Samstag, 30. Januar 2010

Krankes Gesellschaftstier

Eine weitere Woche in der Schwedensoap nähert sich dem Ende. An sich war es eine ganz normale Woche mit Arbeit, Schwedischkurs und viel Schnee. Leider gibt es natürlich immer irgendwas, was die Alltagsroutine stört, in diesem Fall war es Löwenkind Leon.

Vor einem Jahr war der Kleine ja schon mal krank. Und als ob er Jubiläum feiern wollte, ist er nun wieder krank und das mit ganz ähnlichen Symptomen: Er rennt ständig aufs Klo, versucht Wasser zu lassen, aber es geht nicht. Und wenn es geht, ist der Urin blutig. Nachdem er letztes Jahr wegen Blasenentzündung Antibiotika und eine Cranberry-Paste bekommen hat, wußte ich schon, was da los ist. Mit der Tierärztin in Göttingen war ich immer sehr zufrieden. Sie kannte meine beiden Raubtiere von klein auf. Leider konnte ich die Tierärztin natürlich nicht mit nach Schweden nehmen, und eine Reise mit den Katzen nach Deutschland wie im November lehnen die beiden kategorisch ab.

Also mußte wohl oder übel ein neuer Tierarzt hier in Schweden her. Laut meines Schwedenführers sind Tierarztbesuche in Schweden teuer, weshalb bei ernsten Erkrankungen schnell zur Einschläferung geraten wid. Das Buch rät daher zum Abschluß einer Tierversicherung.

Diesem Ratschlag bin ich jetzt auch gefolgt und habe bei agria eine Kranken- und Unfallversicherung für Leon abgeschlossen. Die Versicherung deckt Tierarztkosten und Medikamente bis zu 25000 Kronen bei einer Selbstbeteiligung von 1100 Kronen pro Jahr ab. Dabei trägt man beim Tierarzt 15% der Kosten selbst. Das sind zumindest die Optionen, die ich gewählt habe. Man kann auch Kaiserschnitt und Zahnbehandlungen mit versichern. Der Preis richtet sich nach Alter, Rasse, "Beruf" (Zuchttier, Ausstellungstier oder einfach ein sogenanntes sällskapsdjur = Gesellschaftstier) und Gesundheitszustand. Außerdem gab es nochmal 10% Rabatt, weil Leon einen Chip hat. So kostet die Versicherung für den kleinen Löwen 77 Kronen im Monat. Ginny kriegt demnächst auch eine Versicherung, aber sie war bisher noch nie krank. Sie ist halt eine robuste Hauskatze, die bisher nur für Impfungen, Kastration und zum Chippen bei der Tierärztin war.

Die Versicherung gilt zwar für Unfälle sofort, aber für Krankheiten erst in 20 Tagen. Deshalb war klar, daß die Versicherung in diesem Fall nicht helfen wird. Aber zunächst mußte ja erst mal ein neuer Tierarzt her. Hier im Dorf gibt es einen Tierarzt, aber der hatte leider weder Donnerstag noch Freitag Zeit. Doch er verwies mich am Telefon an die Tierklinik in Morgongåva, 15 km von hier. Am Donnerstag habe ich dann dort um 8 Uhr angerufen, da sie allerdings erst um 9 Uhr öffnen, bin ich doch zur Arbeit gefahren. Von dort habe ich dann nochmal angerufen. Die Dame am Telefon fragte mich fachkundig über Leons Symptome aus. Daß er Schwierigkeiten beim Wasserlassen hat, fand sie höchst bedenklich und meinte, wir sollten unbedingt noch am gleichen Tag vorbeikommen. Ich habe also einen Termin um 16:30 ausgemacht. Leider ist Morgongåva nicht in 5 Minuten zu Fuß zu erreichen wie die Tierärztin in Göttingen. Deshalb kam Leon in seine Transportbox mit einer Wärmflasche und einer Decke und dann gings los.

Die Tierklinik in Morgongåva ist modern mit mehreren Untersuchungsräumen. Zuerst mal hieß es, Daten in ein Formular eintragen. Dann wurde Leon abgetastet, geknetet, Fieber im Po gemessen. Da er kurz vor der Abfahrt doch noch pinkeln war, war die Blase leer. Deshalb konnte die Ärztin auch nicht genau sagen, ob nur eine Harnwegsinfektion oder auch eine Blasenentzündung vorliegt. Auf jeden Fall hat Leon 2 Spritzen bekommen, ein Antibiotikum und ein Schmerzmittel. Dann gabs noch ein Rezept mit Tabletten gegen Harnwegsinfektion und einem flüssigen Schmerzmittel. Dafür mußten wir aber nochmal 8 km bis nach Heby in die Apotheke fahren. Armer Leon, noch mehr Autofahren.

In der Apotheke standen 2 Apothekerinnen, eine in ein Gespräch mit einer Kundin vertieft. Die andere machte aber keine Anstalten, zu reagieren. Dann machte es natürlich Klick! Nummer ziehen! Dann wird man auch bedient. Dann gab es auch die Medizin für Leon. In Schweden wird zusätzlich zur Dosierungsanleitung auf dem Rezept noch ein Aufkleber auf jede Packung geklebt.

Leon ging es, nachdem er erst einmal wieder zu Hause war, schon deutlich besser. Er nimmt die Medikamente ohne Probleme. Und sie scheinen auch zu helfen. Wenn er heute immer noch Probleme und Blut im Urin gehabt hätte, hätte ich das Katzenklo mit ungepopptem Popcorn (schon wieder Popcorn) statt Katzenstreu füllen müssen, um dann den Urin als Probe nehmen zu können.

Das Abenteuer mit dem Tierarztbesuch in Schweden ist also bis jetzt als erfolgreich einzustufen., was Leons Gesundheit und die Verständigung auf schwedisch angeht. Wollen wir das Beste hoffen.

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