Gestern waren wir beim schwedischen Einwohnermeldeamt/Finanzamt/Krankenkassenbüro (das ist hier alles eins), dem sogenannten skatteverket, um endlich einen schwedischen Personalausweis (id kort) zu beantragen. Dazu braucht man eine Aufenthaltsgenehmigung für Schweden, einen biometrischen Reisepass, um sich auszuweisen, und eine personnummer, ohne die man in Schweden ja ohnehin nicht existent ist. Wir hatten vorschriftsgemäß eine Woche zuvor die Gebühr von 400 SEK pro Person überwiesen und einen Beleg der Überweisung ausgedruckt.
Damit ging es dann zum skatteverket, das überraschenderweise trotz Sommerferein voll besetzt war. Neuerdings gibt es dort nicht nur einfach einen Apparat zum Nummer ziehen, sondern einen Infoschalter, der sich das Begehren der Leute anhört, die Unvorbereiteten nach Hause schickt und die Vorbereiteten mit einer Nummer zum richtigen Schalter. Nach diesem Filter durften wir nach weiteren 5 min direkt zu einer älteren Dame, die im id kort Büro saß. Die Dame hatte gute Laune, scherzte und überprüfte unsere personnummer, Belege und Pässe, bevor sie die nötigen Formulare ausfüllte. Man selbst muß dann nur seine Körpergröße messen lassen, auf einem Stuhl mit Digitalkamera platznehmen und ein Passfoto machen lassen und auf einem kleinen digitalen Feld unterschreiben. Dann druckt einem die Dame den fertigen Antrag aus und fertig. In 2 bis 3 Wochen (es ist ja Sommer) kommt dann ein Brief, mit dem man die id kort persönlich abholen kann.
Bleibt die Frage: Warum ein schwedischer Personalausweis, wo doch ein EU-Reisepass in den meisten Fällen ausreicht? Zum einen steht auf dem Reisepass nicht die personnummer, was dazu führt, daß sich manche Leute ganz schön anstellen, wenn man sich ausweisen muß. Das Zauberwort heißt legitimation. Neulich ist es auch das erste Mal passiert, daß wirklich ein schwedisches Ausweisdokument erforderlich war, nämlich beim Finanzkauf bei Mediamarkt. Außerdem kann man die id kort online als e legitimation bei Vertragsabschlüssen und der Steuererklärung verwenden.
Die id kort ist also ein weiterer Schritt Richtung Schwedisierung.