Freitag, 30. Oktober 2009

Warum es schön ist, in Schweden zu arbeiten - Teil 2

Heute habe ich erfahren, daß morgen in Schweden ebenfalls ein Feiertag ist. Ich vermute mal sowas wie Reformationstag. Im gleichen Zug habe ich auch erfahren, daß es in Schweden ganz normal ist, daß man nur bis 12 Uhr arbeitet, wenn am nächsten Tag ein Feiertag ist, zumindest wenn man Staatsangestellter ist wie ich. Deshalb sind heute auch alle regulären Angestellten (das technische Personal auf jeden Fall) ab Mittag nicht mehr zu sehen gewesen.

Noch was Gutes: Wenn der Feiertag auf einen Donnerstag oder Dienstag fällt, ist der Brückentag automatisch frei! Ohne daß man extra Urlaub nehmen müßte! Und scheinbar macht sich deshalb keiner ins Hemd von wegen die Volkswirtschaft bricht zusammen oder sowas...

Und noch was Gutes: Wer sich immer schon gewünscht hat, einen Feiertag mal zu shoppen nutzen zu können, sollte nach Schweden ziehen. Hier haben die meisten Geschäfte an Feiertagen offen, wenigstens mit den Sonntagsöffnungszeiten.

Und zum Schluß noch ein Grund, warum es schön ist, in Schweden zu arbeiten: Der Arbeitgeber kümmert sich wesentlich mehr darum, daß man glücklich ist mit seiner Arbeit und sich mit dem Unternehmen identifiziert. Nächsten Freitag gibts zum Beispiel ein Novemberfest hier am Institut mit Essen, Trinken und Unterhaltung, ganz und gar kostenlos für die Angestellten, und nur damit wir alle happy sind. Schade, daß ich dann ausgerechnet nicht da bin. Aber dafür läuft ja demnächst die Saison der Weihnachtsparties an. Ich werd schon nicht zu kurz kommen.

Ach ja: Die Obstkorbfrequenz scheint sich jetzt zur ungemütlichen Jahreszeit drastisch erhöht zu haben. Auf jeden Fall gab es in den letzten 2 Wochen zweimal pro Woche einen Obstkorb. Ich weiß, 2 Punkte machen auch eine Gerade, deshalb kann ich jetzt noch nicht sagen, ob es sich dabei um einen Trend handelt. Aber ich werde die Sache im Auge behalten.


Freitag, 23. Oktober 2009

Der 5. Grund

Mir ist ein 5. Grund eingefallen, warum diese Woche besser wird als letzte. Dafür ist aber leider auch ein Grund ausgefallen: Diese Woche gibts erstmal noch kein Internet. Hab gestern bem Telefonanbieter angerufen, warum denn der Brief mit den Paßwörtern noch nicht da ist. Tatsächlich soll es gar keine Paßwörter geben. Stattdessen soll ich Montag einfach den Router anschließen und fertig. Nix Paßwort! Komisch. Na ja, dann eben Montag.

Doch hier der versprochene 5. Grund, bzw. der Ersatzgrund für das weggefallene Internet: Diese Woche wird endlich das Bad renoviert. Es nervt schon ein bißchen, eine Baustelle im Untergeschoß zu haben. Mittwoch wurde das alte Linoleum rausgerissen, gestern wurde die Decke gestrichen und Estrich gegossen. Hoffentlich kommt heute das neue Linoleum rein. Ich will endlich wieder zu Hause duschen, auch wenn die Duschen hier auf Arbeit gerade neu gemacht wurden.

Mal sehen, wie das so weitergeht. Es ist auf jeden Fall immer eine Überraschung, abends nach Hause zu kommen.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Schweden, nicht Deutschland - Teil 2

Obwohl man ja dank IKEA meinen könnte, alles über schwedische GeWOHNheiten zu wissen, sind mir, seit ich hier bin, so einige Dinge aufgefallen, die ein bißchen anders sind als in Deutschland. Das sind tatsächlich nur Kleinigkeiten des täglichen Lebens, aber sie machen einen großen Unterschied.

Hier einige Beispiele:
  • In Schweden sind Schlösser an oftmals Türen andersherum angebracht. Das heißt, man steckt den Schlüssel "falsch"rum ins Schloß und schließt in die Richtung auf, in der man in Deutschland zuschließen würde. Sehr verwirrend!
  • Schwedische Kissenbezüge haben keine Knöpfe, und überhaupt sind schwedische Kopfkissen rechteckig und kleiner (50 x 60 cm).
  • Fenster in schwedischen Häusern sind Doppelglasfenster, aber man kann die beiden Scheiben wie ein Faltblatt auseinanderklappen. Dazwischen ist dann praktischerweise die Jalousie, vor Wind und Wetter geschützt. Und die Verschlüsse für die Fenster sind sowieso mal ganz anders.
  • In Schweden gibt es traditionell keine echten Duschkabinen (in neueren Bädern schon). In den richtig alten Häusern steht man einfach so im Raum und duscht, also keine abgetrennte Duschwanne, oder wie das heißt. Wenn das Bad klein ist, kann man sich so z.B. auf die Toilette setzen und duschen. Ach ja, in Schweden ist Linoleum die "Fliese des Volkes". Linoleum ist überall.
  • In Schweden gibt es überall Lampen in den Fenstern: kleine Stehlampen, um die Dunkelheit zu vertreiben. Und Schweden mögen Licht: überall im Haus und auf dem Grundstück ist das Licht an, wenn sie zu Hause sind.
  • In Schweden macht zieht man die Gardinen nicht zu oder schließt die Jalousie, wenn man zu Hause ist. Das Licht brennt, jeder kann reingucken, aber es gehört sich nicht. Würde man die Gardinen zuziehen, wäre das ein Zeichen dafür, daß etwas nicht in Ordnung ist, sagt zumindest mein Einwandererbuch.
  • Und: Schweden lieben Tapete mit Mustern. Ich hab noch nie so viele Blümchentapeten gesehen wie hier.
Mehr fällt mir jetzt spontan nicht ein, aber mir fallen ständig solche Kleinigkeiten auf. Ich berichte weiterhin von meinen Entdeckungen.

Montag, 19. Oktober 2009

Meine PYPpi

Ja, ich habe ein Auto! Jippiiiiie! Einen Skoda Oktavia Combi. Details finden sich hier. Da ich ja eine absolute Nicht-Expertin bin, bin ich sehr dankbar, daß mein Vermieter den Kauf in die Hand genommen hat. Er hat auch gleich 3 Freunde mitgenommen, die was von Autos verstehen. So hab ich ein echt gutes Geschäft gemacht.

(Das Copyright für dieses Foto hat der ehemalige Besitzer meines Autos, Linus aus Stockholm.)

Der alte Besitzer wollte das Auto loswerden, weil der Zahnriemen gewechselt werden muß und er kein Geld hat. Doch bis auf das und die Sommerreifen ist das Auto absolut in Topzustand. 109 000 km, Baujahr 2000.

Ich bin so froh, jetzt endlich wieder mobil zu sein. Nur nach Deutschland kann ich mit PYPpi (so mein Name für das Auto, weil das Kennzeichen mit PYP anfängt) im Winter nicht. Die Winterreifen haben Spikes, was außerhalb Schwedens nicht zugelassen ist. Aber im Sommer komm ich bestimmt mit PYPpi nach Deutschland. Dann machen wir den Kofferraum voll mit leckeren Sachen, die es in Schweden nicht gibt.

Übrigens: In Schweden behalten Autos ihr Leben lang das gleiche Kennzeichen. Gibt man das Kennzeichen im Internet in eine Datenbank ein, kann man alles erfahren, was mit dem Auto je geschehen ist. Deshalb legt man in Schweden soviel Wert darauf, daß Autos svensksåld (in Schweden gekauft und verkauft) sind. Da gibts keinen Mogel mit dem Kilometerstand oder möglichen Unfallschäden. Gleichzeitig weiß die Polizei aber auch sofort, ob das Auto versichert ist, wenn sie das Kennzeichen überprüfen. Ja, so ist das mit der schwedischen Transparenz.

5 Gründe, warum diese Woche besser wird

...als die letzte:

1. Ich habe ein Auto und muß nicht 2 Stunden (plus x) täglich unterwegs sein zur und von der Arbeit. Ich kann einkaufen, so viel und so schwer wie ich will. Ich kann meinen Laptop transportieren, ohne Rückenschmerzen zu haben.

2. Min pojkvänn kommt zu Besuch! Jubel! Für eine Woche, nachdem wir uns 8 Wochen nicht gesehen haben. Das bedeutet auch, daß ich mehr von meinen Sachen bekomme. Als ich hergekommen bin, war es schließlich noch Sommer. Jetzt gehen mir deswegen die warmen Klamotten aus.

3. Diese Woche geht die Villa Kunterbunt online. Ich warte nur noch auf das PW.

4. Ich kann endlich wieder was tun auf Arbeit, nachdem mir letzte Woche die Server einen Strich durch die Rechnung gemacht haben.

OK, das waren nur 4 Gründe, aber ich denke weiterhin drüber nach. Die Woche hat ja gerade erst angefangen.

TGIF

Am Freitag war ich bei meiner ersten TGIF Party hier am Institut. TGIF = Thank God It's Friday. Es ist eine Tradition hier, hin und wieder freitags eine Party nach der Arbeit zu feiern. Dafür gibt es einen Topf mit Geld, und irgendjemand kauft davon Getränke und Snacks. Für die Getränke bezahlt man dann den Einkaufspreis auf der Party.

Das letzte TGIF hatte ich leider verpaßt, weil ich da gerade von der Exkursion auf die Åland-Inseln zurückgekommen war. Dafür mußte ich dieses Mal natürlich unbedingt anwesend sein. Und es war echt schön. Gemütlich mit den Kollegen zusammensitzen, reden, trinken...

...und feiern, daß ich endlich ein Auto habe! Mehr dazu demnächst.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Das Stockholm-Syndrom

Ein Kollege hat mir das geschickt, und ich muß es mit der ganzen Welt (oder zumindest mit meiner exklusiven Leserschaft) teilen. Es ist einfach nur lustig: Hier ist, was US Amerikaner über Schweden denken!

Teil 1:
The Daily Show With Jon StewartMon - Thurs 11p / 10c
The Stockholm Syndrome Pt. 1
www.thedailyshow.com
Daily Show
Full Episodes
Political HumorRon Paul Interview


Teil 2 (vielleicht noch besser als Teil 1 und mit Björn von ABBA):
The Daily Show With Jon StewartMon - Thurs 11p / 10c
The Stockholm Syndrome Pt. 2
www.thedailyshow.com
Daily Show
Full Episodes
Political HumorRon Paul Interview

P.S. Für alle Nicht-Amerikaner lohnt es sich, mal zu googeln, was eine "full release massage" ist, über die in Teil 1 gesprochen wird.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Der erste Schnee

Ja, es ist so weit. Es hat heute morgen zum ersten Mal geschneit! Auch wenn die Menge nicht gerade signifikant war, hat sie ausgereicht, um als Schnee erkannt werden zu können.

Wollte ich nur mal gesagt haben...

Montag, 12. Oktober 2009

Mikado und Hitch hiking

Dieses Wochenende war wieder mal ereignisreich, wenn auch ziemlich anstrengend. Am Freitag hab ich erstmal meine Wohnzimmerwand ein 2. Mal mit meiner neutral schönen stone-Farbe überstrichen, um die optimale Deckkraft zu erzielen. Das war ziemlich schnell erledigt, wenn es auch ein gutes Gefühl ist, daß das jetzt abgeschlossen ist.

Am Samstag bin ich früh aufgestanden, denn ich hatte eine Menge zutun. Am Sonntag sollte es regnen. Das bedeutete, ich mußte den riesigen Holzhaufen, der misteriöserweise eines Morgens aus der Dunkelheit aufgetaucht war, stapeln und unter eine Plastikplane verfrachten. Das hat auch den gesamten Vormittag gedauert. Es war zwar frostig kalt, aber die Sonne schien und dank der 1 m langen Baumstammsegmente war mir schön warm. Ich hab sie alle sehr professionell gestapelt, so mit abwechselnden Richtungen und so, bis auf ca. 1,50 m Höhe. Da hab ich erstmal gesehen, wieviel Holz ich so vor der Hütte habe ;-)
Auf jeden Fall war es ganz schön anstrengend, und ich hab auch nur eine kurze Pause gemacht, um den Holzmann zu bezahlen, der mir erstmal 400 Kronen Rabatt gegeben hat, weil die obersten Stämme ein bißchen feucht geworden waren beim Lagern.

Zum Thema Holzstapel ist noch zu sagen, daß heute mein Vermieter da war mit seinem Kumpel, um was am Brunnen zu machen. Die beiden haben wohl diskutiert, ob ich das alles allein gestapelt habe. Und da sie gewettet haben, ist mein Vermieter jetzt 1000 Kronen reicher.

Zurück zum Samstag. Das Holzstapel hat jedenfalls ganz schön lange gedauert, was an sich nicht so schlimm war. Ich wollte aber um 2 einer Freundin und Kollegin beim Umzug helfen. Also hatte ich nur noch knapp Zeit, zu duschen, bevor ich zum Bus mußte. Leider habe ich den trotz total unstandesgemäßen Rennens um 2 Minuten verpaßt. Was also tun, wenn der nächste Bus in einer Stunde kommt? Bevor ich noch viel Zeit hatte zum Überlegen, hielt an der Bushaltestelle ein älteres Pärchen mit ihrem Auto plus Anhänger, um die Ladung zu sichern. Ich hab mir also ein Herz gefaßt und (auf schwedisch) gefragt, ob sie mich mit nach Uppsala reinnehmen, weil ich ja den Bus verpaßt hatte. Sie wollten zwar nur zur Recyclingstation am Ortseingang, aber sie haben mich tatsächlich mitgenommen und mich an der ersten Bushaltestelle abgesetzt. So war ich dann auch ziemlich pünktlich zum Umzug da. Das war echt supernett von den beiden. Und sie haben mich doch tatsächlich für eine Dänin gehalten wegen meines Akzents...

Ich bin ja sonst nicht gerade die größte Per-Anhalter-Fahrerin, aber in Schweden ist es erstens nicht so gefährlich, würde ich mal behaupten, und zweitens hätte ich sonst den Umzug verpaßt. Auf dem Lande zu wohnen ist wirklich keinen Tag langweilig.

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Schweden, nicht Deutschland

Wer denkt, Schweden sind auch nur komisch sprechende Deutsche und das Land Schweden ist wie Deutschland nur größer und kälter und das Leben in Schweden ist wie in Deutschland nur entspannter, der irrt - leider... zum Glück?


Ich dachte, ich sollte nach und nach von einigen Dingen berichten, die nach meiner Erfahrung wirklich komplett anders sind als in Deutschland. Es gibt immer wieder kleine und große Unterschiede, die mir auffallen. Hier also Nummer 1 einer (vielleicht) längeren Liste:

Während man sich in Deutschland aus purer Höflichkeit bei seinen Nachbarn vorstellen würde, wenn man irgendwo neu eingezogen ist, käme sowas in Schweden nicht in Frage. Wenn man hier keinen triftigen Grund hat, seinen Nachbarn aufzusuchen (Holz kaufen zum Beispiel), geht man nicht hin. Das wäre suspekt, verdächtig, unhöflich. Man mischt sich nicht ohne Grund in das Privatleben anderer Leute ein, und sei es auch nur, um sich vorzustellen.

Montag, 5. Oktober 2009

Jungfer in Nöten

Da war ich so motiviert, wieder auf Arbeit zu fahren, und so stolz, daß ich es schon 8:30 geschafft hatte, mit allem fertig zu sein, und dann werde ich auch noch in meiner vollen Motivation von so etwas wie einer entladenen Autobatterie gebremst! Ich gebe ja zu, es war meine Schuld, daß ich am Freitag das Licht angelassen habe - warum hat ein so riesiges Volvoauto mit allem Schnickschnack auch keinen Alarm für sowas? Trotzdem bremst es einen doch ziemlich aus, wenn man plötzlich feststellen muß, daß das Auto nicht anspringt.


Also mußte ich wohl oder übel Hilfe suchen. Nur leider ist um 8:30 niemand mehr zu findem in dem ganzen Dorf. Schwedische Arbeitszeiten sind nämlich eher von 8 bis 4 also von 9 bis 5. Das Dorf war also leergefegt. Zum Glück wird gerade die Kirche renoviert, sodaß dort ein paar Maler gerade ihre Arbeit begonnen hatten. Ich hatte also keine andere Wahl, als drei der Herren - auf schwedisch natürlich - um Hilfe zu bitten. Zum Glück waren sie sehr hilfsbereit und sind mit mir in ihrem Auto zum Haus gefahren und haben mich dann angeschoben.

An sich wäre mir der ganze Vorfall oberpeinlich, aber irgendwie bin ich auch ein bißchen stolz, daß ich es geschafft habe, mich da rauszumaneuvrieren - und das noch dazu auf schwedisch! Wenn man als "Jungfer" schon in Nöte gerät, muß man nur irgendwie verständlich um Hilfe rufen können ;-)

Das Abenteuer "schwedisches Landleben" beginnt

Mein erstes Wochenende im neuen Haus ist vorüber, und ich muß davon berichten, bevor ich mich nicht mehr so daran erinnern kann, wie ich es in dem Moment empfunden habe. Leider habe ich noch etwa 10 Tage kein Internet zu Hause, sodaß ich nur rückblickend berichten kann. Doch wo soll ich anfangen...?

Am besten am Anfang, oder wenigstens Samstag. Eine wichtige Aufgabe, die ich mir für dieses Wochenende gestellt hatte, hieß: Holz bestellen. Doch um das wenigstens noch ein bißchen hinauszuzögern, bin ich erst einmal ums und durchs Haus gelaufen und hab den Rest des schönen Wetters genutzt, um Fotos zu machen. Ein Kollege hatte mir freundlicherweise seine Kamera geliehen.

Doch ewig dauert so eine Fotosession ja auch nicht, denn so ein Haus hält ja schön still. Außerdem war es etwas kalt, sodaß ich mich dann doch ins Dorf aufgemacht habe. Mein Vermieter hatte mir gezeigt, zu wem ich gehen muß, um Holz zu kaufen. Ich hab mir also ein Herz gefaßt und hab an der entsprechenden Haustür geklingelt. Und dann habe ich tatsächlich ein längeres Gespräch mit dem Herrn auf schwedisch geführt. Ich habe ihm gesagt, was ich will - Holz kaufen -, wo ich wohne, gefragt, ob ers liefern kann. Dann haben wir noch klargemacht, daß er es nicht kleinmachen muß für mich, weil ich eine Säge (mit dem Haus mitgemietet) habe. Er wird es also in 2 bis 3 Wochen liefern und mir als Haufen auf den Hof schütten. Ich muß es dann sägen uns hacken, ist billiger so. Aber für sofort hatte ich noch einen Kubikmeter Kleinholz bestellt, damit ich bis dahin nicht erfrieren oder - noch schlimmer - mit Strom heizen muß. Wir haben dann noch diskutiert, wie klein er es machen soll, weil ich nicht sicher war, ob die großen Stücke auch in den Ofen passen. Zu Testzwecken hat er mit dann ein "Probeholz" mitgegeben. Hätte es nicht gepaßt, wäre ich zurückgegangen. Dann war das Gespräch zuende, und obwohl ich hin und wieder fragen mußte, ob er einen Satz nochmal wiederholen könnte, war ich enorm stolz auf mich. Also lief ich dann stolz wie Oskar mit einem ziemlich großen Holzstück durchs Dorf zurück zum Haus.

Dort fing ich dann mit der 2. großen Aufgabe des Wochenendes an: Renovieren. Da man in Schweden beim Ausziehen nicht streichen muß, hatte mein Vormieter den Flur so belassen, wie er war, das heißt mit ziemlich angegrabbelten Wänden. Am Freitag hatte ich in weiser Voraussicht schonmal einen Besuch im Baumarkt eingeschoben, sodaß ich bestens vorbereitet war. Also habe ich mich gegen Mittag an die Arbeit gemacht. Nach einer Weile wurde ich aber erst einmal vom Traktor des Holzmannes unterbrochen, der mir meinen Kubikmeter Kleinholz lieferte. Da es regnen sollte, mußte ich erstmal das Holz stapeln und eine Plane drüberplatzieren. Trotzdem war ich sehr zufrieden, wie gut das alles geklappt hat.

Am frühen Nachmittag hatte sich außerdem mein Vermieter angekündgt, um mir noch ein paar Sachen am Haus zu zeigen und das Bad zu vermessen. Das wird nämlich nächste Woche renoviert. Ich durfte mir auch die Farben für Wände und Decke aussuchen. Mittwoch fahre ich dann mit meinem Vermieter neue Badmöbel einkaufen. Ach, ist das schön, wenn jemand anders bezahlt, wenn wohl auch von meiner Miete. Trotzdem bin ich sehr froh, daß das Bad gemacht wird. Momentan ist es noch, sagen wir rustikal. Ich zeige bei Gelegenheit Vorher-Nachher-Bilder.

Dann habe ich weiter den Flur gestrichen, bis es zu dunkel wurde, um weiß und dreckigweiß zu unterscheiden. Die Lampensituation im Haus ist augenblicklich noch etwas eingeschränkt. Deshalb mußte ich am Sonntag dann auch ein paar Stellen etwas nachstreichen, was ja nicht das Problem war, denn Sonntag war der Flur im Untergeschoß dran. Außerdem habe ich dann noch die Wohnzimmerdecke weiß gestrichen. Die Wände hatte mein Vermieter schon frisch gestrichen, aber das leider noch unterstrichen, daß die Decke nicht mehr ganz weiß war. Also habe ich auch die Decke gestrichen, um dann zu dem Teil zu kommen, den ich mir für den Schluß aufgehoben hatte: Eine Wand im Wohnzimmer sollte Farbe bekommen. Da ich leider nicht halb so mutig bin wie meine Schwester, was Farbe an der Wand angeht, habe ich ein neutral schönes Hellgraubraun mit dem schönen Namen Stone ausgesucht. Die Farbe ähnelt in etwa Milchkaffee. Ich muß sagen, mit dem Ergebnis dieser Farbaktion und mit der Flurrenovierung bin ich extrem zufrieden. Und ich kann Euch sagen, es ist ein sehr schönes Gefühl, wenn man die Freiheit hat, seine Wohnung so zu gestalten, wie man will. Dann renoviert es sich doch gleich mit viel mehr Motivation. Trotzdem war es ganz schön anstrengend, sodaß ich jetzt erstmal wieder eine Woche auf Arbeit brauche, um mich auszuruhen ;-)


Donnerstag, 1. Oktober 2009

Endlich ordentlich angestellt

Heute beginnt offiziell mein Arbeitsvertrag als foskare (Forscher) an der Universität Uppsala. Es ist schon ein gutes Gefühl nach einem Monat Gastaufenthalt und einem Monat Hiwi (mit gleicher Bezahlung wie jetzt) endlich richtig dazuzugehören - inklusive aller Vergünstigungen, die es mit sich bringt, im schwedischen öffentlichen Dienst zu arbeiten. Zur Unterzeichnung meines Vertrags hatte ich heute ein längeres Treffen mit der Sekretärin, die mir jeden einzelnen Punkt wie Arbeits- und Urlaubszeiten, Krankmeldungen usw. erklärt hat.

Das war natürlich eine Menge Stoff, aber was mir so an positivem in Erinnerung geblieben ist, ist:
  • In Schweden hat man das Recht auf 18 Monate Elternzeit.
  • Man bekommt Arztkosten anteilig und Medikamen-tenkosten voll (!!!) erstattet.
  • Man bekommt einen Zuschuß von 1400 SEK (ca. 140 €) für sportliche Aktivitäten.
  • Man kann Krankheits- und andere Abwesenheitszeiten direkt online eingeben.
  • Man hat das Recht eine ganze Anzahl von Tagen zu Hause zu bleiben, um seine Kinder zu pflegen, wenn die krank sind.
  • Die Uni besteht darauf, daß man seinen Urlaub auch tatsächlich nimmt. (An deutschen Unis nehmen die Leute eher zu wenig Urlaub, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann.) Es gibt auch ein Urlaubsgeld von ca. 81 SEK pro Tag zusätzlich zum Lohn.
An mehr kann ich mich im Moment nicht erinnern. Aber es war auch eine Menge. Dieses Jahr habe ich noch Anspruch auf 8 Tage Urlaub. Die werden wohl für den Umzug draufgehen. Mal sehen, wie sich das mit Weihnachten so gestaltet. Die meisten Leute sind dann ja ohnehin verreist. Außerdem kann ich ja auch von zu Hause arbeiten in der Zeit.

Demnächst kriege ich dann auch mein eigenes Büro. Momentan sitze ich noch im Gästebüro, was aber auch nicht unbedingt schlecht ist. Ja ja, es geht voran.