannt wird (... auch wenn ich mir persönlich die Option für einen zukünftigen, noch glücklicheren Tag offenhalten würde).

Samstag, 26. Juni 2010

Midsommar!

Es ist so weit: das schwedischste aller schwedischen Feste ist gekommen, und ich war dabei! Midsommar 2010.

Aber Moment! Ist Mittsommer nicht am 21. Juni zum Sommeranfang? Nein! Mittsommer ist immer am darauffolgenden Wochenende, und zwar ist freitags midsommarafton (Mittsommerabend) und samstags midsommardagen (der Mittsommertag). Insgesamt ist Mittsommer das wohl wichtigste schwedische Fest. Es wird überall auf dem Lande gefeiert, sodaß die Städte menschenleer sind.

Wichtiger Bestandteil ist die midsommarstång, der Maibaum. Der wird am Donnerstag Abend mit Blumen und Grün geschmückt und auf dem Dorfplatz aufgestellt. Am midsommarafton wird dann um den Maibaum herumgetanzt, und zwar so (Unbedingt angucken! So ist es wirklich!). Außerdem gibt es allerhand Musik und Volkstanz von glücklichen Schweden mit Blumenkränzen und (teilweise) Trachten.
Traditionell wird zu den Feierlichkeiten tagsüber gepicknickt. Man ißt Frühkartoffeln mit Dill und eingelegten Hering (wir erinnern uns an Valborg). Zum Nachtisch gibt es Erdbeeren.Wir haben Midsommar ganz traditionell in Disa Gården gefeiert. Disa Gården ist ein Teil des Upplands Museums und stellt ein traditionelles schwedisches Dorf dar (dazu demnächst mehr). Welcher Ort wäre also besser geeignet? Die gleiche Idee hatten auch hunderte andere Uppsalenser. Es wird also nicht nur getanzt und gepicknickt, man sitzt auch einfach so im Gras rum und windet Blumenkränze unterhält sich und ist glücklich. Am erstaunlichsten fand ich, daß alle Generationen mitmachen: vom schwedischen Urgestein bis zum 2010er Jahrgang. Alle sind mit von der Partie.
Abends nach Ende der Maibaumgeschichte wird heutzutage meistens gegrillt. Dann beginnt der Teil der Veranstaltung, bei dem nicht alle Generationen mitmachen dürfen, der feuchtfröhliche. Zu Mittsommer wird wohl noch mehr getrunken als zu allen anderen Festen, sodaß dies (lustiges IKEA Video über Mittsommer) definitiv nicht nur ein Cliché ist.

Midsommar ist auf jeden Fall mein liebstes schwedisches Fest.

Samstag, 19. Juni 2010

Det kungliga bröllopet

(=die königliche Hochzeit)
Wie man wohl auch in Deutschland unschwer ignorieren konnte, hat heute die schwedische Kronprinzessin Viktoria ihren Fitneßstrainer Danieln Westling geheiratet. Wie schon ihr Vater, König Carl Gustav, hat sich Viktoria einen Bürgerlichen zum Ehepartner erwählt, was zunächst nicht ganz gut bei eben diesem Vater ankam. Doch letztlich hat sich Viktoria durchgesetzt.

In Schweden ist die Hochzeit von Viktoria und Daniel seit Monaten das Lieblingsthema der Presse, nur gefolgt von der Verlobung und späteren Trennung der jüngeren Prinzessin Madlein. Viktoria ist bei den Schweden immerhin die beliebteste der Royals, obwohl die generelle Beliebtheit der Monarchie im Allgemeinen in den letzten Jahren drastisch gesunken ist, sodaß nur noch 46% der Schweden der königlichen Familie eine Berechtigung einräumen. Schweden ist schließlich keine Monarchie, nein, im Schwedischkurs lernt man: Schweden ist eine parlamentarische Demokratie. Der König hat keine echte politische Macht. Er und seine Familie repräsentieren lediglich. Und so sehen es auch nicht alle Schweden mit dem größten Verständnis, daß ihre (und auch meine) Steuergelder für diese Hochzeit verwendet werden. Immerhin bezahlt Papa König wenigstens die Hälfte aus seinem Privatvermögen.

Aus meiner Perspektive habe ich von der Hochzeit und den ganzen Vorbereitungen nur ein Minimum mitbekommen. Dieses Minimum bestand vorwiegend aus der Verwunderung über die Vermarktung der Hochzeit. In jedem Supermarkt findet man derzeit Schokolade, Porzellan, Servietten, Postkarten, Limonade, Kuchen, Küchlein, Notizbücher, etc. mit dem Logo und dem Bild des Kronprinzessinnenpaares. Das Logo wurde im Januar offiziell als Serie mit Copyright und allem Drum und Dran eingeweiht, wie man in dieser Pressemitteilung auf der Website des Königshauses nachlesen kann. Sogar Briefmarken gibt es. Im größten Flughafen Schwedens hing zudem seit Anfang des Jahres ein riesiger Countdown mit Foto des Paares. Die Tourismusbranche hat sich natürlich auch ein Stück der Hochzeitstorte abschneiden wollen und das Event unter dem Namen Love Stockholm 2010 vermarktet.

All das nützte trotzdem nicht halb so viel, wie man sich ausgemalt hatte, denn das große Interesse, das von den Medien gepusht wurde, blieb aus. Public Viewing wurde in vielen Großstädten statt für die Hochzeit für Fußball anberaumt. Sonderzüge blieben größtenteils leer. Zwar wurde Ende dieser Woche auf Arbeit scherzhaft herumgefragt, ob denn jemand zur Hochzeit nach Stockholm fährt, aber keiner wollte sich dem wirklich live aussetzen.

Mußte man ja auch nicht, denn das schwedische Fernsehen übertrug die Feierlichkeiten von 8 Uhr morgens bis spät in die Nacht live. Dem kann man sich nicht entziehen, wenigstens nicht einer kurzen Zusammenfassung, die ich unter Recherche für diesen Blogg verbuche. Laut Fernsehen ist wohl alles wie geplant verlaufen. Das Wetter war traumhaft, das Kleid erst recht (Das ist mal ein echt schönes Hochzeitskleid gewesen!). Die Prinzessin sah unbeschreiblich glücklich aus, ihr nun Angetrauter neben ihr wie immer etwas deplatziert aber ebenfalls glücklich.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute...

P.S. Die Einnahmen aus der Hochzeitsserie sowie Geldgeschenke an das Paar stiften die beiden übrigens in einer offiziellen Stiftung zur Unterstützung kranker und ausgegrenzter Kinder.

P.P.S. Wenn irgendwo in Schweden außerhalb Stockholms doch Euphorie aufgekommen sein sollte, dann war das in Ockelbo. Da kommt Daniel Westling, jetzt Prinz Daniel, Herzog von Västgötaland, nämlich her. Bisher kannte man den Ort nur von seinem Käse, jetzt ist er die Heimat des Gatten der Tronfolgerin von Schweden.

Montag, 31. Mai 2010

Eurovision, die Dritte


Zum Finale am Samstag hatten wir zu einer Eurovision-Party geladen. Die Idee war weniger, den Musikwettbewerb zu feiern, sondern zu genießen, daß unser Freundeskreis hier aus so vielen Nationen zusammengesetzt war. Ich bekomme es kaum noch zusammen, aber eingeladen waren Schweden, Deutsche, Engländer, Franzosen, Polen, eine Slowakin, eine Irin, ein Isländer, eine Russin, eine Venezonalerin, eine Spanierin und ... mmh, mehr krieg ich jetzt auch nicht mehr zusammen.

Die Party war, da ja nicht alle das Schlagerfestivalen (so der schwedische Name) mögen, etwas zweigeteilt. Die eine Hälfte der Leute saß draußen um den Grill, die andere verfolgte drinnen gebannt die schwedische Ausstrahlung des Eurovision Song Contest 2010. Es wurde sogar eine Abstimmung gemacht, die trotz schlechter Statistik recht nah am tatsächlichen Ergebnis lag.

Zum Ende der Show waren die schwedischen Kommentatoren auch wieder mit der Welt versöhnt, zum einen weil sie Lena lieben und zum anderen, weil bekanntgegeben wurde, wie knapp Schweden im Halbfinale ausgeschieden ist. Tatsächlich war Anna Bergendahl nämlich auf Platz 11, und es haben nur 10 Punkte gefehlt, um sie ins Finale zu schicken. Die nationale Krise des Eurovision Song Contest in Schweden scheint einigermaßen überwunden.

Und in Deutschland darf man endlich mal wieder stolz auf sich sein. Scheinbar brauchen wir sowas ja, um unseren zerbrechlichen Naionalstolz zu pimpen.

Donnerstag, 27. Mai 2010

Eurovision, die Zweite

Gerade singt Anna Bergendahl für Schweden im Vorentscheid für den Eurovision Song Contest. Ganz Schweden sitzt vor dem Fernseher und würde gern für sie anrufen. Dürfen sie natürlich nicht. Fürs Finale wird es wohl trotzdem reichen. Die Kommentatoren des schwedischen Fernsehens freuen sich jedenfalls, wie schön sie gesungen hat.

Die Schweden wissen eben, wie man den Geschmack der Allgemeinheit trifft. Die Schweden stehen übrigens tatsächlich ganz clichékonform auf Abba-Musik: poppig, melodiös, schnulzig. Den israelischen Beitrag halten die Schweden übrigens für das Allergrößte. Dagegen mochten sie den Beitrag der Niederlande und den aus Slovenien gar nicht. Ist ja auch verständlich bei Spielorgelmusik und Musikantenstadl auf dope.

Jetzt in der Werbepause sieht man im schwedischen Fernsehen keine Werbung. Stattdessen werden Zuschauerfragen beantwortet. Eine davon ist: Warum durfte Schweden am Dienstag im ersten Halbfinale nicht abstimmen? Das hat wohl etwas mit der Strategie zutun, daß man das typische Abstimmen für Nachbarländer verhindern möchte. Deshalb wurden Nachbarstaaten wie Schweden und Dänemark wohl auch ins selbe Halbfinale gelegt. Eine recht subtile Logik, die ich nur zur Hälfte verstehe.

P.S.: Das hat wohl doch nicht gereicht für Anna aus Schweden. Die Enttäuschung ist groß, zumal der Eurovision Song Contest hierzulande etwas ganz großes ist. Arme Schweden. Mal sehen, was die Zeitungen morgen so schreiben. Gerade jetzt werden wohl 9 Millionen Schweden vorm Fernseher weinen. Die Kommentatoren sind jedenfalls überzeugt, daß es ein knochenhartes Halbfinale war und daß Europa Anna einfach nicht verstanden hat.