Samstag, 24. Dezember 2011

Vorsingreflektion

So, mit etwas Abstand kann ich jetzt berichten, wie es am Montag gelaufen ist. Wie man wohl an meinen letzten Einträgen gesehen hat, war ich ganz schön aufgeregt. Deshalb bin ich eigentlich immer froh vor einem Vortrag, wenn es endlich so weit ist und das Warten ein Ende hat.

Um 13:00 war es dann auch endlich Zeit für meine 20minütige Probevorlesung. Der Raum war ziemlich voll mit Kollegen und der Kommission (etwa 8 Leute). Ich schätze, es waren vielleicht 40 oder 50 Leute da, nur leider keine echten Studenten. Die wären bei einer simulierten Probevorlesung echt nützlich gewesen. So mußte ich meine Fragen an das Publikum stellen, was nach ein paar Anlaufschwierigkeiten dann doch funktionierte. Dank der Aufregung war ich auch ein wenig schneller als geplant. Ich war etwa anderthalb Minuten zu früh fertig, aber das liegt schon noch im akzeptablen Bereich. Danach wurden etwa 10 Minuten Fragen zum Inhalt und zur Pädagogik der Vorlesung gestellt: Was ist die Bedeutung des Themas für das Fachgebiet? Welche Art von Übung halte ich zu der Vorlesung für sinnvoll? und so weiter. Ich denke, ich hab die Fragen recht gut beantwortet, auch wenn ich nicht erwartet hatte, daß so detailliert nach dem Inhalt gefragt wird. Irgendwie hat sich da mein brainwash-Pädagogikkurs doch ein bißchen ausgezahlt.
Danach war dann der zweite Bewerber auf die Stelle mit seiner Vorlesung dran. Da durfte ich natürlich nicht dabei sein. Deshalb kann ich auch nicht sagen, ob es für ihn gut oder schlecht gelaufen ist. Ich hab ihm ehrlich gesagt auch nichts Böses gewünscht. So wie ich ihn kenne, hätte ich auch gut mit ihm als neuem Lektor arbeiten können.

Für mich hieß es aber in dem Moment noch mal 30 Minuten warten, eine der magischen Pralinen einzuwerfen, die meine Freundin selbstgemacht und mir zu Weihnachten geschenkt hat (die Gelegenheit rechtfertigte das frühe Öffnen!) und tief durchzuatmen.

Forschungspräsentation und Interview sollten in einem anderen, recht kleinen Raum stattfinden. Als die Kommission, der Präfekt und die Gutachterin dann platzgenommen hatten, war der Raum auch ziemlich voll. Die Luft war schlecht wegen des Beamers und weil der Raum kein Fenster hat, aber daran ließ sich ja nichts ändern. Erstmal stellten sich alle Leute (außer mir natürlich) vor, bevor ich dann meinen 20minütigen zweiten Vortrag halten durfte. Das lief sehr gut. Ich war ziemlich genau im Zeitrahmen und hab alles gesagt, was ich mir zurechtgelegt hatte. Dann kamen natürlich die Fragen, vor denen ich im Vorhinein schon ziemliche Angst hatte. Ich hatte zwar von meinem einen Chef sehr nützliche Hinweise bekommen, was so gefragt werden könnte und daraufhin lange über potentielle Antworten nachgedacht, aber man weiß ja nie, was letztendlich gefragt wird. Was ich auf jeden Fall nicht erwartet hatte, war, daß die Leute so freundlich sein würden. Irgendwie hatte ich mir das eher wie ein Verhör vorgestellt. Wie das nach Prüfungen aber im allgemeinen so ist, konnte ich mich selbst kurz danach nicht mehr an alle Fragen und Antworten erinnern. Ich weiß noch, daß jede Frage so ziemlich drei Fragen in einer waren, was es natürlich nicht so einfach macht, beim Antworten die anderen Teilfragen zu vergessen. Auf jeden Fall wurde gefragt, warum ich denke, daß ich für die Stelle geeignet bin, wie mein Forschunsnetzwerk (nationale und internationale Zusammenarbeit) aussieht, wofür ich in der Wissenschaft am besten bekannt bin, worauf ich am stolzesten bin und wofür man mich in den nächsten 10 Jahren kennen wird, wie ich mir meine Lehrtätigkeit auf dem Fachgebiet vorstelle, welche Forschungsgelder ich ganz allein und welche ich mit Kollegen zusammen eingeworben habe. Es waren noch mehr Fragen, aber ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern. Die 25 Minuten gingen jedenfalls ziemlich schnell vorbei. Draußen saß, als ich rauskam, der andere Kandidat und wartete auf sein "Verhör".

Ich war jedenfalls zufrieden, wie es gelaufen ist. Ich hatte meine Vorträge gut geschafft, die Fragerunde ist gut gelaufen, und insgesamt kann ich wohl sagen, daß ich mein Bestes gegeben habe. Deshalb war ich am Montag Abend einfach nur froh, daß es vorbei war, auch wenn ich das Ergebnis erst am Dienstag erfahren sollte. Ich freute mich nach dem ganzen Streß auf Normalität und Ruhe.

Dienstag mußte ich dann leider extra früh zur Arbeit erscheinen, um Studenten bei einer Kursevaluation im Computerraum zu beaufsichtigen. Aber welcher Student kommt in der Woche vor Weihnachten um 8:15 zur Uni, um eine Evaluation auszufüllen, die er auch zu jedem anderen Zeitpunkt zu Hause ausfüllen kann? Also war niemand da und ich hab dann um etwa halb 9 die Email von der Kommission gelesen: Ich bin in ihrer Stellenbesetzungsempfehlung auf Platz 1!

Wie gehts jetzt weiter? Nun erstmal wurde dieses Ergebnis gestern an alle Bewerber geschickt. Die haben eine 3wöchige Beschwerdefrist. Danach, so denn keine begründete Beschwerde eingegangen ist, wird mir die Stelle offiziell von Seiten der Uni angeboten. Ich kann noch ein wenig über Startförderung und Gehalt verhandeln, und dann wird der Arbeitsvertrag fertiggemacht und unterschrieben. Doch jetzt passiert erstmal nichts. Es ist Weihnachten. Niemand ist auf Arbeit. Stille. Erholung. Und Nachdenken über meine Strategie für die Zukunft.

Montag, 19. Dezember 2011

Liveticker zum heutigen Vorsingen

9:23 Sitze im Büro. Das Schwerste heute morgen war nicht, aus dem Bett, sondern mit dem Auto vom Grundstück zu kommen. Erforderte Anschieben. Ansonsten ist es toll mit so viel Schnee draußen. Jetzt sitze ich im Büro. Emails sind gelesen. Daumendrück-SMS von meinem Chef bekommen. Nur noch 3,5 Stunden. Wie oft kann ich da wohl noch üben? Ich checke mal den Raum, in dem der eine Vortrag stattfindet.

12:45 Gleich geht die Probevorlesung los. Der Raum ist noch besetzt. Mist. Hätte ja gern schonmal alles aufgebaut. Das Institut ist ganz schön leer heute. Fast keiner da. Ich hoffe, es kommen auch ein paar richtige Studenten. Wäre blöd, wenn wirklich nur das Kommittee und Kollegen da wären.

15:00 Es ist gelaufen. Probevorlesung, Forschungspräsentation und Interview sind gut gelaufen. Entscheidung kommt morgen.

Sonntag, 18. Dezember 2011

Leicht verkorkstes Wochenende

Das Wochenende hätte so schön sein können, hätte ich nicht am Montag ein monströs wichtiges Vorstellungsgespräch, für das ich zwei Vorträge üben müßte, und wäre nicht am Samstag Morgen unsere Wasserpumpe ausgefallen. Die Wasserpumpe hat schon lange Probleme gemacht, weil sie den Druck nicht gehalten hat und das Wasser dann immer mal minutenlang weg war. Unser Vermieter ist auch eher einer von der Sorte, die Symptome bekämpft (Druck nachpumpen war sein Rat), statt die Ursachen zu beseitigen. Und natürlich ist am Wochenende in Schweden kein Klempner aufzutreiben ist (Ich hab zwar am Telefon einen netten Österreicher kennengelernt, aber der ist gerade krangeschrieben). Also hatten wir bis heute Nachmittag das ganze Wochenende lang kein fließendes Wasser. Und Nudeln kochen mit Sprudelwasser ist auch keine dauerhafte Lösung, zumal uns irgendwann ja auch die Töpfe ausgehen. Jetzt ist die Pumpe notdürftig repariert und wir haben wieder Wasser, weil unser Vermieter zu Glück einen handwerklich begabten Kumpel hat. Doch das war natürlich alles nochmal extra Stress, den ich dieses Wochenende einfach nicht brauchen kann.
Leon guckt schon ganz sauer, weil sein Katzenbrunnen nicht nachgefüllt wurde.
Wie gesagt, es hätte so schön sein können, denn seit gestern schneit es endlich. Die Welt ist weiß und nicht mehr grau. Doch nun muß wieder daran gedacht werden, daß ich morgen unbedingt nach Uppsala zu meinem Vorstellungsgespräch muß, was natürlich jede Menge Schneeschaufeln bedeutet. Trotzdem will ich mich mal zufrieden geben, denn immerhin haben wir wieder Wasser.
Endlich Schnee!

Lucia

Mit etwas Verspätung kommen hier ein paar Eindrücke vom diesjährigen Lucia-Fest hier in Schweden. Dieses Mal lasse ich den Chor der Upplands Nation (einer Studentenverbindung) für mich sprechen. Ansonsten gibt es hier Hintergründe und hier meinen Erfahrungsbericht zu Lucia letztes Jahr.
Lussekatter und lussebullar. Das Rezept gibts hier.
Zum Luciafika gab es pepperkaka mit alkoholfreiem glögg, Rosinen und Mandeln.

Sonntag, 11. Dezember 2011

Einstellungssache - Teil 4

Irgendwie nimmt es kein Ende: Wie bereits erwähnt, hatte ich mich im August auf zwei Stellen als Lektor beworben, eine hier in Uppsala, eine in Stockholm. Dank des Erfolgs meines Antrags beim schwedischen Wissenschaftsrat, habe ich ja ab 1. Dezember wieder einen richtigen Vertrag. Da war es auch nicht weiter schmerzhaft, daß ich eine Absage auf die Bewerbung in Stockholm bekommen habe. Da man in Schweden zu solchen Gelegenheiten auch alle Gutachten (auch die aller anderen Bewerber) zu lesen bekommt, war klar, daß ich im Vergleich zu den anderen Bewerbern zu wenig Erfahrung habe und auch nicht so richtig auf die Stelle gepaßt habe.

Für die Stelle hier in Uppsala bin ich dagegen zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Schon der Gedanke daran, läßt mich nervös werden., auch wenn es sowas wie ein Heimspiel ist. Am 19. Dezember muß ich zunächst einmal eine 20minütige Probevorlesung geben. Dann halte ich noch einen 20minütigen Vortrag über meine Forschung, bevor mich die Kommission dann 20 Minuten lang interviewt. Außer mir ist nur noch ein weiterer Kandidat eingeladen. Zufällig kenne ich ihn auch noch. Ein sehr netter Typ. Ich bin ganz schön aufgeregt, zumal ich in der Kommission nur zwei Leute kenne und mir bewußt bin, daß ich nicht genug Erfahrung habe für die Stelle. In dem Fall profitiere ich eben mal vom Heimvorteil (obwohl sowas natürlich auch nach hinten losgehen kann, denn verbergen läßt sich im eigenen Institut nichts).

Auf jeden Fall habe ich ein paar Stunden des heutigen Tages am Rechner verbracht, um meine Vorlesung und meine Forschungspräsentation vorzubereiten. Leider bin ich noch weit davon entfernt, fertig zu sein, was mich extra nervös macht. Dabei bin ich ja nicht auf diese Stelle angewiesen, jedenfalls momentan nicht wirklich; es wäre nur eine monströse Beförderung und die Rettung aus dem Befristungskreislauf der Wissenschaft, ein echter Traum weniger als 4 Jahre nach dem Doktor!

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Familienwochenende in Dresden

Und noch ein Wochenendtrip, dieses mal nach Dresden zur Familie meiner Schwester. wie bereits bemerkt, feierte meine kleine Nichte ihren ersten Geburtstag. Es war echt schön, dabei zu sein, zumal ich normalerweise trotz wöchentlichem Telefonieren schon sehr viel davon verpasse, wie sie wächst und sich entwickelt. Das ist schon ein Nachteil des Auswanderns.

Ansonsten war es auch mal wieder interessant, in Dresden zu sein. Dresden ist einfach eine sehr schöne Stadt, wenn sie auch dank Weihnachtstrubel unglaublich überlaufen war an diesem Wochenende. Den Strietzelmarkt haben wir deshalb wegen Überfüllung gemieden. Stattdessen waren wir im Deutschen Hygienemuseum und haben uns die Ausstellung zur menschlichen Anatomie angeschaut.
Wärmebild meiner Dresdner Familie. Selbst in Thermo ist meine Nichte niedlich.
Neben ausgiebigem Spielen mit meiner Nichte war das Wochenende dem leiblichen Wohl gewidmet. Unter anderem gab es die berühmten hausgemachten Buletten und Putenröllchen, Birnenlebkuchen und Eisschollenplätzchen, von denen ich die Rezepte auch sehr gern auf voracious silence sehen möchte, um sie nachzukochen. Und dann gab es natürlich noch extra leckeren, außen knusprigen und innen saftigen Geburtstagskuchen. Folglich heißt es jetzt wohl Diät halten bis Weihnachten, zumal wir ja das Wochenende vorher schon gemästet worden sind.
Superleckerer Geburtstagskuchen.
Natürlich durfte auch das obligatorische Deutschlandshopping nicht zu kurz kommen. Dabei haben sich die Produkte, die unbedingt bei jedem Deutschlandbesuch eingekauft werden müssen auf ein paar Basics reduziert, die es in Schweden einfach nicht gibt: Senseo Kaffeepads, Elmex und Harzkäse. Außerdem haben wir die deutsche Lebkuchen-, Stollen- und Gummibärchenindustrie unterstützt. Haribo Goldbären schmecken nämlich im Ausland anders als in Deutschland. So waren die Taschen auf dem Rückflug auch gut gefüllt.

Alles in allem war es sehr schön in Dresden mit der Familie. Vielen Dank für die schöne Zeit!

Montag, 5. Dezember 2011

1. Geburtstag

Heute feiert meine kleine Nichte ihren ersten Geburtstag. Es gab Geburtstagskuchen und jede Menge Geschenke.
Herzlichen Glückwunsch, kleine Rennsemmel!