Montag, 14. November 2011

Marathonwoche Teil 1

Gerade bin ich auf dem Weg nach Oslo mit Norwegian airline. Erfreulicherweise gibt es w-lan an Bord. Nicht so erfreulicherweise haben wir 25 min Verspätung. Mal sehen, wie sich der Tag so entwickelt.

So, auf dem Rückweg. Mein Meeting mit Vulkanologen aus Norwegen,Dänemark, Schweden und Island war definitiv erfolgreich und sehr konstruktiv. So konstruktiv, daß wir jetzt (19:00) schon zurückfliegen Das heißt, wir haben umgebucht, was uns 2,5 Stunden eher nach Hause bringt.

Zu Hause und im Bett mit reichlich Verspätung dank Zwischenstopp beim Chef. Jetzt (23:40) wird geschlafen. Morgen geht der Marathon weiter.

Donnerstag, 3. November 2011

Einstellungssache - Teil 3

3,148 Millionen schwedische Kronen. Das ist die Summe dessen, was mir der schwedische Wissenschaftsrat heute genehmigt hat, und zwar von 2012 bis 2015. Ich habe jede Krone bewilligt bekommen, die ich beantragt hatte. Das ist wirklich ein Riesenerfolg! Nächste Woche habe ich ein Treffen mit meinem Chef, um die genaue Zusammensetzung meines Arbeitsvertrages auszuhandeln.

Ansonsten weiß ich gerade nicht so richtig, wo mir der Kopf steht. Aufgrund der momentanen Eruption vor der Insel El Hierro habe ich zusätzlich zu meinen anderen tausend Aufgaben noch mit Presse und Proben zutun, da mein anderer Chef gerade auf El Hierro ist. Das bedeutet jede Menge Aufregung, was ja irgendwie schon cool ist, aber auch eine Menge Überstunden und die auch am Wochenende. Dabei bin ich seit 1. November nicht mal angestellt. Gestern und heute hatte ich dann auch noch meine zwei letzten Tage beim Pädagogikkurs, was natürlich noch zusätzlich Stunden meiner Arbeitszeit in Anspruch genommen hat.

Es tut mir ja leid, daß ich hier in letzter Zeit nur über meinen Streß jammere, aber irgendwie wird es nicht besser, sondern immer mehr. Und wenn ich dann abends zu Hause bin, habe ich verständlicherweise keine Lust auf gar nichts mehr. Ich hoffe, ich komme nächste Woche mal ein bißchen zu Rande, denn in der Woche danach wird erst recht die Hölle losbrechen.

Ich freu mich schon auf Ende November und Anfang Dezember, wenn es wenigstens übers Wochenende mal raus geht zu Freunden und Familie. Aber Ich glaube, Weihnachten werde ich einfach komplett durchschlafen, hoffentlich eingeschneit bis zum Obergeschoß.

Sonntag, 30. Oktober 2011

Fotografischer Herbst

Hier kommen ein paar herbstliche Eindrücke aus Schweden. Gestern waren wir mal im Wald zum Pilze sammeln. Die tiefstehende Sonne war nicht nur gut für die Vitamin-D-Produktion, sondern auch für schöne Waldfotos. Doch zunächst kommen ein paar Makrofotos aus dem Garten.
Der Wald an unserem Skifahrsee.
Zwei Pfifferlinge im Sonnenschein.
Sogenannte Trichterpfifferlinge. Die gibts jetzt zu Hauf.

Und wer jetzt Lust auf ein leckeres Pilzrezept hat, dem empfehle ich einen Blick auf voracious silence.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Einstellungssache - Teil 2

Heute um ca. 17:55 habe ich erfahren, daß mein Antrag an die schwedische Forschungsgemeinschaft bewilligt wurde. Das ist eine offizielle Mitteilung, die ich sehe, wenn ich mich in das Antragssystem einlogge. Da steht dann: beviljat. Also: Hurrah!

Was ich erst nächste Woche erfahre, wenn alle Ergebnisse öffentlich gemacht werden, ist, wieviel von dem Geld, das ich beantragt habe, tatsächlich bewilligt wurde. Wie gesagt, habe ich ein Projekt beantragt, das 75% meiner Stelle für 4 Jahre beinhaltet. Darüber hinaus natürlich Sachmittel für meine Arbeit in dem Projekt. Forschungsanträge haben es aber nunmal an sich, daß sie oft stark gekürzt werden, um Geld zu sparen. Wir werden also sehen, wieviel es gibt.

Heute habe ich außerdem das Angebot bekommen, bis zu 50% für das Zentrum für Naturkatastrophenforschung zu arbeiten. Ich bin gerade mal 2 Wochen dabei, und schon will man mehr von mir. Dabei bin ich mit meinen 20% auch schon ganz gut beschäftigt. 
 
Und irgendwo würde ich in Zukunft auch gern ein bißchen Lehre machen, vielleicht 5 oder 10%. Macht unterm Strich 135%. Mal sehen, wo ich da Abstriche mache. Auf jeden Fall bin ich mit meinen 75% in einer sehr guten Position und kann ziemlich frei entscheiden.

Außerdem heißt das natürlich: Uppsala und Schweden dürfen mich noch bis mindestens Ende 2015 behalten.

Montag, 24. Oktober 2011

Einstellungssache

Das hier ist eine Entschuldigung für meine momentane Kontaktunfreudigkeit und Bloggfaulheit. Und das hier ist die Erklärung: Augenblicklich bin ich ein bißchen angespannt, was meine Jobsituation abgeht. Im August sind meine 2 Jahre Postdocstelle zuendegegangen, und aufgrund einer Gewerkschaftsregelung darf man in Schweden nicht für länger als 2 Jahre einen befristeten Vertrag haben. Das heißt, die Uni muß mich entweder auf Dauer einstellen, oder ich bin raus als Uniangestellte. Dumm genug, daß ich eigentlich selbst genug Geld in meinem Projekt habe, um mein Gehalt bis zum Ende des Jahres. Ich kann also mein Büro und Telefon bezahlen, darf aber nicht angestellt sein. Im September und Oktober war ich deshalb auf Stundenbasis angestellt (Hiwi sozusagen) und aus meinem eigenen Projekt bezahlt. Man darf aber nur 2 Monate pro Jahr auf Stundenbasis arbeiten. Damit ist heute meine vorerst letzte Gehaltsabrechung der Uni Uppsala eingetroffen.

Wie geht's jetzt also weiter?
Nun, es gibt mehrere Optionen. Ich habe mich sowohl in Uppsala als auch in Stockholm auf eine permanente Stelle an der Uni in meinem Fachgebiet beworben. Die Entscheidung darüber dauert in beiden Fällen wohl bis Jahresende. Dann warte ich auf die Entscheidung zu einem Forschungsantrag, der 75% meiner Stelle auf 4 Jahre abdecken würde. Diese Entscheidung kommt am 3. November. Die restlichen 25% würden von meiner Abteilung übernommen und zum Beispiel durch Lehre abgedeckt. Möglicherweise könnte ich auch bei mir in der Abteilung als Labormanagerin zumindest einen Teil meiner Stelle abdecken.
Eine Teiloption, die sich erst vor zwei Wochen eröffnet hat, ist, daß mir eine 20% unbefristete Stelle im Zetrum für Naturkatastrophenstudien (CNDS) als kommunikatör angeboten wurde. Das beinhaltet die Betreuung der Webseite des CNDS, sowie die Kommunikation mit Behörden und der Regierung und das Verfassen eines Newletters zweimal im Jahr. Diesen Monat arbeite ich schonmal in dieser Funktion und mache mich mit meinen Aufgaben und der Webseite bekannt. Unter der Voraussetzung, daß es demnächst für mich weitergeht, sind die 20% wie gesagt unbefristet, was aber auch bedeutet, daß ich perfekt schwedisch lernen muß.

Nun ja, jedenfalls sind meine beiden bisherigen Chefs zuversichtlich, daß sich eine dauerhafte Lösung finden läßt. Das finde ich sehr beruhigend, wenn es natürlich auch keine vollkommene Garantie ist. Offensichtlich habe ich sie aber von mir überzeugt.

Wieso also die Funktstille?
Nun, mit mittlerweile drei Chefs kann ich mich über einen Mangel an Aufgaben nicht beschweren. Gerade kümmere ich mich um die Betreuung zweier französischer Praktikantinnen, helfe einer Freundin bei der Organisation unseres wöchtlichen Forschungsseminars, betreue die Webseite, bereite einen Messeauftritt vor, trage zu allen möglichen Projekten von Kollegen und Chefs bei, mache meinen Pedagogikkurs, betreue 2 Masterstudentinnen und 2 Doktoranden, lerne schwedisch, schreibe Anträge usw. Was ich nicht tue, ist meine eigene Forschung. Aber das wird sich hoffentlich demnächst wieder ändern.

Montag, 17. Oktober 2011

Vulkansprechstunde: El Hierro

Auf speziellen Wunsch von gallinaenana kommt hier eine Vulkansprechstunde über den derzeitigen Ausbruch im Meer südlich der Kanareninsel El Hierro.
Ein Bild der Wasseroberfläche über dem Ausbruch. Bild: AFP/Desiree Martin. Hier gibt es mehr.
Fakt ist, daß am 10. Oktober eine Eruption am Meeresboden südlich der Insel begonnen hat und bis heute andauert. Da sich das alles unter Wasser und nicht in der Nähe der Oberfläche abspielt, kann man den Ausbruch bisher hauptsächlich über die damit verbundene Erdbebenaktivität (Seismik) verfolgt werden. Das übernimmt auf den Kanaren das spanische Instituto Geográfico Nacional. Die seismische Aktivität, die der Eruption vorherging, deutete schon seit Wochen (soweit ich mich erinnere, seit etwa Juli oder August) auf einen Ausbruch hin.

Warum gibt es überhaupt Vulkane auf den Kanaren?
Die Frage sollte eher heißen: Warum gibt es die Kanaren? Denn die Kanareninseln sind Vulkane. Ohne Vulkanismus keine Kanaren. Die Inselgruppe gehört zu einem sogenannten hot spot (heißer Fleck), an dem heißes Material aus dem Erdmantel nach oben steigt. Der erhöhte Wärmefluß und die Druckentlastung führen zur Bildung von Magma an der Grenze zwischen dem Erdmantel und der Kruste. Von dort steigt das Magma auf und erreicht gelegentlich die Erdoberfläche, zunächst also den Ozeanboden. Langsam bildet sich ein großer Unterwasservulkan und irgendwann eine Insel. Diese Insel wächst, im Falle der Kanaren sogar sehr schnell. Es bilden sich große Vulkane mit steilen Hängen, die gelegentlich so steil werden, daß eine ihrer Flanken ins Meer rutscht und einen großen Tsunami auslöst. Was bleibt ist eine "Narbe" in der Insel, die aussieht, als hätte jemand ein Stück herausgebissen. Alle Kanareninseln haben solche Narben, El Hierro ganz besonders.

Die Vulkane von El Hierro
El Hierro ist die jüngste Kanareninsel. Die ältesten Gesteine sind nur eine halbe Millionen Jahre alt. Dennoch hat die Insel die meisten jungen Krater aller Kanareninseln. In historischer Zeit, also seit Beginn der Zivilisation, hat es vielleicht einen Ausbruch gegeben und zwar 1793 (laut Global Volcanism Program).

Ist der Ausbruch jetzt gefährlich?
Nun, ausschließen will das natürlich niemand, aber nach der geologischen Geschichte El Hierros zu urteilen, nicht unbedingt. Die Eruption, die gerade im Gange ist, wird wahrscheinlich direkt aus dem Mantel gespeist. Darauf deuten die tiefen Erdbeben hin. Solches Mantelmagma, das da aufsteigt, bezeichnen Vulkanologen als primitiv. Das bedeutet, es ist dünnflüssig und wenig explosiv. In Verbindung mit Wasser kann es zwar in der Nähe der Oberfläche durchaus zu Explosionen kommen, aber nicht so gewaltigen mit einer Menge Asche. Man nennt eine solche Eruption surtseyanisch, nach der isländischen Insel Surtsey, die in den 1970ern aus dem Ozean aufgetaucht ist. Solche Eruptionen sind auf den Kanaren nicht ungewöhnlich, es ist prinzipiell die Art und Weise, wie solche Inseln wachsen.

Kann der Ausbruch gefährlich werden?
Was nicht auszuschließen ist, ist, daß sich ein neuer Krater an Land bildet. Es scheint eine Menge Magma aus der Tiefe aufzusteigen. An Land wäre das dann eine typische Spalteneruption mit relativ kleinen Vulkankegeln. Es kann Lavaströme geben, aber auch kleine Explosionen, wenn Magma in Kontakt mit Grundwasser kommt. Natürlich sollte man nicht gerade sein Haus im Weg stehen haben, aber fürchterlich gefährlich sind solche Eruptionen nicht. Sie haben lokale Auswirkungen. Ich würde also nicht mit einer großen Gefahr für die Lokalbevölkerung und die Touristen rechnen.

Solltet Ihr mehr Fragen zur Eruption bei El Hierro haben, zögert nicht, mich zu fragen.
P.S. Sobald die Eruption an Land geht, werden übrigens drei meiner Kollegen unverzüglich nach El Hierro fliegen, um Proben zu nehmen.

So, nun noch ein paar visuelle Eindrücke von kleinen Vulkanen auf den Kanaren, also solchen, die sich im Falle eines Ausbruchs an Land auf El Hierro bilden könnten:
Eine Eruptionsspalte mit einem kleinen Vulkankegel (Berg). Der Ausbruch fand 1949 auf La Palma statt. Die Lava floß in nach links auf dem Bild und sammelte sich in einem Lavasee, bevor es den Hang hinabfloß.
1949 fand auf La Palma nich ein weiterer Ausbruch statt, bei dem die Lava auf der anderen Seite den Hang hinabfloß (man sieht die graue Spur im Wald und die Lava im Vordergrund). Der Lavastrom verschonte übrigens eine Kirche.
2007 am Rande eines Kraters, der zur Teneguíaeruption 1971 auf La Palma gehört. Aus dem Gebiet wird heute sehr viel Wein angebaut.
Lavafeld der Timanfayaeruption von 1974 auf der Insel Lanzarote. Das Gebiet ist heute ein Nationalpark, in dem die Wiederbesiedlung der Lava durch Pflanzen und Tiere untersucht wird.
Und zu guter letzt Gran Canaria. Hier sieht man einen Teil eines kleinen Vulkankegels, von dem die nahe gelegene Stadt Geröll abgebaut hat. Die Studenten auf dem Bild suchen übrigens nach Kristallen.

Sonntag, 9. Oktober 2011

Herbst in vollem Gange

Der Herbst ist eingekehrt. Und auch wenn laut Wetterdienst der Herbst noch nicht offiziell begonnen hat, hatten wir schon zwei Tage in Folge Nachtfrost bis -2,5°C. Die Tage werden auch rapide kürzer, und man zieht sich instinktiv in die Gemütlichkeit des Hauses zurück. Doch andererseit bedeutet Herbst hier auf dem Land auch, daß es eine Menge vorzubereiten gibt für den kommenden Winter.

Gestern haben wir zum Beispiel die Winterreifen aufgezogen. Dann gibt es natürlich auch eine Menge zu ernten im Garten, auch wenn wir gar nicht viel anbauen. Aber Äpfel gibt es natürlich nach wie vor einzusammeln. Dann gibt es Pfefferminze für leckeren Tee und Mangold und Frühlingszwiebeln für Kochexperimente zu ernten. Außerdem ist die Trockenmaschine unermüdlich im Einsatz, um Pilze und Apfelringe zu trocknen.
Getrocknete Pfefferminzblätter.
Der Anbau von Frühlingszwiebeln war nur mäßig erfolgreich.
Getrocknete Pilze. Beim Spazierengehen gesammelt.
Mangold. Vorm Einfrieren.
Dann gibt es auch noch 12 Kubikmeter Holz, die gehackt werden müssen, damit wir es im Winter schön warm haben. Holz hacken nimmt deshalb einen Großteil der Wochenenden in Anspruch. Deshalb bin ich auch generell für die Einführung des 3-Tage-Wochenendes.
Der Holzschuppen. Langsam füllt er sich. Nur die Stapel mit noch nicht gehackten Baumstücken werden irgendwie nicht kleiner.
Um noch nicht ganz Abschied vom Sommer nehmen zu müssen, habe ich ein paar Kräuter aus dem Garten in Töpfe gepflanzt und sie auf einem neu installierten Regalbrett vorm Fenster platziert: Thymian, Basilikum, Salbei, Pfefferminze und Petersilie.

Das Kräuterregal vorm Küchenfenster. Natürlich mußte es einen Katzenplatz haben. Leon ist begeistert.
Außerdem kann ich jetzt, wo es draußen kalt wird, wieder einem meiner biederen Hobbier nachgehen: stricken.Doch bevor ich mich neuen Projekten widme, mußte ich erstmal die zweiten Exemplare von im letzten Winter angefangenen Handschuhen fertigstellen.
Handschuhe und Fäustlinge. Ich bin für den Winter vorbereitet.
Und noch was Gutes im Herbst: Oktoberfestbier.
Hier das Ergebnis einer nahezu wissenschaftlichen Beprobung des Angebots an Oktoberfestbier im systembolaget.