Montag, 8. März 2010

Abenteuer auf dem Ostpolarmeer

Es wird Zeit von den Abenteuern des letzten Wochenendes zu berichten. Wie bereits erwähnt, ging es ja auf die Ålandinseln für einen Wochenendausflug, um das Eis auf der Ostsee zu sehen. Dafür hatte ich am Donnerstag die Fähre von Kapellskär nach Mariehamn mit der Vikinglinefähre Rosella gebucht. Am Freitagvormittag haben wir dann noch vorsichtshalber auf der Homepage nachgeschaut, ob es wegen des Eises auch keine Schwierigkeiten gibt. Doch dort stand nur, daß - wie bereits bekannt - die Fähren zum und vom finnischen Festland ausfielen.

Also ging es bei strahlendstem Sonnenschein nach Kapellskär, ca. 100 km östlich von Uppsala an der Ostseeküste. Dort angekommen, wurden wir von einer langen Schlange LKW begrüßt, die auf den letzten Kilometern der Autobahn auf der rechten Spur abgestellt waren und wegen der Fährausfälle dort warteten. Dagegen war am Check-in für unsere Fähre rein gar niemand außer einem Mann in einem Häuschen, der mir mitteilte: "Tut mir leid, die Fährverbindung ist wegen des Eises eingestellt. Ich hab ja versucht, Dich anzurufen, bin aber nicht durchgekommen. Versucht es doch bei der anderen Fährgesellschaft." Erstmal von wegen angerufen, ich hatte keinen Anruf auf meinem Handy. Also blieben 2 Möglichkeiten: umkehren oder mit der anderen Fähre fahren.

Wir haben uns dann doch für letztere Möglichkeit entschieden. Das heißt, ich habe bei Ekerölinjen angerufen und eine Passage für den gleichen Nachmittag von Grisslehamn nach Ekerö gebucht. Völlig problemlos, nur daß wir nochmal 60 km die Küste hochfahren mußten.

Enteisung des Schiffs-schnabels mit dem Pressluft-hammer.




Auf dieser Fähre waren dann tatsächlich 600 Passagiere, die die etwa 3stündige Überfahrt antraten. Das Schiff fuhr auch ganz planmäßig aus dem zugefrorenen Hafen heraus hinein in eine ganz dünne Eisfläche, was man sich etwa so vorstellen muß, wie wenn man durch eine mit Zuckerguß bedeckte Saftschüssel fährt. Das Geräusch war jedenfalls so: ein knuspriges leises Knistern. Später ging es auch noch durch durch das ein oder andere Eisschollenfeld. Ist schon irgendwie seltsam, wenn das Schiff merklich langsamer wird. Und das Geräusch ist ..., wie soll man sagen?... knusprig? Auf jeden Fall lauter als bei einer dünnen Eisfläche. Ansonsten verlief die Überfahr ohne weitere Zwischenfälle. Diese Strecke war jedenfalls völlig in Ordnung, was die Eislage betraf.














Unsere Ankunft auf den Ålandinseln fiel mit dem Sonnenuntergang zusammen, sodaß wir auf der Fahrt von Ekerö nach Mariehamn die Landschaft in den schönsten Farben bestaunen konnten. Wie ich ja bereits im August feststellen konnte, sind die Ålandinseln, die ja autonome Region aber Teil der finnischen Nation sind, augenscheinlich schwedischer als Schweden. Wer Schwedenidylle erleben möchte, sollte also nach Åland fahren.

Was ich allerdings nicht weiterempfehlen kann, ist unsere Unterkunft, die doch sehr an die Klassenfahrten meiner Jugend erinnerte. Überhaupt sind die Bürgersteige in der Hauptstadt Mariehamn an diesem Wochenende hochgeklappt gewesen, was wohl zum einen daran lag, daß Winter ist, und zum anderen daran, daß die fast stündlich anlegenden Fähren von Stockholm, Kapellskär und aus Finnland nicht fuhren. Unsere eigentlich gebuchte Fähre lag jedenfalls schlafend im Hafen. In Ermangelung eines Lottogewinns (Finnland ist teuer!), blieb uns also für diesen Abend nichts anderes übrig, als nicht in ein Restaurant zu gehen und nicht in einem schönen Hotelzimmer zu schlafen. Stattdessen ging es nach einem Spaziergang durch das bitterkalte Mariehamn und einem in der Mikrowelle zubereiteten Essen früh ins Bett.

Am nächsten Morgen weckte uns erneut der strahlende Wintersonnenschein. Für den Vormittag hatten wir uns einen Besuch des einzigen geöffneten Museums, des Ålandmuseums, eingeplant. Außerdem bummelten wir noch einmal durch die dieses Mal etwas hellere und bevölkertere Stadt.

Dann ging es aber los auf der Suche nach einer guten Skiroute und geeigneten Fotomotiven mit Inseln in gefrorener Ostsee. Es gibt zwar offensichtlich keine extra vorgefertigten Skirouten, aber es lag genug Schnee (etwa 40 cm), der auch schön festgefroren war, daß man auch ohne Loipen fahren konnte. Am schönsten war dann aber unsere Skitour über die zugefrorene Ostsee, obwohl das schon mit einem leicht mulmigen Gefühl einherging. Es gab zwar Spuren eines anderen Skifahrers, aber eine Garantie gibt einem natürlich keiner. Außerdem war der Schnee unter der obersten Schicht Schnee auch schon etwas matschig. Trotzdem wars toll. Wer kann schon behaupten, daß er mal auf der Ostsee skigelaufen ist? Ich :-)

Zum Abschluß des Tages haben wir dann noch eine kleine Skitour durch den Wald in einem Naturreservat bis zu einem Vogelbeobachtungsturm gemacht. Unterwegs habe ich sogar meinen ersten Seeadler gesehen. Leider nur von Weitem. Den Sonnenuntergang vom Turm aus zu betrachten war unglaublich schön. Doch zurück am Auto war ich dann doch ziemlich müde, sodaß ich nach einem leckeren Mikrowellenmahl auch gut schlafen konnte.

Am nächsten Morgen führte unser erster Weg zum Fährterminal, um zu fragen, ob denn die Fähre wieder fährt. Und tatsächlich: Sie fuhr wieder! Um 12:45 sollte es losgehen nach Kapellskär. An Bord waren vielleicht 100 Passagiere. Jedenfalls waren im Schiffsbauch nicht mal ein Viertel der Autos, die reinpassen, und das dann nur auf einem Deck. Die Überfahrt führte aus dem Hafen von Mariehamn heraus durch Felder unterschiedlich großer Eisschollen. Das Geräusch, das entsteht, wenn sich ein Schiff mit voller Fahrt durch Eisschollen arbeitet, ist schon eindrucksvoll. Nachdem wir die Inseln hinter uns gelassen hatten, wurde es auch etwas neblig, sodaß wir uns irgendwann durch eine endlose weiße Ebene aus Eis bewegten.


Weil es uns interessierte, wie schnell so ein Schiff durch Eis fahren kann, haben wir die Geschwindigkeit mit unserem Navigationssystem verfolgt. Auf dem offenen Wasser fuhr die Fähre ziemlich konstant 35 km/h, im Eis etwa 30 km/h. Irgendwann wurde das Eis aber immer dicker. Wir fuhren durch aufeinandergeschobene Schollen mit einer Dicke von 30 cm. Und die Fähre wurde langsamer. Die Fähre bog dann in eine von Eisbrechern freigebrochene Spur ein und tuckerte langsam mit 9 km/h vor sich hin. Doch plötzlich wurde sie noch langsamer und hielt schließlich an. Daraufhin gab es eine Durchsage von einer etwas verdatterten Dame aus dem Cockpit: "Wir stehen jetzt still. Das heißt aber nicht, daß wir festsitzen. Wir müssen nur einige Minuten warten, um ein anderes Schiff passieren zu lassen." Nach 5 Minuten ging es auch tatsächlich weiter, und wir erreichten Kapellskär mit 15 Minuten Verspätung. Das Andocken dauerte dann nochmal 20 Minuten, weil zwischen dem Schiff und dem Anleger so viel Eis steckte, daß die Ladeluken nicht bis zm Land reichten.

Bis auf die Rückfahrt nach Hause war das auch das Ende unseres Abenteuers auf der winterlichen Ostsee. Das erlebt man jedenfalls nicht alle Tage.

Nachtrag: Unser Geld für die Überfahrt mit Ekerölinjen bekommen wir übrigens von Vikingline zurück.

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