Donnerstag, 29. September 2011

Schwedisierung: Besuch beim glasögonspecialist (Optiker)

Nach mehr als zweieinhalb Jahren, in denen ich nicht beim Optiker war, war es dringend Zeit, meine Augen testen zu lassen, bevor ich neue Kontaktlinsen bestellen konnte. Außerdem war es höchste Zeit, mir überhaupt wieder eine Brille (glasögon) machen zu lassen. Meine 16 Stunden täglich,  7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr Kontaktlinsengewohnheiten sind nämlich nicht besonders gesund für die Augen, auch wenn ich eigentlich nie Probleme hatte. In Chile mußte ich nach einer Nacht auf dem Altiplano meinen Kontaktlinsenbehälter auftauen, bevor ich die Linsen reintun konnte, aber das war nicht so schlimm.

Also hatte ich vor 3 Wochen einen Sehtest (synundersökning) beim Optiker (optiker) hier in Uppsala. Das ganze hatte ich einfach übers Internet gebucht und dann am Telefon etwas abgestimmt. Ein Sehtest für Kontaktlinsen kostet 395 SEK (ca. 43 €), einer für eine Brille 295 SEK. Beim Kontaktlinsendings ist aber die Brillenuntersuchung schon mit drin. Funktionieren tat das ganze wie ich das aus Deutschland auch kannte: Buchstaben vorlesen, durch seltsame Geräte schauen, runter gucken, hoch gucken usw. Das einzige, was seltsam war, was, daß ich meine Kontaktlinsen anfangs drinhatte und dann rausnehmen sollte. In Deutschland durfte ich sie die 7 Stunden vor der Untersuchung nicht tragen. So oder so haben sich meine Augen aber erstaunlicherweise seit dem letzten Sehtest nicht verschlechtert. Eine positive Überraschung.

Nach dem Sehtest, der etwa eine halbe Stunde dauerte, bestellte Karin, die nette Optikerin im Laden, meine Kontaktlinsen. Nach 3 Tagen bekam ich dann eine SMS, daß ich sie abholen konnte. Zu dieser Gelegenheit habe ich mir dann gleich mal eine Brille ausgesucht. Der Optiker, der mich dabei beraten hat, war sehr nett. Ich mußte ihn nur bei der Farbe der Brillengestelle bremsen, denn offensichtlich ist lila gerade die Modefarbe. Einige der Brillengestelle, die er mir empfahl und die mir wohl standen, sind den Brillen meiner Schwester sehr ähnlich. Darauf sagte der Optiker, daß ich meiner Schwester zu ihrem guten Brillengeschmack gratulieren soll (also Gratulation! sera). Am Ende wurden es zwei Brillen zum Preis von einer, was mir auch die Auswahl erleichterte.

Nach eineinhalb Wochen konnte ich dann die Brillen abholen. Jetzt muß ich mich nur noch an sie gewöhnen. Nach den ersten paar Stunden hatte ich ganz schön Kopfschmerzen. Außerdem wird mir noch etwas schwindlich beim Laufen. Aber das wird schon werden.
Die eine Brille. Mit dünnem Rand. Trägerin war heute Morgen noch ziemlich verschlafen.

Die Schwester-Brille. Und ich muß sagen, der Optiker und der Freund haben recht.

Montag, 19. September 2011

Zurück in der Realität

An sich war ich ja nicht verreist oder im Urlaub, aber die letzten Wochen fühlten sich doch an, als hätte ich nicht an meinem Leben teilgenommen. Schuld war der Pädagogikkurs, der mich die letzten 2 Wochen vollständig in Beschlag genommen hat. Der Kurs ist zwar noch nicht ganz vorbei - es warten noch einige Hausaufgaben und 3 Tage Kurs im Oktober und November auf mich -, aber ich bin endlich wieder in meinem Büro und kann meiner Routine nachgehen. Ich bin schon ein echtes Gewohnheitstier.

Auf jeden Fall fand ich es sehr anstrengend, daß sich die Welt neben meinem Kurs auch noch weitergedreht hat, sprich daß ich am Ende des Tages trotzdem genauso viele Emails und Aufgaben in meinem Büro vorgefunden habe wie sonst auch. Das führte natürlich zu Verzögerungen und Stress, sodaß ich am Freitag nur froh war, daß die Arbeitswoche zuende war.
Nun nach einem Wochenende mit Gartenarbeit, Holzhacken und Ausschlafen fühle ich mich bereit und motiviert, wieder in die Realität einzutauchen.

Samstag, 10. September 2011

Gefräßiges Schweigen

Da es hier ja durchaus hin und wieder kulinarisch zugeht und kochen eines meiner Hobbies ist, das ich zufällig auch mit Freunden und Familie teile, bin ich nun Teil eines aufregenden und neuen Kochprojekts, dem blog voracious silence (wörtliche Übersetung des Ausdrucks "gefräßiges Schweigen"). Schaut doch mal vorbei.

Donnerstag, 8. September 2011

Zurück auf der Schulbank

Eigentlich schreibe ich diesen Blogbeitrag nur, um nicht meine Hausaufgaben machen zu müssen. Ja, ich gehe sozusagen wieder in die Schule. Und zwar nehme ich derzeit an einem Kurs über Pädagogik für Universitätslehrer teil. Das ganze wird mit ca. 5 Wochen Vollzeitarbeit berechnet und dauert zunächst einmal 2 Wochen, in denen ich hier am Pädagogischen Institut den ganzen Tag im Kurs sitze. Dann gibt es Tonnen von Hausaufgaben und noch einmal 4 oder 5 Tage Kurs im Oktober und November.

Im Kurs sind außer mir noch 23 andere Universitätsangestellte aus allen Fachrichtungen. Da ich im englischen Kurs sitze, sind es Leute aus allen Ländern Europas, den USA, China und Indien. Diese Woche bestand aus einer Menge verschiedener Vorlesungen über Unterrichtsmethoden, Gruppenarbeit, Evaluation, den Umgang mit schwierigen Studenten usw. Außerdem gibt es sehr viele Gruppendiskussionen und Aktivitäten, unterbrochen von Kaffeepausen und bezahltem Mittagessen. Das ist alles ziemlich anstrengend, sodaß ich nach 16:30, wenn der Kurs zuende ist, leider nicht allzuviel von meiner eigentlichen Arbeit schaffe.

Morgen hat meine Gruppe eine Sitzung, in der wir beim Unterrichten gefilmt werden. Danach schauen sich das alle zusammen an und geben Feedback. Wie peinlich! Wer sieht sich schon gern auf Video? Auf jeden Fall bin ich froh, wenn diese Woche vorüber ist. Außerdem bin ich ab morgen auch nicht mehr allein mit den Kitties.

Montag, 5. September 2011

Islandbericht Teil 2: Museumstour in Reykjavik

Zeit für Teil 2 des Islandberichts. Nachdem wir mit dem Bus in Reykjavik angekommen waren und es auch dort regnete und stürmte, entschieden wir uns gegen den Campingplatz und für die Übernachtung in einem Gästehaus mit Dach, Dusche und Frühstück. Das ist zwar nicht wirklich billig in Reykjavik, aber für 3 Nächte war es uns das wert. Insgesamt hatten wir also noch zweieinhalb Tage, bevor wir uns mit meinem Chef und der neuen Doktorandin treffen sollten. Zeit genug für ein wenig Sightseeing. Am günstigsten ist es, wenn man sich eine sogenannte Welcome Card kauft. Die kostet für 24 Stunden 1900 ISK (ca. 12 €) und für 48 Stunden 2400 ISK (ca. 15 €). Für diesen Preis gibt es freien Eintritt in eine ganze Reihe von Museen und in sieben der Schwimmbäder in Reykjavik, sowie die kostenlose Nutzung der Busse und Rabatt in einigen Touristengeschäften.

Abgesehen von zwei Abenden in herrlich heißen Hot Pots im Schwimmbad haben wir uns vier Museen angeschaut. Im Folgenden eine kleine Zusammenfassung.

871±2 - Die Besiedlungsausstellung
Das neueste Museum Reykjaviks befindet sich direkt im Zentrum unter einem Haus im Keller. Hier gibt es das älteste Haus Reykjaviks zu sehen, ein Langhaus aus der Zeit kurz nach der Besiedlung durch die Vikinger. Eine Mauer, die zum gleichen Haus gehört, ist sogar älter als die sogenannte "Besiedlungsschicht", eine Ascheschicht aus dem Jahre 871±2, die zur Datierung der Besiedlung benutzt wird.

Um das eigentliche Haus herum gibt es jede Menge Information über das Leben zur Zeit, als das Haus bewohnt war, über die Besiedlung, Bauweise und Kultur. Das ganze ist mit jedem nur möglichen technischen Schnickschnack aufgearbeitet, den man sich vorstellen kann: Touchscreens, Smartboards, interaktive Videos etc. Doch all das kommt zu einem wirklich guten Gesamterlebnis zusammen, das es einem möglich macht, sich wirklich in die Zeit zurückzuversetzen. Die Besiedlungsausstellung ist wirklich einen Besuch wert.
Eingang zum Museum im Keller des Hauses.
Blick über das ausgegrabene Langhaus. Die Lichtstimmung unterstützt die Gesamtpräsentation.
Ein kurzer Eindruck aus der Innenstadt:

Vikin - Das maritime Museum
Das maritime Museum liegt am Hafen in der Nähe der Whale Watching Stationen. Schon von Außen sieht man die Boote, die zum Museum gehören, ein gelbes Fischerboot und ein größeres Militärboot. Im Inneren geht es vor allem um die Fischereigeschichte Islands. Leider ist ein Großteil der Ausstellung in isländisch. Die Exponate und die gesamte Ausstellung macht leider einen etwas altmodischen Eindruck. Einen Besuch kann man deshalb nur echten Fischereienthusiasten empfehlen.
Der Eingang des maritimen Museums.
Exponat zum Thema Trockenfisch.
Árbær - Freiluftmuseum zur Stadtentwicklung
Dieses Museum liegt in den Außenbezirken der Stadt und ist mit dem Bus in einer halben Stunde zu erreichen. Es ist ein Freiluftmuseum, das um den Bauernhof Árbær herum angelegt wurde. Im Prinzip handelt es sich um eine Sammlung originaler Häuser aus verschiedenen Epochen der Stadtentwicklung. Die Häuser wurden als ganzes auf das Gelände transportiert und mit Möbeln aus der jeweiligen Zeit (teilweise direkt aus den dazugehörigen Häusern) ausgestattet. Außerdem gibt es Angestellte, die in Kostümen passenden Aktivitäten nachgehen. So gibt es zum Beispiel Soldaten aus dem zweiten Weltkrieg, die Liebesbriefe schreiben, Drucker, Schafmelker und Hersteller von Schuhen aus Fischleder. Kinder können sogar mit Spielsachen aus alten Zeiten spielen.
Am Eingang des Árbær-Museums.
Das Museum ist sehr schön und ist mit Liebe zum Detail aufgebaut. Zum Eindruck gehört auch, daß man außerhalb der Grenzen des Museums die Stadt mit Hochhäusern und Lärm wahrnimmt, und in den Häusern in eine völlig andere Zeit abtauchen kann. Ein Besuch des Museums lohnt sicht also mit der ganzen Familie.
Der "Stadtplan" des Museums. Da ist definitiv noch Platz für mehr Häuser.
Die Kirche mit Grasdach ist sogar in Betrieb.
Das Haus hinter der Statue ist Teil des Bauernhofes, der hier original steht.
Säcke mit Schafwolle in der Scheune des Bauernhofes.
Ein Haus, das noch immer restauriert wird.
Das Nationalmuseum
Nach drei Museen am ersten Tag haben wir uns am zweiten Tag noch das Nationalmuseum angeschaut. Dort geht es auf zwei Hauptetagen um die kulturelle und politische Entwicklung der Nation Island. Die Ausstellungsstücke sind sehr beeindruckend, vor allem die Fundstücke aus verschiedenen Vikingebauernhöfen und die Bischofsgewänder. Die Ausstellung ist sehr umfassend. Leider waren wir schon etwas übersättigt von all den Museen, aber das Museum ist definitiv empfehlenswert. Außerdem hat es einen recht großen Museumsshop und ein sehr schönes Café.
Das Nationalmuseum von außen.
Das waren also die zweieinhalb Tage Sightseeing in Reykjavik. Insgesamt kann man nur zum Kauf einer Welcome Card raten. Der Preis ist  duchaus gerechtfertigt, denn der Eintritt zu jedem der Museen kostet 1100 ISK und der Bus erleichtert einem vieles. Außer den Museen, die wir uns angeschaut haben, gibt es noch einige Kunstmuseen, die in der Karte inbegriffen sind. Mit etwas Shopping und Kunst läßt es sich also durchaus noch länger in Reykjavik aushalten. Doch für uns waren zweieinhalb Tage Tourismus genug Menschen, Kultur und Zivilisation.

Sonntag, 28. August 2011

Es ist Apfelzeit!

Die Apfelernte hat begonnen. Leider gibt es nicht nur ein paar Äpfel bei uns, auch wenn momentan nur die Äpfel von zwei Bäumen reif sind. Ein Kollege hat mit am Wochenende ca 160 kg Fallobst abgenommen, um daraus Saft zu machen. Ich hatte auch ca. 30 kg bei der Mosterei. Abgesehen davon habe ich jetzt am Wochenende stundenlang im Garten und auf dem Sofa gesessen uns habe Äpfel für Apfelmus geschält. Kistenweise. Eimerweise. Außerdem hatte ich noch Lingon (Preiselbeeren), und dank kreativer Inspiration aus Dresden habe ich tatsächlich Lingon mit Rosmarin und Apfelmus mit Lingon hergestellt. Mit beidem bin ich sehr zufrieden. Mein Geburtstagsgeschenk, der WMF-Marmeladetrichter hat sich schon mehr als bewährt.
Mein Arbeitsplatz draußen auf der Wiese.
Einkochstation.

Ausbeute eines Wochenendes. Man beachte das zweifarbige Apfelmus vorn in der Mitte.

Islandbericht Teil 1: Laugavegur

Es ist an der Zeit, die Fotos und Berichte von unserer diesjärigen Islandreise zu posten. Fangen wir also mit der ersten Woche an, in der wir den Laugavegur gewandert sind. Der Laugavegur ist der wohl poupulärste Langsstreckenwanderweg Islands. Er führt von Landmannalaugar im Hochland über 55 km in vier Tagesetappen nach Thorsmörk an den Fuß des Eyjafjallajökull. Auf der Google Earth-Karte sieht man die GPS-Aufzeichnung unserer Route, sowie ein paar Ortsnamen, die ich nachgetragen habe. Also los geht's!
Unsere GPS-Aufzeichnung des Laugavegur.

Tag 1: Anreise & Etappe 1 von Landmannalaugar nach Hraftinnusker
Landmannalaugar wird im Sommer zweimal täglich von Bussen angefahren. Einen davon haben auch wir genommen. Die Fahrt dauert ca. 4 Stunden und führt von Reykjavik über die Ringstraße und anschließende Schotterstraßen am Vulkan Hekla vorbei nach Landmannalaugar. Unterwegs durchfährt der Bus ein paar Flüsse.
Hinter mir sieht man den zweitaktivsten Vulkan Islands: Hekla.
Blick aus dem Busfenster beim Durchfahren eines Flusses auf dem Weg nach Landmannalaugar.

In Landmannalaugar angekommen, registriert man sich kurz bei der Campingplatzrezeption für die Wanderung (aus Sicherheitsgründen, falls man verlorengeht), und dann geht die Wanderung auf dem Laugavegur auch schon los. Landmannalaugar ist übrigens ein beliebtes Touristenziel wegen einer heißen Quelle, die aus einem fast erkalteten Lavastrom aus Obsidian (vulkanisches Glas) entspringt, und wegen der bunten Farben der Berge. Der Grund für beide Phänomene ist vielen Touristen allerdings nicht bekannt: hier befindet man sich in einem der größten Vulkane Islands, Torfajökull (siehe Kreis auf der Google Earth-Karte). Die heißen Quellen und die bunten Gesteine sind Ausdruck der vulkanischen Aktivität. Außerdem sind sie natürlich wunderschön.
Hier geht es offiziell los: 12 km bis zum Ende der ersten Etappe unf 55 km bis zum Ziel.
Auf der Obsidianlava, über die der Anfang des Laugavegur führt.
Blick von der Obsidianlava auf die bunten Berge von Landmannalaugar.

Die ersten Kilometer des Weges sind nicht ohne, besonders wenn man einen 16 kg schweren Rucksack auf dem Rücken hat.
Eis und heiß: heiße Quellen entspringen hier und da.

Anfangs hatten wir am ersten Tag durchaus schönes Wetter mit Wolken und Sonne, doch gegen Abend wurde es sehr windig, und beim Überqueren von immer mehr Schneefeldern gab es kaum Schutz. Das Ziel der ersten Etappe, Hraftinnusker, liegt auf 1100 m Höhe. Dort gibt es eine Schutzhütte, in der man auch übernachten kann, ein paar Plumpsklos und ein paar etwas geschützte Campingstellen. Durch den Wind waren wir ganz schön erledigt und mußten uns, nachdem wir das Zelt aufgebaut hatten, erstmal hinlegen. Normalerweise kann man von dort aus noch ein paar kleine Abstecher zu Eishöhlen machen, aber der Wind nahm stetig an Stärke zu und zu allem Überfluß zog auch noch Nebel auf. Da bleibt einem eigentlich nur: Abenbrot und dann früh schlafen.
Immer höher ging es über endlose Schneefelder, die von der Asche des Eyjafjallajökullausbruchs vom letzten Jahr ganz grau waren.


Tag 2: Etappe 2 von Hraftinnusker zum Álftavatn
Leider hatte sich am Morgen des zweiten Tages das Wetter noch verschlechtert. Zum Sturm kam noch Regen. Die Sicht war mehr als schlecht, aber was will man machen? Also packten wir unsere Sachen, bauten das Zelt ab und machten uns wieder auf den Weg.
Ein trauriges Bild am Morgen von Tag 2.
Vom zweiten Tag gibt es kaum Bilder, weil man zum einen nur sehr wenig sehen konnte und die Kamera nicht zu naß werden sollte. Wir haben nur eine ungefähre Ahnung davon, wie schön die Landschaft eigentlich ist, die wir durchwandert haben. Angeblich waren wir am Fuß eines Gletschers, den wir aber nicht gesehen haben. Es gab wieder viele Schneefelder und heiße Quellen, aber der Nebel wurde einfach nicht weniger. Teilweise hatten wir Schwierigkeiten, die nächste Wegmarkierung zu finden. Der Wind ließ ich nicht nach, was mir das Laufen extrem erschwerte. Mit meinem Rucksack hatte ich große Probleme, auf den Beinen zu bleiben. Es ging am einen oder anderen Abgrund vorbei, von dem ich mich nur mit Hilfe der Wanderstöcke wegstemmen konnte. Dadurch gab es auch keine Gelegenheit, anzuhalten und etwas zu essen oder zu trinken, was natürlich auch nicht gerade hilfreich ist. Durch den Wind sind auch eine unserer Regenhüllen für den Rucksack und zeitweise eine der Isomatten davongeflogen. Die andere mußten wir dann zur Sicherheit auch abmachen.
Eines der wenigen Fotos von Tag 2.
Auf den letzten Kilometern dieser Etappe ging es dann sehr steil bergab. Dort verläßt man den Torfajökull-Vulkan. Gleich darauf gilt es, den ersten Fluß der Wanderung zu überqueren. Da ich dazu kein Foto gemacht habe, erkläre ich Flußüberquerungen bei der nächsten Etappe. Glücklicherweise ging es auf den letzten 3 km nur über flaches Gelände bis zur Rettungshütte am Álftavatn, einem See. Der Campingplatz dort ist eigentlich sehr schön gelegen: mit einer grünen Wiese, an der ein Fluß vorbeifließt. Es gibt Toiletten mit Wasserspülung und man kann sogar seinen Müll wegwerfen.

Leider war die Aufgabe des Abends, Klamotten und Schlafsäcke mit Hilfe der Körperwärme so gut wie möglich zu trocknen. Zum Abendbrot gab's sogar 2 Packungen Fertignudelgericht (zum Frühstück nur eine) für uns beide, sowie eine Tasse Tee und eine Brausetablette.
Mmmmhhh lecker, Fertignudelgericht.
Tag 3: Etappe 3 von Álftavatn nach Emstrur
Entgegen der Wettervorhersage und unseren Erwartungen hatte sich am nächsten Morgen der Wind gelegt und es regnete nicht mehr, sodaß wir ein paar unserer Sachen trocknen konnten. Nach einem Schwätzchen mit einer Gruppe junger Holländer, die gerne wissen wollten, was geologisch eigentlich los ist in dem Gebiet, was man auf dem Laugavegur durchwandert, ging es dann wieder weiter.

Die dritte Etappe führt durch eine magische grüne Landschaft außerhalb der großen Vulkane. Hier gibt es langgestreckte Hügelketten, die durch Spalteneruptionen unter einem Gletscher entstanden sind. Teilweise sind sie mit Moos und Heide bewachsen, teilweise läuft man aber auch durch eine wüstenartige Landschaft auf schwarzer Vulkanasche. An diesem Tag gab es einige Flüsse zu queren. Die reißendsten waren zum Glück überbrückt. Doch durch zwei Flüsse mußte man zu Fuß. Dazu zieht man am besten seine Schuhe aus, bindet sie an den Rucksack, krempelt die Hose so weit wie möglich hoch und sucht sich die beste Stelle zur Querung aus. Das ist oft die breiteste und daher flachste Stelle. Sehr empfehlenswert sind Sandalen, da die Steine im Fluß spitz sein können. Stöcke helfen, die Balance zu halten. Das Wasser kann nämlich ganz schön reißend und tückisch sein, vor allem ist es aber sehr kalt, so kalt, daß es wehtut. Aber wenn man wieder rauskommt, fangen die Füße schön an, zu kribbeln.
Flußdurchquerung: kein Problem, wenn man weiß, wie es geht.
Nach der Hälfte der Strecke nähert man sich dem Myrdalsjökull, dem Gletscher, der über dem Vulkan Katla liegt. Hier und da liegen riesige Felsbrocken auf der sandigen Ebene, die durch Schmelzwasser vom Gletscher bei Vulkanausbrüchen transportiert worden sind.
Päuschen in der Vulkanwüste. Im Hintergrund Myrdaljökull.
Wenn einem die schwarze Wüste fast schon so vorkommt, als würde sie nie enden, kommt man zur Schutzhütte von Emstrur, die sich in einem winzigen Flußtal befindet. Hier ist plötzlich alles grün und voller Blumen, wie eine Art Oase. Der Campingplatz ist wunderschön mit zeltgroßen Wiesen gleich neben dem Flüßchen.
Tag 4: Etappe 4 von Emstrur nach Husadalur in Thorsmörk
Für den vierten Tag hatten wir von der Hüttenwärtin die Warnung bekommen, daß die Windrichtung wieder so sein sollte wie an dem Sturmtag. Glücklicherweise konnten wir aber unser Zelt noch in einigermaßen trockenem Zustand einpacken, und das Wetter hielt auch noch eine Weile. Diese Etappe führt ganz nahe am Vulkan Katla vorbei. Gleich zu Beginn wird man auf einer Infotafel vor den Gefahren eines Ausbruchs gewarnt. Im Falle eines solchen Feuern die Hüttenwarte Leuchtraketen ab, was zur sofortigen Evakuierung auffordert, denn in diesem Gebiet ist nicht nur mit Asche und giftigen vulkanischen Gasen zu rechnen, sondern auch mit gewaltigen Schmelzwasserfluten entlang der Flußtäler (Gletscherlauf) und mit Blitzeinschlägen durch elektrische Stürme. Äußerst beruhigend!
Warntafel mit Evakuierungsinformationen.
Die ersten Kilometer des Wanderweges an diesem Tag machen einen ziemlichen Umweg, weil man ein tief eingeschnittenes Gletschertal von einem Auslaßgletscher des Myrdaljökull überwinden muß. Zum Glück führt über diesen Fluß eine Brücke, den bei den reißenden Fluten hätte keiner eine Chance.
Da möchte man noch nicht mal den kleinen Zeh reinhalten.
Der Entujökull, ein Auslaßgletscher des Myrdaljökull.
Ganz nah an Katla.
Hat man das Gletschertal umgangen geht die Wanderung weiter Richtung Eyjafjallajökull. In Senken liegt überall blauschwarze Asche vom Ausbruch im letzten Jahr.
Überall liegt Asche vom Eyjafjallaausbruch.
Nach und nach wird es immer grüner. Es gibt kleine Büsche, Blümchen und sogar ein paar Bäume, je weiter man sich Thorsmörk, dem Ziel der Wanderung nähert. Kurz vor dem Ende gilt es noch einmal einen recht tiefen Fluß zu überqueren, der extra tückisch ist, da man das Wasser nicht durchsichtig ist. Wenn man beim Durchqueren auf die Wasseroberfläche schaut, kann einem ganz schön schwindlich werden. Deshalb sollte man lieber das Ufer im Auge behalten.
Der letzte zu Fuß zu überquerende Fluß der Wanderung.
Dann ist man tatsächlich im Tal von Thorsmörk nördlich des Eyjafjallajökull angekommen. Es geht nun durch eine fast alpin anmutende Landschaft mit Hangwiesen voller Blumen und Wald, bevor man zu einem der Camping- und Hüttendörfer kommt. Wir beendeten unsere Wanderung in Husadalur, wo es sogar Kaffee und Kuchen zu kaufen gab. Es ist ein tolles Gefühl, so eine Wanderung geschafft zu haben. Irgendwie kommt es einem vor, als wäre man Ewigkeiten unterwegs gewesen.

Da sich das Wetter dann doch rapide verschlechterte, beschlossen wir, noch an diesem Tag nach Reykjavik zurückzufahren, statt noch ein paar Tage in Thorsmörk zu bleiben. Aus Thorsmörk fährt im Sommer zweimal täglich ein Bus nach Reykjavik. Dieser muß wirklich einen Fluß nach dem anderen durchqueren, weshalb nicht viele Leute mit dem Auto dorthin fahren. Mietwagen sind sind übrigens bei Flußdurchquerungen nicht versichert.
Der Bus zurück nach Reykjavik.
Am Fuß des Eyjafjallajökull. Und das Wetter animiert wirklich nicht mehr zum Wandern.
Fazit
Die Laugavegurwanderung ist zu recht eine der beliebtesten Wanderungen Islands. Sie ist größtenteils nicht allzu anspruchsvoll, auch wenn einige Abschnitte trittsicherheit uns Schwindelfreihet voraussetzen. Das Wetter ist der größte Unsicherheitsfaktor. Der Sturm am zweiten Tag war nur ein kleiner Vorgeschmack von dem, was möglich ist. Und man befindet sich wirklich größtenteils außerhalb der Zivilisation. Insgesamt besteht aber der größte Reiz des Laugavegur in seinem Abwechslungsreichtum der Landschaft: gelb-orange-rot-grüne Berge und weißgraue Schneefelder mit dampfenden Quellen in Landmannalaugar, mittelerdeartige grüne Hügel, schwarze Aschewüsten, reißende Flüsse, blauschimmernde Gletscher, Lavafelder, Heide, Wälder und Wiesen.

Für mich war die Wanderung auf dem Laugavegur ein unvergeßliches Erlebnis.