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Sonntag, 6. Oktober 2013

Woran man erkennt, daß ich nicht schwedisch bin

Nach mehr als 4 Jahren in Schweden habe ich so einiges über die schwedische Kultur gelernt, was aber nicht heißt, daß ich mich in allen Dingen angepaßt habe. Hier meine garantiert nicht vollständige Liste der  Dinge, die mich als Nichtschwedin kennzeichnen:
  1. Ich verweigere mich der fika-Tradition. Auch wenn es schön ist, sich mit einem Kaffee und einer Zimtschnecke (kanelbullar) ein Weilchen gemütlich hinzusetzen und mit Kollegen zu schnacken, kann ich mich einfach nicht zweimal am Tag für eine halbe Stunde und zu festen Zeiten von meiner Arbeit losreißen. Das sind teilweise die Zeiten, an denen ich am besten arbeiten kann. Vielleicht weil mich dann keiner stört, weil alle beim fika sind. Jedenfalls vergesse ich aber immernoch, daß alle anderem dem Diktat des fika unterworfen sind, und habe doch tatsächlich, impertinent wie ich bin versucht, um 10 Uhr einen Termin mit einer der Sekretärinnen auszumachen. Sowas von unschwedisch von mir!
  2. Ich trage habe ein Temperaturempfinden in meinen Beinen. Schwedische Mädchen scheinen an partieller Amnesie zu leiden, wenn sie morgens vor dem Kleiderschrank stehen. Jedenfalls vergessen sie sehr häufig, sich untenrum etwas anderes als Unterwäsche anzuziehen. Selbst bei Minusgraden müssen Strumpfhosen reichen. Bibber!
  3. Ich verbringe nicht jede mögliche Minute mit Sonnenbaden. Schweden sind ganz offensichtlich Sonnenanbeter und beginnen schon früh im Jahr damit, möglichst viel ihrer Haut, ungeschützt der Sonne auszusetzen. Schweden laufen, ohne sich zu schämen, mit einem fetten Sonnenbrand rum. Das Ziel ist, möglichst braun zu werden. Entsprechend sieht ihre Haut dann auch später aus. Ohne mich!
  4. Ich telefoniere nicht beim Autofahren. Schweden ist das einzige europäische Land, in dem es immernoch nicht verboten ist, beim Autofahren zu telefonieren oder SMS zu schreiben. Mal abgesehen davon, daß Schweden ohnehin lausige Autofahrer sind, verspüren sie offensichtlich den Drang, jemanden anzurufen oder jemandem zu texten, sobald sie den Zündschlüssel umdrehen. Und glaubt mir, man merkt deutlich, daß vor einem jemand fährt, der telefoniert.
  5. Ich schrecke nicht vor Konflikten zurück. Schweden sind in allen Fragen stets bemüht, einen Konsensus zu finden. Dafür wird schonmal stundenlang alles durchdiskutiert. Wenn sich dann eine mögliche Einigung abzeichnet, halten die, die grundsetzlich dagegen sind, den Mund. Keine sehr effektive Methode auf Dauer, wenn Ihr mich fragt.
  6. Für mich stehen Leistung und Effektivität im Vordergrund, während es für Schweden wichtiger ist, sich auf Arbeit wohlzufühlen und möglichst viele Pausen und Urlaub zu machen. Ein Beispiel: Meine schwedischen Studenten bekommen die Aufgabe, quer über eine Insel die Gesteine zu kartieren und um 13 Uhr ihre Ergebnisse zu zeigen. Gegen 12 sind die meisten etwa 500 m vor dem anderen Ufer der Insel. Doch statt die Sache durchzuziehen, machen sie erst einmal Mittagspause. Ich hab noch unzählige Beispiele dieser Sorte, will mich aber an dieser Stelle nicht zu sehr aufregen. Jedenfalls kommt die skandinavische Gelassenheit nicht von irgendwo. Manchmal sollte ich mir wohl ein Stück davon abschneiden.
OK, mehr Punkte fallen mir jetzt gerade nicht ein. Die Liste sollte auf keinen Fall so rüberkommen, daß ich von den Schweden genervt bin. Ich weiß es zu schätzen, wir gut wir es hier haben. Bestimmte Züge der Deutschen gehen mir wesentlich mehr auf die Nerven. Die Deutschen sind nur viel weiter weg.

Samstag, 27. April 2013

Steuererklärung auf schwedisch

Es überrascht mich gerade etwas, daß ich tatsächlich noch nichts über die schwedische Steuererklärung geschrieben habe. Dabei ist sie wirklich eine der Kategorien, bei denen Schweden Deutschland echt noch was beibringen kann. Als ich noch in Deutschland lebte, war die Steuererklärung immer ein traumatisches Erlebnis, daß ich nur höchst widerwillig jedes Jahr aufs neue auf mich nahm. Ich denke, das muß ich an dieser Stelle nicht weiter erklären. Im Gegensatz dazu funktioniert die Steuererklärung in Schweden folgendermaßen:

 Mitte März bekommt man als Arbeitnehmer einen Brief vom Finanzamt/Einwohnermeldeamt. Dieser Brief enthält das Formular für die Steuererklärung (deklaration) sowie ein Heftchen mit genauen Erklärungen zu jedem Punkt im Formular. Freundlicherweise ist das Formular sogar schon ausgefüllt. Lohn, Lohnsteuer, Zinsen von Sparkonten, Altervorsorgeschnickschnack und von der Steuer absetzbare Handwerkerdienste stehen alle schon drin! Und die Summe, die man zurückbekommt, steht auch schon drunter. Wenn man zu diesem Zeitpunkt zufrieden ist, kann man das ganze abschicken. Dazu hat man folgende Möglichkeiten: SMS, Telefon, App, Brief, Internet und was weiß ich, wie noch. Falls man noch etwas ändern oder hinzufügen möchte, kann man dies natürlich online tun. Und so haben mich zwei Steuererklärungen inklusive Ausrechnen und Einfüllen meiner Fahrkosten zur Arbeit heute etwa 10 min gekostet. Manchmal ist es toll, in Schweden zu leben.

Freitag, 29. März 2013

How to be German... in Sweden - Teil 2

Auf Teil 1 folgt hier die Fortsetzung meines persönlichen "Wie deutsch bin ich noch?"-Tests inspiriert von dieser Wesite.

7. Bilde Dich weiter. Daß Bildung wertvoll ist, ist auch in Schweden eine bekannte Tatsache. Die Schweden sind übrigens Weltmeister im Belegen von Volkshochschulkursen nach der Arbeitszeit. Und auch ansonsten ist Bildung wichtig. Eine Universitätsausbildung ist für schwedische und europäische Bürger kostenfrei. Bafög gibt es hier für alle schwedischen Studenten unabhängig vom Einkommen der Eltern. Nach dreieinhalb Jahren Einblick in die schwedische Universitätsausbildung und den Standard schwedischen Studentenwissens muß ich aber leider sagen: die schwedische Schul- und Universitätsausbildung ist eine Schande. Teilweise liegt das daran, daß es wichtiger ist, die Pausenzeiten einzuhalten und darauf zu achten, daß sich auch alle wohlfühlen, als daß es um Disziplin und Wissensvermittlung geht. Was meine Bildung angeht, seit ich nach Schweden gekommen bin, so kann ich aber nicht behaupten, daß ich faul gewesen wäre. Ich habe immerhin zwei Schwedischkurse der Kommune und zwei Pädagogikkurse der Uni. Zur Zeit mache ich einen Kurs für Führungskräfte und nehme auch weiterhin von der Uni bezahlten Schwedischunterricht.

8. Nur bei grün über die Ampel gehen. Da bin ich noch immer gehorsam, was aber wohl daran liegt, daß sich die meisten hier an die Ampelmännchen halten. Schwedische Autofahrer halten übrigens an Zebrastreifen.

9. Trink Bubbelwasser und Apfelschorle. Dieser Punkt ist ein klares britisches Cliché, weil man in Großbritannien nämlich die Freuden der Kohlensäure nicht zu schätzen weiß (siehe warmes Bier). Hier in Schweden gibt es hauptsächlich Mineralwasser mit Sprudel in allen nur erdenklichen Geschmacksrichtungen. Schorle ist nicht so verbreitet, kann aber zum Glück selbst hergestellt werden. Ein kohlensäurehaltiges Getränk, das ich übrigens erst hier in Schweden zu schätzen gelernt habe, ist Apfelcider. Das liegt weniger am schwedischen Cider (der ist süß wie Limonade und teuer), sondern an einem Hobby, das sich hier aufgrund vorhandener Apfelbäume ergeben hat: Cider selbst herstellen.

10. Iß deutsches Essen! Sorry, aber dieser Punkt wird länger. Wenn es ums Essen geht, wird man nämlich erst im Ausland so richtig deutsch - und ich meine nicht die Malletouristen, die im Urlaub ihr Schnitzel und ihre Pommes brauchen. Doch wer schonmal sechs Wochen im Ausland war, der versteht wenigstens ein wenig, daß man bestimmte Lebensmittel von zu Hause einfach vermißt. Wenn man auswandert, wird die Liste ziemlich lang. Und lustigerweise finden sich auf der Liste aller Deutschen im Ausland ziemlich ähnliche Sachen: Platz 1 ist immer Brot!!! Andere Lebensmittel auf der Liste sind Bier, thüringer Bratwurst, Lebkuchen, Laugenbretzeln, Bockwurst (warum fallen mir so viele Fleischsachen ein?), Gummibärchen, deutscher Kaffee (Kaffeepads!!!). In Schweden hat man definitiv den Vorteil, daß sich viele Sachen irgendwie und irgendwo beschaffen lassen. Eine wichtige Rolle dabei spielt Lidl, ein Supermarkt den ich in Deutschland nicht gern besucht habe, der hier aber die einzige Quelle für authentische Weihnachtssüßigkeiten und Laugenbretzeln ist. Deutsches Bier ist zu traurig hohen Preisen bei systembolaget zu haben. Wir haben auch einen Markt gefunden, der deutsche Bockwurst im Glas verkauft. Die Schweden entdecken sogar langsam das Sauerteigbrot, wenn sie auch nicht verstanden haben, daß Hefe nichts in einem ordentlichen Brot zu suchen hat.

Mittwoch, 27. März 2013

How to be German... in Sweden - Teil 1

Eigentlich wollte ich schon eine Ewigkeit einen Post zu diesem Thema schreiben. Eine irische Freundin hat diese Webseite von einem deutschen Kollegen in Schottland geschickt bekommen, und mußte sie natürlich mit uns Deutschen hier auf Arbeit teilen. Die Seite beschreibt aus der Sicht eines in Deutschland lebenden Engländers 20 einfache Schritte, wie man Deutscher werden kann (also mental und verhaltensmäßig). Die Beschreibung ist herrlich clichébehaftet, aber wie so oft, haben Clichés ja auch einen wahren Kern. Deshalb erfreut sich diese Seite auch extremer Beliebtheit, und die Liste ist mittlerweile auf 25 angewachsen.
Doch an dieser Stelle, kommt bei mir die Frage auf: Wie deutsch bin ich denn noch nach dreieinhalb Jahren in Schweden? Dazu muß man sagen, daß einige der Punkte auf der Liste auch typisch für Schweden sind. Andererseits tendiert man als Auswanderer dazu, bestimmte clichéartige Eigenarten zu entwickeln. Also zur Liste:
  1. Trag immer deine Hausschuhe! Ich weiß nicht, was daran komisch ist. In Schweden zieht man (wie in Deutschland) immer die Straßenschuhe aus, wenn man in eine Wohnung kommt.
  2. Frühstücke lange! Aufgrund eines Mangels an Bäckern in diesem Land gibt es zum Sonntagsfrühstück leider nur Aufbackbrötchen, aber dafür auch mindestens 5 verschiedene selbst gemacht Marmeladen (ein Hobby, das sich erst hier ergeben hat). Die Schweden sind übrigens große Frühstücker. Meine Doktorandin kocht jeden Morgen ihren Haferschleim mit Früchten.
  3. Planung ist alles! Ja, Deutsche tendieren dazu, Dinge zu planen und zu optimieren. Dafür haben sie im Ausland den Ruf, gründlich, pünktlich und zuverlässig zu sein. Auch wenn ich dafür eine Menge Gegenbeispiele kenne, ist schon was dran am Cliché der deutschen Tugenden. In Schweden fällt das vor allem in der Werbung für Autos, Reifen und Maschinen auf. Ich sag nur: Das Auto!
  4. Für alles eine Versicherung! In Schweden kommt mir das Versicherungssystem unkomplizierter vor als in Deutschland. Vielleicht klingen aber auf schwedisch die Beschreibungen einfach weniger gefährlich und kompliziert.
  5. Sei immer passend gekleidet! Angeblich tragen Deutsche immer Outdoorklamotten, um für jedes Wetter gerüstet zu sein. Tatsache ist, daß Outdoorklamotten seit ein paar Jahren in Mode sind. In Schweden wie in Deutschland ist es ganz normal, mit Regenjacke herumzurennen. Deutsche erkennt man übrigens in Schweden wie auch überall sonst an Jack Wolfskin-Klamotten und Deuter-Rucksäcken. Übrigens ist passende Kleidung für Mädchen in Schweden bei Temperaturen über -15°C ein kaum erkennbarer Minirock.
  6. Sprich deutsch! Seit ich in Schweden lebe, nehmen mein Ausdrucksvermögen und mein Wortschatz der deutschen Sprache rapide ab. Und es fällt mir immer schwerer, es zu verbergen.
Hier ist Teil 2.

Mittwoch, 18. Juli 2012

Deutschland als Tourist

Das letzte Wochenende bot neben einer Hochzeit und dem Besuch bei Freunden und Familie (zu all dem später mehr) auch die Möglichkeit, ein wenig (ca. 1000 km) im Land herumzufahren, nämlich von Berlin nach Nordthüringen über Niedersachsen zurück nach Berlin. Dabei ist mir aufgefallen, daß ich jetzt nach fast 3 Jahren in Schweden langsam einen anderen Blick für Deutschland bekomme.

Tatsächlich sieht man seine tägliche Umgebung ja meist nur noch als Hintergrund. Und gerade, wenn man an einem Ort aufgewachsen ist, ist alles einfach nur normal, wenn vielleicht auch schön, aber eben doch unbemerkenswert. 

In den letzten 3 Jahren war ich insgesamt vielleicht 6 Wochen in Deutschland, sowohl zu Besuch bei Familie und Freunden und im Urlaub, als auch auf Tagungen. Wenn ich da war, field mir meistens auf, wie voll es überall ist und wie viel die Leute doch ständig meckern und sich beschweren - ein typisch deutscher Zug, der uns auch im Ausland nachgesagt wird. Ansonsten kriege ich zwar nicht mehr alles mit, was sich so tut im Deutscheland, aber ich bin doch mit den meisten Dingen durch das deutsche Fernsehen auf dem Laufenden.
Burg Bodenstein über dem Eichsfeld tronend.
Nochmal die Burg Bodenstein bei Worbis.
Was ich dieses Mal allerdings doch als neu und spannend empfand, ist, daß ich auf einmal sehe, wie schön es doch dort ist, wo ich herkomme. Gerade jetzt im Sommer mit Kirschbäumen, goldenen Feldern und Blumen überall. Mittlerweile kann ich also Deutschland schon mit den Augen eines Touristen betrachten. Erstaunlich!
Richtig echter Touristenblick vom Neuen Rathaus in Hannover.
Und hier der Maschteich vorn und der Maschsee hinten, sowie das Landesmuseum vom Neuen Rathaus aus gesehen.

Montag, 9. April 2012

Deutschlandrundreise Teil 3: Bad Schandau

Nur ein kleiner Teil der Gruppe: die mutigen, die sich die Himmelsleiter hochgetraut haben.
Nächste Station auf meiner Deutschlandrundreise war Bad Schandau im Elbsandsteingebirge. Dort habe ich mit meinen Schulfreunden eine lustige Urlaubswoche in drei Ferienwohnungen verbracht. An dieser Stelle muß ich sagen: Die Gesellschaft war ausgezeichnet, aber die Unterkunft nicht für (wie auf der Homepage angeboten) 17 Leute geeignet. Nur mit Hilfe von offensivem Umdekorieren, Ausziehsofas und Beistellbetten (und sogar einem mitgebrachten Luftbett) fanden wir Platz (und wir waren zu keiner Zeit 17).
Äpfel, Bier und trockene Brötchen... mehr braucht man nicht auf einer Wanderung im Elbsandsteingebirge.

Ansonsten war es aber schön, endlich wieder mal alle zu sehen, Zeit zum Quatschen zu haben, rumzukaspern und Spiele zu spielen. Es war wirklich wie früher, nur ohne viel Trinken. Wir sind schon ein bißchen erwachsen geworden. Die Gesprächsthemen umfassen schon mal Familienplanung, Steuern, Hauskauf, Arbeit usw. Immerhin war ja auch schon der erste Nachwuchs dabei, in fertiger Form und in Arbeit.
Das Elbsandsteingebirge bei schönstem Wetter.
Unsere Wanderroute vom Wasserfall im Kirnitschtal zum Kuhstall und kleinen Winterberg.
 Bad Schandau ist schon ein idyllisches Nest, zum Wandern super, nah genug an Dresden für sightseeing und shopping und auch für Bootstouren und Schwimmbad geeignet. Und besonders schön für mich war ein Besuch bei einem richtigen Bäcker und der Einkauf bei einem Fleischereiwagen. Sowas macht eine Auswanderin glücklich!
Ohne meine Stütze wäre der Stein umgefallen.
Überhaupt muß ich sagen: Es war schön in Bad Schandau. Danke an alle, die organisiert haben, und alle, die dabei waren.
Auf der "Fensterbank" der Idagrotte.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Familienwochenende in Dresden

Und noch ein Wochenendtrip, dieses mal nach Dresden zur Familie meiner Schwester. wie bereits bemerkt, feierte meine kleine Nichte ihren ersten Geburtstag. Es war echt schön, dabei zu sein, zumal ich normalerweise trotz wöchentlichem Telefonieren schon sehr viel davon verpasse, wie sie wächst und sich entwickelt. Das ist schon ein Nachteil des Auswanderns.

Ansonsten war es auch mal wieder interessant, in Dresden zu sein. Dresden ist einfach eine sehr schöne Stadt, wenn sie auch dank Weihnachtstrubel unglaublich überlaufen war an diesem Wochenende. Den Strietzelmarkt haben wir deshalb wegen Überfüllung gemieden. Stattdessen waren wir im Deutschen Hygienemuseum und haben uns die Ausstellung zur menschlichen Anatomie angeschaut.
Wärmebild meiner Dresdner Familie. Selbst in Thermo ist meine Nichte niedlich.
Neben ausgiebigem Spielen mit meiner Nichte war das Wochenende dem leiblichen Wohl gewidmet. Unter anderem gab es die berühmten hausgemachten Buletten und Putenröllchen, Birnenlebkuchen und Eisschollenplätzchen, von denen ich die Rezepte auch sehr gern auf voracious silence sehen möchte, um sie nachzukochen. Und dann gab es natürlich noch extra leckeren, außen knusprigen und innen saftigen Geburtstagskuchen. Folglich heißt es jetzt wohl Diät halten bis Weihnachten, zumal wir ja das Wochenende vorher schon gemästet worden sind.
Superleckerer Geburtstagskuchen.
Natürlich durfte auch das obligatorische Deutschlandshopping nicht zu kurz kommen. Dabei haben sich die Produkte, die unbedingt bei jedem Deutschlandbesuch eingekauft werden müssen auf ein paar Basics reduziert, die es in Schweden einfach nicht gibt: Senseo Kaffeepads, Elmex und Harzkäse. Außerdem haben wir die deutsche Lebkuchen-, Stollen- und Gummibärchenindustrie unterstützt. Haribo Goldbären schmecken nämlich im Ausland anders als in Deutschland. So waren die Taschen auf dem Rückflug auch gut gefüllt.

Alles in allem war es sehr schön in Dresden mit der Familie. Vielen Dank für die schöne Zeit!

Donnerstag, 3. Februar 2011

1,5 Jahre Schweden

Heute ist mein 1,5jähriges Schwedenjubiläum. Ja, wie eigentlich überall vergeht auch hier die Zeit schnell, und man gewöhnt sich an so vieles. Eigentlich ist das schade, denn Gewöhnung heißt ja irgendwie auch Abstumpfung. Und wenn ich an meine ersten Tage und Wochen und auch Monate hier zurückdenke, dann bin ich durchaus irgendwie abgestumpft. Anfangs war ich voller Neugier und Faszination für die Unterschiede zwischen der deutschen Kultur und der schwedischen. Ich habe alles Neue auf mich wirken lassen und war erstaunt über so vieles.

Dagegen kenne ich mich heute eben gut genug aus, um nicht alles in Frage zu stellen. Man hat sich eben eingerichtet in seinem Leben und macht meist Tag für Tag die gleichen Sachen, trifft die gleichen Leute, kauft im Supermarkt die gleichen Dinge. Im Vergleich zu unserer neuen Doktorandin hier (auch eine Deutsche) bin ich eine alte Häsin, was das Leben in Schweden angeht. Das ist ja auch gut so, denn diesen Dauerbeschuß mit Eindrücken wie am Anfang und auch die eigene Beeindruckbarkeit kann man auf Dauer nicht so richtig gut verkraften. Deshalb ist der Mensch eben ein Gewohnheitstier. Man braucht einfach eine gewohnte Umgebung, um sich sicher zu fühlen.

Trotzdem trauere ich den ersten Tagen der Faszination ein bißchen nach. Deshalb werde ich mich in Zukunft wieder um ein wenig mehr Neugier (auf schwedisch nyfikenhet) bemühen. Versprochen.

Samstag, 27. November 2010

Zu Besuch in der deutschen Botschaft

Letzte Woche waren wir in der deutschen Botschaft in Stockholm, um einen neuen Reisepass zubeantragen. Dies ist der einzige Ort in Schweden, an dem man in Schweden einen deutschen Reisepass mit Fingerabdrücken bekommen kann. Die Formalitäten, also die Papiere, die man benötigt, sind beinahe die gleichen wie in Deutschland: der alte Pass, die Geburtsurkunde, biometrische Passbilder. Hinzukommen die Abmeldebescheinigung aus Deutschland und die Meldebescheinigung in der entsprechende Kommune in Schweden (personbevis).

Die deutsche Botschaft in Stockholm liegt außerhalb der Innenstadt zwischen der japanischen Botschaft und dem schwedischen Fernsehen. Der Eingang wird von einem Wachmann hinter Panzerglas bewacht und führt durch einen Metalldetektoren und Stahltüren in einen Wartebereich vor 3 Schaltern. Dort kann man einen Passbildautomaten benutzen, der *Überraschung! Überraschung!* nur Bargeld akzeptiert. Sehr untypisch für Schweden, aber typisch deutsch.

Was dagegen nicht typisch deutsch ist, ist die Freundlichkeit der Beamtinnen hinter dem Glas der Schalter. Selbst wenn man nämlich nicht genau das richtige Formular des schwedischen Einwohnermeldeamts hat, können sie einfach dort anrufen und sich das richtige faxen lassen. Außerdem verschaffen sie einem in null komma nix einen vorläufigen Pass, wenn es eilig ist.

Außerdem ist es in Schweden übrigens möglich, sich seinen Pass nach Hause schicken zu lassen. Das ist, so wiet ich weiß, in Deutchalnd nicht möglich. Aber man stelle sich nur mal vor, man lebt in Haparanda (kurz vor der finnischen Grenze) und muß 1000 km nach Stockholm fahren, um seinen neuen Pass abzuholen.

Insgesamt haben wir dort vielleicht 2 Stunden mit Warten und am Schalter zugebracht. Es ist interessant, was für Leute man in der Botschaft trifft. Gemischte, schwedisch-deutsche Familien, die Pässe für ihre Kinder beantragen, deutsche ältere Herren, die fragen, was ihre mit einem Schweden verheiratete und bald geschiedene Tochter tun muß, um ihren Mädchennamen auf dem neuen Pass zu haben etc. In der Botschaft zu arbeiten ist also bestimmt ein spannender Job.

P.S.: Laut schwedischem Statistischen ZentralBüro waren 2009 genau 27527 Deutsche in Schweden registriert.