Donnerstag, 26. April 2012

Vienna calling

So, endlich finde ich ein klein wenig Zeit, mich aus Wien von der EGU-Tagung zu melden. Die EGU ist die grösste geowissenschaftliche Tagung Europas. Dieses Jahr sind mehr als 10000 Wissenschaftler gekommen, um an 5 Tagen ihre Forschung vorzustellen und sich mit Kollegen zu treffen. Wie schon im letzten Jahr und im Jahr davor, bin auch ich wieder mit dabei. Eine Reise nach Wien im Fruehling ist ja auch nicht das aller Schlimmste, was einem passieren kann.
Ich habe ja schon im letzten Jahr berichtet, wie so eine Tagung vor sich geht. Dieses Jahr ist insofern anders, als dass ich mit Freunden und Kollegen aus Deutschland, England, Norwegen, Frankreich und Belgien eine eigene Session geplant hatte. Dazu gehört, eine Beschreibung bei den Organisatoren einreicht. Wenn diese dann entscheiden, dass das Thema von Interesse ist, wird die Session im Programm der Tagung angeboten, und Teilnehmer können Beiträge fuer Vorträge und Poster fuer die Session einreichen. In unserem Fall waren das ziemlich viele Leute, sodass wir den gesamten Dienstag Vormittag Vorträge und dann am Nachmittag Posterpräsentationen hatten. Als Convenerin (Organisatorin einer Session) hatte ich in diesem Jahr keinen eigenen Vortrag, sondern ein Poster. Ausserdem durfte ich noch das Poster meiner Doktorandin und ein Poster meiner Arbeitsgruppe, das wir wegen einer kurzfristigen Absage aufgehangen haben, präsentieren. Das war ganz schön anstrengend, sodass ich so gut wie keine Zeit hatte, mir andere Poster anzuschauen.

An den anderen Tagen höre ich mir natuerlich Vortäge in anderen Sessions an, die mich interessieren. Am Montag habe ich so erfahren, dass der riesige Vulkan, der die Santorini-Inseln bildet und vor 3600 Jahren die minoische Kultur durch einen Ausbruch vernichtet hat, wieder Zeichen von Aktivität zeigt. Sehr besorgniserregend! Gestern war ich dann beim Vortrag von Deutschlands beruehmtestem Vulkanologen, dem "Grossvater der deutschen Vulkanologie", Hans-Ulrich Schmincke. Den kennt man sonst aus dem Fernsehen, wenn er ueber die Eifel oder die Kanaren berichtet.

So eine Tagung muss natuerlich auch mit der Zeit gehen, und so ist mir neben den EGU-Fähnchen an den Strassenbahnen vor allem das EGU-App aufgefallen, das anstelle eines Tagungsbandes das Programm und die Raumpläne der Tagung enthält. Noch gibt es zwar einen gedruckten Band mit Zeit und Namen der einzelnen Sessions, aber das App enthält auch den Titel der einzelnen Vorträge und Poster, eine Suchfunktion, einen verlinkten Raumplan und so weiter. Zudem ist mir zum ersten Mal untergekommen, dass jemand sein Poster mittels QR-Code auf seinem gedruckten Poster mit dem PDF verlinkt hatte. Sehr spitzfindig.

Abends geht es eigentlich immer mit Freunden und Kollegen irgendwo essen. Die österreichische Kueche ist ja bekannt fuer Deftiges und Suesses aller Art. Ansonsten kann ich mich nur ueber das wunderbare Wetter freuen. Hier ist der Fruehling wirklich in vollem Gange: Die Sonne scheint, es ist 20 Grad und alles blueht. Zu Hause in Schweden hatte es am Wochenende noch geschneit und wir hatten uns gefreut, dass die Krokusse bluehen und der Rhabarber langsam aus der Erde schaut. Aber dafuer haben wir dann eben nochmal Fruehling von vorn.

Freitag, 20. April 2012

Jetzt bin ich Senior

Da hätte ich doch fast vergessen zu berichten, was sich diesen Monat in meinem Leben am dramatischsten verändert hat. In diesem Monat habe ich meine neue Stelle als Senior Lecturer (auf schwedisch universitetslektor) angetreten. Gerade habe ich, um eine Übersetzung auf deutsch zu finden, diese interessante Wikipediaseite gefunden. Für mich ist es gerade ein bißchen eine Überraschung, daß meine Stelle einer deutschen W2/C3-Professur enspricht. Da bin ich doch ein bißchen geplättet.

Das Wichtigste, was sich für mich mit dieser Stelle ändert, ist:
  1. Ich habe eine feste Stelle!!! Eine Luxussituation in der Wissenschaft (*nachHDrüberblinzel*).
  2. Theoretisch muß ich bis zu 70% meiner Arbeitszeit mit Lehre verbringen, wenn der Bedarf dazu da ist. Die übrigen 30% sind für Forschung und Verwaltungsaufgaben (Gremienarbeit zum Beispiel).
  3. Ich habe die ein oder andere Beförderungsstufe übersprungen. Meine nächste erreichbare Stufe ist dann nach dem schwedischen System die des Professors. Vorher muß ich aber noch ein paar Jahre Erfahrung sammeln und demnächst erstmal an meine Habilitation denken (in Schweden docent genannt).
  4. Außerdem, und daß ist nicht das Wichtigste, bedeutet diese Stelle natürlich eine Gehaltserhöhung und 31 Tage Urlaub.
Allerdings hatte ich ja eigentlich auch Projektgeld für meine eigene Stelle eingeworben. Das ermöglicht mir, mich zur Hälfte aus meiner Lektorenstelle freizukaufen. Das bedeutet, 50% meines Lohnes kommt aus meinem Projektgeld, und ich beschäftige mich in der Hälfte meiner Arbeitszeit mit meinem Forschungsprojekt. Das erlaubt mir natürlich nicht nur das zu tun, was ich der schwedischen Forschungsgemeinschaft versprochen habe und am liebsten tue - forschen -, sondern auch, mich langsam an meine Aufgaben in der Lehre heranzutasten. Einen Kurs vorzubereiten und dann auch zu halten, ist nämlich ein hartes Stück Arbeit.

Auf jeden Fall stellt meine neue Stelle eine ziemliche Herausforderung dar. Deshalb ist mein Ziel dieses Jahr auch, mich einzuarbeiten und klarzukommen. Mehr nicht. Das reicht.

Donnerstag, 19. April 2012

Hauskauf auf schwedisch 2: Kreditversprechen

Heute haben wir einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Hauskauf hinter uns gebracht: Wir waren bei der Bank. Bevor die einem nämlich einen Haukredit geben, muß man Verdienst, Personenstand, Schulden usw. angeben. Das ist sicher auch in Deutschland nicht anders. Für unser angestrebtes Limit, was den Hauspreis angeht, gab es keine Probleme. In den nächsten Tagen erhalten wir das sogenannte lånelöfte (Kreditversprechen) per Post. Das ist dann 6 Monate gültig und zeigt einem Makler, daß wir solvent sind und von der Bank einen Kredit bekommen.

Dann kann die Suche ernsthaft weitergehen.

Übrigens hat das Haus, das wir uns am Ostermontag angeschaut haben, auch anderen gefallen. Der Endpreis lag dementsprechend 550 000 SEK über dem Startpreis und damit außerhalb unseres Limits. Aber wir suchen weiter.
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Montag, 16. April 2012

Touristenprogramm Uppsala: Museum Gustavianum

Das Museum Gustavianum gleich neben der Domkirche in Uppsala ist das offizielle Unimuseum der Universitet Uppsala. Hier geht es um Universitets-  und Wissenschaftsgeschichte. Dank unseres Stavangerbesuchs haben wir es auch endlich mal hinein geschafft. Immerhin ist es eines der Museen, die jetzt in der Vorsaison geöffnet haben. Außerdem ist es eines von den Unimuseen, die wir kostenlos besuchen können (normaler Erwachsenenpreis 50 SEK = ca. 5,50 €). In diesem Fall müssen wir das sogar, denn leider hatten wir nur eine halbe Stunde, bevor das Museum am Samstag um 16 Uhr geschlossen hat.
In der Zeit haben wir uns das anatomische Theater, einen Vorlesungssaal aus dem 17. Jahrhundert, angeschaut, zudem die Etruskerausstellung und den Augsburger Kunstschrank, eine Art Wikipedia des 16. Jahrhunderts in Form der Augsburger Puppenkiste, und das Originalthermometer von Celsius, komplett mit vertauschten 0 und 100°C.

Auch das Museum Gustavianum ist unbedingt einen Besuch wert. Wir müssen auf jeden Fall noch mal mit etwas Zeit zurückkehren und uns das Museum in aller Ruhe anschauen.

Touristenprogramm Uppsala: Tropisches Gewächshaus

Draußen Schneeregen, drinnen Tropen.
Am Wochenende hatten wir lieben Besuch aus Stavanger. Und was unternimmt man, wenn sich kurzfristig eine Schneeregenfront ankündigt und morgens ganz plötzlich alles wieder weiß ist? Man macht eine Museumstour. Eine perfekte Gelegenheit mal ins tropische Gewächshaus in Uppsala zu schauen. Dort ist es gemütlich warm, und für uns als Uniangestellte ist der Eintritt (normal 40 SEK = ca. 4,50 €) auch noch kostenlos.
Ein Ameisenbaum (schwedisch "myrklump").
Das tropische Gewächshaus ist wirklich einen Besuch wert. Man merkt, daß es ein paar Jahre auf dem Buckel hat und die Pflanzen ein schönes Ensemble ergeben, das erst mit dem Alter entsteht. Umso besser, daß wir es endlich mal geschafft haben, es zu besuchen. Wir kommen bestimmt bald wieder!

Donnerstag, 12. April 2012

Deutschlandrundreise Teil 4: Dresden

Letzte Station meiner Deutschlandrundreise war Dresden, wo ich die Familie meiner Schwester besucht habe. Ich hab mich super gefreut, Euch alle wiederzusehen, besonders natürlich meine bezaubernde Nichte, die nicht nur mit dem Handy gut umgehen kann, sondern auch alle Tierstimmen beherrscht und sich als echtes Tanztalent herausgestellt hat.

Ich freu mich schon, Euch Mittsommer wiederzusehen.
(Die Fotos wurden freundlicherweise von sera und schmiddtchen zur Vefügung gestellt.)

Montag, 9. April 2012

Hauskauf auf schwedisch 1: die 1. Besichtigung

Heute waren wir bei unserer ersten Hausbesichtigung, denn falls Ihr es noch nicht wißt: wir wollen dieses Jahr ein Haus kaufen. Wie das in Schweden so vor sich geht, möchte ich an dieser Stelle nicht ausführen. Steigen wir also an der Stelle ein, wo wir ein interessantes Haus ausgemacht haben. An ein oder zwei Tagen findet dann für ein oder mehrere Stunden eine öffentliche Besichtigung statt.

Das Haus, das wir uns heute angeschaut haben, ist nur 2 km von unserem Haus entfernt. Es handelt sich um dieses Objekt. Die Führung wurde von 2 Maklern geleitet. Man durfte sich auf dem Grundstück und im Haus alles anschauen. Ein Makler hat dann die Grunddaten erläutert und auch die Ergbnisse eines Gutachtens vorgelegt. Außerdem konnte man nach Herzenlust Fragen stellen. Zur Erinnerung konnte man außerdem eine Broschüre über das Haus und das Gutachten mitnehmen.
Das Haus hat uns prinzipiell gut gefallen. Morgen oder Mittwoch werden uns die Makler anrufen, um zu fragen, ob wir an dem Haus interessiert sind. Sollte es nur eine interessierte Partei geben, kann diese den akzeptierten Preis zahlen. Sobald es aber mehr Interessenten gibt, wird geboten.

Wir werden sehen, wie groß das Interesse an dem Haus ist. Es ist sehr schön, aber doch recht abgelegen und gleich hinter einem großen Bauernhof mit ökologischer Milchproduktion. Die Besichtigung war auf jeden Fall schonmal eine interessante Erfahrung. Wir werden sehen, wie es weitergeht.