Mittwoch, 30. Mai 2012

Stolz!

Heute haben meine beiden Bachelorstudenten ihre Arbeiten verteidigt. Das ist hier alles etwas verschulter, als ich das aus Göttingen gewöhnt war. Die Studenten beginnen alle am gleichen Tag mit ihrer Bachelorarbeit und verteidigen auch alle gemeinsam. Dieses Jahr fanden die ca. 20 Verteidigungen an 2 Tagen statt. Die Studenten haben ihre Projekte auf schwedisch, englisch und in einem Fall sogar auf norwegisch vorgestellt. Wie eine richtige kleine Tagung.

Ich bin sehr zufrieden mit meinen beiden Studenten, die beide sehr engagiert und fleißig gearbeitet haben. Ein Projekt betrachtet die Statistik von Brüchen in der Erdkruste in Island, das andere Gesteinsblöcke, die in einer Magmakammer schwammen, als diese noch flüssig war.

Heute Abend sind die Studenten dann alle zusammen feiern gegangen, ein formelles Abendessen, das sittning genannt wird.

Wenn sich alle wieder ausgenüchtert haben, gibts dann aber für die meisten noch einen Endspurt, um die Bachelorarbeit fertigzuschreiben, zu drucken und im Unibibliotheksystem zu veröffentlichen. Erst dann sind sie frei für die laaaaaaangen Sommerferien und was auch immer die Zukunft bringt. Meine beiden Studenten sehe ich aber im Herbst im Masterstudiengang wieder.

(Hach ja, sie werden so schnell erwachsen... ;-))

Sonntag, 27. Mai 2012

Aus dem Nähkästchen: Readertasche

Nix geht ohne Plan.
Nachdem ich mir dieses tolle Buch gekauft habe und es nach dem 2. Versuch auch tatsächlich geliefert worden ist (amazon.co.uk ist sehr nett, wenn die Post was verschludert hat), konnte ich endlich mein Versprechen einlösen und eine Readertasche nähen. Und das ging so:

Den Stoff habe ich im Bastelladen erstanden: schwarzer Baumwollstoff für außen, mittelsteifes Flies als Futter und roter Filzstoff für das Innenfutter.












Streng nach Plan habe ich die Teile für Klappe, Innenfutter und Außentasche mit Flies zurechtgeschnitten und die drei Teile linksherum zusammengesteckt.



Dann habe ich die Klappe zusammengenäht und auf rechts gedreht. Um die Kante der Klappe nicht zu steif werden zu lassen, habe ich das Innenflies hier nicht eingenäht, sondern einfach zwischen Futter und Außenstoff gelegt.


Anschließend habe ich die beiden Teile der Innentasche ganz einfach an 3 Seiten zusammengenäht. Das gleiche habe ich dann auch mit der Außenstasche gemacht. Dadurch erhält man zwei "Mappen", die allerdings noch keine Tiefe haben.

Die Tiefe erzeugt man dann durch das Umnähen der unteren Ecken, einen Kniff, den ich aus dem oben erwähnten Buch habe. 





Das ist wirklich nicht schwierig und erzeugt einen schönen 3D-Effekt für die Innen- und Außentasche.

Dann wird es jedoch ein bißchen kniffliger. Zunächst dreht man die Außentasche auf rechts und faltet den oberen Rand nach innen. Die Tasche für das Innenfutter läßt man auf links und faltet den oberen Rand nach außen. Indem man mit einem Bügeleisen über die gefalteten Ränder bügelt, kann man sicherstellen, daß sich der Rand nicht von allen wieder auffaltet.

 Anschließend platziert man die Innentasche in der Außentasche und fummelt so lange alles an seinen Platz, bis die umgefalteten Ränder schön aufeinander passen. Alles erst einmal mit Stecknadeln fixieren.


Auf einer Seite zieht man dann die Nadeln nochmal heraus und steckt die Klappe zwischen den Rand der Innen- und der Außentasche. Alles schön mit Stecknadeln feststecken.





Nun folgt der mit Abstand schwierigste Arbeitsschritt, für den man am besten den großen Teil des Fußes der Nähmaschine entfernt. Der obere Rand der Tasche wird einmal rund herum zusammengenäht.

Schließlich habe ich noch selbstklebendes Klettband als Verschluß angebracht.

Fertig!







Die Arbeit an der Tasche hat insgesamt 2 Stunden in Anspruch genommen. Das Resultat kann sich meiner Meinung nach sehen lassen:

















Samstag, 26. Mai 2012

Der Frühling, der ein Sommer war

Momentan hält es mich eigentlich kaum drinnen im Haus. Es ist einfach zu schön draußen im Garten. In den letzten 2 Wochen hat es vielleicht 2x geregnet. Die Sonne scheint jetzt fast 20 Stunden am Tag. Und es sind auch schon mal 20°C im Schatten. 
Hausfoto am 1. Mai 2012.
Am 26. Mai.
Und alles verändert sich so unglaublich schnell. Anfang Mai blühten gerade noch die Krokusse und die Tulpen schauten als Blätter aus dem braunen, toten Gras vom letzten Jahr. Jetzt ist alles grün und rot und gelb und weiß. Das Gras wuchert, sodaß man jede Woche mähen muß. Die Tulpen sind leider schon wieder am verblühen. Die Apfelbäume blühen, als wollten sie sich für die mittelmäßige Ernte des letztes Jahres entschuldigen. Und heute ist Premiere: die Rhabarbersaison wird eröffnet. Kuchenrezept gibts auf voracious silence.

Donnerstag, 24. Mai 2012

Exkursion in die Zukunft

Gestern waren wir kurz zu Besuch bei einer Exkursion, die jedes Jahr nach der Utö-Exkursion als zweiter Teil in der Gegend von Hamrånge stattfindet. Weil wir nächstes Jahr höchstwahrscheinlich auch dort unterrichten müssen, war es mal an der Zeit, sich die Gegend anzuschauen. 
Aussicht aus dem Fenster der Dozentenunterkunft.
Unser Auto ist zum Glück nach mehrfacher Reparatur der Bremse (zum Glück alles auf Garantie) wieder ganz (nächste Woche geht's zum 3. Mal zum TÜV), sodaß wir gestern früh ins etwa 130 km nördlich von Uppsala gelegene Hamrånge fahren konnten und abends wieder zurück.
Bei strahlendem Sonnenschein und etwa 16°C läuft man auch gern mal einen Tag durch den schwedischen Frühlingswald, vor allem wenn man eine persönliche Führung von einer der Koriphäen der lokalen Geologie, unserer Kollegin Karin H., bekommt. Die Gesteine in der Gegend sind mehr als 1,8 Milliarden Jahre alt und wurden damals am Fuße von Vulkanen abgelagert. Manche davon sind schon ziemlich merkwürdig.
"Leopardenstein": Wenn jemand weiß, was das ist, bitte melden. Ich wüßte es auch gern.
Einfach eine schöne Blume im schwedischen Wald.
Was aussieht wie kleine Wölkchen, ist Rentierflechte auf dem Waldboden. In Deutschland ist sowas in Bastelläden zu finden. Was es da nicht gibt aber dafür zu Hauf im Schwedenwald sind Elchköttel.

Wenn mir jemand verspricht, daß das Wetter nächstes Jahr auch so gut wird, komme ich auch gern 10 Tage mit in den Wald. Vielleicht sehe ich dann auch mal mehr als nur Elchköttel.

Sonntag, 20. Mai 2012

Hausbesichtigung die 2.: Bloß nicht verlieben!

Gestern haben wir das zweite Mal ein zum Verauf stehendes Haus besichtigt. Wie beim ersten Mal auch war es ein sehr schönes, komplett renoviertes Haus auf dem Land mit vielen hübschen Details. Hier ist der Link zu mehr Fotos (Achtung, der Link funktioniert nur noch, solange das Haus nicht verkauft ist!).

Ein wirklich schönes Haus, das außerdem einen Garten mit vielen Steinen und Wald hat. Leider war eigentlich schon vor der Besichtigung klar, daß wir uns nicht für dieses Haus entscheiden würden. Wir haben eine klare Kriterienliste, und wenn wir ein Haus kaufen wollen, müssen wenigstens die meisten und die wichtigsten Kriterien erfüllt sein. Dieses Haus hier liegt zum einen weiter weg von der Arbeit als unser jetziges Haus (ca. 8 km). Dann hat es kein zentrales Heizungssystem, was zu nicht geringen Nebenkosten beiträgt, und es hat nur ein Badezimmer. All das wird dazu führen, daß ich dem Makler, der am Montag anrufen wird, wohl mitteilen muß, daß wir nicht interessiert sind.

Ist schon blöd, wenn man durch so ein hübsches Haus läuft und sich schon ganz gut vorstellen könnte, dort zu leben, aber sich nicht erlauben darf, sich zu verlieben!

Samstag, 19. Mai 2012

Fummeln macht Katzen glücklich

Katzen sind Ansitzjäger. Das können wir momentan täglich bei uns im Garten beobachten, wo Nachbars Katze stundenlang eine Mäusekolonie beobachtet. Aus Mangel an Mäusen bei uns im Haus, müssen andere Herausforderungen bei der Futterbeschaffung geschaffen werden. Eine solche Herausforderung ist ein sogenanntes Fummelbrett. Das kann man im Tierladen (oder bei amazon) erwerben oder eben auch selber bauen. Im Internet gibt es ja für alles Inspiration, so zum Beispiel auch hier oder hier für das Fummelbrett Marke Eigenbau.

Jetzt haben auch auch Ginny und Leon ein solches Fummelbrett. Es besteht aus drei Stationen mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad:
  1. Bechern: Die Katze muß mit der Pfote Leckerlies (oder einfach Katzenfutter) aus niedrigen Bechern herausheben. Die Becher, die nur so tief sein müssen, daß die Katze nicht mit der Schnauze auf den Boden kommt, werden einfach auf die Grundplatte geschaubt.
  2. Das Labyrinth: Holzdübel werden in einem Abstand von 2,5 cm in einem Raster auf die Grundplatte gesteckt. Dazu ca. 1 cm tiefe Löcher in passender Größe in die Grundplatte bohren. Dadurch steht noch genug von den Dübeln hervor, daß die Katze nicht mit der Schauze die Leckerlies, die in das Labyrinth gestreut werden, nicht erreichen kann. Stattdessen muß die Katze die Leckerlies mit der Pfote an den Rand des Labyrinths schieben.
  3. Die Schaukel. Eine kleine Flasche (z.B. von Katzenmilch) wird an der oberen Hälfte durchbohrt und auf eine Querstange (z.B. Gewindestange) gesteckt, sodaß die Flasche frei schwingen kann. Dann füllt man ein paar Leckerlies in die Flasche.

Station 1: So geht's nicht.
Sondern so. Tischmanieren müssen sein.
Ginny und Leon waren ganz begeistert, auch wenn Leon wegen mangelnder Verfressenheit ein paar Anlaufschwierigkeiten hatte. Stufe 3 mit der Flasche müssen wir noch üben, aber wäre ja auch doof, wenn die Monster schon beim ersten Mal alles rausbekommen hätten.
Ginny, die ungekrönte Königin des  Labyrinths.

So ein Fummelbrett ist wirklich eine tolle Beschäftigung für Katzen - selbst für die ganz schlauen. Die Materialkosten halten sich in Grenzen. Unser Fummelbrett haben wir hauptsächlich aus Resten zusammengebaut und vielleicht für ein paar Euro Teile dazugekauft. An Werkzeug braucht man lediglich eine Bohrmaschine, Zollstock, Schraubendreher und Säge (Holzsäge für Latten und Metallsäge für die Gewindestange).
Volle Konzentration. Da kann man die Synapsen knistern hören.

Sonntag, 13. Mai 2012

Reif für die Insel?

In dieser Woche stand erneut der Geländekurs auf der Insel Utö (ausgesprochen: ütö) auf dem Programm. Im Gegensatz zu 2010 und 2011 hatte ich dieses Mal die Hauptverantwortung für den Kurs, auf dem die Bachelorstudenten innerhalb von 5 Tagen lernen sollten, wie man geologische Strukturen kartiert. Grund genug für mich, ein paar Dinge zu verändern. Zum Beispiel habe ich dieses Mal für die Anreise zur Fähre einen Bus bestellt, was uns eine Menge Stress und Lauferei durch den stockholmer öffentlichen Nahverkehr und so einiges an Zeit gespart hat.

In diesem Jahr waren dann bis auf einen Austauschstudenten aus den USA auch alle Studenten aus Schweden und alle aus dem Bachelorstudiengang. Ich hatte zuvor alle von ihnen im Januar und Februar im Praktikum zur Kartenanalyse unterrichtet. Einer von ihnen sieht übrigens wirklich genauso aus und bewegt und spricht auch genau wie Tommy von Pippi Langstrumpf. Die schwedische Mentalität hat sich deutlich bemerkbar gemacht, denn einer der der Wünsche, die bei der anschließenden Evaluation zum Ausdruck gebracht wurden war, doch mehr Pausen zu machen. Typisch schwedisch!!! Nach 3 war mit den Studenten eh kaum noch etwas anzufangen. Da war es dann schon ziemlich schwierig, sie in Gang zu halten und sie alle 5 Tage lang zu motivieren. Irgendwie habe ich sogar heute Nacht noch davon geträumt, wie ich die Studenten dazu anhalte, doch genau hinzuschauen und die Messungen zu machen, die wir schon tausend Mal geübt haben. So eine Woche geht halt nicht spurlos an einem vorbei.

Ansonsten war es aber eine schöne Woche. Bis auf einen bewölkten und windigen Tag und Regen in der letzten Nacht war es fast immer sonnig und sogar bis ca. 10°C. Der milde Winter hat sich auch dadurch gezeigt, daß schon alles etwas grüner war als letztes Jahr um die Zeit. Utö ist einfach eine wunderschöne Insel mit fantastischer Geologie und Landschaft.

Nächstes Jahr werde ich wieder ein paar Dinge am Kurs verändern, damit alles ein bißchen besser klappt. Für dieses Jahr ist es aber erst einmal geschafft.
Die Studenten beim Skizzieren von Strukturen im Gestein.

Freitag, 4. Mai 2012

Doktorverteidigung auf schwedisch

Heute verteidigt eine Kollegin und Freundin von mir ihr Doktorarbeit hier in Uppsala. Anlaß genug, kurz zu berichten, welche Unterschiede es zum deutschen bzw. göttinger System gibt, nach dem ich meinen Doktor gemacht habe. Um das mal nicht zu sehr auszudehnen, berichte ich mal kurz, was hier gerade vorgeht.

Die Verteidigung wird normalerweise vom Betreurer des Doktoranden eröffnet, der das Procedere vorstellt. Dann gibt der Kandidat eine 30minütige Präsentation seiner Arbeit. Danach übernimmt der sogenannte Opponent, der ein unabhängiger Experte von einer anderen Universität sein muß. Er setzt zunächst die Arbeit in den wissenschaftlichen Zusammenhang. Heute ging dieser Teil dem Vortrag der Doktorandin voraus, um den Zuhörern einen Einstieg in das Thema zu geben.

Jetzt gerade sind wir in der Befragung durch den Opponenten. Dieser geht, wie das so üblich ist, durch die Kapitel der Arbeit, von der übrigens vor der Verteidigung für die Zuhörer Exemplare ausliegen. Die Fragen, die gestellt werden, sind direkt zur Arbeit, die hier an unserem Institut aus mindestens 4 Manuskripten für wissenschaftliche Zeitschriftenartikel besteht. Mindestens 2 davon müssen den Kandidaten als Erstauthoren haben, aber vollständig veröffentlicht müssen sie nicht sein. Da solche Artikel normalerweile mehrere Authoren haben, muß in der Arbeit deutlichgemacht werden, welchen Anteil der Doktoran hatte. In der Arbeit meiner Freundin sind zum Beispiel 6 Manuskripte als Kapitel. Davon ist sie auf dreien Erstauthorin. Ich bin auch Koauthorin auf zweien ihrer Manuskripte, und ich bin Erstauthorin des 6. Manuskripts ihrer Arbeit. Irgendwie schon lustig: Das ist nach meiner eigenen also meine 2. Doktorarbeit, zu der ich beigetragen habe.

Wir sind immernoch in der Befragung durch den Opponenten. Demnächst darf dann auch mal das Prüfungskommittee Fragen stellen. Das besteht heute aus 5 Mitgliedern, die unabhänginge Experten der Fachgebiete darstellen, die die Doktorarbeit umfaßt. Am letzten Tag meines Kurses über Doktorandenbetreuung, den ich am Mittwoch hinter mich gebracht habe, habe ich gelernt, daß das Kommittee auch aus 3 Mitgliedern bestehen kann und daß man immer noch einen Stellvertreter in der Hinterhand haben muß.

Nach den Fragen des Kommittees kann auch das Publikum den Kandidaten befragen. Alles in allem ist der Zeitrahmen der gesamten Fragerunde ähnlich wie in Göttingen. Momentan dauert die Verteidigung 2 Stunden an, und wir sind endlich beim ersten Mitglied des Kommittees.

Wenn wir irgenwann durch sind, wird sich das Kommittee zusammen mit dem Opponenten und dem Betreuer zurückziehen, um zu beraten, ob der Kandidat bestanden hat. Im Gegensatz zum deutschen System gibt es in Schweden keine Noten für die Doktorarbeit. Aber wie in Deutschland auch kommt es nur selten vor, daß ein Doktorand in seiner Verteidigung durchfällt. Und so wird auch meine Freundin bestehen. Sie hat einen sehr guten Vortrag gehalten und kann auch gut auf die Fragen antworten. Heute Abend gibt es dann also genug Grund zum Feiern bei der Doktorfeier geben.

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