Sonntag, 6. Dezember 2009

Julbord

= "Weihnachtstisch", Weihnachtsfeier

Gerade sind wir von unserer ersten Weihnachtsfeier diesen Jahres zurückgekommen und zwar in unserem Dorf. Wir sind eigentlich hingegangen, um uns mit unseren Nachbarn bekannt zu machen, also sehen und gesehen werden. Was wir zu erwarten hatten, wußten wir nicht so richtig. Ich hatte uns nur letzte Woche per Telefon angemeldet.

Da es weniger als 1 km von unserem Haus bis zum Gemeindehaus ist, sind wir also vorhin kurz vor 5 mit der Taschenlampe losgegangen. Dort angekommen wurde bezahlt und noch 2 Lose für die Lotterie gekauft. Dann wurden wir, weil wir wohl schon ein bißchen spät dran waren an einen der 4 langen Tische gesetzt. Dann ging es auch schon los. Wir verhielten uns nach dem Prinzip: immer schön nachmachen, was die anderen an unserem Tisch tun. Das hieß, aufstehen und zum Buffet gehen, wenn alle anderen gehen. Das Lustige war, daß das alles tischeweise ablief, also zuerst der eine Tisch, dann, wenn sich die Schlange aufgelöst hatte, der nächste, in einer scheinbar festgelegten Reihenfolge.

Das julbord (im eigentlichen Sinne das Buffet) bestand aus scheinbar traditionellen kalten und warmen Speisen, z.B. Weihnachtsschinken (sowas wie Kassler), köttbullar, kleinen Würstchen, Rote-Beete-Salat, Heringssalat mit halben Zwiebeln und halben Heringen, diverse pastetenartige Wurstspezialitäten, schwedischem Brot (süßlich), Knäckebrot und Salten und schwedischem Senf. Am Ende der Schlange durfte man sich für eine Flasche julmust (ein typisches, limonadenartiges Getränk, das etwas malzig und gewürzig schmeckt) oder ein lettöl (Leichtbier) entscheiden. Man durfte sich auch nachnehmen, was irgendwie aucht tischeweise passierte.

Zwischendurch gab es Musik von zwei älteren Herren, die auf der Bühne mit Gitarre und Akkordeon schwedische Weihnachtslieder gesungen haben. Dazu gab es auch ein Heftchen mit den Texten. Der Text von "Rudolph the red nose reindeer" auf schwedisch ist schön...

Nach dem Essen wurde das Geschirr abgeräumt, bevor es am Buffet Nachtisch gab: Reisbrei und Erdbeer-Rote-Grütze. Danach wurde wieder abgeräumt, und es gab Kaffee und julkaka (Weihnachtskuchen), bevor es an die Verlosung bei der Lotterie ging. Zum Glück haben wir nichts gewonnen. Zum einen wäre es peinlich gewesen, zum anderen gab es fast nur bestickte Weihnachtsdeckchen und Porzellanweihnachtsmänner zu gewinnen.

Insgesamt war es etwas unausgelassen. Man hätte auch snapps (Übersetzung nicht notwendig ;-)) haben können für 40 Kronen haben können, aber das wurde überraschend wenig in Anspruch genommen. Wir sind kurz nach 8 gegangen, weil dann auch ein Großteil der anderen Gäste gegangen ist. Die beiden Männer haben immer noch gesungen, ein paar Leute sind auch noch sitzen geblieben, aber es war abzusehen, wie es weitergeht...

Nun ja, wir haben wenigstens unsere Mission erfüllt.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Flyttning - Teil 2

Renovierung und andere Nebenbeschäftigungen: Samstag bis Mittwoch

Ab Samstag war die Ruhe dann vorbei. Die Aufgabe lautete: Wohnung renovieren und gleichzeitig alles in Kisten packen. Am Samstag bin ich deshalb zusammen mit meinen Eltern in meine alte Wohnung gefahren, um alles, was nicht mit umziehen sollte, abzutransportieren, so zum Beispiel die Waschmaschine und den Kuehlschrank. Damit war ab Nachmittag genug Platz geschaffen, um die Kueche renovieren zu können. Danach war die leere Kueche natuerlich der ideale Platz zum Stapeln bereits gepackter Umzugskartons.

Sonntag ging es in gleicher Manier mit Bad und Flur weiter. Es wurde jeweils erst alles verpackt und ausgeräumt, bevor dann gemalert wurde.

Am Montag standen noch diverse Wege an (Post, Einwohnermeldeamt und Vorlesung in der Uni), bevor wir zum Schlafzimmer uebergehen konnten. es war schön, in der Uni ein paar alte Bekannte zu treffen. Leider war die Zeit viel zu kurz. Immerhin hätte ich fast meine eigene Vorlesung verpasst...

Am Dienstag ging es dann in einem letzten Kraftakt an die Renovierung des Wohnzimmers, wo mit Abstand noch die meisten Sachen gelagert waren. Gleichzeitig musste auch noch das Buero in der Uni ausgeräumt und ein Freund im Krankenhaus besucht werden. Da waren wir heilfroh, abends alles hinter uns zu haben und noch 2 gute Freunde mit noch mehr gutem, französischem Fingerfood eingeladen zu haben.

Mittwoch musste dann zu guter letzt noch die Wohnung geputzt und der Rest in Kisten verpackt werden. Fuer 15:30 war die Uebergabe an die Vermieterin geplant. Natuerlich musste sie zu allem Ueberfluss den Termin auf 14:30 vorverlegen, nur um dann 14:10 zu erscheinen. Wenigstens hatte sie nichts zu meckern, und ich bekomme auch bald meine Kaution zurueck.

Das war also die Renovierung. Ich kann sowas auf keinen Fall weiterempfehlen. Dazu ist diese Woche einfach zu anstrengend gewesen. Aber letztlich ist es ja doch gut geworden.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

svensk fika

Da wir Einwanderer hier am Institut normalerweise englisch miteinander reden, sodass wir wenig Gelegenheit haben, schwedisch zu sprechen. Das ist natuerlich schade, wo viele von uns wöchentlich zum Schwedischkurs gehen. Hinzukommt, dass die Schweden es auch oft vorziehen, mit uns englisch zu sprechen. Aus diesem Grund haben wir uns vor einiger Zeit dafuer entschieden, einmal pro Woche bei der Kaffeepause nur schwedisch zu sprechen. Heute war das 2. svensk fika, und bisher ist es ein voller Erfolg.


Dienstag, 1. Dezember 2009

Flyttning - Teil 1

So, nachdem nun alles vorueber ist, möchte ich endlich vom Umzug berichten. Im Nachhinein kommt es mir vor, als wäre ich eine Woche aus der Realität ausgeklinkt worden, und ich finde mich erst langsam wieder zurueck. Es ist so viel passiert in der einen Woche, dass ich es wohl kaum schaffen werde, alles jetzt zu bloggen. Aber ich fange erstmal an.

Preflyttning: Donnerstag & Freitag vorletzte Woche

Nachdem ich am Abend zuvor meine Katzen in die Obhut zweier Kollegen gegeben hatte, konnte die Reise im Prinzip losgehen. Zuvor musste ich jedoch noch mein Auto zum schwedischen TUV (eigentlich mit Punktchen drueber, aber hat die schwedische Tastatur leider nicht), dem sogenannten bilprovning. Die besiktning ist jährlich fällig und musste jetzt unbedingt gemacht werden. Zum Glueck hatte mir mein Vermieter noch einen Termin besorgt fuer Donnerstag 8:20. Leider hat er mir die falsche der beiden Stationen genannt, sodass ich erst noch in 10 Minuten durch die ganze Stadt fahren musste, um die andere zu suchen. Dann ging es aber ganz einfach: die Anmeldung erfolgt durch Eingabe des Nummernschildes ueber einen Touchscreen. Dann fährt man auf den Warteplatz vor die Tore und wartet, bis man reinfahren darf, entrichtet einen Betraf von 300 SEK und wartet, bis die Herren das Auto ueberprueft haben. Dabei werden Lichter, Bremsen, Stossdämpfer etc. geprueft. Urteil war gut. Nur die Radlager sind nicht in Ordnung und hinten haben 2 Lichter die falsche Farbe. Insgesamt hat die besiktning aber nur 20 Minuten gedauert.

Dann habe ich mich von meiner Katzensitterin mit meinem Auto zum Flughafen fahren lassen, wo ich noch einiges an Zeit hatte, bis mein Flug ging. Der Flug selbst und die Zugfahrt nach Göttingen waren gluecklicherweise ereignislos, abgesehen von der bemerkenswert guten Laune des Piloten, der beim Landanflug gleich noch ein paar touristische Hinweise ueber die Stadt Celle und beim Aussteigen einen Kommentar ueber das grandiose Wetter in Niedersachsen loswerden musste. Das Wetter war aber auch wirklich phantastisch: Sonne, 12 Grad und hell bis halb 6 abends!

In Göttingen angekommen, hab ich mich am Bahnhof gleich mit einer sehr guten Feundin zum Kaffee getroffen, während ich auf meinen Friseurtermin gewartet habe. Einfach mal wieder ein bisschen quatschen und lecker Kaffee trinken. Und dann war ich bei meiner Stammfriseurin. Ach ist das schön, endlich wieder eine Frisur zu haben! Glaubt mir, man möchte bei einer empfindlichen Sache wie der Frisur seine Wuensche in seiner Muttersprache erklären können. Noch dazu ist ein Haarschnitt in Schweden wesentlich teurer.

Ansonsten gab es dann am Donnerstag nur noch einen gemuetlichen Abend, sozusagen um die Ruhe vor dem Sturm auszunutzen.

Am nächsten Morgen ging es dann mit dem Zug ueber NDH nach Sondershausen und weiter zu meinen Grosseltern. Endlich wieder Hausmannskost! Und Familie nicht zu vergessen! Felix abends war auch grandios. Ich hätte nicht gedacht, dass so viele kommen. Ich hab mich jedenfalls riesig gefreut und hatte eine Menge Spass - auch danach noch im CC, auch wenn ich den Schlaf dringend gebraucht hätte. Danke, dass Ihr alle da wart! Wir sehen uns dann am 25.12. an gleicher Stelle wieder. Der Tisch ist ja schon bestellt.

Sonntag, 15. November 2009

Neues aus der Villa Kunterbunt

Um den immer lautstarker werdenden Forderungen nach Fotos in Blog nachkommen zu können, hab ich mich heute schon zeitig von Ginny und Leon wecken lassen. (Leon sagt dazu: "96+", was auch immer er damit meint.) Ja, den Übersiedlern gehts gut. Sie haben sich gut eingelebt, wenn auch der Kratzbaum und der gewohnte Teppich fehlen. Aber das ist ja nur für ganz kurz.

Hier also endlich ein paar Eindrücke der beiden:
Leon oben am Fenster im 1. Stock, von dem aus man die Straße, den vorderen Teil des Gartens, die Einfahrt und die Wiese mit dem Wald auf der anderen Straßenseite beobachten kann. Perfekt zum Überwachen also.Ginny und Leon auf der (noch nicht ganz fertigen) Treppe. Eine Treppe hatten sie bisher noch nicht. Gibt auf jeden Fall ein gutes Trainingsgerät ab, um ein bißchen in Form zu kommen.
Von all den vielen Eindrücken und dem ständigen Treppensteigen muß man sich auch mal ausruhen. Leon bevorzugt das Regal unterm Stromkasten, während es sich Ginny auf der Decke neben dem Fenster gemütlich macht.

Samstag, 14. November 2009

Die Sache mit dem Nageln

Letzte Woche kam eine Kollegin bei mir im Büro vorbei und fragte: "Kommst Du auch mit zum Nageln?" OK, sie hat "nailing" gesagt, woraufhin ich mich gefragt habe, ob "nailing" vielleicht noch eine andere andere Bedeutung hat auf englisch als "nageln". Doch tatsächlich ging es ums Nageln.

Hier in Uppsala ist es Tradition, daß man, wenn man seine Doktorarbeit verteidigt hat und sie gedruckt wurde, ein gebundenes Exemplar an einen speziell dafür vorgesehenen Holzbalken nagelt. Das geht dann mit einem Zimmermannsnagel, Hammer und viel Publikum von statten. Danach gibts Kuchen.

Die Tradition des Nagelns geht wohl auf Martin Luthers 96 Thesen zurück. Nach dem Motto: Wenn die Arbeit erstmal hängt, ist es amtlich. So funktioniert also Nageln auf schwedisch.

Freitag, 13. November 2009

Kampf der Dunkelheit!

Ich weiß, ich habe diese Woche wenig von mir hören lassen, obwohl es mit dem Cat Transfer und allem genug zutun gab, worüber ich berichten konnte (kommt noch, versprochen). Ich war einfach ziemlich müde, beschäftigt und mies gelaunt. Das kommt nicht unerwartet, zumal mich jeder hier gewarnt hat, daß der November der schlimmste Monat ist. Und es ist wahr: Es ist naß, kalt und vor allem ist es dunkel! Und irgendwie fühlt es sich auch so an, als würde mit der Länge der Sonnenscheindauer (na ja, die Sonnenstunden in letzter Zeit kann man an einer Hand abzählen) auch die komplette Länge des Tages schrumpfen, sodaß man nie genug Zeit hat, um sich auszuruhen oder ausreichend zu schlafen.

Das schlägt nicht nur mir ziemlich aufs Gemüt, sondern auch meinen Freunden und Kollegen hier, die fast ausschließlich aus sonnigeren Gegenden kommen (zumindest aus helleren). Eine Kollegin aus Irland hat sich neulich, als sie übers Wochenende in Dublin war, ein Vitamin-D_präparat aus der Apotheke geholt. Vitamin D ist dafür zuständig, daß die Knochen wachsen bei Kindern und daß man im genügend wachmachende Hormone produziert. Laut dem Wikipediaeintrag ist Vitamin-D-Mangel eine Zivilisationskrankheit, deren Ausmaß kaum abschötzbar ist. Kein Wunder bei so viel Zeit, die wir drinnen verbringen. Nun ja, ich dachte mir also, wenn ich schonmal in deutschen Landen weile, kann ich auch einem deutschsprechenden Apotheker meine Vitamin-D-Wünsche vortragen und mich beraten lassen. Die Apothekerin, obwohl sehr kompetent wirkend, war von meiner Anfrage jedoch etwas überrascht. In Deutschland wird Vitamin D nur Kleinkindern und alten Menschen, die nicht mehr das Haus verlassen können, verabreicht. Insofern war sie sich mit der Dosierung für erwachsene, gesunde Menschen unsicher. Sie hat sich, das muß ich lobend erwähnen, einige Zeit in ihrem Computer schlau gemacht und mir dann das Kinderpräparat mit dem Hinweis gegeben, die halbe Dosierung zu versuchen. Dazu gabs einige Zettel mit Informationen, da eine Überdosierung ein paar unangenehme Nebenwirkungen haben kann, u.a. bringt es den Calciumspiegel durcheinander, was zu Nierensteinen führen kann. Ich werd trotzdem mal die halbe Kinderdosis versuchen und sehen wie es hilft.

Außerdem haben ein paar Kollegen und ich beschlossen, Tageslichtlampen zu kaufen. Da gibt es diese supermodernen von Philipps zum Beispiel, aber die sind eine ganz schöne Investition. Stattdessen versuchen wir es erstmal mit Vollspektrum-Glühbirnen. Mal sehen, wie das so funktioniert.

Was tut man nicht alles, um ein wenig List in seinen Alltag zu bringen?