Sonntag, 27. September 2009

Oktoberfest

Dieses Wochenende fand auf dem Markt hier in Uppsala ein Oktoberfest statt. Richtig gelesen: Es hat auch Schweden erreicht! Meine Kollegen hielten es an sich für eine gute Idee, dahin zu gehen. Ich war dagegen sehr skeptisch. Zu recht.

Wie sich herausstellte, kostete das ganze 140 SEK (ca. 14 €) Eintritt. Außerdem gab es nur eine Bierverkostung. Richtig zu trinken gab es natürlich nur schwedisches Bier. Und von ordentlichen Würstchen hat man in Schweden auch noch nichts gehört. Das ganze war also nicht im Mindesten authentisch, weshalb wir beschlossen, eine Gegenparty zu feiern. Nur so nebenbei: Heute berichte die Zeitung Uppsalas Nya Tidning, daß das Oktoberfest in Uppsala ein großer Erfolg war, was wohl auch daran lag, daß es lönhelg (das Wochenende nach dem Zahltag) war.

Unsere Gegenveranstaltung war jedenfalls mindestens genauso erfolgreich, wenn auch nur wenig authentischer. Als einzige anwesende Deutsche fiel die Auswahl der Biere und der Verpflegung in meinen Zuständigkeitsbereich. An dieser Stelle muß ich die Auswahl im systembolaget mal loben: Es gab Paulaner, Paulaner Oktoberfestbier, Franziskaner und Franziskaner und Paulander Weißbier. Nur Schöfferhofer war aus, aber man kann ja nicht alles haben. Fürs Essen sind wir zu Lidl gefahren. Da gab es wenigstens eine Sorte echte Bratwurst und Nürnberger. Immerhin! Schwedische Grillwurst kann man nämlich absolut vergessen. Da ja auch keine Bayern anwesend waren, dachte ich, der Autentizität ist damit genüge getan. Deshalb hatte das Menü auch nicht unbedingt was mit Oktoberfest zutun: Bratwurst, Nürnberger, Kartoffelbrei, gebratene Zwiebelringe und Tomatensalat. Alles ist sehr gut angekommen, besonders der Tomatensalat und das Bier. Dabei war das Essen ja nun wirklich nichts Besonderes für deutsche Verhältnisse. Ich sage nur: abgepackte Bratwurst...
Na ja, aber es war schön, mal wieder deutsches Bier zu trinken, wenn auch nicht aus den richtigen Gläsern.

So laß ich mir Oktoberfest gefallen!

Freitag, 25. September 2009

Grund zum Feiern

Auch wenn diese Woche sehr anstrengend war, muß ich doch sagen, sie hat durchaus zu meiner Zufriedenheit geendet. Mal davon abgesehen, daß es dank Exkursion und Abendessen beim Chef keinen Grund zur Langeweile gab und daß ich diese Woche meinen Schwedischkurs begonnen habe, gab es allein heute 2 Gründe, sich zu freuen:

1. Ich habe ein Paket von meiner Familie bekommen mit vielen tollen Sachen: z.B. Aspirin, Hustenbonbons, Nasenspray und Magentee (die nächste Erkältung ist auch schon wieder im Anmarsch), Filme für die Zeit ohne Fernsehen, eine Lampe, damit mich mein Papa auch sehen kann, wenn wir skypen, Heidelbeerlikör und eine Tasche von meiner Schwester, eine Tasse für die fika Pause (heute eingeweiht), Bücher, Knusperflocken und noch viele andere Kleinigkeiten. Ach, ist das schön, ein Südpaket zu bekommen!

2. Heute war Zahltag. Mein erster Lohn ist auf dem Konto eingetroffen. Daher kann ich jetzt anfangen, meine schwedische Visakarte zu benutzen und zahle nicht jedes Mal drauf, wenn ich mit meiner deutschen Karte zahle.

Trotz großer Müdigkeit schließe ich diese Arbeitswoche zufrieden ab und stoße an mit einer Dose lettöl. Skål!

Donnerstag, 24. September 2009

Ich hab ein Haus!!!

Ja, endlich hat das Suchen ein Ende. Ich habe ein Haus gefunden. Ein kleines Häuschen auf dem Lande, 81 Quadratmeter, Wohnfläche mit Küche, Bad, Wohnzimmer im Erdgeschoß und 2 Schlafzimmern im Obergeschoß. Das Häuschen ist nicht ganz neu, aber ich kann es mieten, so lange ich will - eine echte Rarität!

Doch bevor ich ins Detail gehe, hier erstmal, wie es dazu gekommen ist: Letzte Woche sind diese 2 Häuser im gleichen Ort bei den Anzeigen aufgetaucht. Der Link zur Anzeige ist vielleicht noch freigeschlatet. Der Ort heißt Järlåsa und liegt etwa 25 km westlich meiner Arbeit auf dem Lande. Ich dachte, daß das vielleicht der Schlüssel zum Erfolg ist: außerhalb wohnen. In der Stadt ist es, wie schon mehrfach beschrieben, unmöglich, etwas zu finden. Da ich ja in Göttingen auch außerhalb gewohnt habe, macht es mir nichts aus, nicht mitten in der Stadt zu wohnen. Warum also nicht mein Glück versuchen? Ich habe also eine Nachricht an beide Vermieter geschrieben. Das eine der beiden Häuschen durfte ich dann am Dienstag anschauen. Der Hausbesitzer hat mich sogar hier an meiner Arbeit abgeholt und ist mit mir rausgefahren. Er ist Marokkaner, lebt aber seit 26 Jahren in Schweden. Doch wie sich herausgestellt hat, hat er vorher auch eine Weile in Deutschland gewohnt, was man als Pluspunkt für mich verbuchen konnte, denn er mag Deutsche.

Die Besichtigung war lang aber aufschlußreich. Hier also mal ein Foto (das Foto ist Eigentum meines Vermieters):

Wie man sieht, ist das Haus nicht neu, aber ein guter Anfang. Außerdem gehört zum Haus noch ein Garten mit Apfelbäumen, eine Garage, ein Holzschuppen, ein Gästezimmer im Anbau an die Garage, ein kleines Gewächshaus und eine Menge Rasen.

Dank meiner Staatsbürgerschaft hatte ich also die Gelegenheit, das Haus einen Tag vor den anderen Interessenten zu sehen. Gut für mich, denn dadurch konnte ich trotz Beratung mit dem Freund und Bedenkzeit zusagen, bevor die anderen es überhaupt gesehen hatten.

Und heute hab ich schon den Mietvertrag unterschrieben. Ein Kollege und Freund war so nett, mitzukommen und mir das, was ich nicht verstehe, zu übersetzen. Jetzt hab ich den Schlüssel und muß nur noch einen Stromanbieter auswählen und versuchen, Interne zu bekommen. Nächste Woche ziehe ich auch schon ein, erstmal in ein leeres Haus (bis auf die Küchenausstattung). Aber jetzt kann endlich der Umzug geplant werden. Und noch was Gutes: Meine Raubtiere können nach Schweden ziehen und echte Waldkatzen werden. Hinterm Haus ist Wald!

An dieser Stelle wollte ich allen danken, die die Daumen gedrückt haben. Es hat geholfen!

Mittwoch, 23. September 2009

Ein laaanger Tag mit Exkursion und SFI

Heute (Ich schreibe hier aus der Mittwochsperspektive mit leichten Übergängen zum Donnerstag) war wieder einmal ein sehr anstrengender Tag, extrem anstrengend, weil lang. Heute morgen um 8 ging es auf Exkursion in die Gegend um die berühmte Dannemora Mine im Bergslagen-Gebiet. Einer der hiesigen Doktoranden hatte die Exkursion für Mitglieder meiner Abteilung und des SGU (den schwedischen geologischen Dienst/Amt, mein Deutsch versagt momentan im Angesicht der Menge an Englisch und Schwedisch um mich herum, also des survey auf neudeutsch) organisiert. Ich dachte, es wäre eine gute Gelegenheit, ein bißchen von der lokalen Geologie mitzubekommen, wenn ich schon mal hier bin. Und es war eine gute Idee: Das Wetter war phänomenal schön. Die Geologie ist beeindruckend mit metamorphen und mehrfach deformierten Vulkaniten und Sedimenten, die vor 1.89 Mrd Jahren eruptiert bzw. abgelagert wurden und nachträglich mineralisiert wurden. Ich wünschte wieder mal, ich hätte eine Kamera hier.

Wie versprochen waren wir um 17 Uhr zurück am Institut, wo ich mich aufs Fahrrad geschwungen habe, um eine halbe Stunde später an der Schwedischschule anzukommen. Ich hatte es nicht mal geschafft, meinen verbliebenen Apfel zu essen. Es folgte eine Stunde Einweisung in das Internetprogramm, in dem man einen Teil des Kurses zu absolvieren hat. Der Kurs svenska för invandrare (SFI) C soll bis Ende Februar dauern. Er besteht aus Unterricht vor Ort 2x die Woche für 2,5 h mit der Lehrerin. Der Kurs wird von der Kommune bezahlt, wir kriegen also alles gestellt. Sogar die Bücher bekommen wir geliehen. Der 2. Teil des Kurses besteht darin, daß man online Aufgaben löst (Leseverstehen, schreiben, Grammatik, Vokabeln, Sprechübungen, die man aufnehmen muß). Kurs C hat 7 Teile. Am Ende jedes Teils muß man eine längere Hausaufgabe mit mehreren Teilaufgaben an eine Lehrerin schicken, die in Malmö sitzt und die Hausaufgabe bewertet. Hat man einen Teil bestanden, kann man den nächsten angehen. Am Ende kann man die Prüfung für den C-Kurs machen. Man kann den online-Teil so schnell durchlaufen, wie man möchte, was gut ist, denn der Unterricht war für mich sehr langweilig. Da ich 2 Jahre norwegisch gelernt habe, verstehe ich schwedisch einigermaßen. Ich kann es nur nicht sprechen. In meinem Kurs sind aber vorwiegend Nichteuropäer, was es für sie zusätzlich schwierig macht. Nur ein Beispiel: Nach der Stunde fragte der junge Mann hinter mir, ob die Lehrerin nicht mal erklären könnte, was der Buchstabe "a" mit den 2 Pünktchen drüber bedeutet...

Nun ja, nach Unterrichtsschluß bin ich dann schon halb verhungert in die Innenstadt geradelt, wo sich einige der Exkursionsteilnehmer bei einem Italiener zum Essen verabredet hatten. Ich war dank des Kurses schon eine dreiviertel Stunde zu spät. Die anderen bekamen gerade ihre bestellten Gerichte. Doch erstmal hat es ewig gedauert, bis uns der Kellner bemerkt hat, um mir die Karte zu bringen, und dann hat er auch noch vergessen, meine Bestellung aufzunehmen. Ich war kurz vorm Hungertod, als wir endlich seine Aufmerksamkeit erregen konnten. Das Essen war sehr gut, das Ambiente auch, die Preise gehoben aber in Ordnung. Trotzdem werde ich da freiwillig nicht nochmal hingehen. Mit mir ist nicht zu scherzen, wenn ich hungrig bin!

Dann bin ich jedenfalls doch noch in die Septemberwohnung geradelt - mit kurzem Umweg übers Institut, um zu sehen, ob das Paket von meinen Eltern angekommen war. Leider nicht ;-( Na ja, ich bin dann verständlicherweise totmüde ins Bett gefallen und habe mir den Luxus gegönnt, heute bis 9 auszuschlafen. Puh!

Dienstag, 22. September 2009

Herbstanfang? Nicht in Schweden!

Heute ist kalendarischer Herbstanfang in Deutschland. Doch in Schweden ist immernoch Sommer, auch wenn das Laub an den Bäumen langsam gelb wird und gelbe Birkenblätter auf der Straße liegen. In Schweden ist und bleibt bis auf weiteres noch Sommer, denn hier gibt es keinen kalendarischen Herbstanfang.

In Schweden beginnt der Herbst, wenn es an 5 Tagen hintereinander tagsüber weniger als 10°C sind. Und das war dieses Jahr noch nicht der Fall und wird es laut Wetterbericht auch nicht mehr diese Woche werden. Mal sehen, wie lange der schwedische Sommer noch durchhält.

Montag, 21. September 2009

SFI

Heute war ich zur Eröffnungsveranstaltung des SFI Sprachkurses (Swedish for immigrants). Diese Kurse werden von der Kommune finanziert und haben das Ziel, Einwanderer in die schwedische Gesellschaft zu integrieren. Es gibt verschiedene Niveaus und Angebote. Man kann z.B. einen Intensivkurs machen, bei dem man neben dem Sprachlehrgang auch Unterricht in Landeskunde, Konversationstraining und die Vermittlung von Praktika angeboten werden. Dieser Intensivkurs findet allerdings tagsüber statt und ist sehr zeitaufwändig.

Wie einige meiner Kollegen auch, nehme ich an einem Abendkurs teil: montags und mittwochs 17:30 bis 20:00 plus obligatorische Arbeit am Computer von zu Hause aus. Heute war die Einführungsveranstaltung, auf der man seinen Stundenplan und wesentliche Informationen bekommen hat. Am längsten hat allerdings das Aufrufen der Namen gedauert. Es waren ca. 80 Leute anwesend, 60 davon Neuanfänger wie ich. Ich schätze, 40% waren aus arabischen Ländern, 40% aus dem fernen Osten, 10% waren Spanier oder Südamerikaner und 10% Europäer. In meiner Gruppe sind 28 Leute. Am Mittwoch geht es los mit einer Einweisung in das Internet-Übungsprogramm und dann mit dem Kurs. Ich bin mal gespannt, wie das so wird.

Samstag, 19. September 2009

Lördagsgodis

Wieder etwas typisch Schwedisches: Um zu verhindern, daß die schwedischen Kinder so fett werden wie die Kinder in anderen europäischen und nichteuropäischen Industrieländern, hat das schwedische Gesundheitsministerium vor einigen Jahren eine Kampagne mit dem Namen "lördagsgodis" (zu deutsch: Samstagssüßigkeiten) ins Leben gerufen. Die beinhaltet, daß man am Samstag so viel Süßigkeiten essen darf, wie man möchte, aber eben nur samstags. Das ist keine Gesetz, denn niemand hält einen davon ab, jeden Tag der Woche Tonnen von Süßigkeiten zu erstehen und zu essen, aber es funktioniert scheinbar.

Die Schweden sind im Durchschnitt wesentlich gesünder proportioniert als die Deutschen, wenigstens nach meinem Eindruck. Die meisten sind normalgewichtig. Man sieht nur ganz selten wirklich fette Leute, dafür aber auch nur selten klapperdürre. Das wird wohl nciht nur an den Lördagsgodis liegen, sondern wohl auch daran, daß man in Schweden einfach mehr auf sich achtet, sich gesund ernährt und mehr Sport treibt. Wird ja auch alles vom Arbeitgeber unterstützt.

Ich finde, die Lördagsgodis sind eine tolle Idee. Man kann sich die ganze Woche darauf freuen; und ist der Samstag erstmal da, kann man ohnehin nur eine begrenzte Anzahl von Süßigkeiten zu sich nehmen, bevor einem übel wird. Na dann guten Appetit, ein paar Stunden haben wir noch.