Am Freitag Abend fandt die Doktorfeier einer guten Freundin statt, die ein halbes Jahr vor mir hierher nach Uppsala gekommen ist. Sie gehört also wirklich zu meiner internationalen Familie hier, und es ist ein bißchen schockierend, wie schnell die Zeit doch vergangen ist.
Während ich an anderer Stelle schon berichtet habe, wie hier eine
typische Verteidigung aussieht, ist es jetzt wohl an der Zeit, mal eine schwedische Doktorfeier zu beschreiben, oder besser eine internationale Adaption einer schwedischen Doktorfeier - meine Freundin ist Katalonierin.
Im Allgemeinen sind Doktorfeiern hier wesentlich formalisierter und finden am Abend der Verteidigung statt. Der Doktorand lädt am Tag des
spikning zur Feier ein. Gäste müssen dann ca. 300 Kronen als Beitrag für Essen und Getränke bezahlen. Der Doktorand organisiert einen Ort, wo die Party stattfindet, sowie Essen und Getränke. Nicht nur aufgrund der hohen Preise für Alkohol deckt der Gastbeitrag die Kosten für die Feier eigentlich nicht mal im Ansatz. Für die Organisation der Party holt sich der Doktorand dann Hilfe von einem oder zwei Masters of ceremony (MC), die auch dafür sorgen, daß während der Party alles glatt läuft und daß sich der frisch gebackene Doktor auf Gäste und Programm konzentrieren kann.
Die Party selbst ist im Prinzip erst einmal ein recht formelles Abendessen. Man trägt Abendgarderobe und die Tische sind festlich dekoriert. Eine wichtige Institution während jeder Doktorfeier sind kurze Ansprachen. Der Opponent, die anderen Kommitteemitglieder, Familienmitglieder, Freunde, der Betreuer und jeder, der sich berufen fühlt, kann beim MC Bescheid sagen, der dann für Aufmerksamkeit sorgt und den Redner ankündigt. Der toastet dann dem Doktoranden zu, erzählt eine Anekdote oder überreicht ein Geschenk. Hier ist es üblich, daß sich Doktorand und Doktorvater beschenken. Außerdem organisieren auch die Freunde ein Geschenk, das im Laufe des Abends übberreicht wird.
Da sich in Schweden wahrscheinlich niemand amüsieren würde, gibt es noch eine wichtige Tradition, die auf keiner Doktorfeier fehlen darf: das Singen. Neben dem MC gibt es auch noch einen songmaster, der ein Heftchen mit Liedtexten zusammenstellt. Hin und wieder kündigt der songmaster dann an, welches Lied gesungen wird und stimmt es an. Die ganze Festgesellschaft singt mit und prostet sich dann am Ende zu. Die meisten Lieder sind nämlich Trinklieder.
Außerdem gibt es ein Lied, daß nach jeder Rede gesungen wird. Es ist eine Art Frage- und Artwortspiel zwischen dem Redner und den Zuhörern und läuft natürlich auch auf Trinken hinaus (ich hab leider nur den Schlager bei youtube gefunden, und der ist niemandem zuzumuten).
In unserer internationalen Adaption einer schwedischen Doktorfeier gab es natürlich verschiedenste Lieder, u.a. ein katalonisches und ein slowakisches. Außerdem hatten wir uns ein T-Shirt designt, daß wir alle anhatten und dann unserer Freundin geschenkt haben. Es gab ein Spiel, bei dem sie Cocktails erraten mußte. Und einen Vulkankuchen (kommt im nächsten Post). Die Spiele sind immer auf die jeweilige Person zugeschnitten. Wir hatten schon mal ein "Rate den Pfannkuchen"-Spiel, bei dem die Doktorin Pfannkuchenvariationen aus den zehn Ländern erraten mußte, in denen sie während der Doktorarbeit war. Wir hatten einen flashmob mit einstudierter Choreographie, verschiedene Quizze. Dabei ist natürlich ein großer Teil des Spaßes, all das im Geheimen vorzubereiten und dann während der Feier damit zu überraschen.
Alles in allem ist eine schwedische Doktorfeier also ziemlich anders als
in Deutschland.