Es ist an der Zeit, die Fotos und Berichte von unserer diesjärigen Islandreise zu posten. Fangen wir also mit der ersten Woche an, in der wir den Laugavegur gewandert sind. Der Laugavegur ist der wohl poupulärste Langsstreckenwanderweg Islands. Er führt von Landmannalaugar im Hochland über 55 km in vier Tagesetappen nach Thorsmörk an den Fuß des Eyjafjallajökull. Auf der Google Earth-Karte sieht man die GPS-Aufzeichnung unserer Route, sowie ein paar Ortsnamen, die ich nachgetragen habe. Also los geht's!
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| Unsere GPS-Aufzeichnung des Laugavegur. |
Tag 1: Anreise & Etappe 1 von Landmannalaugar nach Hraftinnusker
Landmannalaugar wird im Sommer zweimal täglich von Bussen angefahren. Einen davon haben auch wir genommen. Die Fahrt dauert ca. 4 Stunden und führt von Reykjavik über die Ringstraße und anschließende Schotterstraßen am Vulkan Hekla vorbei nach Landmannalaugar. Unterwegs durchfährt der Bus ein paar Flüsse.
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| Hinter mir sieht man den zweitaktivsten Vulkan Islands: Hekla. |
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| Blick aus dem Busfenster beim Durchfahren eines Flusses auf dem Weg nach Landmannalaugar. |
In Landmannalaugar angekommen, registriert man sich kurz bei der Campingplatzrezeption für die Wanderung (aus Sicherheitsgründen, falls man verlorengeht), und dann geht die Wanderung auf dem Laugavegur auch schon los. Landmannalaugar ist übrigens ein beliebtes Touristenziel wegen einer heißen Quelle, die aus einem fast erkalteten Lavastrom aus Obsidian (vulkanisches Glas) entspringt, und wegen der bunten Farben der Berge. Der Grund für beide Phänomene ist vielen Touristen allerdings nicht bekannt: hier befindet man sich in einem der größten Vulkane Islands, Torfajökull (siehe Kreis auf der Google Earth-Karte). Die heißen Quellen und die bunten Gesteine sind Ausdruck der vulkanischen Aktivität. Außerdem sind sie natürlich wunderschön.
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| Hier geht es offiziell los: 12 km bis zum Ende der ersten Etappe unf 55 km bis zum Ziel. |
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| Auf der Obsidianlava, über die der Anfang des Laugavegur führt. |
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| Blick von der Obsidianlava auf die bunten Berge von Landmannalaugar. |
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| Die ersten Kilometer des Weges sind nicht ohne, besonders wenn man einen 16 kg schweren Rucksack auf dem Rücken hat. |
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| Eis und heiß: heiße Quellen entspringen hier und da. |
Anfangs hatten wir am ersten Tag durchaus schönes Wetter mit Wolken und Sonne, doch gegen Abend wurde es sehr windig, und beim Überqueren von immer mehr Schneefeldern gab es kaum Schutz. Das Ziel der ersten Etappe, Hraftinnusker, liegt auf 1100 m Höhe. Dort gibt es eine Schutzhütte, in der man auch übernachten kann, ein paar Plumpsklos und ein paar etwas geschützte Campingstellen. Durch den Wind waren wir ganz schön erledigt und mußten uns, nachdem wir das Zelt aufgebaut hatten, erstmal hinlegen. Normalerweise kann man von dort aus noch ein paar kleine Abstecher zu Eishöhlen machen, aber der Wind nahm stetig an Stärke zu und zu allem Überfluß zog auch noch Nebel auf. Da bleibt einem eigentlich nur: Abenbrot und dann früh schlafen.
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| Immer höher ging es über endlose Schneefelder, die von der Asche des Eyjafjallajökullausbruchs vom letzten Jahr ganz grau waren. |
Tag 2: Etappe 2 von Hraftinnusker zum Álftavatn
Leider hatte sich am Morgen des zweiten Tages das Wetter noch verschlechtert. Zum Sturm kam noch Regen. Die Sicht war mehr als schlecht, aber was will man machen? Also packten wir unsere Sachen, bauten das Zelt ab und machten uns wieder auf den Weg.
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| Ein trauriges Bild am Morgen von Tag 2. |
Vom zweiten Tag gibt es kaum Bilder, weil man zum einen nur sehr wenig sehen konnte und die Kamera nicht zu naß werden sollte. Wir haben nur eine ungefähre Ahnung davon, wie schön die Landschaft eigentlich ist, die wir durchwandert haben. Angeblich waren wir am Fuß eines Gletschers, den wir aber nicht gesehen haben. Es gab wieder viele Schneefelder und heiße Quellen, aber der Nebel wurde einfach nicht weniger. Teilweise hatten wir Schwierigkeiten, die nächste Wegmarkierung zu finden. Der Wind ließ ich nicht nach, was mir das Laufen extrem erschwerte. Mit meinem Rucksack hatte ich große Probleme, auf den Beinen zu bleiben. Es ging am einen oder anderen Abgrund vorbei, von dem ich mich nur mit Hilfe der Wanderstöcke wegstemmen konnte. Dadurch gab es auch keine Gelegenheit, anzuhalten und etwas zu essen oder zu trinken, was natürlich auch nicht gerade hilfreich ist. Durch den Wind sind auch eine unserer Regenhüllen für den Rucksack und zeitweise eine der Isomatten davongeflogen. Die andere mußten wir dann zur Sicherheit auch abmachen.
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| Eines der wenigen Fotos von Tag 2. |
Auf den letzten Kilometern dieser Etappe ging es dann sehr steil bergab. Dort verläßt man den Torfajökull-Vulkan. Gleich darauf gilt es, den ersten Fluß der Wanderung zu überqueren. Da ich dazu kein Foto gemacht habe, erkläre ich Flußüberquerungen bei der nächsten Etappe. Glücklicherweise ging es auf den letzten 3 km nur über flaches Gelände bis zur Rettungshütte am Álftavatn, einem See. Der Campingplatz dort ist eigentlich sehr schön gelegen: mit einer grünen Wiese, an der ein Fluß vorbeifließt. Es gibt Toiletten mit Wasserspülung und man kann sogar seinen Müll wegwerfen.
Leider war die Aufgabe des Abends, Klamotten und Schlafsäcke mit Hilfe der Körperwärme so gut wie möglich zu trocknen. Zum Abendbrot gab's sogar 2 Packungen Fertignudelgericht (zum Frühstück nur eine) für uns beide, sowie eine Tasse Tee und eine Brausetablette.
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| Mmmmhhh lecker, Fertignudelgericht. |
Tag 3: Etappe 3 von Álftavatn nach Emstrur
Entgegen der Wettervorhersage und unseren Erwartungen hatte sich am nächsten Morgen der Wind gelegt und es regnete nicht mehr, sodaß wir ein paar unserer Sachen trocknen konnten. Nach einem Schwätzchen mit einer Gruppe junger Holländer, die gerne wissen wollten, was geologisch eigentlich los ist in dem Gebiet, was man auf dem Laugavegur durchwandert, ging es dann wieder weiter.
Die dritte Etappe führt durch eine magische grüne Landschaft außerhalb der großen Vulkane. Hier gibt es langgestreckte Hügelketten, die durch Spalteneruptionen unter einem Gletscher entstanden sind. Teilweise sind sie mit Moos und Heide bewachsen, teilweise läuft man aber auch durch eine wüstenartige Landschaft auf schwarzer Vulkanasche. An diesem Tag gab es einige Flüsse zu queren. Die reißendsten waren zum Glück überbrückt. Doch durch zwei Flüsse mußte man zu Fuß. Dazu zieht man am besten seine Schuhe aus, bindet sie an den Rucksack, krempelt die Hose so weit wie möglich hoch und sucht sich die beste Stelle zur Querung aus. Das ist oft die breiteste und daher flachste Stelle. Sehr empfehlenswert sind Sandalen, da die Steine im Fluß spitz sein können. Stöcke helfen, die Balance zu halten. Das Wasser kann nämlich ganz schön reißend und tückisch sein, vor allem ist es aber sehr kalt, so kalt, daß es wehtut. Aber wenn man wieder rauskommt, fangen die Füße schön an, zu kribbeln.
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| Flußdurchquerung: kein Problem, wenn man weiß, wie es geht. |
Nach der Hälfte der Strecke nähert man sich dem Myrdalsjökull, dem Gletscher, der über dem Vulkan Katla liegt. Hier und da liegen riesige Felsbrocken auf der sandigen Ebene, die durch Schmelzwasser vom Gletscher bei Vulkanausbrüchen transportiert worden sind.
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| Päuschen in der Vulkanwüste. Im Hintergrund Myrdaljökull. |
Wenn einem die schwarze Wüste fast schon so vorkommt, als würde sie nie enden, kommt man zur Schutzhütte von Emstrur, die sich in einem winzigen Flußtal befindet. Hier ist plötzlich alles grün und voller Blumen, wie eine Art Oase. Der Campingplatz ist wunderschön mit zeltgroßen Wiesen gleich neben dem Flüßchen.
Tag 4: Etappe 4 von Emstrur nach Husadalur in Thorsmörk
Für den vierten Tag hatten wir von der Hüttenwärtin die Warnung bekommen, daß die Windrichtung wieder so sein sollte wie an dem Sturmtag. Glücklicherweise konnten wir aber unser Zelt noch in einigermaßen trockenem Zustand einpacken, und das Wetter hielt auch noch eine Weile. Diese Etappe führt ganz nahe am Vulkan Katla vorbei. Gleich zu Beginn wird man auf einer Infotafel vor den Gefahren eines Ausbruchs gewarnt. Im Falle eines solchen Feuern die Hüttenwarte Leuchtraketen ab, was zur sofortigen Evakuierung auffordert, denn in diesem Gebiet ist nicht nur mit Asche und giftigen vulkanischen Gasen zu rechnen, sondern auch mit gewaltigen Schmelzwasserfluten entlang der Flußtäler (Gletscherlauf) und mit Blitzeinschlägen durch elektrische Stürme. Äußerst beruhigend!
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| Warntafel mit Evakuierungsinformationen. |
Die ersten Kilometer des Wanderweges an diesem Tag machen einen ziemlichen Umweg, weil man ein tief eingeschnittenes Gletschertal von einem Auslaßgletscher des Myrdaljökull überwinden muß. Zum Glück führt über diesen Fluß eine Brücke, den bei den reißenden Fluten hätte keiner eine Chance.
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| Da möchte man noch nicht mal den kleinen Zeh reinhalten. |
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| Der Entujökull, ein Auslaßgletscher des Myrdaljökull. |
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| Ganz nah an Katla. |
Hat man das Gletschertal umgangen geht die Wanderung weiter Richtung Eyjafjallajökull. In Senken liegt überall blauschwarze Asche vom Ausbruch im letzten Jahr.
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| Überall liegt Asche vom Eyjafjallaausbruch. |
Nach und nach wird es immer grüner. Es gibt kleine Büsche, Blümchen und sogar ein paar Bäume, je weiter man sich Thorsmörk, dem Ziel der Wanderung nähert. Kurz vor dem Ende gilt es noch einmal einen recht tiefen Fluß zu überqueren, der extra tückisch ist, da man das Wasser nicht durchsichtig ist. Wenn man beim Durchqueren auf die Wasseroberfläche schaut, kann einem ganz schön schwindlich werden. Deshalb sollte man lieber das Ufer im Auge behalten.
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| Der letzte zu Fuß zu überquerende Fluß der Wanderung. |
Dann ist man tatsächlich im Tal von Thorsmörk nördlich des Eyjafjallajökull angekommen. Es geht nun durch eine fast alpin anmutende Landschaft mit Hangwiesen voller Blumen und Wald, bevor man zu einem der Camping- und Hüttendörfer kommt. Wir beendeten unsere Wanderung in Husadalur, wo es sogar Kaffee und Kuchen zu kaufen gab. Es ist ein tolles Gefühl, so eine Wanderung geschafft zu haben. Irgendwie kommt es einem vor, als wäre man Ewigkeiten unterwegs gewesen.
Da sich das Wetter dann doch rapide verschlechterte, beschlossen wir, noch an diesem Tag nach Reykjavik zurückzufahren, statt noch ein paar Tage in Thorsmörk zu bleiben. Aus Thorsmörk fährt im Sommer zweimal täglich ein Bus nach Reykjavik. Dieser muß wirklich einen Fluß nach dem anderen durchqueren, weshalb nicht viele Leute mit dem Auto dorthin fahren. Mietwagen sind sind übrigens bei Flußdurchquerungen nicht versichert.
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| Der Bus zurück nach Reykjavik. |
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| Am Fuß des Eyjafjallajökull. Und das Wetter animiert wirklich nicht mehr zum Wandern. |
Fazit
Die Laugavegurwanderung ist zu recht eine der beliebtesten Wanderungen Islands. Sie ist größtenteils nicht allzu anspruchsvoll, auch wenn einige Abschnitte trittsicherheit uns Schwindelfreihet voraussetzen. Das Wetter ist der größte Unsicherheitsfaktor. Der Sturm am zweiten Tag war nur ein kleiner Vorgeschmack von dem, was möglich ist. Und man befindet sich wirklich größtenteils außerhalb der Zivilisation. Insgesamt besteht aber der größte Reiz des Laugavegur in seinem Abwechslungsreichtum der Landschaft: gelb-orange-rot-grüne Berge und weißgraue Schneefelder mit dampfenden Quellen in Landmannalaugar, mittelerdeartige grüne Hügel, schwarze Aschewüsten, reißende Flüsse, blauschimmernde Gletscher, Lavafelder, Heide, Wälder und Wiesen.
Für mich war die Wanderung auf dem Laugavegur ein unvergeßliches Erlebnis.