Tage 4 und 5
Zwei Tage im Royal Natal Nationalpark in den nördlichen Drakensbergen liegen hinter uns. Beide Tage sind wir gewandert und an beiden Tagen sind wir naß geworden, doch sonst haben die beiden Tage wenig gemeinsam.
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| Das war übrigens unsere Unterkunft. |
Als wir vorgestern Abend hier ankamen regnete es und es wurde im Laufe der Nacht nur noch schlimmer. Am nächsten Morgen fuhren wir dann dunkelblauen Wolken über dem 15 km entfernten Nationalpark entgegen. Die meisten der bis zu 3500 m hohen Berge waren ohnehin in den Wolken verschwunden. Im Park angekommen entschieden wir uns dafür, kurze Wanderungen zu machen, die im Falle einer Wetterverschlechterung einen kurzen Rückweg zum Auto erlaubten. Der Vormittag war eine Mischung aus Nieselregen, Schauern und kurzen trockeneren Abschnitten, bei denen man ständig die Regelnjacke an- und ausziehen mußte und die Kamera ein- und auspacken. Zudem donnerte es in einigen Kilometern Entfernung bedrohlich. Trotzdem hatte die Landschaft auch bei diesem Wetter einiges zu bieten, zumal es jetzt im Frühling noch dazu jede Menge wunderschön blühende Pflanzen gibt. Gegen frühen Nachmittag wurde unser Durchhaltevermögen belohnt, und innerhalb von nur 10 min verzogen sich die Wolken und die Sonne schien auf die plötzlich auftauchenden Berge. So konnten wir unsere Wanderung noch ein wenig fortsetzen, bevor wir gegen ca. 14 den Rückweg antraten. Als wir nur noch etwa 3 km vom Auto entfernt waren, zog innerhalb von einer Viertel Stunde ein neues Gewitter herauf, und es begann erst bedrohlich immer näher in unserer Nähe zu donnern und dann auch zu regnen und zu hageln. Der Regen wurde auf die letzten 2 km so stark, daß wir trotz Regensachen komplett naß waren, als wir am Auto ankamen. Zurück in unserer Hütte wurde jede freie Stelle zur Wäschetrocknung verwendet. Dank eines kleinen Ölradiators haben wir auch alles bis auf die Schuhe über Nacht trocken bekommen.
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| Was auch immer Dassies sind. |
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| Wandern im Regen. |
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| Flaschenputzerbaumblüte. |
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| Ja, die Sonne schien zwischendurch auch mal. Und es war grandios. |
So konnte es heute morgen erneut raus zum Wandern gehen. Und welche Überraschung: die Sonne schien und es war nicht eine Wolke am Himmel.
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| Auf dem Weg in den Nationalpark: im Hintergrund das sogenannte Amphitheater, eine 1000 m hohe, senkrechte Felswand. |
Die sogenannte Gorge-Wanderung führt auf insgesamt 14 km oberhalb des Tugela-Flußtales in Richtung des Tugela-Falls, wo das Wasser etwa 800 m die Wand des sogenannten Amphitheaters hinunterstürzt. Das Amphitheater, auf das wir den ganzen Tag lang zu wanderten ist eine bis zu 1000 m hohe und mehr als 3 km breite Felswand mit mehreren Gipfeln über 3500 m Höhe. Die Aussicht währen der Wanderung war also grandios. Nach fast der Hälfte des Weges trifft der Wanderweg auf den Fluß Tugela, der durch eine enge Felsschlucht donnert. Wer hier noch nicht genug hat, kann der Schlucht flußaufwärts folgen, muß dafür aber den Fluß zweimal überqueren. Als erfahrene Flußdurchwater hatten wir natürlich Sandalen eingepackt. Das hat die Durchquerung des knietiefen und für meine Erwartungen an einen afrikanischen Fluß sehr kalten Wassers sehr erleichtert. Bei geschätzten 25C Lufttemperatur sind die Füße danach auch in null komma nix wieder trocken. Anschließend verließen wir die Schlucht über eine Hängeleiter, die über etwa 15 m fast senkrecht die Felswand hinaufführte. Der von dort aus weiterführende Pfad war kaum noch als solcher zu erkennen und bestand teilweise aus einer Kombination aus Lianen und in den Fels gehauenen Kletterhilfen, die einen mitunter senkrecht oberhalb einer sehr engen Seitenschlucht, die nicht ohne Grund Tunnel genannt wird, entlangführten. Kurz darauf ging es gar nicht mehr weiter. Den Wasserfall sahen wir auch nicht. Und so machten wir kurzerhand kehrt. Der Rückweg inklusive 2x Flußdurchwaten mußte ja auch noch bewältigt werden, zumal wir überhaupt kein Vertrauen mehr in die Stabilität des Wetters hatten. Diesmal hatten wir aber Glück, und Sonne und Hitze blieben uns treu. Zurück am Besucherzentrum gab es zur Belohnung für die überstandene Wanderung ein schönes Magnum. An der Infotafel stellten wir dann recht enttäuscht fest, daß wir dort, wo wir die Hängeleiter hochgeklettert waren, vom eigentlichen Weg abgewichen sind und einem Abstecher gefolgt sind. Stattdessen hätten wir auf der anderen Seite der Schlucht den Hang hinauf gemußt, um den Wasserfall zu sehen. Sehr ärgerlich, zumal wir extra die detaillierte Karte gekauft hatten, die uns aber im entscheidenden Moment falsch informiert hat! Nun ja, irgendwie ist hier jedes tolle Erlebnis mit einem kleinen Rückschlag verbunden, was aber der Wanderung und dem Besuch im Royal Natal Nationalpark keinen Abbruch getan hat.
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| Die Sandsteinberge am Eingang zum Tal. |
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| Wir kommen den eigentlichen Bergen näher. |
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| Sonnenschein und frisches Grün, und das Ende Oktober. Herrlich. |
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| Im Canyon. |
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| Kleine Kekspause. |
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| Protea, die Nationalblume Südafrikas. |
Tag 6
Heute war wieder mal ein Fahrtag, wenn auch ein kurzer. Das Wetter war passend dazu bewölkt und grau. Vom Royal Natal Nationalpark ging es in den Giant's Castle Nationalpark. Zwischendurch machten wir noch einen Umweg zum Cathedral Peak Nationalpark. Alle drei gehören zum Ukhahlamba Drakensberg Weltkulturerbe. In Cathedral Peak gibt es ein sogenanntes Rock Art Center, was sich nicht mit Musik, sondern mit den Höhlenmalereien der San, der Ureinwohner dieser Gegend, beschäftigt. Die bis zu 4000 Jahre alten Felsmalereien, die es hier in den Drakensbergen überall gibt, sind der Grund, warum die Unesco die Gegen nicht nur zum Weltnatur- sondern eben zum Weltkulturerbe erklärt hat. Das Rock Art Center ist ein kleines Museum mit Hintergrundinformationen zu den San, den Felsmalereien und deren Erforschung. Von Cathedral Peak ging es dann weiter über Winterton und Estcourt in den Giant's Castle Nationalpark. Wenn man das auf der Karte anschaut, fällt auf, daß man leider keine direkten Wege zwischen den Parks fahren kann, sondern immer wieder weit nach Osten ins Flachland ausweichen muß. In den Hügeln, die den Drakensbergen vorgelagert sind, fährt man durch ärmliche Dörfer aus winzigen Lehmhütten mit Strohdächern. Ziegen und Kühe grasen am Straßenrand und überqueren ohne Vorwarnung die Straße. Morgens und nachmittags sieht man viele Kinder in Schuluniformen. Tagsüber gehen dagegen meist Frauen in bunten Kleidern mit Babies im Arm oder einem Eimer Wasser oder einem Paket Stroh auf dem Kopf an der Straße entlang. Manche haben sich das Gesicht mit der roten Erde bemalt, aus der die Hütten gebaut sind und die hier fast allem einen rotbraunen Überzug aus Staub und Schlamm verleiht. Weiße Menschen sieht man nur in den sporadisch entgegenkommenden Mietwagen. Es ist schon ein seltsames Gefühl, sich vorzustellen, daß die Menschen hier so leben. Es tröstet ein bißchen, daß niemand hungrig aussieht und die Kinder in die Schule gehen und daß der Tourismus tatsächlich etwas Geld in diese Gegend bringt.
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| Das Hüttencamp im Cathedral Peak Nationalpark hat schon abenteuerliche Formen. |
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| Elandstatue vor dem Rock Art Center. |
Tag 7
Zwei Übernachtungen im Hüttencamp des Giant's Castle Nationalparks erlaubten genau einen Tag zur Erkundung. Durch das Rock Art Center gut auf die Felsmalereien vorbereitet, stand für den Morgen eine Wanderung zu den sogenannten Main Caves an. Dort erwartete uns eine Führerin, die uns die Felsmalereien der San erklärte. Für mich war es das erste Mal, daß ich echte Felsmalereien gesehe habe. Sie waren wirklich beeindruckend schön und teilweise sehr detailgetreu. Die Führerin gehörte zu der dort ansässigen schwarzen Volksgruppe, die das San-Volk zum größten Teil assimiliert hat. Als Teil der Führung demonstrierte sie sehr eindrucksvoll die Klick- und Schnalzlaute ihrer Sprache, die von den San beeinflußt wurde. Insgesamt eine sehr schöne und interessante Wanderung und Führung.
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| An den Main Caves. |
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| Felsmalereien, auf die englische Soldaten Anfang des 20. Jahrhunderts geschossen haben. |
Danach ging es weiter auf eine längere Wanderung durch die Hügel des Parks. Leider nieselte es konstant, sodaß die Berge nicht zu sehen waren und das bis zu hüfthohe Gras sehr naß war. Innerhalb von kürzester Zeit waren nicht nur unsere Hosenbeine pitschnaß, sondern es lief auch das Wasser oben in die Schuhe rein. Als wir dann noch aneinen Fluß kamen, der durch den Regen so voll Wasser war, daß wir ihn nicht ohne Weiteres überqueren konnten, entschieden wir uns zum Umkehren. Völlig naß und etwas frustriert kamen wir gegen Mittag in unserer Hütte an. Der einzige Trost waren die schönen Blumen, die auf den Wiesen überall zu dieser Jahreszeit blühen. Zudem war unsere Hütte mit einer komplett verglasten Wand und einem Strohdach sehr schön, sodaß es zwar etwas frustrierend war, den Nachmittag drinnen zu verbringen, aber wenigstens gemütlich.
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| Blümchen im Regen. |
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| Paviane durchsuchen das Hüttencamp nach Eßbarem. |
Alles in allem war der Besuch in den Drakensbergen sehr, sehr schön und faszinierend und einen Besuch wert.