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| Meine Arbeitskleidung beim Experimentieren. |
Es ist Sonntag und ich sitze im Labor und warte, daß mein Experiment abkühlt, damit ich es ausgraben kann. Ich weiß, daß klingt ziemlich seltsam. Deshalb erkläre ich vielleicht kurz, was ich hier eigentlich mache. Als Gastwissenschaftlerin am Institut für die Physik Geologischer Prozesse führe ich sogenannte Analogexperimente durch. Man nennt sie auch Sandkastenexperimente, und schockierenderweise stelle ich gerade fest, daß es dazu keinen Eintrag bei Wikipedia gibt. Der Sinn solcher Analogexperimente ist, Prozesse, die in der Natur nicht direkt beobachtet werden können, da sie zu lange dauern, im Untergrund stattfinden oder zu groß sind, nachzubilden. Dazu werden natürliche Systeme maßstabsgetreu nachgebaut, stark vereinfacht versteht sich. Ein sehr viel eingesetztes Material dabei ist Sand, daher der Name Sandkastenexperiment. Irgendwie ist es auch ein bißchen eine Mischung aus Backen und Kindergarten. Es ist etwas, das man mit den Händen tut, schmutzig und leider beinhaltet es auch sehr viel Putzarbeit.
Der Prozess, mit dem ich mich beschäftige, ist die Bildung magmatischer Intrusionen, also Magma, das in das Umgebungsgestein eindringt und zum Beispiel Gänge bildet, die Magma an die Oberfläche transportieren, wo es in Form von Lava in einem Vulkanausbruch zum Vorschein kommen kann. In abgetragenen und ausgestorbenen Vulkanen kann man sich diese Gänge auch an der Oberfläche anschauen. In aktiven Vulkanen verursacht die Bildung solcher Gänge Erdbeben und Oberflächenhebung, was Geophysiker dann messen, um eventuell vorhersagen zu können, ob es zu einem Ausbruch kommt. Um nun aber den direkten Prozess zu verstehen, eignen sich Analogexperimente.
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| Der "Sand"kasten, in dem meine Experimente laufen. Der Plexiglaskasten außenrum ist der Schutz gegen den Staub. |
Für die Experimente, die ich hier in Oslo durchführe, benutze ich Quarzmehl und Kokosfett, das geschmolzen das analoge Material für Magma darstellt. Das Quarzmehl ist leider sehr staubig und verursacht, wenn man zuviel einatmet Silikose. Daher muß ich eine Maske tragen. Ansonsten sind die Experimente aber auch hochtechnisch, da der Vorgang mit einem Topographiescanner aufgezeichnet wird. Die Kalibration dauert jedes Mal ewig. Insgesamt habe ich mir bei der Einführung durch den Laborleiter 97 (!) Schritte aufgeschrieben, was ich zutun habe. Hinzukommt, daß der Laborleiter, der die Experimente und den ganzen Versuchsaufbau entwickelt hat, 1,96 m groß ist, weshalb ich bei einigen Schritten erst einmal einen Weg entwickeln muß, das mit meinen 1,63 m hinzukriegen. Ein paar Sachen sind wirklich körperlich anstrengend. Außerdem bin ich es nicht gewöhnt, so viel im Stehen zu arbeiten. Sitzen ist OK, laufen und klettern auch, aber stehen ist eine ganz andere Liga. Deshalb bin ich abends auch ziemlich erledigt.
Wenn das Experiment vorbei ist, wird das Kokosfett dann wieder fest, und ich kann die Intrusion ausgraben und ihre Form scannen. Das werd ich gleich mal machen. Insgesamt dauert so ein Experiment mit Aufbauen, Kalibrieren, Laufen lassen und Putzen ca. 4 Stunden. Mein erstes Experiment hab ich also in etwa einer Stunde geschafft. Dann werde ich noch eins machen heute. Was ein Sonntag!