Auf speziellen Wunsch von
gallinaenana kommt hier eine Vulkansprechstunde über den derzeitigen Ausbruch im Meer südlich der Kanareninsel El Hierro.
 |
| Ein Bild der Wasseroberfläche über dem Ausbruch. Bild: AFP/Desiree Martin. Hier gibt es mehr. |
Fakt ist, daß am 10. Oktober eine Eruption am Meeresboden südlich der Insel begonnen hat und bis heute andauert. Da sich das alles unter Wasser und nicht in der Nähe der Oberfläche abspielt, kann man den Ausbruch bisher hauptsächlich über die damit verbundene Erdbebenaktivität (Seismik) verfolgt werden. Das übernimmt auf den Kanaren das spanische
Instituto Geográfico Nacional. Die seismische Aktivität, die der Eruption vorherging, deutete schon seit Wochen (soweit ich mich erinnere, seit etwa Juli oder August) auf einen Ausbruch hin.
Warum gibt es überhaupt Vulkane auf den Kanaren?
Die Frage sollte eher heißen: Warum gibt es die Kanaren? Denn die Kanareninseln sind Vulkane. Ohne Vulkanismus keine Kanaren. Die Inselgruppe gehört zu einem sogenannten hot spot (heißer Fleck), an dem heißes Material aus dem Erdmantel nach oben steigt. Der erhöhte Wärmefluß und die Druckentlastung führen zur Bildung von Magma an der Grenze zwischen dem Erdmantel und der Kruste. Von dort steigt das Magma auf und erreicht gelegentlich die Erdoberfläche, zunächst also den Ozeanboden. Langsam bildet sich ein großer Unterwasservulkan und irgendwann eine Insel. Diese Insel wächst, im Falle der Kanaren sogar sehr schnell. Es bilden sich große Vulkane mit steilen Hängen, die gelegentlich so steil werden, daß eine ihrer Flanken ins Meer rutscht und einen großen Tsunami auslöst. Was bleibt ist eine "Narbe" in der Insel, die aussieht, als hätte jemand ein Stück herausgebissen. Alle Kanareninseln haben solche Narben, El Hierro ganz besonders.
Die Vulkane von El Hierro
El Hierro ist die jüngste Kanareninsel. Die ältesten Gesteine sind nur eine halbe Millionen Jahre alt. Dennoch hat die Insel die meisten jungen Krater aller Kanareninseln. In historischer Zeit, also seit Beginn der Zivilisation, hat es vielleicht einen Ausbruch gegeben und zwar 1793 (laut
Global Volcanism Program).
Ist der Ausbruch jetzt gefährlich?
Nun, ausschließen will das natürlich niemand, aber nach der geologischen Geschichte El Hierros zu urteilen, nicht unbedingt. Die Eruption, die gerade im Gange ist, wird wahrscheinlich direkt aus dem Mantel gespeist. Darauf deuten die tiefen Erdbeben hin. Solches Mantelmagma, das da aufsteigt, bezeichnen Vulkanologen als primitiv. Das bedeutet, es ist dünnflüssig und wenig explosiv. In Verbindung mit Wasser kann es zwar in der Nähe der Oberfläche durchaus zu Explosionen kommen, aber nicht so gewaltigen mit einer Menge Asche. Man nennt eine solche Eruption surtseyanisch, nach der isländischen Insel Surtsey, die in den 1970ern aus dem Ozean aufgetaucht ist. Solche Eruptionen sind auf den Kanaren nicht ungewöhnlich, es ist prinzipiell die Art und Weise, wie solche Inseln wachsen.
Kann der Ausbruch gefährlich werden?
Was nicht auszuschließen ist, ist, daß sich ein neuer Krater an Land bildet. Es scheint eine Menge Magma aus der Tiefe aufzusteigen. An Land wäre das dann eine typische Spalteneruption mit relativ kleinen Vulkankegeln. Es kann Lavaströme geben, aber auch kleine Explosionen, wenn Magma in Kontakt mit Grundwasser kommt. Natürlich sollte man nicht gerade sein Haus im Weg stehen haben, aber fürchterlich gefährlich sind solche Eruptionen nicht. Sie haben lokale Auswirkungen. Ich würde also nicht mit einer großen Gefahr für die Lokalbevölkerung und die Touristen rechnen.
Solltet Ihr mehr Fragen zur Eruption bei El Hierro haben, zögert nicht, mich zu fragen.
P.S. Sobald die Eruption an Land geht, werden übrigens drei meiner Kollegen unverzüglich nach El Hierro fliegen, um Proben zu nehmen.
So, nun noch ein paar visuelle Eindrücke von kleinen Vulkanen auf den Kanaren, also solchen, die sich im Falle eines Ausbruchs an Land auf El Hierro bilden könnten:
 |
| Eine Eruptionsspalte mit einem kleinen Vulkankegel (Berg). Der Ausbruch fand 1949 auf La Palma statt. Die Lava floß in nach links auf dem Bild und sammelte sich in einem Lavasee, bevor es den Hang hinabfloß. |
 |
| 1949 fand auf La Palma nich ein weiterer Ausbruch statt, bei dem die Lava auf der anderen Seite den Hang hinabfloß (man sieht die graue Spur im Wald und die Lava im Vordergrund). Der Lavastrom verschonte übrigens eine Kirche. |
 |
| 2007 am Rande eines Kraters, der zur Teneguíaeruption 1971 auf La Palma gehört. Aus dem Gebiet wird heute sehr viel Wein angebaut. |
 |
| Lavafeld der Timanfayaeruption von 1974 auf der Insel Lanzarote. Das Gebiet ist heute ein Nationalpark, in dem die Wiederbesiedlung der Lava durch Pflanzen und Tiere untersucht wird. |
 |
| Und zu guter letzt Gran Canaria. Hier sieht man einen Teil eines kleinen Vulkankegels, von dem die nahe gelegene Stadt Geröll abgebaut hat. Die Studenten auf dem Bild suchen übrigens nach Kristallen. |