Auf Teil 1 folgt hier die Fortsetzung meines persönlichen "Wie deutsch bin ich noch?"-Tests inspiriert von dieser Wesite.
7. Bilde Dich weiter. Daß Bildung wertvoll ist, ist auch in Schweden eine bekannte Tatsache. Die Schweden sind übrigens Weltmeister im Belegen von Volkshochschulkursen nach der Arbeitszeit. Und auch ansonsten ist Bildung wichtig. Eine Universitätsausbildung ist für schwedische und europäische Bürger kostenfrei. Bafög gibt es hier für alle schwedischen Studenten unabhängig vom Einkommen der Eltern. Nach dreieinhalb Jahren Einblick in die schwedische Universitätsausbildung und den Standard schwedischen Studentenwissens muß ich aber leider sagen: die schwedische Schul- und Universitätsausbildung ist eine Schande. Teilweise liegt das daran, daß es wichtiger ist, die Pausenzeiten einzuhalten und darauf zu achten, daß sich auch alle wohlfühlen, als daß es um Disziplin und Wissensvermittlung geht. Was meine Bildung angeht, seit ich nach Schweden gekommen bin, so kann ich aber nicht behaupten, daß ich faul gewesen wäre. Ich habe immerhin zwei Schwedischkurse der Kommune und zwei Pädagogikkurse der Uni. Zur Zeit mache ich einen Kurs für Führungskräfte und nehme auch weiterhin von der Uni bezahlten Schwedischunterricht.
8. Nur bei grün über die Ampel gehen. Da bin ich noch immer gehorsam, was aber wohl daran liegt, daß sich die meisten hier an die Ampelmännchen halten. Schwedische Autofahrer halten übrigens an Zebrastreifen.
9. Trink Bubbelwasser und Apfelschorle. Dieser Punkt ist ein klares britisches Cliché, weil man in Großbritannien nämlich die Freuden der Kohlensäure nicht zu schätzen weiß (siehe warmes Bier). Hier in Schweden gibt es hauptsächlich Mineralwasser mit Sprudel in allen nur erdenklichen Geschmacksrichtungen. Schorle ist nicht so verbreitet, kann aber zum Glück selbst hergestellt werden. Ein kohlensäurehaltiges Getränk, das ich übrigens erst hier in Schweden zu schätzen gelernt habe, ist Apfelcider. Das liegt weniger am schwedischen Cider (der ist süß wie Limonade und teuer), sondern an einem Hobby, das sich hier aufgrund vorhandener Apfelbäume ergeben hat: Cider selbst herstellen.
10. Iß deutsches Essen! Sorry, aber dieser Punkt wird länger. Wenn es ums Essen geht, wird man nämlich erst im Ausland so richtig deutsch - und ich meine nicht die Malletouristen, die im Urlaub ihr Schnitzel und ihre Pommes brauchen. Doch wer schonmal sechs Wochen im Ausland war, der versteht wenigstens ein wenig, daß man bestimmte Lebensmittel von zu Hause einfach vermißt. Wenn man auswandert, wird die Liste ziemlich lang. Und lustigerweise finden sich auf der Liste aller Deutschen im Ausland ziemlich ähnliche Sachen: Platz 1 ist immer Brot!!! Andere Lebensmittel auf der Liste sind Bier, thüringer Bratwurst, Lebkuchen, Laugenbretzeln, Bockwurst (warum fallen mir so viele Fleischsachen ein?), Gummibärchen, deutscher Kaffee (Kaffeepads!!!). In Schweden hat man definitiv den Vorteil, daß sich viele Sachen irgendwie und irgendwo beschaffen lassen. Eine wichtige Rolle dabei spielt Lidl, ein Supermarkt den ich in Deutschland nicht gern besucht habe, der hier aber die einzige Quelle für authentische Weihnachtssüßigkeiten und Laugenbretzeln ist. Deutsches Bier ist zu traurig hohen Preisen bei systembolaget zu haben. Wir haben auch einen Markt gefunden, der deutsche Bockwurst im Glas verkauft. Die Schweden entdecken sogar langsam das Sauerteigbrot, wenn sie auch nicht verstanden haben, daß Hefe nichts in einem ordentlichen Brot zu suchen hat.




