Freitag, 16. April 2010

Vulkansprechstunde zwischen 8:00 and 9:00

Wenn man schon mal eine Vulkanologin kennt, dann sollte man sie auch fragen, wenn mal ein Vulkan ausbricht. Da ich heute mehrere Anfragen bezüglich der voraussichtlichen Dauer des Vulkanausbruchs des Eyjafjalla von Freunden und Familie bekommen habe, dachte ich, sollte ich hier etwas dazu schreiben.

Was ist da überhaupt los?
Am 20. März begann zwischen den beiden Vulkanen Katla und Eyjafjalla in Südisland eine kleine Eruption. Es gab ein paar kleine Lavafontänen und bis zum 12. April auch einige kleine Lavaströme. Das ganze war weniger gefährlich, sodaß Touristen mit Kleinflugzeugen und Hubschraubern über die Ausbruchsstelle fliegen konnten.

Ist das normal? Ist das gefährlich?
Solche sogenannten Spalteneruptionen kommen in Island öfter vor. Öfter bedeutet etwa einmal alle 100 Jahre. Sie können durchaus gefährlich werden, wenn sie wie zum Beispiel 1783-84 bei der Laki-Eruption große Landstriche von Lava bedeckt werden und große Mengen vulkanischer Gase ausgestoßen werden.

Was passiert jetzt und warum?
Am 14. April begann ein Ausbruch direkt am Rand des Eyjafjallavulkans. Das bedeutet, daß der Ausbruch jetzt in einem großen Vulkan mit einer Magmakammer in geringer Tiefe stattfindet. Diese Magmakammer enthält Magma mit der Zusammensetzung von Alkali-Olivinbasalt, weil der Vulkan in einer sehr jungen Spreizungszone liegt. Das bedeutet, daß sehr viele Alkalimetalle im Magma enthalten sind.

Dieses Magma ist explosiver als das, was in der Spalteneruption ausgebrochen ist. Außerdem bricht der Vulkan auch unter einem Gletscher aus, sodaß Lava mit Wasser in Kontakt kommt. Zusammensetzung und Wasser verursachen nun die Entstehung einer großen Aschewolke aus Wasserdampf, vulkanischen Aschen und größeren Partikeln und Gasen. Diese Wolke ist etwa 6 km hoch und wird mit den normalen Wettersystemen um den Globus verfrachtet und legt deshalb den Flugverkehr in Europa lahm.

Was ist das gefährliche an diesem Ausbruch?
Für die Isländer geht die augenblickliche Gefahr hauptsächlich von den Überflutungen durch das geschmolzene Gletschereis aus, die die Leute im Osten des Landes von schnellen Essenslieferungen abgeschnitten haben. Große Lavaströme wird es wohl nicht geben, maximal kleine.

Wichtiger ist die Aschewolke. Das Magma des Vulkans enthält zum Beispiel sehr viel Flour. Dieses ist schon in geringen Dosen extrem giftig. Bei der Lakieruption starben 80% der Schafe, und 50% der Kühe und Pferde auf Island, sodaß letztlich ein Drittel der Bevölkerung Islands starb. Auch im Rest Europas gab es nachgewiesenermaßen erhöhte Sterblichkeitsraten und kältere Sommer. Die Frage ist jetzt, wieviel Flour mit der Aschewolke verdriftet wird und tatsächlich in Europa ankommt. Weidetiere könnten vergiftet werden, wenn sie Gras fressen oder Wasser trinken, die von Asche verunreinigt sind.

Wie lange dauert der Ausbruch noch?
Augenblicklich nimmt die Stärke des Ausbruchs ja ab. Doch das bedeutet nicht, daß er zuende ist. Niemand kann sagen, wie lange er noch dauert. Es kann sich um Tage handeln, aber auch um Wochen oder Monate. Niemand kann das vorhersagen. Man wird auch erst kurz vor Ende der Eruption sehen, daß sie endet.

Kam der Ausbruch überraschend?
Nicht wirklich. Der Eyjafjalla-Vulkan ist schon seit Jahren im Visier der Geowissenschaftler und wird mit Satelliten, GPS, Seismometern und anderen Mitteln überwacht. Schon zweimal in den 90ern wäre es beinahe zu Ausbrüchen gekommen. Zumindest konnte nachgewiesen werden, daß Magma in den Vulkan aufstieg. Das Problem dabei ist nur, daß man nicht sagen kann, ob es zum Ausbruch kommt oder nicht. Eine Zuverlässige Warnung kann also kein Vulkanologe abgeben.

Fazit
Keine Panik! Man kann in einem Fall wie diesem absolut nichts machen. Ob Gefahren von der Asche ausgehen, kann man erst sagen, wenn man diese analysiert hat. Ich sammle gerade welche im Garten. Mal sehen, ob man sie sehen kann, denn eigentlich ist sie zu fein.

Wem es das alles noch nicht genug war, dem empfehle ich, mir Fragen zu schicken oder sich durch die folgenden Links zu ackern (Achtung: auf englisch und schwedisch!). Viel Spaß!

Neue Fotos der Aschewolke und der Schmelzwasserflut.
Bericht des isländischen Wetterdienstes über die erste Eruption.
Bericht des isländischen Wetterdienstes über die neue Eruption.
Eintrag über den Vulkan in der Datenbank der Smithsonian Institution.
Überblick über den Ausbruch in chronologischer Reihenfolge vom isländischen Vulkaninstitut.
Bericht der schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter.
Warnung des BBC für Leute mit Lungenproblemen.

1 Kommentar:

  1. Danke für die Zusammenfassung und sorry, dass ich heute auch in der Sprechstunde war ^^

    Wäre schön, wenn du bei Gelegenheit Updates zur Lage auf Island schreiben könntest!

    Danke!

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