Mittwoch, 21. April 2010

Radiointerview und Asche aus meinem Garten

Wer hätte ahnen können, welch weite Kreise dieser Vulkanausbruch noch zieht? Jedenfalls war heute an "normales Arbeiten" nicht zu denken. Zum einen analysieren wir hier seit gestern Abend die Staubproben aus der Umgebung auf ihren Aschegehalt.

Bisher sieht es so aus, als wäre hier in der Gegend nur sehr wenig Asche gefallen. Man muß in den Proben lange danach suchen. Das ist natürlich ein sehr gutes Ergebnis für die schwedische Bevölkerung, weshalb wir heute auch einigen Andrang von der Presse hatten.

Heute Morgen war ein Reporter vom Fernsehen da, der meinen Nicht-Chef interviewt hat, nachdem gestern schon jemand vom Wissenschaftsradio da war. Glücklicherweise hatte ich gleichzeitig einen Arzttermin. Doch heute Nachmittag gab es dann kein Erbarmen mehr. Eine Frau von Upplands-Radio wollte ein Interview mit mir, da ich im Gegensatz zu meinem Nicht-Chef schwedisch spreche.

Wie funktioniert also ein Radiointerview?
Zuerst wurde ich von der Dame am Telefon über die Themen befragt, die für das Interview relevant waren. Dann hat sie mit ihrem Chef gesprochen und mich dann informiert, daß ich tatsächlich an diesem Nachmittag mit in der Sendung dabei sein sollte. Aus Island würde gleichzeitig noch ein schwedischer Forscher mit interviewt. Ich sollte aber in das Radiostudio hier in Uppsala kommen und würde dann mit zur Sendung hinzugeschaltet.

Ich habe mich also pünktlich dort eingefunden und wurde von einem Techniker empfangen. Der hat mich in ein leeres Studio geführt, das Mikrophon eingestellt und mir Wasser gebracht. Alles andere wurde aus Stockholm gesteuert: Stimmtest, Hinweise, daß es gleich losgeht und so weiter. So ein Studio ist eigentlich auch nur ein schalldichter Raum mit einem runden Tisch mit Computer, Kopfhörern und Mikros.

Die Sendung selbst fing mit dem 10minütigen Interview über den Einfluß der Asche auf das Leben in Island und Schweden an. Der andere Forscher, der aus Island vom Telefon mit dabei war, hat eine Menge erzählt über die Situation vor Ort. Ich mußte zum Glück nur zu 2 Dingen etwas berichten: Was wir hier machen und welche Ergebnisse wir haben. Das ging alles sehr schnell. Dann ging es weiter mit dem nächsten Thema der Sendung und ich war schon wieder draußen.

Ich kann nur sagen, daß ich mir ein bißchen idiotisch vorkam mit diesen hochprofessionellen Moderatoren, die ich ja nie gesehen habe, weil sie in Stockholm saßen. Den anderen Forscher kannte ich zufällig von einer Tagung, aber ich durfte ja nicht mit ihm sprechen. Trotzdem kommt man sich blöd vor, wenn man sich in einer Sprache ausdrücken muß, die man noch nicht völlig fließend beherrscht. Da hat man nunmal nicht so viele Möglichkeiten. Radiointerviews zu geben, wird jedenfalls kein neues Hobby von mir werden. Zeitungsinterviews sind da leichter. Da werden die Antworten ja von den Reportern in grammatikalisch korrektes Schwedisch umgeschrieben.

Ich bin jetzt jedenfalls ziemlich erschöpft. Diese ganze Aufregung wegen der Presse wird langsam etwas lästig. Wir hatten unsere Publicity. Jetzt hoffen wir mal, daß wieder Normalität einkehrt. Meine normale Arbeit türmt sich jedenfalls auf meinem Schreibtisch.

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