Samstag, 30. Januar 2010

Pop Corn Theory - Nachtrag

Popcorn ist offensichtlich ein interessantes Thema. Das beweisen Eure Reaktionen. Also die USA sind offensichtlich ein Popcorn-Mysterium. Daß Popcorn dort salzig ist, kam mir auch komisch vor, da das ja eher nicht dem allgemeinen Eindruck von der amerikanischen Küche übereinstimmt. Doch mein polnischer Kollege und Freund meinte während unserer Diskussion vor einer Woche, daß salziges Popcorn aus den USA nach Polen kam, als polnische Auswanderer aus den Staaten nach Polen zurückkamen. Ein anderer (deutscher) Kollege, der lange in verschiedenen Gegenden der USA gewohnt hat, war auch der Meinung, daß Popcorn in den USA salzig ist.

Nun erfahre ich von meinem britischen Korrespondenten aus Hessen, daß Popcorn in Großbritannien salzig ist und der Zucker aus den USA eingeschleppt wurde. Das ist sehr interessant. Ich dachte nur, daß man im UK süßes Popcorn ißt, weil eine ehemalige Freundin von uns aus der Nähe von Oxford mit ihrer Popcornmaschine nur süßes Popcorn gemacht hat. Man soll ja nicht verallgemeinern. Immerhin gibt es ja abgesehen von ihr auch eine Menge nette Engländer.

Vielleicht stimmt aber, was amerikanisches Popcorn angeht, auch, was mein Korrespondent aus Sachsen berichtet: Vielleicht gibt es auch in den USA regionale Unterschiede, was den Popcorngeschmack angeht.

Einer Eingebung folgend, die sich zum Beispiel auch im Falle des Bilchs als aufschlußreich erwiesen hat, habe ich Popcorn mal in der Wikipedia nachgeschaut. Dort ist wörtlich Folgendes zu lesen: "In den Vereinigten Staaten und Südamerika ist insbesondere gesalzenes und mit Butteraroma versehenes Popcorn die Regel; verbreitet ist daneben auch karamellisiertes Popcorn. Das in Deutschland übliche gezuckerte Popcorn dagegen ist in den USA nahezu unbekannt, jedoch ist eine süß-salzige Variante, „Kettle corn“, seit einigen Jahren weit verbreitet."
Aha, sehr aufschlußreich. Doch für eine Weltkarte des Popcorngeschmacks reichen die Daten auf jeden Fall noch nicht.

Krankes Gesellschaftstier

Eine weitere Woche in der Schwedensoap nähert sich dem Ende. An sich war es eine ganz normale Woche mit Arbeit, Schwedischkurs und viel Schnee. Leider gibt es natürlich immer irgendwas, was die Alltagsroutine stört, in diesem Fall war es Löwenkind Leon.

Vor einem Jahr war der Kleine ja schon mal krank. Und als ob er Jubiläum feiern wollte, ist er nun wieder krank und das mit ganz ähnlichen Symptomen: Er rennt ständig aufs Klo, versucht Wasser zu lassen, aber es geht nicht. Und wenn es geht, ist der Urin blutig. Nachdem er letztes Jahr wegen Blasenentzündung Antibiotika und eine Cranberry-Paste bekommen hat, wußte ich schon, was da los ist. Mit der Tierärztin in Göttingen war ich immer sehr zufrieden. Sie kannte meine beiden Raubtiere von klein auf. Leider konnte ich die Tierärztin natürlich nicht mit nach Schweden nehmen, und eine Reise mit den Katzen nach Deutschland wie im November lehnen die beiden kategorisch ab.

Also mußte wohl oder übel ein neuer Tierarzt hier in Schweden her. Laut meines Schwedenführers sind Tierarztbesuche in Schweden teuer, weshalb bei ernsten Erkrankungen schnell zur Einschläferung geraten wid. Das Buch rät daher zum Abschluß einer Tierversicherung.

Diesem Ratschlag bin ich jetzt auch gefolgt und habe bei agria eine Kranken- und Unfallversicherung für Leon abgeschlossen. Die Versicherung deckt Tierarztkosten und Medikamente bis zu 25000 Kronen bei einer Selbstbeteiligung von 1100 Kronen pro Jahr ab. Dabei trägt man beim Tierarzt 15% der Kosten selbst. Das sind zumindest die Optionen, die ich gewählt habe. Man kann auch Kaiserschnitt und Zahnbehandlungen mit versichern. Der Preis richtet sich nach Alter, Rasse, "Beruf" (Zuchttier, Ausstellungstier oder einfach ein sogenanntes sällskapsdjur = Gesellschaftstier) und Gesundheitszustand. Außerdem gab es nochmal 10% Rabatt, weil Leon einen Chip hat. So kostet die Versicherung für den kleinen Löwen 77 Kronen im Monat. Ginny kriegt demnächst auch eine Versicherung, aber sie war bisher noch nie krank. Sie ist halt eine robuste Hauskatze, die bisher nur für Impfungen, Kastration und zum Chippen bei der Tierärztin war.

Die Versicherung gilt zwar für Unfälle sofort, aber für Krankheiten erst in 20 Tagen. Deshalb war klar, daß die Versicherung in diesem Fall nicht helfen wird. Aber zunächst mußte ja erst mal ein neuer Tierarzt her. Hier im Dorf gibt es einen Tierarzt, aber der hatte leider weder Donnerstag noch Freitag Zeit. Doch er verwies mich am Telefon an die Tierklinik in Morgongåva, 15 km von hier. Am Donnerstag habe ich dann dort um 8 Uhr angerufen, da sie allerdings erst um 9 Uhr öffnen, bin ich doch zur Arbeit gefahren. Von dort habe ich dann nochmal angerufen. Die Dame am Telefon fragte mich fachkundig über Leons Symptome aus. Daß er Schwierigkeiten beim Wasserlassen hat, fand sie höchst bedenklich und meinte, wir sollten unbedingt noch am gleichen Tag vorbeikommen. Ich habe also einen Termin um 16:30 ausgemacht. Leider ist Morgongåva nicht in 5 Minuten zu Fuß zu erreichen wie die Tierärztin in Göttingen. Deshalb kam Leon in seine Transportbox mit einer Wärmflasche und einer Decke und dann gings los.

Die Tierklinik in Morgongåva ist modern mit mehreren Untersuchungsräumen. Zuerst mal hieß es, Daten in ein Formular eintragen. Dann wurde Leon abgetastet, geknetet, Fieber im Po gemessen. Da er kurz vor der Abfahrt doch noch pinkeln war, war die Blase leer. Deshalb konnte die Ärztin auch nicht genau sagen, ob nur eine Harnwegsinfektion oder auch eine Blasenentzündung vorliegt. Auf jeden Fall hat Leon 2 Spritzen bekommen, ein Antibiotikum und ein Schmerzmittel. Dann gabs noch ein Rezept mit Tabletten gegen Harnwegsinfektion und einem flüssigen Schmerzmittel. Dafür mußten wir aber nochmal 8 km bis nach Heby in die Apotheke fahren. Armer Leon, noch mehr Autofahren.

In der Apotheke standen 2 Apothekerinnen, eine in ein Gespräch mit einer Kundin vertieft. Die andere machte aber keine Anstalten, zu reagieren. Dann machte es natürlich Klick! Nummer ziehen! Dann wird man auch bedient. Dann gab es auch die Medizin für Leon. In Schweden wird zusätzlich zur Dosierungsanleitung auf dem Rezept noch ein Aufkleber auf jede Packung geklebt.

Leon ging es, nachdem er erst einmal wieder zu Hause war, schon deutlich besser. Er nimmt die Medikamente ohne Probleme. Und sie scheinen auch zu helfen. Wenn er heute immer noch Probleme und Blut im Urin gehabt hätte, hätte ich das Katzenklo mit ungepopptem Popcorn (schon wieder Popcorn) statt Katzenstreu füllen müssen, um dann den Urin als Probe nehmen zu können.

Das Abenteuer mit dem Tierarztbesuch in Schweden ist also bis jetzt als erfolgreich einzustufen., was Leons Gesundheit und die Verständigung auf schwedisch angeht. Wollen wir das Beste hoffen.

Freitag, 29. Januar 2010

Das Ende der Polarnacht

Heute steht zum ersten Mal seit Oktober oder so die Sonne hoch genug, daß sie es über die Dächer des Instituts in den Innenhof schafft. Jetzt scheint sie für etwa 20 Minuten in mein Büro. So ungefähr muß es sich anfühlen, wenn in der Arktis nach Monaten das erste Mal die Sonne über den Horizont lugt. Das läßt natürlich Schlüsse über meinen Horizont zu, der nicht über den Innenhof hinausreicht...

Aber mal ehrlich, die Tage werden rasant länger. Mittlerweile ist es schon bis 16 Uhr hell. Es geht auf Mittsommer zu!

Dienstag, 26. Januar 2010

Pop Corn Theory

Es ist eine Sache, die man normalerweise nicht in Frage stellt, weil man denkt, sie wäre selbstverständlich, eine Natur-konstante: Popcorn ist süß! Basta!

Schaut man allerdings mal über den Tellerrand, dann wanken die Grundfesten dieses Dogmas, denn Popcorn ist nicht überall süß, sondern regional unterschiedlich gewürzt. Bisher dachte ich, es wäre ein skandinavisches Phänomen, daß Popcorn salzig gegessen wird, zumindest seit ich vor vielen Jahre das erste Mal salziges Popcorn in Dänemark probiert habe. Doch am Freitag beim TGIF (das dieses Mal unter dem Motto "Beer - so much more than just a breakfast drink" stand) kam ich mit meinen Kollegen auf das Thema Popcorn zu sprechen. Offensichtlich gibt es keine einfache regionale Verteilung. Die Ergebnisse der bisherigen Erhebung ergaben:

Deutschland - süß
Schweden - salzig
Dänemark - salzig
Frankreich - süß
Spanien - salzig
Großbritannien - süß
Polen - salzig
Russland - süß
USA - salzig

Da das allerdings noch zu wenige Datenpunkte sind, um einen Trend abzuleiten, bleibt dieses Thema ein Gegenstand der aktuellen Forschung. Ich bin für weitere Daten dankbar.

Freitag, 22. Januar 2010

schwedische Clichés über Deutsche

Es scheint, als gäbe es gar keine Neuigkeiten mehr von mir, nicht wahr? Nun ja, um die Zeit bis zu den nächsten spannenden Ereignissen zu überbrücken, möchte ich kurz über die Clichés berichten, die die Schweden so haben, wenn es um Deutsche geht. Ich hatte bereits zuvor davon gehört, aber heute morgen war eine deutsche Band (die Baseballs) im Radio. Ich muß gestehen, ich kannte die drei Jungs (einer davon ist Schwede) bisher nicht, doch offensichtlich sind sie recht bekannt, auch in Skandinavien. Auf jeden Fall wurden zum Anlaß ihres Besuchs in der Morgensendung Rixmorgonzoo auf Rix FM alles an Clichés über Deutsche ausgegraben, was der Schwede so zu bieten hat. Hier die Meldung direkt von der Website (hoffentlich korrekt zitiert, ich will mir ja keinen Ärger einhandeln):

Fantastiska 50-talsbandet The Baseballs var morgonens gäster. De tar nya låtar och levererar dem i 50-talstappning. Lysande. Vi överraskade med guldskiva och tårta. Vi fick också veta att alla tyskar som varit i Sverige har en älg-dekal på bilen och eventuellt en älg-vägskylt i bakluckan. Schultz är som att heta Svensson informerade de också.

Für alle, deren Schwedisch ein wenig eingerostet ist, hier meine Übersetzung:
"Die fantastische 50er-Jahre-Band The Baseballs waren die Gäste des Morgens. Sie verwenden aktuelle Lieder und präsentieren sie im Stil der 50er. Brilliant. Wir überraschten sie mit einer goldenen Schallplatte und einer Torte. Außerdem fanden wir heraus, daß alle Deutschen, die in Schweden waren einen Elchaufkleber auf dem Auto haben und eventuell ein Elchschild im Kofferraum. Und sie informierten uns, daß Schulz so ist, als hieße man Svensson."

OK, abgesehen von der Schulz-Svensson-Sache, bei der es sich um Allerweltsnamen in Schweden und Deutschland drehte, ging es beim Radiogespräch um folgende Clichés:
  • Die Schweden glauben, die Deutschen sind notorische Elchschildklauer, was bestimmt nicht ganz aus der Luft gegriffen ist. Ich habe übrigens noch kein Elchschild - weder geklaut noch gekauft.
  • Die Deutschen sind nicht gut darin, sich in einer Schlange anzustellen. Dazu muß ich sagen: Die Schweden übertreiben es etwas mit ihren Schlangen (man muß überall eine Nummer ziehen und sich anstellen, in der Apotheke, bei der Post, im Handyladen...). Ich kann mir dieses Cliché nur so erklären, daß sie Deutschen lange nicht so geduldig sind und sich dann möglicherweise lautstark beschweren und die Schlange wechseln. Das ist für einen Schweden undenkbar.
  • Außerdem wurde noch die alte Geschichte mit den Handtüchern aufgewärmt, die Deutsche angeblich immer in aller Frühe auf die Liegen am Pool platzieren. Doch zu unserer Entlastung wurde gesagt, daß jetzt ja wohl die Russen die Ferienziele erobern und sich wesentlich schlimmer benehmen.
  • Ansonsten denkt man hier laut meiner Kollegen eigentlich nur das, was alle Welt von uns denkt: daß wir superpünktlich, fleißig, effizient und sehr pessimistisch sind. Diese Aussage kommt aus meinem internationalen Kollegenkreis, weshalb man sagen könnte, das ist es, was alle Welt denkt.
Da wollen wir doch mal sehen, ob ich die Schweden nicht in einigen Punkten vom Gegenteil überzeugen kann.

Samstag, 16. Januar 2010

Schwedische Winterspiele


Was macht man in Schweden, wenn es draußen kalt und weiß ist? Natürlich Wintersport. Neben Schnee schippen und Winterwandern haben wir letztes Wochenende auch mal ausprobiert, was man in Schweden noch so alles im Schnee veranstalten kann:

Wir waren mit Freunden in Hammarskog, einem kleinen Naturreservat am nordwestlichen Ufer des Mälarensees in der Nähe von Uppsala. Dort gibt es ein altes Anwesen (im Hintergrund auf dem Bild zu sehen), das zum Restaurant umgebaut wurde, einige Wander- und Spazierwege, Grill- und Picknickplätze sowie natürlich den See. Letzterer ist mittlerweile ausreichend zugefroren, sodaß darauf der Schnee geräumt wurde, sodaß man Schlittschuh fahren und Skilanglaufen kann. Wie man auf dem Bild sieht, habe ich mich auch mal darin versucht, mit schwedischen Schlittschuhen zu laufen. Die sind im Gegensatz zu normalen Schlittschuhen wesentlich länger, sodaß man mehr Stabilität auf dem unebenen Seeeis (hihi, ein Wort mit 3 e) hat und mehr Geschwindigkeit aufnehmen kann. Mit der Geschwindigkeit hatte ich noch so meine Schwierigkeiten, aber es war ja auch der erste Versuch.

Außerdem war es verdammt kalt, ca. -19°C, sodaß wir uns dann erst mal bei einem Kaffee drinnen aufwärmen mußten. Danach ging es aber wieder nach draußen, wo wir schwedische Würstchen gegrillt haben. Das scheint irgendwie ziemlich normal zu sein, denn außer uns hatte auch eine Mutter mit ihren beiden Kindern was zum Grillen dabei: Marshmallows. Das Problem war nur, daß die weißen Bällchen steinhartgefroren waren und sich nicht aufspießen lassen wollten.

Nachdem wir mit Grillen fertig waren, war die Sonne auch langsam am Horizont verschwunden. Tatsächlich werden die Tage jetzt wieder rasant länger. Mittlerweile geht sie schon 8:35 auf und erst 15:26 unter. Das ist schon eine Stunde länger als am kürzesten Tag vor Weihnachten. Und jeden Tag ist es auch fast 5 Minuten länger hell. Wir nähern uns also dem Frühling. Bis Mai sollte es wohl auch wieder wärmer als 0°C werden.

Samstag, 9. Januar 2010

1 Jahr Geoversum

Heute vor einem Jahr habe ich angefangen, zu bloggen. Heute vor einem Jahr habe ich angefangen, zu bloggen. Damals war ich gerade dabei, meine Doktorarbeit zuendezuschreiben. Zwischen der Abgabe der ersten Fassung an meine Betreuer und dem Erhalt ihrer Verbesserungsvorschläge, habe ich aus Langeweile angefangen zu bloggen.

Heute, 365 Tage später sitze ich in Schweden in meinem (selbst gemieteten) Haus, habe einen Job und immer noch meinen Blog. Auf in ein zweites Jahr!