Freitag, 22. Juli 2011

Auf nach Island!

In 3 Stunden geht unser Flieger nach Island. Eine Woche Urlaub am Fuße des Vulkans Katla und 1,5 Wochen Geländearbeit im Nordosten des Landes warten auf uns. Der Wetterbericht sieht ziemlich katastrophal aus. Wir können also nur positiv überrascht werden. In der ersten Woche, werden wir wohl weder Internet noch Handyempfang haben. Danach müssen wir sehen, wie sich der Kontakt zur Außenwelt so gestaltet. Am ehesten kann ich aber meine gmail-Emails abrufen, wenn es etwas zu emailen gibt. Ansonsten ist SMS wohl am erfolgversprechendsten.

Bis bald. Drückt die Daumen, daß wir nur naß werden, wenn wir Flüsse durchqueren müssen, und daß Katla nicht ausbricht.

Mittwoch, 20. Juli 2011

Sommer in einem leeren Land

Wie jedes Jahr liegt Schweden auch diesen Sommer vollständig verlassen da. Morgens auf dem Weg zur Arbeit sieht man kaum Autos. Es gibt keine Parkplatzprobleme. Auf Arbeit ist kaum jemand zu sehen, außer den Nicht-Schweden. Im Supermarkt ist es leer. In der Stadt gelten verkürzte Öffnungszeiten in den Geschäften. Manche Restaurants haben gleich ganz zugemacht für den Sommer. Selbst im Radio gibt es ein Ersatzprogramm. Termine für Klempner, Autoreparatur oder Routinearztbesuche sollte man überhaupt auf den Herbst verlegen. Schweden ist geschlossen. Zwischen Mittsommer und Mitte August geht hier gar nichts.

In dieser Zeit verschwinden die Schweden in ihre Sommerhäuser mitten im Wald und genießen 4 bis 6 Wochen semester (Ferien). Und auch man selbst kann sich dieser Verlangsamung des Lebens nicht völlig entziehen, zumal man aufgrund oben genannter Gegebenheiten teilweise gar nicht anders kann. Verleugnung oder dagegen Ankämpfen ist sinnlos, weshalb man schnell aufgibt und sich trotz Arbeit dem trägen Tempo des Lebens anpaßt. 

Außerdem wäre es auch eine Schande, den schwedischen Sommer nicht zu genießen. Immerhin ist es warm. Die Tage sind lang. Alles ist grün und blüht. Die Seen sind warm. Es wäre eine Verschwedung, nicht so viel wie möglich davon in sich aufzunehmen, denn hier hat man immer im Hinterkopf, daß sich die Jahreszeiten wahnsinning schnell abwechseln. Der Winter steht vor der Tür und scheint subjektiv betrachtet die längste Jahreszeit zu sein.

Mittwoch, 13. Juli 2011

Schwedisierung: schwedischer Personalausweis

Gestern waren wir beim schwedischen Einwohnermeldeamt/Finanzamt/Krankenkassenbüro (das ist hier alles eins), dem sogenannten skatteverket, um endlich einen schwedischen Personalausweis (id kort) zu beantragen. Dazu braucht man eine Aufenthaltsgenehmigung für Schweden, einen biometrischen Reisepass, um sich auszuweisen, und eine personnummer, ohne die man in Schweden ja ohnehin nicht existent ist. Wir hatten vorschriftsgemäß eine Woche zuvor die Gebühr von 400 SEK pro Person überwiesen und einen Beleg der Überweisung ausgedruckt. 

Damit ging es dann zum skatteverket, das überraschenderweise trotz Sommerferein voll besetzt war. Neuerdings gibt es dort nicht nur einfach einen Apparat zum Nummer ziehen, sondern einen Infoschalter, der sich das Begehren der Leute anhört, die Unvorbereiteten nach Hause schickt und die Vorbereiteten mit einer Nummer zum richtigen Schalter. Nach diesem Filter durften wir nach weiteren 5 min direkt zu einer älteren Dame, die im id kort Büro saß. Die Dame hatte gute Laune, scherzte und überprüfte unsere personnummer, Belege und Pässe, bevor sie die nötigen Formulare ausfüllte. Man selbst muß dann nur seine Körpergröße messen lassen, auf einem Stuhl mit Digitalkamera platznehmen und ein Passfoto machen lassen und auf einem kleinen digitalen Feld unterschreiben. Dann druckt einem die Dame den fertigen Antrag aus und fertig. In 2 bis 3 Wochen (es ist ja Sommer) kommt dann ein Brief, mit dem man die  id kort persönlich abholen kann.

Bleibt die Frage: Warum ein schwedischer Personalausweis, wo doch ein EU-Reisepass in den meisten Fällen ausreicht? Zum einen steht auf dem Reisepass nicht die personnummer, was dazu führt, daß sich manche Leute ganz schön anstellen, wenn man sich ausweisen muß. Das Zauberwort heißt legitimation. Neulich ist es auch das erste Mal passiert, daß wirklich ein schwedisches Ausweisdokument erforderlich war, nämlich beim Finanzkauf bei Mediamarkt. Außerdem kann man die id kort online als e legitimation bei Vertragsabschlüssen und der Steuererklärung verwenden.

Die id kort ist also ein weiterer Schritt Richtung Schwedisierung.

Samstag, 9. Juli 2011

Neuer Vulkanausbruch in Island

Offensichtlich ist in der Nacht der isländische Vulkan Katla (gleich neben Eyjafjallajökull) ausgebrochen. Augenblicklich ist der Ausbruch jedoch nicht zu sehen, doch unter dem Eis des Myrdalsjökullgletschers, der Katla bedeckt, scheint der Vulkan am Brodeln zu sein. Dennoch deuten typische Erdbebenmuster, das Erscheinen von "Dellen" in der Gletscheroberfläche und ein Gletscherlauf (Ablaufen des getauten Wassers vom Gletscher durch Flüsse in die Ebene am Fuß eines Vulkans) darauf hin, daß Katla tatsächlich ausgebrochen ist. Der Gletscherlauf ereignete sich in der Nacht entlang des Flusses Mulakvisl und führte dazu, daß die Brücke über den Fluß und ein Teil der Ringstraße weggeschwemmt wurden.
Das weggeschwemmte Stück der Ringstraße mit der Brücke über den Fluß Mulakvisl. Das Bild stammt von einem Nachrichtenartikel auf visir.is.
Die Erdbebenaktivität ist mittlerweile wieder zurückgegangen, befindet sich aber noch nicht wieder auf dem normalen Niveau. Für den Augenblick ist der Ausbruch also vorüber. Das kann sich aber sehr schnell ändern.
Eine der "Dellen" in der Gletscheroberfläche über Katla. Die Asche von der Eruption des Eyjafjallajökull bildet eine schwarze Schicht auf dem Gletscher. Das Bild stammt von der isländischen Nachrichtenagentur mbl.is aus diesem Artikel.
Erst gestern haben wir unser Busticket für unsere Wandertour am Fuße Katlas gebucht. Am 22. also in 2 Wochen fliegen wir nach Island und am Samstag wollten wir uns mit dem Bus an den Start unserer Wanderroute bringen lassen. Jetzt hoffen wir, daß Katla sich wieder beruhigt, denn wenn sie (auf isländisch sind einige Vulkane wie Katla, Hekla und Askja weiblich) erstmal so richtig loslegt, war der Ausbruch des Eyjafjallajökull nur ein kleiner Rülpser dagegen.

Mittwoch, 6. Juli 2011

Geokunst

In Oslo bin ich auf die Werke von Ellen Karin Maehlum, einer Künstlerin, die sich von der Schönheit von Biologie und Geologie inspirieren läßt, gestoßen. Sie war vor ein paar Jahren sogar mit auf einer Expedition des PGP, an dem ich in Oslo zu Gast war, nach Spitzbergen. Das Ergebnis ist ihre Geoprint Reihe, die ich sehr schön finde.
Ein Bild aus der Geoprint Reihe. So sehen Gesteine unter dem Mirkoskop aus.
Ihre letzte Reihe ist übrigens biologisch inspiriert und zeigt mikroskopisch kleine Plaktonorganismen. Die sind sehr hübsch. Leider kann man nicht einzelne Seiten ihrer Homepage verlinken, deshalb durchklicken zu den Serien. Ist leicht zu finden.
Ein Bild aus der Serie Plankton Portraits, das eine Radiolarie (Kieselalge) zeigt.

Dienstag, 5. Juli 2011

Zurück aus Oslo

Ja, ich bin zurück im guten, alten Schwedenland. Ach ist das schön! Oslo war schon toll, auch wenn ich hauptsächlich gearbeitet habe und nicht so richtig viel von der Stadt gesehen habe. Einen Ausflug habe ich dann aber doch gemacht: ein Abendspaziergang in den Vigelandspark (Frognerpark). Die dortigen Stauen und Brunnen sind von dem künstler Vigeland erstellt worden und eines der touristischen Highlights Oslos.
Brücke im Vigelandspark. Der Himmel sieht irgendwie bedrohlich aus.
Irgendwie hatte Vigeland ein Fable für Erwachsenen-Kind-Kombinationen.
Eckige, gelangweilte Menschen aus Bronce.
Die langweilen sich eher nicht.
Die Statue fand ich ganz schön.
Diese ist wiederum ein wenig abstrus, aber ausdrucksstark.
Von Menschen gehaltene Brunnenschale.
Der Babybaum.
Das Hauptkunstwerk des Vigelandsparks: Der Monolith aus Menschen.
Größenvergleich: Ich bin in Lebensgröße abgebildet.
Blick herunter von  der Plattform unter dem Monolithen.
Rein arbeitstechnisch war mein Oslobesuch durchaus ergiebig und genauso anstrengend. Letzten Mittwoch war auch mein Chef für einen Tag zu Besuch, um ein bißchen netzzuwerkeln und sich anzuschauen, was ich so fabriziert habe. Bei 4 Flügen zwischen Stockholm und Oslo pro Tag kann man auch mal eben rüberhopsen für einen Kurzbesuch inklusive Geschäftsessen.
Am Freitag ging es dann nach einer Laborputzeinlage um 12 Uhr mit dem Auto Richtung Heimat, die nur 500 km und 6,5 Stunden entfernt liegt. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich gefreut habe, nach Hause zu kommen. 3 Wochen sind schon eine lange Zeit. Jetzt freue ich mich auf meine gewohnte Umgebung inklusive 3 Wochen Schreibtischarbeit, Gartenarbeit, Hausarbeit. Hauptsache zu Hause.

Sonntag, 26. Juni 2011

Live aus Oslo - Teil 3

Zwei Wochen bin ich jetzt schon in Oslo, eine Woche bleibt noch, aber ein Ende ist abzusehen (meiner Kräfte, der Zeit hier, aber nicht der Experimente). Am Freitag bin ich aus dem Gästehaus der Uni ausgezogen, weil es für die letzte Woche meines Aufenthalts ausgebucht ist. Ich bin aber ganz froh darüber. Es war immer ziemlich laut mit dem Zimmernachbarn, der jeden Tag um 5:30 duschen mußte. Jetzt wohne ich in einem Zimmer in einer WG von 3 deutschen Doktoranden, von denen einer im Gelände ist. Sie wohnen nur 10 min zu Fuß vom Institut und sind sehr nett.

Am Freitag habe ich leider das Mittsommerfest in Schweden verpaßt. Das wird hier leider nicht so gefeiert wie in Schweden, wo es der wichtigste Feiertag des ganzen Jahres ist. Das war schon ein bißchen traurig, auch wenn es den ganzen Tag in Strömen geregnet hat hier.

Gestern habe ich mir dann das erste Mal einen halben Tag frei gegönnt und war in der Osloer Innenstadt. Hier sind ein paar fotografische Eindrücke.
Das Schloß, in dem die königiche Familie wohnt.
Nochmal das Schloß mit Vorplatz voller japanischer Touristen.
Blick hinunter vom Schloßvorplatz die Karl-Johans-Gate, die Haupteinkaufstraße, hinunter.
Die Osloer Domkirche. Irgendwie scheint die in Uppsala größer und schöner zu sein.
So ein Stadtbummel ist ganz schön anstrengend, weshalb ich gestern Nachmittag auch nur ein Experiment geschafft habe. Dafür muß ich heute drei schaffen, um mein Wochenendpensum abzudecken. Das heißt, ich geh jetzt mal wieder buddeln.

Liebe Grüße aus Oslo.