Freitag, 3. August 2012

3 Jahre Schweden!

Fast hätte ich es vergessen, aber heute ist doch tatsächlich mein 3jähriges Schwedenjubiläum! Es ist kaum zu glauben, daß schon so viel Zeit vergangen ist, seit ich damals mit meinem großen Rucksack, Laptop und Handgepäck in Uppsala ankam und am Institut erst einmal vor verschlossenen Türen stand. Damals war mir eine Stelle für 1 Jahr angeboten worden. Ich wußte weder, wo ich an dem Abend schlafen würde, noch ob ich in dem Jahr Geld für eine weitere Anstellung auftreiben könnte. Das war schon ein echt großes Abenteuer, vielleicht das Abenteuer meines Lebens, und das will schon was heißen!

Heute, 3 Jahre später, bin ich immer noch hier. Laut Auswanderersendungen im Fernsehen kann man ja nach einem Jahr behaupten, es geschafft zu haben. Und ich würde schon behaupten, daß das Abenteuer Auswandern geschafft ist. Aus dem Abenteuer ist Alltag geworden, aus dem fremden Land zu Hause. Ich spreche mittlerweile fließend schwedisch. Wir wissen, wo und wie wir Dinge des täglichen Lebens bekommen. Und im großen und ganzen kommen wir gut zurecht.

Ansonsten heißt das aber nicht, daß sich so gar nichts mehr tut. Vor einem Jahr wußte ich nicht, wie es Ende August mit meiner Stelle weitergehen würde. Heute habe ich eine feste Stelle und ein 4jähriges Forschungsprojekt. Wir sehen uns nach einem Haus um. Und ich versuche, mit meinen neuen Pflichten als Lektorin klarzukommen. Das Leben ist also durchaus noch aufregend, wenn auch aus anderen Gründen. Bin gespannt, was sich in Jahr 4 so alles tut.

Mittwoch, 1. August 2012

Die Bärenjagd ist eröffnet

Auch wenn der Sommer bisher eher zu wünschen übrig läßt, gibt es einen Lichtblick bei all dem Regen und den mittelmäßigen Temperaturen: dieses Jahr ist ein perfektes Bären-, äh Beerenjahr. Wir erinnern uns: auf schwedisch heißen Beeren bär. Es gibt momentan jede Menge riesengroße Blaubeeren im Wald. Außerdem sind im Garten die Johannisbeeren und die Stachelbeeren reif. Zum ersten Mal gibt es auch nennenswerte Mengen an Himbeeren, die in den letzten Jahren eigentlich immer vertrocknet sind. Einen Grund zum Meckern gibt's aber doch schon wieder, wenn auch mit Augenzwinkern: alles wird gleichzeitig reif! Also muß alles gleichzeitig geerntet und verarbeitet werden. 
Blaubeeren, Himbeeren, Stachelbeeren und Johannisbeeren und eine leicht genervt guckende Katze.
So haben wir auch jetzt schon einige Stunden im Wald und im Garten mit Beerenpflücken verbracht. Im Falle der Blaubeeren gibt es da zum Gluck ein sehr hilfreiches Instrument, das hier in Schweden in keiner Blaubeersaison fehlen darf: der bärplockare (Beerenpflücker), eine Art Kamm, mit dem man die Blaubeeren aus den Büschen kämmen kann, ohne die Beeren zu zerquetschen und der Pflanze dabei zu schaden. Damit geht das Ernten echt einigermaßen schnell. dann braucht man noch ein spezielles Sieb, um die Blätter auszusieben und schon hat man seine Blaubeeren geputzt.

In nächster Zeit gibt es also auch wieder das ein oder andere Kuchen- und Marmeladenrezept auf voracious silence, zum Beispiel:
Geburtstagskuchen mit Erdbeeren und Blaubeeren
Blaubeer-Johannisbeermarmelade
Waldbeermarmelade mit Blaubeeren, Walderdbeeren und Himbeeren
Stachelbeer-Johannisbeermarmelade
Pinke Sommerbeerenmuffins
Die Rezepte werden dann verlinkt, sobald sie fertiggepostet sind.

Sieben.
Ein bißchen sortieren.


Fertig.

Dienstag, 31. Juli 2012

Äntligen sommar!

= endlich Sommer!
Das Weiß meiner Beine ist ein Anzeichen für das bisherige Sommerwetter.

Wir haben Ende Juli und endlich ist der Sommer auch nach Schweden gekommen. Seit letzter Woche gibt es auch mal Temperaturen über 20°C. Da traf es sich, daß ein Freund und Kollege aus Göttingen gerade mit seiner Familie an der schwedischen Küste Urlaub macht und uns eingeladen hat.
Zwei Tage Urlaub inklusive baden in der Ostsee, Grillen, Stadtbummel und Krabbenbrötchen essen... ein echter Sommertraum!


Montag, 30. Juli 2012

Hochzeitsmarathon - Teil 2

Nun also Teil 2 zur Marathonhochzeit - bevor alle Erinnerungen verblaßt sind und alle Kuchenkalorien wieder abtrainiert.
Am Samstagmorgen ging die Hochzeit glücklicherweise langsam in ihre nächste Runde. Dank Unterbringung auf der Burg Bodenstein konnten wir gemütlich frühstücken (inklusive Geburtstagstorte mit Nougat) und uns dann langsam anziehen.

Die kirchliche Trauung fand dann am frühen Nachmittag in der St. Antoniuskirche in Worbis statt. Das war nicht nur meine erste katholische Hochzeit, sondern auch mein erster katholischer Gottesdienst. Als unqualifizierte Beobachterin konnte ich manchmal nur bedingt folgen, wobei ich mich am besten an den Liedern des breitenworbiser Kirchchores orientieren. Nach Trauung, Segen, Kommunion, Kerze, Segenswünschen, Aufstehen, Knien und Hinsetzen zog dann ein strahlendes Brautpaar aus der Kirche aus, wo pünktlich auch die Sonne wieder strahlte.

Nach Glückwünschen von Familien, Bekannten und Freunden setzte sich eine Kolonne von Autos in Richtung Burg in Bewegung. Im Burghof wartete der Schützenverein des Bräutigams für Salutschüsse und der obligatorische Baumstamm zum Durchsägen. Als echter Nordmann und Nordfrau machte das Brautpaar dabei selbstverständlich eine super Figur. Beim folgenden Sektempfang mußte deshalb auch erst einmal eine Stärkung in Form von knusperwarmen Bretzeln her. Mmmmmhh...

Dann ging es auch schon zum Kaffeetrinken in den Burgsaal vorbei am üppigen Kuchenbuffet mit etwa 20 Torten neben der Hochzeitstorte. Da war es unmöglich, von allem zu probieren. Anschließend gab es für die Gäste verschiedene Aktivitäten zur Auswahl, während das Brautpaar draußen sein Hochzeitsfotoshooting absolvierte: Man konnte entweder eine Burgführung machen oder einem Orgelkonzert in der Burgkapelle beiwohnen. Wir hatten eine Extraaufgabe: In der gemütlichen Bibliothek der Burg durften wir die Gästefotos machen. Das war echt ein Spaß! Vor allem nachdem meine Freundin eine Reihe lustiger Cowbowhüte aus ihrem Zimmer hervorzauberte.
Das Abendessen war sehr lecker: 4 Gänge, darunter Hochzeitssuppe, Wachtel auf Salat, heimischer Hirschrollbraten mit thüringer Klößen und Rotkohl, sowie Erdbeeren mit Vanilleeis. Besonders der Hauptgang hat mir gefallen, wo der Hirsch doch aus dem Heimatdorf des Bräutigams kam.

Ansonsten war der Abend gesprenkelt mit schönen, kleinen Showeinlagen ohne peinliche Spiele. Mein Lieblingsbeitrag war eine Playbackaufführung des norwegischen Lieblingsliedes des Bräutigams durch seine und ihre Schwestern, dicht gefolgt vom mittelalterlichen Minnelied, das der Vater der Braut geschrieben und von der Familie der Braut aufgeführt wurde.

Alles in allem eine wahnsinnstolle Hochzeit mit viel Tradition  aber ohne Kitsch.

(P.S. Um das ganze mal zum Abschluß zu bringen: Wir sind am nächsten Tag nach dem Frühstück zu unseren Freunden in Hannover gefahren, wo wir abends noch mit einem gemeinsamen Studienfreund gegrillt haben. Am Montag haben wir dann einen Ausflug zum neuen Rathaus in Hannover gemacht, von wo aus wir einen grandiosen Ausblick über ganz Hannover hatten. Dann ging es mit dem Auto nach Berlin und von dort mit dem Flieger nach Schweden. Puh! Was für ein Wochenende!)

Montag, 23. Juli 2012

Hochzeitsmarathon - Teil 1

Die Hochzeit unserer besten Freunde war das gesellschaftliche Großereignis dieses Sommers. Ein wirklicher Marathon aus Familie, Tradition und jede Menge leckerem Essen und das in insgesamt zwei Schlössern.

Los ging's am Donnerstag Nachmittag auf der Burg in Nörten-Hardenberg bei Göttingen. Schon beim Betreten des Geländes wird man vor den ernsten Konsequenzen der Ehe gewarnt.
Das Burgtor.
Die standesamtliche Trauung fand in einem geschmackvoll beleuchteten Gewölbe statt, das das Standesamt Nörten-Hardenberg für standesamtliche Trauungen zur Verfügung stellt. Die Trauung selbst war sehr schön mit einer romantischen, persönlichen und auch manchmal lustigen Ansprache der Standesbeamtin. Als Trauzeugen durften wir ganz vorn das Brautpaar flankieren. Die Adressen, sowohl die des Brautpaares in Norwegen, als auch unsere in Schweden, trieben die Standesbeamtin zwar ein wenig zur Verzweiflung, aber sie nahm es mit Humor. Und so stand einer erfolgreichen Eheschließung kraft des deutschen Staates nichts mehr im Wege.
Schöne Ringe!
Das Wetter an diesem Tag war leider wenig festlich. Dem Gewittersturm fiel leider auch das Partyzelt im Garten der Braut zum Opfer. Zum Glück war dann aber der Rest des Abends sonnig und schön, perfekt für den Polterabend. Der hatte es allerdings in sich, nicht zuletzt wegen der 100 Würstchen oder wegen der 20 Flaschen Likör, die die Schwestern des Bräutigams den ganzen Abend lang verteilten.
Die besten Bratwürstchen der Welt!
Nur gegrillt sind sie noch schöner.
Gepoltert wurde natürlich auch.
Nach dem feuchtfröhlichen Polterabend waren alle beteiligten froh, daß es erst am Samstag wieder weitergehen würde. Für uns bot der Freitag die Möglichkeit, meine Großeltern zum Kaffee zu besuchen. Das war wirklich schön, wenn auch kurz, denn wir mußten zum Abendessen auf der Burg Bodenstein sein, wo die Hochzeitsfeier stattfinden sollte.
Burg Bodenstein: das Turmzimmer ist übrigens die Honeymoonsuite mit grandiosem Blick.
Die Burg tront oberhalb der Stadt Worbis über das Eichsfeld und innen erst kürzlich renoviert worden. Mit einer ganzen Reihe von Zimmern und einem schönen Saal, sowie Catering ist die Burg perfekt für Familienfeiern. Und daß wir dort übernachten konnten, war total toll. Da konnten wir am Freitag Abend noch gemütlich zusammensitzen und in den Geburtstag einer ebenfalls als Gast geladenen Freundin reinfeiern.

So, das war Teil 1 über die Hochzeit. Ein solcher Marathon erfordert 2 Teile.

Sonntag, 22. Juli 2012

30 über Nacht

Man wird ja auch nicht jünger. Ich auch nicht. Und so hat auch mich die böse 3 eingeholt. Aber so schlimm ist das eigentlich nicht. Ich bin ganz zufrieden mit dem, was ich in den 30 Jahren erreicht habe. Da kann ich mich auch mit meinem Alter anfreunden.
Mein Geburtstagskuchen. Rezept gibt's demnächst auf voracioussilence.blogspot.com.
Ansonsten war heute ein schöner Tag: eine Homage an das schöne Landleben hier mit allem, was ich hier gern tue: Mitternachtscocktail, gemütlich frühstücken, wandern, Blaubeeren pflücken, Pilze (die ersten Pfifferlinge!) sammeln, Kuchen backen, spazieren gehen und lecker kochen.

Ach ja, und natürlich Geschenke auspacken. An dieser Stelle vielen Dank für die Glückwünsche und die Geschenke. Ich freu mich total!
Die Blaubeeren sind reif!!!
Wandern auf dem Upplandsleden.
Wandern am Siggeforasjön.

Mittwoch, 18. Juli 2012

Deutschland als Tourist

Das letzte Wochenende bot neben einer Hochzeit und dem Besuch bei Freunden und Familie (zu all dem später mehr) auch die Möglichkeit, ein wenig (ca. 1000 km) im Land herumzufahren, nämlich von Berlin nach Nordthüringen über Niedersachsen zurück nach Berlin. Dabei ist mir aufgefallen, daß ich jetzt nach fast 3 Jahren in Schweden langsam einen anderen Blick für Deutschland bekomme.

Tatsächlich sieht man seine tägliche Umgebung ja meist nur noch als Hintergrund. Und gerade, wenn man an einem Ort aufgewachsen ist, ist alles einfach nur normal, wenn vielleicht auch schön, aber eben doch unbemerkenswert. 

In den letzten 3 Jahren war ich insgesamt vielleicht 6 Wochen in Deutschland, sowohl zu Besuch bei Familie und Freunden und im Urlaub, als auch auf Tagungen. Wenn ich da war, field mir meistens auf, wie voll es überall ist und wie viel die Leute doch ständig meckern und sich beschweren - ein typisch deutscher Zug, der uns auch im Ausland nachgesagt wird. Ansonsten kriege ich zwar nicht mehr alles mit, was sich so tut im Deutscheland, aber ich bin doch mit den meisten Dingen durch das deutsche Fernsehen auf dem Laufenden.
Burg Bodenstein über dem Eichsfeld tronend.
Nochmal die Burg Bodenstein bei Worbis.
Was ich dieses Mal allerdings doch als neu und spannend empfand, ist, daß ich auf einmal sehe, wie schön es doch dort ist, wo ich herkomme. Gerade jetzt im Sommer mit Kirschbäumen, goldenen Feldern und Blumen überall. Mittlerweile kann ich also Deutschland schon mit den Augen eines Touristen betrachten. Erstaunlich!
Richtig echter Touristenblick vom Neuen Rathaus in Hannover.
Und hier der Maschteich vorn und der Maschsee hinten, sowie das Landesmuseum vom Neuen Rathaus aus gesehen.