Zeit für Teil 2 des Islandberichts. Nachdem wir mit dem Bus in Reykjavik angekommen waren und es auch dort regnete und stürmte, entschieden wir uns gegen den Campingplatz und für die Übernachtung in einem Gästehaus mit Dach, Dusche und Frühstück. Das ist zwar nicht wirklich billig in Reykjavik, aber für 3 Nächte war es uns das wert. Insgesamt hatten wir also noch zweieinhalb Tage, bevor wir uns mit meinem Chef und der neuen Doktorandin treffen sollten. Zeit genug für ein wenig Sightseeing. Am günstigsten ist es, wenn man sich eine sogenannte Welcome Card kauft. Die kostet für 24 Stunden 1900 ISK (ca. 12 €) und für 48 Stunden 2400 ISK (ca. 15 €). Für diesen Preis gibt es freien Eintritt in eine ganze Reihe von Museen und in sieben der Schwimmbäder in Reykjavik, sowie die kostenlose Nutzung der Busse und Rabatt in einigen Touristengeschäften.
Abgesehen von zwei Abenden in herrlich heißen Hot Pots im Schwimmbad haben wir uns vier Museen angeschaut. Im Folgenden eine kleine Zusammenfassung.
871±2 - Die Besiedlungsausstellung
Das neueste Museum Reykjaviks befindet sich direkt im Zentrum unter einem Haus im Keller. Hier gibt es das älteste Haus Reykjaviks zu sehen, ein Langhaus aus der Zeit kurz nach der Besiedlung durch die Vikinger. Eine Mauer, die zum gleichen Haus gehört, ist sogar älter als die sogenannte "Besiedlungsschicht", eine Ascheschicht aus dem Jahre 871±2, die zur Datierung der Besiedlung benutzt wird.
Um das eigentliche Haus herum gibt es jede Menge Information über das Leben zur Zeit, als das Haus bewohnt war, über die Besiedlung, Bauweise und Kultur. Das ganze ist mit jedem nur möglichen technischen Schnickschnack aufgearbeitet, den man sich vorstellen kann: Touchscreens, Smartboards, interaktive Videos etc. Doch all das kommt zu einem wirklich guten Gesamterlebnis zusammen, das es einem möglich macht, sich wirklich in die Zeit zurückzuversetzen. Die Besiedlungsausstellung ist wirklich einen Besuch wert.
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| Eingang zum Museum im Keller des Hauses. |
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| Blick über das ausgegrabene Langhaus. Die Lichtstimmung unterstützt die Gesamtpräsentation. |
Ein kurzer Eindruck aus der Innenstadt:
Vikin - Das maritime MuseumDas maritime Museum liegt am Hafen in der Nähe der Whale Watching Stationen. Schon von Außen sieht man die Boote, die zum Museum gehören, ein gelbes Fischerboot und ein größeres Militärboot. Im Inneren geht es vor allem um die Fischereigeschichte Islands. Leider ist ein Großteil der Ausstellung in isländisch. Die Exponate und die gesamte Ausstellung macht leider einen etwas altmodischen Eindruck. Einen Besuch kann man deshalb nur echten Fischereienthusiasten empfehlen.
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| Der Eingang des maritimen Museums. |
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| Exponat zum Thema Trockenfisch. |
Árbær - Freiluftmuseum zur StadtentwicklungDieses Museum liegt in den Außenbezirken der Stadt und ist mit dem Bus in einer halben Stunde zu erreichen. Es ist ein Freiluftmuseum, das um den Bauernhof Árbær herum angelegt wurde. Im Prinzip handelt es sich um eine Sammlung originaler Häuser aus verschiedenen Epochen der Stadtentwicklung. Die Häuser wurden als ganzes auf das Gelände transportiert und mit Möbeln aus der jeweiligen Zeit (teilweise direkt aus den dazugehörigen Häusern) ausgestattet. Außerdem gibt es Angestellte, die in Kostümen passenden Aktivitäten nachgehen. So gibt es zum Beispiel Soldaten aus dem zweiten Weltkrieg, die Liebesbriefe schreiben, Drucker, Schafmelker und Hersteller von Schuhen aus Fischleder. Kinder können sogar mit Spielsachen aus alten Zeiten spielen.
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| Am Eingang des Árbær-Museums. |
Das Museum ist sehr schön und ist mit Liebe zum Detail aufgebaut. Zum Eindruck gehört auch, daß man außerhalb der Grenzen des Museums die Stadt mit Hochhäusern und Lärm wahrnimmt, und in den Häusern in eine völlig andere Zeit abtauchen kann. Ein Besuch des Museums lohnt sicht also mit der ganzen Familie.
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| Der "Stadtplan" des Museums. Da ist definitiv noch Platz für mehr Häuser. |
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| Die Kirche mit Grasdach ist sogar in Betrieb. |
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| Das Haus hinter der Statue ist Teil des Bauernhofes, der hier original steht. |
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| Säcke mit Schafwolle in der Scheune des Bauernhofes. |
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| Ein Haus, das noch immer restauriert wird. |
Das Nationalmuseum
Nach drei Museen am ersten Tag haben wir uns am zweiten Tag noch das Nationalmuseum angeschaut. Dort geht es auf zwei Hauptetagen um die kulturelle und politische Entwicklung der Nation Island. Die Ausstellungsstücke sind sehr beeindruckend, vor allem die Fundstücke aus verschiedenen Vikingebauernhöfen und die Bischofsgewänder. Die Ausstellung ist sehr umfassend. Leider waren wir schon etwas übersättigt von all den Museen, aber das Museum ist definitiv empfehlenswert. Außerdem hat es einen recht großen Museumsshop und ein sehr schönes Café.
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| Das Nationalmuseum von außen. |
Das waren also die zweieinhalb Tage Sightseeing in Reykjavik. Insgesamt kann man nur zum Kauf einer Welcome Card raten. Der Preis ist duchaus gerechtfertigt, denn der Eintritt zu jedem der Museen kostet 1100 ISK und der Bus erleichtert einem vieles. Außer den Museen, die wir uns angeschaut haben, gibt es noch einige Kunstmuseen, die in der Karte inbegriffen sind. Mit etwas Shopping und Kunst läßt es sich also durchaus noch länger in Reykjavik aushalten. Doch für uns waren zweieinhalb Tage Tourismus genug Menschen, Kultur und Zivilisation.