Montag, 13. September 2010

Herbstaktivitäten, oder "Der Wald als Supermarkt"

Es ist so weit: Der Herbst ist da, auch wenn offiziell in Schweden noch Sommer ist (Wir erinnern uns, der Herbst beginnt, wenn die Durchschnittstemperatur an fünf aufeinanderfolgenden Tagen unter 10°C liegt). Dennoch färben sich die Blätter bereits jetzt gelb, wenn die Sonne nicht scheint, ist es unangenehm kalt, und die Sonne geht abends schon 19:16 unter. Jeden Tag gibt es 5 Minuten weniger Tageslicht, sodaß es Zeit wird, sich auf den Winter vorzubereiten. 

Das ist zumindest die momentan vorherrschende Grundstimmung, vor allem wenn man auf dem Land lebt und den Jahreszeiten deutlich mehr ausgesetzt ist als die Stadtbewohner. Für den Landschweden (und zugezogene Landpomeranzen wie mich) beinhaltet der Herbst also eine Reihe typischer Herbstaktivitäten.

  1. Die Lingonernte: Lingon (Preiselbeere) wächst in schwedischen Wäldern zu Hauf, mehr noch als Blaubeeren, die in diesem Jahr sehr unter der Trokenheit gelitten haben. Der Strauch der Preiselbeere ist bis etwa 20 cm hoch und besitzt kleine, ovale, recht feste, dunkelgrüne Blätter. Gegen Mitte September werden die Lingon an kleinen Rispen reif. Sie sind recht sauer und werden daher eher selten roh verzehrt. Sie lassen sich gut mit einem bärplockare ernten. Bisher haben wir schon ca. 3 kg Lingon geerntet. Man kann sie aber auch in Supermärkten und an Marktständen kaufen. Die dortigen Beeren wurden jedoch von unterbezahlten asiatischen Saisonarbeitern gepflückt, was dieses Jahr zu einem ziemlichen Skandal geführt hat.
  2. Die Jagd: Die Schweden betrachten den Wald als so etwas wie einen Supermarkt, in dem man aber mit etwas Mühe kostenlos einkaufen kann. Dank des Allemansrätt (Jedermannsrecht) darf man überall jagen und Pilze und Beeren sammeln. Die Jagdsaison hat gerade begonnen, sodaß man sich besser farbenfroh kleidet, wenn man  in den Wald geht. Wenn man auf jemandes Land ein Tier schießt, so muß man übrigens nur einen bestimmten Anteil an den Landbesitzer entrichten. Ansonsten gibt es natürlich Fangquoten für bestimmte Tierarten wie Elche.
  3. Pilze sammeln: Was das Pilze sammeln angeht, sind die Schweden ein ziemlich verwöhntes Pack. In Schweden geht man nämlich nicht Pilze suchen, sondern Pilze einsammeln. Hier hat man im Wald die Auswahl. Da kann man schon mal wählerisch sein und nicht jeden Pilz mitnehmen. Allein auf dem weniger als 1 km langen Weg vom Lingon sammeln bis zum Auto haben wir schon wieder mehr als 1 kg Pilze gesammelt. Da muß man dann erfinderisch sein und sie nach Sorten getrennt einfrieren, trocknen, braten...
So dekorativ er auch aussieht, diesen Pilz würde kein Schwede mitnehmen.
Im Gegensatz zu diesem schönen Pfifferling.

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