Montag, 31. August 2009

Mein erster Monat in Schweden

OK, wenn man ehrlich zählt, ist mein erster Monat erst am 3. September vorbei. Aber heute ist der letzte Tag im August, und das zählt doch auch irgendwie. Zeit, um kurz eine Bilanz zu ziehen, auch wenn ich besser nach Hause fahren sollte, denn es wird langsam dunkel.

Deshalb nur kurz: Ich hatte einen guten ersten Monat in Uppsala. Ich bin herzlich empfangen worden. Die Arbeit ist sehr gut. Ich hab schon eine Menge geschafft...

So, jetzt bin ich in meiner September-Wohnung (mehr dazu später). Also kann es weitergehen.

Ich finde die Leute hier sehr, sehr nett. Vor allem die Zugezogenen halten sehr eng zusammen und unternehmen viel gemeinsam. Ich denke, man kann unter ihnen gute Freunde finden. Sozial gibt es also keine Schwierigkeiten mich hier einzugliedern.

Mit dem Leben in Schweden kann ich mich, denke ich, auch ganz gut anfreunden. Die Sache mit der Transparenz (siehe personnummer) ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber die Lebensweise an sich ist schon sehr schön hier. Nur die Wohnungssituation ist ein echtes Manko, das ich einfach nicht akzeptieren kann.

Alles in allem (Arbeit, Soziales, Leben) bin ich also zufrieden hier. Ich hab mich eingelebt, soweit das in einem Monat überhaupt möglich ist. Bin gespannt, wie es nächsten Monat so weitergeht. Das Abenteuer hat gerade erst angefangen!

Donnerstag, 27. August 2009

Die ultimative schwedische Erfahrung

Hui, mein Kopf brummt von so vielen Informationen (Ich sag nur "Wie stehst Du zu dimensionslosen Zeitschritten?"). Ich hab heute schon ungefähr 2,3 Millionen verschiedene Dinge gemacht und bekomme jetzt einfach nichts Neues mehr auf die Reihe. Deshalb kann ich genauso gut noch ein bißchen Zeit totschlagen und vom letzten Wochenende berichten, denn das darf auf keinen Fall unerwähnt bleiben.

Ich habe ja bereits erwähnt, daß wir auf eine Party eingeladen waren. Doch das war eben nicht irgendeine Party und zwar aus 2 Gründen:

1. Eingeladen hatten mein polnischer Kollege, seine Frau und meine englische Kollegin (deren Mitbewohnerin), da sie an dem Wochenende Besuch von 8 slowakischen Freunden hatten und ihnen ein paar unvergeßliche schwedische Erfahrungen verschaffen wollten. Mal abgesehen davon, daß auf slowakische Art fast ununterbrochen getrunken wurde, und das von Donnerstag bis Montag, war Samstag wohl der schwedischste Abend. Abgesehen von den bereits erwähnten Leuten waren, soweit ich das noch zusammenbekomme, 1 Kanadierin, 1 Spanierin, 1Franzose, mit uns 2 Deutsche, ein paar Leute, von denen ich die Nationalität nicht kenne, und ein Schwede da. Letzterer spielt wiederum eine entscheidende Rolle für Punkt 2.

2. Es war surströmmingspremmiär! Für alle Nicht-Schweden ist surströmming auch unter dem Namen Schwedenhappen bekannt. Diese nordschwedische "Delikatesse" bezeichnet im Prinzip Ostseehering, der seines Kopfes beraubt, aber noch immer im Vollbesitz seiner Innereien von Juni bis Mitte August in Dosen in Salzlake vergammelt. Die Dosen sind aufgrund der entstehenden Faulgase als Gefahrgut zu deklarieren. Man munkelt, daß es verboten sein soll, sie innerhalb geschlossener Ortschaften zu öffnen. Doch wenn man einen echten Nordschweden damit beauftragt, ist es ein kalulierbares Risiko. Auf jeden Fall muß man die Dose unter Wasser anstechen, denn sonst könnte es eine böse Überraschung geben, wenn der Druck entweicht.
Das Schlimmste an surströmming ist nämlich eindeutig der alles durchdringende, tödliche Geruch. Als wir die Wohnung, in der die Party stattfand betraten, schlug er uns schon entgegen. Anfangs haben wir uns gewundert, warum die Küchentür geschlossen war und den Gestank auf die Schuhe geschoben, die überall herumstanden. Doch als wir die Küchentür öffneten, gab es nach 0,3 Millisekunden keine andere Wahl mehr, als schnellstmöglich das Zimmer zu durchqueren und auf den Balkon zu flüchten, um dort wieder atmen zu können. Der Gestank ist einfach nur unbeschreiblich. Keine Beschreibung in Worten kann ihm auch nur ansatzweise gerecht werden.
Ich habe es aber nach einiger Zeit doch gewagt, mich an den Tisch zu setzen, um zu beobachten, was es mit der ganzen Sache auf sich hat. Das Ritual läuft also folgendermaßen ab: Man angele einen Fisch aus der Dose, lege ihn auf den Teller und "schlitze" ihm mit der Gabel den Bauch auf. Dann entferne man alles, was sich so an glibberigen Dingen im Inneren des Getiers findet, bis nur noch Haut und Filets übrig sind. Das lege man dann auf eine Scheibe tunnbröd, ein schwedisches Fladenbrot (dünn, weiß, gibt's in weich oder hart). Man füge etwas saure Sahne, rote Zwiebel und Pellkartoffel hinzu, rolle das ganze zusammen und beiße beherzt hinein.
Wer jetzt glaubt, ich habe mich von dem Gestank abschrecken lassen, der irrt. Nachdem ich das Procedere eine Weile beobachtet hatte, habe ich mir auch einen "Schwedendöner" gebaut. Aber ich habe mich an die Anfängerversion gehalten und bereits fertige Filets verwendet, genauer gesagt 1 Filet. Der erste Bissen wäre auch fast wieder auf dem gleichen Weg rausgekommen, auf dem er rein ging, aber im Laufe etwa einer halben Stunde habe ich es tatsächlich geschafft, alles aufzuessen. Der Geschmack ist in erster Linie salzig, dann erst fischig. Ich verbuche das als die ultimative schwedische Erfahrung, aber als eine, die ich nicht unbedingt wiederholen muß. Auf jeden Fall kann ich verstehen, warum man zu surströmming so viel Alkohol trinken muß ;-)

Der Abend war also wirklich sehr lustig. Slowaken sind ein sehr trinkfreudiges, lautes, unterhaltsames Völkchen, z.B. wenn sie auf polnisch Lieder über die Ukraine singen. Überhaupt wurde viel gesungen, u.a. "We are the world". Auf sowas kann man auch nur im Suff kommen! Im Vergleich dazu war der Rest des Wochenendes mit Pilze sammeln, Wohnung besichtigen (siehe gestern) und Ausruhen eher langweilig. Mal sehen, wie das nächste Wochenende wird; da bin ich zu einem inflyttningsfest eingeladen. Doch dazu später mehr.

Mittwoch, 26. August 2009

Fortschritte

Nachdem mein Besuch heute morgen wieder abgereist ist und ich meine stressige Arbeitsphase beinahe hinter mir habe (morgen ist deadline und ich bin so gut wie fertig mit meinen Sachen), habe ich endlich Zeit für ein kleines Update. Allerdings muß ich einen längeren Bericht über letztes Wochenende noch etwas nach hinten verschieben. Das würde meinen zeitlichen Rahmen sprengen.

Doch nun zurück zum Thema. Bis gestern abend war der Stand der Dinge in etwa so: keine Wohnung, keine personnummer und leichte Frustration. Ich hatte eigentlich vor, für September und vielleicht Oktober das Sommerhaus im Garten der Nachbarn meiner jetzigen Gastgeber zu mieten, um abzuwarten, daß sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt etwas entspannt. Es ist nämlich immer noch katastrophal momentan.

Am Wochenende hatte ich meine erste Wohnungsbesichtigung: 2 Zimmer, 40 Quadratmeter, möbliert, zentrumsnah, aber 6000 SEK (etwas mehr als 600 €) und noch dazu nicht gerade modern. Ich war ziemlich desillusioniert und frustriert, zumal einem hier jeder dazu rät, alles zu nehmen, was man kriegen kann. Wie bereits erwähnt, zieht hier jeder mehrere Male um, bis er nach einigen Monaten eine permanente Wohnung gefunden hat. Aber ich habe 1. noch 3 Monate Miete für meine Göttinger Wohnung zu zahlen und 2. ein paar geringe Ansprüche an eine Wohnung, die ich mir einfach nicht austreiben lassen will: sowas wie Sauberkeit, Ruhe und ein bißchen Platz für meine Sachen und irgendwann auch meine Katzen. So verzweifelt bin ich noch nicht, daß ich diese Mindestansprüche vergesse!

Heute änderte sich bezüglich der Situation einiges, denn *trommelwirbel* meine personnummer ist da!!! Am Montag habe ich im skatteverket angerufen, woraufhin mir mitgeteilt wurde, daß es mindestens noch eine Woche dauern würde. Also habe ich mir keine großen Hoffnungen mehr gemacht. Doch heute morgen war der Brief da! Jetzt kann es losgehen: Verwaltungskram, Schwedischkurs, Konto eröffnen etc. Auf jeden Fall kommt jetzt eine Menge auf mich zu. Aber das meiste habe ich aufgrund der Menge an Arbeit, die ich gerade habe, auf morgen verschoben. Heute Abend muß ich mir erst einmal eine Liste machen, was ich alles zutun habe.

Doch das ist noch nicht alles. Ein weiterer Beweis, warum es wichtig ist, soziale Kontakte zu Kollegen zu pflegen, ereignete sich heute in der Mittagspause: Wir unterhielten uns über Wohnungen, Umziehen usw. - ein ergiebiges Thema, wie man sich vorstellen kann -, als jemand am Tisch meinte, er hätte aufgrund von Kündigungsfristen eine 1-Zimmer-Wohnung bis Ende September zu vermieten. Da konnte ich doch gar nicht anders, als zuschlagen, da ich wegen des Sommerhauses auch noch nichts unternommen hatte. Und billiger als letzteres ist die Wohnung auch noch.

Manchmal geht es eben doch ganz schnell.

Montag, 24. August 2009

systembolaget und die schwedischen Trinkgewohnheiten

Ich wollte eigentlich schon längst über das Thema Alkohol in Schweden berichten, weil es so derartig auffällig ist, daß man absolut nicht drumherumkommt. Nun habe ich aber endlich einen Anlaß:

Am Freitag war ich das erste Mal in meinem Leben im systembolaget. Dazu ist zu sagen, daß man in Schweden im Supermarkt und überall sonst nur nicht-alkoholische Getränke bis ca 2,8% kaufen kann. Es gibt also sogenanntes lettöl (Leichtbier), was man aber eher als "isotonisches Sportgetränk" bezeichnen sollte. Alles, was härter ist als das, gibt es nur im systembolaget zu kaufen. Diese Ladenkette hat das Monopol auf Hartalkohol in Schweden, und das hat vor allem zwei Hauptfolgen:
  • Alkohol ist teuer. Eine 0,5 l Flasche Erdinger Weißbier kostet mehr als 2 €, und selbst die 0,5 l Dose tchechisches Bier kostet um die 1,50 €. Bier trinken ist also schon ein kleiner Luxus. Wenn es dann zu härteren Sachen kommt, werden schonmal 50 bis 100% auf den deutschen Preis draufgeschlagen. Dabei gilt: je billiger der Alkohol in Deutschland, umso mehr wird draufgeschlagen.
  • Alle Leute haben eine Alkoholfixierung! Es wird viel mehr über Alkohol geredet, als ich das gewohnt bin. Man hortet. Man versucht, Quellen aufzutun. Man kennt die Öffnungszeiten des systembolaget auswendig. Man kauft, so viel man kann, wenn man im Ausland ist. Man läßt sich Alkohol von Besuchern mitbringen. Man trinkt bewußter und, soweit ich das bisher beurteilen kann, mehr.
Da wir am Samstag zu einer Party eingeladen waren, konnten auch wir uns dem Zwang des Alkohols nicht entziehen. Es wäre ja auch unhöflich gewesen, ohne mitgebrachten Alkohol aufzutauchen. Da der systembolaget am Samstag aber nur bis 3 oder so geöffnet ist, sind wir Freitag gegen 6 dort gewesen... so wie der Rest der Bevölkerung. Anfangs war es noch recht leer, doch auf ein unsichtbares Signal hin, war der Laden plötzlich extrem überfüllt. Ich hatte Schwierigkeiten, mich mit meinem Korb zu bewegen. Schlangen bildeten sich an den Kassen.

Auch auf dem Heimweg sah man unzählige Menschen mit den eindeutigen, türkisblauen Tüten auf den Straßen und im Bus. Offensichtlich ist es ein gesellschaftlicher Zwang hier, vorm Wochenende zum systembolaget zu pilgern und sich mit Alkohol einzudecken. Als normaler Mitteleuropäer kann man da nur den Kopf schütteln, aber ich fühle bereits erste Anzeichen der Alkoholfixierung. Immerhin denke ich darüber nach, wieviel Alkohol ich einführe, wenn ich meinen Umzug mache und mein Auto hierher überführe.

P.S. In Schweden gibt es Sirup mit z.B. Wiskeygeschmack, den man dann mit Ethanol aus der Apotheke auffüllen kann. Wiederum Kopfschütteln meinerseits.
P.P.S. Zum Thema "Man trinkt mehr": freitags bereits gegen 8 laufen in der Innenstadt einige Jugendliche schon nicht mehr ganz geradeaus. Das Ziel schwedischen Alkoholkonsums ist also, so betrunken wie möglich zu werden mit dem, was einem zur Verfügung steht.

Samstag, 22. August 2009

Happy birthday!

Heute wird mein Leon-Baby ein Jahr alt! Es kommt mir vor, als wäre er erst gestern ein winziges Fellkügelchen gewesen, daß mit seinem türkisblauen Unschuldsblick mein Herz erobert hat. Hab sogar heute Nacht von ihm geträumt. Ich hoffe, er ist nicht zu traurig, daß er mit der Ginny allein feiern muß und daß ich ihn bald zu mir holen kann.


Donnerstag, 20. August 2009

Postkarten!

Auf diesem Weg wollte ich mich bei den Schreibern der 3 (!!!) Postkarten bedanken, die ich gestern aus Italien, Schottland und aus idyllischsten Dorf am Hinterteil der Welt bekommen habe. Ich habe mich so gefreut. Vielen Dank!

Mittwoch, 19. August 2009

Der Sommer zu Besuch

Nach den letzten Tagen mit viel Arbeit, nassen Schuhen (es hat furchtbar geregnet), keiner personnummer und keiner Wohnung ist der Sommer zurück in Uppsala und ich bekomme meinen ersten Besuch von zu Hause!

Das ist nicht nur schön, sondern auch unheimlich praktisch. Wir wissen noch nicht so ganz, was wir in der nächsten Woche alles unternehmen wollen (mal abgesehen von arbeiten), aber ich werde endlich auch eine Kamera haben, um Bilder zu machen. Der Blog ist wirklich etwas textlastig diesen Monat. Außerdem bekomme ich ein paar mehr Klamotten, vor allem meine Regenhose und Geländesachen, und diverse Kleinigkeiten, die mir in den letzten 2,5 Wochen gefehlt haben, z.B. eine Creme gegen Mückenstiche ;-)

Ich freu mich so! Auf in eine sonnige Zeit mit Fotos!