Mittwoch, 28. Juli 2010

Stockholm im Juli

Auch wenn ich normalerweise kein Städtetourist bin, kann ich Stockholm als Ausflugsziel nur empfehlen. Nach einem ersten Besuch im Juni wollten wir uns das Venedig des Nordens dieses Mal so anschauen, wie es für eine Inselstadt passend ist: per Boot. Und DU DARFST MITKOMMEN! Also los!In Stockholm hat man die Möglichkeit, ein 24 Stunden-Ticket für eines der Hop-on-Hop-off-Boote für 100 SEK (10€) zu erwerben. Für 180 SEK bekommt man noch den Eintritt in das Vasa-Museum dazu (lohnt sich preislich!). Hop-on-Hop-off bedeutet, daß man an jeder der Stationen der Rundfahrt aussteigen kann und mit einem späteren Boot weiterfahren kann, so oft man will. Also hop on!
Insgesamt fährt das Boot 8 Stationen an, beginnend natürlich an einer Station der eigenen Wahl. Doch der Hauptstopp ist Nybroplan direkt am dramatischen Theater, in Laufdistanz zum Hauptbahnhof. 2. Stopp ist die Insel Djurgården, die man nach etwa 3minütiger Fahrt erreicht. Hier befindet sich u.a. das Vasa-Museum (Bericht folgt demnächst), das maritime Museum, das nordische Museum und Astrid Lindgrens Kinderland Junibacken.

Unser 3. Stopp ist die Insel Skeppsholmen. Auf dieser ehemaligen Militärinsel befinden sich das Museum für moderne Kunst, das Museum für fernöstliche Antiquitäten und das schwedische Architekturmuseum und auf einer mit einer Brücke verbundenen Miniinsel das Kastell Kastellholmen (siehe Foto).Für den 4. Stopp geht es wieder zurück auf die Insel Djurgården. Dieses Mal direkt vor die Tore von Gröna Lund (auf dem nächsten Foto), dem Vergnügungspark Stockholms mit zahlreichen Achterbahnen (der Eintritt ist im Fährticket enthalten), das Aquaria Wassermuseum und Skansen (dazu demnächst auch mehr), das größte Freilichtmuseum der Welt.Weiter geht es zum Anlegeplatz der großen Kreuzfahrtschiffe. Aber wir müssen hier nicht aussteigen. Fahren wir lieber weiter zum 6. Stopp dem Fotografiska, dem Museum für Fotografie, oder zum 7. Stopp am Fuße der Altstadt (Gamla Stan, wir erinnern uns vom Juni). Von hier aus laufen wir durch die kleinen Gässchen vorbei am Königspalast zum 8. Stopp des Bootes, wo wir wieder "aufhüpfen".

Weil uns jetzt doch die Füße wehtun, fahren wir einfach noch eine Runde mit dem Boot, ohne auszusteigen, genießen die kühle Brise und hören uns die Touristeninformationen an, die einem auf schwedisch und englisch aus den Lautsprechern verabreicht werden. Letztlich wieder am Ausgangspunkt angekommen, schleppen wir uns mit letzter Kraft zum Auto. War das eine tolle Bootsrundfahrt durch Schwedens Hauptstadt!

Freitag, 23. Juli 2010

Die Geschichte mit der entlaufenen Katze - Teil 2


Leider hat die Geschichte von der entlaufenen Katze noch eine kurze Fortsetzung. Gestern stand ich im Garten und pflückte Johannisbeeren, während mich Ginny vom Fensterbrett der Bibliothek aus beobachtete. Dieses Fenster ist etwa 3,5 m über dem Boden gelegen, also besteht nicht wirklich die Gefahr, daß die Ginny den Sprung in die Freiheit wagt.

Doch plötzlich höre ich ein kratzendes Geräusch und ich sehe die Ginny vom Fensterbrett fallen und auf dem Beet darunter landen. Ob sie nun vom Leon geschubst oder durch eine Windböe überrascht wurde, offensichtlich hatte sie den Fenstersturz nicht geplant. Sie war sie erschreckt, daß sie sich mit gesträubtem Schwanz die Kellertreppe hinunterflüchtete. Doch dort gab es kein Versteck, denn die Tür war zu. Ich habe sie dann zur Haustür gerufen, durch die sie total verschreckt nach drinnen gelaufen ist.

Es ist also eindeutig Zeit für Fenstergitter, wenn der Sommer so weitergeht. Die Ginny hat den Schreck überwunden. Doch man kann nicht dafür garantieren, daß die Geschichte nicht doch noch eine weitere Fortsetzung hat.

Mittwoch, 21. Juli 2010

Djur och växter: Smultron

Ich dachte, um ein wenig zu demonstrieren, was so zu Schweden gehört, ist es vielleicht ganz interessant, typische schwedische Tiere (djur) und Pflanzen (växter) vorzustellen, auch wenn einige davon auch aus Deutschland bekannt sein dürften. Als erster Kandidat hat sich die Walderdbeere (smultron) qualifiziert.
Smultron wächst in Schweden an jedem Wegrand und hat somit eine wesentlich größere Bedeutung als in Deutschland. In unserem Garten gibt es davon reichlich, auch wenn es nicht genug sind, um sich satt zu essen. Die Früchte sind äußerst aromatisch und riechen schon fast wie Parfum.In Schweden sind smultron so eine Art Symbol für den Sommer. Man sieht Blätter, Blüten und Früchte als Ornamente auf Tischdecken, Handtüchern usw. Zudem gibt es (im Gegensatz zu Deutschland) eine Reihe von Produkten mit dem Duft bzw. Geschmack der Blüten oder Beeren. Beispiele dafür sind Shampoo, Seife, Sirup, Joghurt, Kekse oder Eis. Smultron ist also eine sehr "schwedische Frucht". Für den kommerziellen Anbau eignet sie sich jedoch scheinbar nicht, denn es gibt sie leider nicht als frische Frucht oder tiefgefroren zu kaufen wie richtige Erdbeeren. Hier haben die Schweden sich wohl dafür entschieden, der Walderdbeere ihre "Wildheit" zu lassen, was durchaus etwas über das Verhältnis der Schweden zur Natur aussagt.Übrigens mußte ich zu meiner Enttäuschung erfahren, daß das Wort smultronställe kein Ort ist, an dem man besonders viele Walderdbeeren findet. Stattdessen bezieht es sich auf ein Ausflugsziel in der Natur.
Für echtes schwedisches Sommerfeeling empfehle ich übrigens dieses Video, in dem Michel und seine Schwester Ida auch smultron sammeln. Idas Sommarvisa wird übrigens angeblich zum Ende der Schulzeit vor den Sommerferien gesungen.

Dienstag, 20. Juli 2010

Die Besuchszeit ist vorbei

Der Sommer ist noch lange nicht zuende, aber gestern ist unser vorerst letzter Sommerbesuch abgereist. Nach insgesamt etwa 4 Wochen mit Besuchern kehrt jetzt wohl wieder der Alltag ein.

Wir hatten viel Spaß und die Gelegenheit, unsere neue Heimat als Touristen zu erkunden (detaillierte Berichte zu den neuesten Ausflugszielen folgen in Kürze). Es war toll, daß Ihr da wart!

Montag, 12. Juli 2010

Die Geschichte mit der entlaufenen Katze

Eines schönen Morgens wache ich auf und öffne wie immer die Tür, hinter der im Normalfall zwei ausgehungerte Katzen warten, nachdem ich sie irgendwann in der Nacht aus dem Schlafzimmer geworfen habe. Nich so an diesem Morgen. Da wartet nur ein hungriger, verwirrter und einsamer Leon.OK, ganz so klein sah er nicht aus an diesem Morgen, aber genauso niedlich.

Wo also war die Ginny? Nach einer Durchsuchung des nicht ganz so großen Hauses war schnell klar: Sie war nicht im Haus! Dabei dürfen Ginny und Leon nicht rausgehen. Da sie aber auch niemand rausgelassen hatte, mußte sie anderweitig getürmt sein in dieser Nacht. Blieb also nur das Flurfenster im Obergeschoß.

Offensichtlich war die Dame aus dem geöffneten Fenster auf den Gartentisch gehüpft. Aber was dann? Es folgte eine Suchaktion "um den Block", was wenig erfolgversprechend ist, wenn man im Prinzip von Wald und Feld umgeben wohnt. Innerhalb einer Nacht kann eine Katze da wirklich überall hingelangen. Und so blieb die Suchaktion auch erfolglos.

Da standen wir nun im Garten und riefen die Katze, denn was blieb uns noch übrig zu tun? Aber war da nicht ein leises Geräusch? Ach nein, das war das Telefon der Nachbarin. Oder vielleicht doch? Da hinten?

Und tatsächlich, ein Miauen, ganz leise nur, aber hinterm Haus etwas lauter. Und beim Schuppen sogar noch etwas lauter. Und da saß sie auch drin: die verängstigte Ginny, die ihre Freiheit offensichtlich nur dazu genutzt hatte, sich zu verstecken. Doch nun war sie nicht mehr auf Freiheit aus und plötzlich sehr froh uns zu sehen. Schließlich war ja auch Frühstückszeit und die arme Katze verpaßt sonst nie eine Mahlzeit. Außerdem mußte sie dringend aufs Katzenklo! Man pinkelt ja nicht einfach in den Garten.

Im Nachhinein ließ sich außerdem rekonstruieren, daß die Ginny wohl draußen auch einiges an Gras genascht hat. Außerdem hat sie sich bei ihrem kurzen Abenteuer zwei (!) Zecken eingefangen. Ginnys Lieblingsfenster ist seitdem geschlossen. Selbst Schuld!

Freitag, 9. Juli 2010

Bären pflücken auf schwedisch

Die Blaubeersaison hält gerade in den schwedischen Wäldern Einzug. Für alle, die es noch nie ausprobiert haben, muß ich an dieser Stelle anmerken: Blaubeeren pflücken ist harte Arbeit!

Da die Schweden aber schlau und/oder faul sind, haben sie sich was einfallen lassen: den bärplockare (Beerenpflücker), eine Art Kamm, mit dem man die Blaubeeren einfach aus dem Busch kämmt. Dabei werden zwar ein paar Blätter mit abgerupft, aber die sammeln sich oben auf den Beeren und man kann sie somit leicht absammeln oder aussieben. Ganz schön clever, was?

P.S.: Das Wort Beere heißt auf schwedisch bär. Man geht also im wahrsten Sinne des Wortes Bären pflücken.

Montag, 5. Juli 2010

Semester!

Nun ist die Schließung des Landes Schweden endgültig über uns hereingebrochen: der große Sommerurlaub hat begonnen!

Das bedeutet, daß ca. 90% der Schweden im Urlaub sind, und das für die nächsten 4 bis 5 Wochen. Die Straßen sind leergefegt, wenn man morgens zur Arbeit fährt. Die Parkplätze sind umso leerer. Im Institut selbst wurden letzte Woche die Schließanlagen umgestellt, sodaß man nur noch mit Schlüsselkarte reinkommt. Auch arbeiten tut keiner mehr, jedenfalls kein Schwede. Die Kantinen der umliegenden Institute sind für den Sommer geschlossen. Für die Arbeit bedeutet das: auf der einen Seite herrliche Ruhe, nur noch ein Tisch ist besetzt im Innenhof beim Mittagessen, auf der anderen Seite werden bis Mitte August keine Reisekosten erstattet, denn die Verwaltung ist kollektiv im Urlaub.

Für das tägliche Leben bedeutet die Urlaubszeit den fast vollständigen Stillstand einiger Dienstleistungen. Zugegeben, die Supermärkte haben noch geöffnet wie bisher, aber Autoreparaturen oder sonstige Termine muß man Wochen vorher anmelden. Die Geschäfte in der Innenstadt haben teilweise verkürzte Sommeröffnungszeiten. Es sind ohnehin nur noch Touristen in den Straßen unterwegs.

Wo sind die ganzen Schweden? Die verstecken sind im Sommer auf dem Land in ihren Sommerhäuschen und genießen die langen Sommertage.

P.S.: Irreführenderweise heißt das Wort semester übersetzt Urlaub. Hihi!