Samstag, 7. August 2010

Postferiendepression

Die Ferienzeit der Schweden geht zuende. In einer Woche müssen die Kinder wieder in die Schule, und in 3 Wochen geht es auch für die Studenten wieder los. Das bedeutet, das die 4 bis 6 Wochen Urlaub der meisten Schweden und auch der Hochsommer vorüber sind. Und das führt bei vielen zu dem, was ich Postferiendepression nennen würde.

Als ich vor einem Jahr hier ankam und die Schweden aus dem Urlaub kamen, war ich verblüfft, daß viele sich beklagten und sagten "Der Sommer ist vorbei. Jetzt ist bald Winter!" Und das Mitte August. Ein Jahr später kann ich das fast verstehen, gerade weil es seit 2 Wochen auch nicht mehr ganz so sommerlich ist. Und wenn die Sonne nicht scheint, ist es in Schweden auch nicht unbedingt warm. Außerdem werden die Tage jetzt merkbar kürzer. Gegen 10 ist es jetzt schon fast dunkel! Da kommt durchaus Herbstfeeling auf.

Ja ja, der Sommer ist vorbei. Jetzt ist bald Winter!

Touristenprogramm: Vasa Museum

Am 10. August 1628 ging das Kriegsschiff Vasa im Stockholmer Hafen auf Jungfernfahrt. Die dauerte nur wenige Stunden, denn dann sank das Schiff noch im Hafen. 1961 wurde das Schiff vom Grund der Ostsee geborgen und anschließend konserviert und restauriert. Heute bildet die Vasa eine der größten Attraktionen Stockholms und ein absolutes Muß für jeden Touristen.
Die Vasa. Einen Eindruck von ihrer Größe vermittelt der Vergleich mit den Personen ganz unten auf der untersten Ebene des Museums.
Dank des geringen Salzgehaltes der Ostsee ist das Schiff in den 333 Jahren seines Aufenthaltes auf dem Meeresboden kaum beschädigt worden. So besteht es noch heute aus 98% seiner unsprünglichen Teile. Diese geben Einblick in den Prunk und das Leben an Bord eines Kriegsschiffes aus dieser Zeit. Die Vasa wurde von König Gustaf II Adolf, der sich im Krieg mit dem polnischen König befand, in Auftrag gegeben. Mehr ein Prestigeobjekt als ein seetaugliches Gefährt, war die Vasa jedoch zu instabil und sank schon durch eine starke Böe. Ein Glück für Historiker und Touristen, denn die Vasa ist das einzige dertart gut erhaltene Schiff aus dieser Zeit. Es ist mehr als 11 m breit, 69 m lang und 52 m hoch. An Bord befanden sich 145 Soldaten mit deren Familien. 300 Soldaten warteten darauf, an Bord zu gehen.
Wichtiger als Stabilität waren den Schiffsbauern auf jeden Fall die zahlreichen Verzierungen und special features. Man stelle sich auch vor, daß das Schiff sehr bunt bemalt war.
Zugegeben, ein Besuch des Vasa-Museums ist nich billig: 110 SEK (11 €) Normalpreis, 80 SEK ermäßigt. Aber das ist es wirklich wert. Das Museum bietet neben dem Schiff selbst, das man über 7 Etagen bestaunen kann, zusätzlich vielerlei Ausstellungen zu interessanten Themen wie dem Leben an Bord, der Gesellschaft der damaligen Zeit, Schiffsbau und Kriegsführung auf See. Besonders beeindruckend ist die Rekonstruktion der Gesichter und Geschichten der mit dem Wrak gefundenen Skelette. Diese sind als Wachsfiguren so rekonstruiert, wie man es von CSI kennt, und sehen erschreckend lebensecht aus. Dazu gibt es Informationen zu ihrem Lebensstandard, ihrem Gesundheitszustand und ihrer Funktion, soweit sich diese von den mit ihnen gefundenen Kleidungsstücken und Artefakten ableiten läßt. Wer sich nicht gern Schautafeln durchliest, kann ein Gefühl für das Leben an Bord bei einem Besuch in der Nachbildung des Schiffsinnenraums bekommen. Zudem kann man sich einen Film anschauen oder an einer der halbstündig stattfindenden Führungen (in den wichtigsten Sprachen) teilnehmen.
Das Vasa-Museum von außen. Man sieht nur die Masten aus dem Holzgebäude, das schon mehrfach den Preis für Stockholms häßlichstes Gebäude gewonnen hat, herausragen.





Fazit: Wer in Stockholm ist, sollte das Vasa-Museum auf keinen Fall auslassen.

Mittwoch, 4. August 2010

Katzeneis

Eine Erfindung dieses heißen Sommers, um schwitzenden Katzen etwas Gutes zu tun, ohne ihnen ungesundes Menscheneis zu verabreichen, ist Katzeneis. Dazu lediglich Katzenmilch (keine Kuhmilch!) in einer Eiswürfelform portionieren und im Gefrierfach tiefkühlen. Dann servieren.

Ginny und Leon haben das Katzeneis getestet und sind ganz und gar entzückt.

Und zum Schluß noch ein Bilderrätsel. Was ist das?

Dienstag, 3. August 2010

Mein 1. Schwedenjubiläum!

Bevor ich heute irgendetwas arbeite, muß ich kurz dieses denkwürdigen Anlasses gedenken: Heute vor einem Jahr bin ich in Schweden angekommen. Gerade mußte ich noch einmal meinen Blogeintrag zu meiner Ankunft hier lesen. Die Zeit vergeht wirklich wie im Flug, nicht wahr? Aus einschlägigen Sendungen zum Thema Auswandern im TV weiß man ja: Wenn man es 1 Jahr aushält, hat man es geschafft.

Dabei würde ich nicht mal von Aushalten sprechen. In Schweden läßt es sich mehr als nur aushalten. In dem einen Jahr ist sooooo viel passiert, aber ich kann jetzt aus Erfahrung berichten, daß es auch fast ein Jahr dauert, bis man wirklich angekommen ist. Es gibt einfach zu viele neue, d. h. ungewohnte Dinge:
  • eine neue Sprache
  • neue Kollegen, Bekannte und Freunde
  • ein neuer Jobb mit neuen Aufgaben, Methoden etc.
  • ein neues Heim
  • eine neue Umgebung, inklusive anderem Klima, anderer Natur, anderer Architektur etc.
  • neue Behörden, Banken, Versicherungen
  • neue Essensangebote
  • ...
All das hat man in gewissem Maße auch, wenn man innerhalb Deutschlands in eine andere Stadt umzieht, aber definitiv nicht in derart geballter Form. Auswandern ist also ein Langzeitprojekt, das viel Kraft, Ausdauer, Offenheit, Initiative, Zeit und auch sehr viel Geld erfordert. Ein wirklich einschneidender Punkt im Leben, der bestimmt vergleichbar ist mit Familiengründung.

Nach einem Jahr kann ich auch sagen, daß ich immer noch am Anfang stehe. Zwar bin ich mit den wesentlichen Dingen des Alltags vertraut, ich spreche einigermaßen fließend schwedisch, ich habe Freunde (90% davon sind keine Schweden), ein Zuhause und bin mit meiner Arbeit zufrieden, aber das bedeutet nicht, daß es nicht noch Raum gibt für Verbesserungen. Es erfordert definitiv Überwindung, am Telefon einen Termin zu machen z.B. mit der Autowerkstatt. Ich bin mit meinem Schwedisch noch nicht so zufrieden, wie ich es gern wäre. Ich wäre gern in der Lage, richtigen small talk zu machen, so höflich zu sein, wie ich es für angemessen erachte, meine Lehrveranstaltungen wenigstens teilweise auf schwedisch zu halten. Außerdem hätte ich gern Kontakt zu echten Schweden in meiner Umgebung, mit denen ich nicht zur Not englisch sprechen kann. Dazu muß ich mir ein Hobby suchen oder irgendwie Kontakt zu meinen Nachbarn knüpfen, was beides nicht einfach ist und Überwindung verlangt. Aber all das sind wenigstens Ziele, die ich in meinem 2. Jahr in Schweden angehen kann.

Es gilt also noch immer, was ich vor einem Jahr sagte: Ich lebe noch, es geht mir gut, Schweden ist schön!

Mittwoch, 28. Juli 2010

Stockholm im Juli

Auch wenn ich normalerweise kein Städtetourist bin, kann ich Stockholm als Ausflugsziel nur empfehlen. Nach einem ersten Besuch im Juni wollten wir uns das Venedig des Nordens dieses Mal so anschauen, wie es für eine Inselstadt passend ist: per Boot. Und DU DARFST MITKOMMEN! Also los!In Stockholm hat man die Möglichkeit, ein 24 Stunden-Ticket für eines der Hop-on-Hop-off-Boote für 100 SEK (10€) zu erwerben. Für 180 SEK bekommt man noch den Eintritt in das Vasa-Museum dazu (lohnt sich preislich!). Hop-on-Hop-off bedeutet, daß man an jeder der Stationen der Rundfahrt aussteigen kann und mit einem späteren Boot weiterfahren kann, so oft man will. Also hop on!
Insgesamt fährt das Boot 8 Stationen an, beginnend natürlich an einer Station der eigenen Wahl. Doch der Hauptstopp ist Nybroplan direkt am dramatischen Theater, in Laufdistanz zum Hauptbahnhof. 2. Stopp ist die Insel Djurgården, die man nach etwa 3minütiger Fahrt erreicht. Hier befindet sich u.a. das Vasa-Museum (Bericht folgt demnächst), das maritime Museum, das nordische Museum und Astrid Lindgrens Kinderland Junibacken.

Unser 3. Stopp ist die Insel Skeppsholmen. Auf dieser ehemaligen Militärinsel befinden sich das Museum für moderne Kunst, das Museum für fernöstliche Antiquitäten und das schwedische Architekturmuseum und auf einer mit einer Brücke verbundenen Miniinsel das Kastell Kastellholmen (siehe Foto).Für den 4. Stopp geht es wieder zurück auf die Insel Djurgården. Dieses Mal direkt vor die Tore von Gröna Lund (auf dem nächsten Foto), dem Vergnügungspark Stockholms mit zahlreichen Achterbahnen (der Eintritt ist im Fährticket enthalten), das Aquaria Wassermuseum und Skansen (dazu demnächst auch mehr), das größte Freilichtmuseum der Welt.Weiter geht es zum Anlegeplatz der großen Kreuzfahrtschiffe. Aber wir müssen hier nicht aussteigen. Fahren wir lieber weiter zum 6. Stopp dem Fotografiska, dem Museum für Fotografie, oder zum 7. Stopp am Fuße der Altstadt (Gamla Stan, wir erinnern uns vom Juni). Von hier aus laufen wir durch die kleinen Gässchen vorbei am Königspalast zum 8. Stopp des Bootes, wo wir wieder "aufhüpfen".

Weil uns jetzt doch die Füße wehtun, fahren wir einfach noch eine Runde mit dem Boot, ohne auszusteigen, genießen die kühle Brise und hören uns die Touristeninformationen an, die einem auf schwedisch und englisch aus den Lautsprechern verabreicht werden. Letztlich wieder am Ausgangspunkt angekommen, schleppen wir uns mit letzter Kraft zum Auto. War das eine tolle Bootsrundfahrt durch Schwedens Hauptstadt!

Freitag, 23. Juli 2010

Die Geschichte mit der entlaufenen Katze - Teil 2


Leider hat die Geschichte von der entlaufenen Katze noch eine kurze Fortsetzung. Gestern stand ich im Garten und pflückte Johannisbeeren, während mich Ginny vom Fensterbrett der Bibliothek aus beobachtete. Dieses Fenster ist etwa 3,5 m über dem Boden gelegen, also besteht nicht wirklich die Gefahr, daß die Ginny den Sprung in die Freiheit wagt.

Doch plötzlich höre ich ein kratzendes Geräusch und ich sehe die Ginny vom Fensterbrett fallen und auf dem Beet darunter landen. Ob sie nun vom Leon geschubst oder durch eine Windböe überrascht wurde, offensichtlich hatte sie den Fenstersturz nicht geplant. Sie war sie erschreckt, daß sie sich mit gesträubtem Schwanz die Kellertreppe hinunterflüchtete. Doch dort gab es kein Versteck, denn die Tür war zu. Ich habe sie dann zur Haustür gerufen, durch die sie total verschreckt nach drinnen gelaufen ist.

Es ist also eindeutig Zeit für Fenstergitter, wenn der Sommer so weitergeht. Die Ginny hat den Schreck überwunden. Doch man kann nicht dafür garantieren, daß die Geschichte nicht doch noch eine weitere Fortsetzung hat.

Mittwoch, 21. Juli 2010

Djur och växter: Smultron

Ich dachte, um ein wenig zu demonstrieren, was so zu Schweden gehört, ist es vielleicht ganz interessant, typische schwedische Tiere (djur) und Pflanzen (växter) vorzustellen, auch wenn einige davon auch aus Deutschland bekannt sein dürften. Als erster Kandidat hat sich die Walderdbeere (smultron) qualifiziert.
Smultron wächst in Schweden an jedem Wegrand und hat somit eine wesentlich größere Bedeutung als in Deutschland. In unserem Garten gibt es davon reichlich, auch wenn es nicht genug sind, um sich satt zu essen. Die Früchte sind äußerst aromatisch und riechen schon fast wie Parfum.In Schweden sind smultron so eine Art Symbol für den Sommer. Man sieht Blätter, Blüten und Früchte als Ornamente auf Tischdecken, Handtüchern usw. Zudem gibt es (im Gegensatz zu Deutschland) eine Reihe von Produkten mit dem Duft bzw. Geschmack der Blüten oder Beeren. Beispiele dafür sind Shampoo, Seife, Sirup, Joghurt, Kekse oder Eis. Smultron ist also eine sehr "schwedische Frucht". Für den kommerziellen Anbau eignet sie sich jedoch scheinbar nicht, denn es gibt sie leider nicht als frische Frucht oder tiefgefroren zu kaufen wie richtige Erdbeeren. Hier haben die Schweden sich wohl dafür entschieden, der Walderdbeere ihre "Wildheit" zu lassen, was durchaus etwas über das Verhältnis der Schweden zur Natur aussagt.Übrigens mußte ich zu meiner Enttäuschung erfahren, daß das Wort smultronställe kein Ort ist, an dem man besonders viele Walderdbeeren findet. Stattdessen bezieht es sich auf ein Ausflugsziel in der Natur.
Für echtes schwedisches Sommerfeeling empfehle ich übrigens dieses Video, in dem Michel und seine Schwester Ida auch smultron sammeln. Idas Sommarvisa wird übrigens angeblich zum Ende der Schulzeit vor den Sommerferien gesungen.