Mittwoch, 18. Januar 2012

Island im Januar - Teil 3

Wieder mal lautet das Motto "besser spät als nie". In dem Falle heißt das: Ich bin seit Freitag Nachmittag zurück aus Island, hab aber eine ziemliche Erkältung, weshalb ich das Wochenende hauptsächlich auf dem Sofa verbracht habe. Jetzt bin ich wieder auf Arbeit, das aber vorwiegend wegen Deadlines und Vorbereitung für einen Kurs, den ich in 2 Wochen unterrichten muß. Trotzdem erst einmal noch mein restlicher Bericht aus Island.

Tag 2: Konferenzdinner
Vor dem Dinner: Blick von der Empore auf die Tische. Im Hintergrund der Pool mit schneebedeckten Felsen am Rand.
Nach einstündiger Busfahrt durch den Schneesturm zur Blauen Lagune erwartete uns Konferenzteilnehmer ein ziemlich nobles Restaurant direkt mit Blick auf den Pool. Die Tische waren weiß gedeckt, und eröffnet wurde das ganze von der isländischen Umweltministerin, die eindeutig besser reden kann als die Tourismusministerin, die am Vorabend den Empfang im Rathaus eröffnet hatte. Auch beim Dinner gab es wieder Livemusik, diesmal von einem jungen Mann mit Gitarre und dann von zwei Damen, eine davon die Nichte von irgendeinem Minister. Vielleicht hätte den Mädels jemand sagen sollen, daß man bei einem solchen Event keine Lieder über Kindesmißbrauchh singt. Die Stimmung war jedenfalls kurzfristig recht gedrückt. Das Essen war dagegen durchgängig gut, wenn man auch nicht wußte, was man da aß. Das wurde immer erst nachträglich mitgeteilt. Und vom Aussehen konnte man auch nicht immer auf das tatsächliche Gericht schließen. Als Vorspeise gab es Garnele, Hummer und Jakobsmuschel (natürlich in entprechend vornehmen Portionsgrößen). Zum Hauptgericht gab es dann Lammsteak auf einem Ragout aus 12 Stunden-gekochtem Lammhals an einem Kartoffel-Pilz-Gratin, das aber eher aussah wie Lasagne. Und schließlich zum Nachtisch gab es eine Skyr-Creme (ein typisch isländisches Milchprodukt, dem deutschen Quark sehr ähnlich) mit Schokofüllung und ein Ananas-Basilikum-Sorbet an getrockneter Ananasknusperscheibe. Wie gesagt, der Überraschungseffekt war ein wichtiger Teil des Dinners. 5 Minuten nach dem Ende des Deserts wurden dann alle wieder in die Busse verfrachtet, und es ging zurück nach Reykjavik. Die 1stündige Fahrt habe ich komplett verschlafen.
Tag 3: Exkursion zum Eyjafjallajökull
Glücklicherweise war der Schneesturm am nächsten Morgen vorüber. Im Dunkeln (die Tageszeiten waren wie bereits erwähnt sehr schräg angeordnet) machte ich mich auf den Weg zum Konferenzzentrum, von wo aus Busse zu drei verschiedenen Exkursionszielen abfuhren. Da der Exkursionstag mitten in der Konferenz lag und in der zugegebenermaßen horrenden Tagungsgebühr enthalten war, gab es kein Alternativprogramm für mich, auch wenn ich den Sinn einer geologischen Exkursion in Island im Januar sehr zweifelhaft finde. Von den 3 möglichen Exkursionszielen gab es keines, das ich nicht aus dem Sommer kannte. Deshalb habe ich mich für die populärste Exkursion entschieden, die zum Eyjafjallajökull.

Der mittlerweile in der ganzen Welt berühmte Vulkan liegt etwa anderthalb bis 2 Stunden Fahrt von Reykjavik entfernt an der Südküste. Die Fahrt führt entlang der Ringstraße durch die Dunkelheit. So gegen 10:30 kamen wir dann zum Seljalandsfoss, der an der Westflanke des Vulkans liegt. Jetzt im Winter besticht er vor allem durch Eiszapfen, die aufgrund des Spritzwassers alles überziehen.
Eiszapfen am Geländer des Aussichtspunkten am Seljalandsfoss.
Weiter ging es zum Skogafoss, einem sehr populären Ausflugsziel an der Ringstraße. Ich erinnere an diesen Post von 2009. Im Winter hat er auch seinen Charm, aber im Sommer ist er eindeutig schöner.
Der Skogafoss in Südisland am Fuße des Eyjafjallajökull.
Mittags kam dann auch langsam die Sonne raus, die zwar sehr niedrig am Horizont stand, aber der an der Südküste nicht hinter Bergen verschwinden kann. Und erstaunlicherweise war auch kaum eine Wolke über dem Gipfel des Eyjafjallajökull zu sehen. Selten ist er so schön zu sehen. Nur im Sommer habe ich ihn noch schöner gesehen auf unserer Wanderung.
Eyjafjallaökull in winterlicher Schönheit.
Geologen beim Buddeln in der Asche.
Für die Exkursionsteilnehmer gab es sonst wenig Geologie zu sehen. Wir hielten leidglich an der Straße um zu sehen, daß der Fluß dort immer noch voller Asche ist und nur ein paar Dezimeter unter der Brücke durchfließt. Dann gab es noch einen Stopp an einem neuen Besucherzentrum, das von einer Bauernfamilie eingerichtet wurde, die direkt am Fuße des Eyjafjallajökull wohnt und damals evakuiert wurde. Jetzt zeigen sie einen Film über ihre Erfahrungen und verdienen eine Menge Geld mit Souveniers.
Eyjafjallajökull und ich.
Und noch mal: Eyjafjallajökull (die Flanke) und ich. Mein leicht verquollenes Gesicht deutet meine Erkältung nur an.
Tag 4: und noch ein Tagungstag
Ja, am Donnerstag fanden dann nochmal Vortrgäge und Posterpräsentationen statt. Am interessanten fand ich einen Vortrag über den Vulkan Hekla (wir erinnern uns: 2. Bild), einem wahrscheinliches Kandidaten für den nächsten Ausbruch in Island. Im Gegensatz zu Katla gibt es dafür aber maximal eine Vorwarnzeit von 50 min.

Am Nachmittag war dann die Tagung vorbei. Dumm nur, daß es nur einen Flug pro Tag nach Stockholm gibt. Also saß ich noch bis zum nächsten Morgen in Island fest. Mein Chef überredete deshalb Sylvia und mich dazu, zu einem Konzert in der Harpa, dem Konzert- und Kongresshaus, zu gehen. Am Abend spielten und sangen 4 junge Solisten zusammen mit dem isländischen Symphonieorchester in einer Art "Island sucht den Superstar", nur daß sie Mozart und Prokoview aufführten. Es war schon mal interessant, so ein Klassikkonzert.
Nochmal ein etwas besseres Bild von der Harpa. Die Lichtspiele sollen das Nordlicht simulieren.
Die Decke in der Eingangshalle der Harpa.
Tag 5: Heimreise
Schon um 4:30 mußte ich aufstehen, um den Bus zum Flughafen um 5 Uhr zu erwischen. Ist schon seltsam, sein Gepäck durch das dunkle und völlig menschenleere Reykjavik und die Schneehaufen am Straßenrand zu tragen. Es regnete übrigens ziemlich. Der Flug ging dann um 7:45. Und um 11:40 bin ich dann endlich in Arlanda gelandet. Den Flug hab ich verschlafen, was will man auch anderes machen? Und nach Taxi, Mittag beim Chef, etwas Arbeit und Einkauf war ich dann endlich wieder zu Huase. ENDLICH!

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