Das zweite Jahr in einem neuen Land ist eindeutig weniger aufregend als das erste. Alles ist einigermaßen bekannt. Man ist mit den wesentlichen Überlebensregeln vertraut, findet sich im Alltag zurecht und weiß, wo es langgeht, solange sich alles in geregelten Bahnen bewegt. Das führt dazu, daß man im Gegensatz zu den ersten Monaten viel entspannter ist und nicht ständig in gleichem Maße auf der Hut sein muß. Mit anderen Worten: Man hat endlich auch mal genug Sicherheit, nach vorn zu schauen.
Natürlich bekommt man mit mehr und mehr Einblick auch einen Eindruck davon, was nicht so gut läuft und was einen nervt. Ein solches Beispiel ist die Bürokratie, die aber meiner Ansicht nach in Deutschland trotzdem sehr viel schlimmer ist, als in Schweden. Ich denke, es gibt keinen Ort der Welt, an dem man nicht nach einiger Zeit etwas auszusetzen findet. Entscheidend ist die Gesamtzufriedenheit des Lebens an einem Ort, und die ist für mich in Schweden auf jeden Fall größer als in Deutschland.
In meinem Blogeintrag zum ersten Jahr in Schweden hatte ich mir für das zweite Jahr vorgenommen, mein Schwedisch zu verbessern und Kontakt zu "richtigen" Schweden aufzunehmen. Ersteres habe ich dank Einzelunterricht auf Arbeit ganz gut geschafft. Ich lerne zwar weiterhin, aber ich bin zufrieden mit meinem Fortschritt. Eine echte Freundschaft mit einem Schweden oder einer Schwedin habe ich jedoch noch nicht aufgebaut. Die einzigen Schweden, mit denen ich näheren Kontakt habe, kenne ich nach wie vor von der Arbeit, weshalb wir meistens englisch sprechen. Aber die Geländearbeit mit der neuen schwedischen Doktorandin in Island war schonmal ein Schritt in die richtige Richtung. Und für das dritte Jahr muß ja auch noch was zu tun bleiben.
Apropos drittes Jahr: Ich bin gespannt, was es so bringt.
Und wie schon nach meiner Ankunft und nach einem Jahr in Schweden kann ich auch nach zwei Jahren sagen: Ich lebe noch, es geht mir gut, Schweden ist schön!


