Bei der Menge an Zecken, die ich jedes Jahr im Gelände aufsammle, war es nur eine Frage der Zeit, bis es auch mich irgendwann trifft: Borreliose ist ein Bakterium, das durch einen Zeckenbiß übertragen werden kann. Eine nicht unbeträchtliche Anzahl meiner Kollegen hatte bereits Borreliose mit den verschiedensten Symptomen, unter anderem halbseitige Gesichtslähmung.
Meine besagte Zecke habe ich zu Ostern auf der Insel Utö aufgesammelt und habe sie am Ostersonntag am Haaransatz hinter meinem rechten Ohr entdeckt. So weit so gut, beobachtet tut man einen Zeckenbiß ja immer. Normalerweise juckt sowas bei mir wie ein Mückenstich wegen der Blutverdünner, die einem die Zecke verabreicht. Nicht so dieses Mal. Nach einer Woche begann zunächst der Lymphknoten unter dem Ohr anzuschwellen wie manchmal bei einer Erkältung. Dann wurde nach ein paar Tagen die Stelle, wo die Zecke gebissen hatte, druckempfindlich. Der Schmerz breitete sich nach hinten zu einem Lymphknoten aus, der neben der Wirbelsäule am Übergang zwischen Schädel und Hals sitzt und von dessen Existenz ich gar nicht wußte. Dieser Lyphknoten wurde dann innerhalb des letzten Wochenendes so an, daß ich eine richtig dicke Beule am Hinterkopf hatte, die irre wehgetan hat. Als Folge davon konnte ich mich nicht auf die Seite legen und den Kopf kaum drehen. Außerdem wurde mein Ohr dick, und zu allem Überfluß wurde die Haut in dem Bereich rot und begann zu jucken. Am Montag Morgen zeichnete sich auch der typische rote Ring in Form eines Ausschlags, der bis über meine Schläfe reichte, ab.
So schnell, wie sich die Symptome verschlechterten, blieb mir nichts anderes übrig, als am Montag in der vårdcentral (Polyklinik/Ärztehaus) anzurufen, sobald dort aufgemacht wurde. Nachdem ich die halbe Nacht darüber nachgedacht hatte, wie ich auf schwedisch meine Symptome erkläre, hatte ich Glück und habe gleich 2 Stunden später einen Termin bekommen. Über meine Erfahrung mit dem schwedischen Gesundheitssystem ein ander Mal mehr. Auf jeden Fall habe ich Penicillin bekommen, das ich jetzt für 9 Tage einnehmen muß. Die Symptome sind am Abklingen. Da habe ich wohl nochmal Glück gehabt, denn Borreliose kann zu chronischen Nervenschäden führen, wenn sie nicht rechtzeitig diagnostiziert und behandelt wird.

Gaaah, wieso les' ich das denn erst jetzt? Wieso hast Du denn nix gesagt am Telefon??
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