Sonntag, 12. Dezember 2010

Start der Wintersportsaison

Zwar ist der Winter schon seit mehr als einem Monat nach Mittelschweden gekommen, doch endlich können wir ihn auch richtig genießen. Die Skier frisch gewachst, ging es heute auf Tour um unseren bevorzugten Bade-, Wander-, Beerenpflück- und Pilzsammelsee. Bei ca. -10°C und Sonnenschein und auf von Schneemobilen ausgefahrenen Spuren herrschten perfekte Bedingungen.

Nicht einmal hingefallen heute :-)

Die Mittagssonne steht so hoch, wie es momentan nur geht. Hinter den Bäumen blinkt sie auf dem zugefrorenen See.

Samstag, 11. Dezember 2010

Julbord


Jetzt kurz vor Weihnachten ist in Schweden wieder die Zeit des julbord (Weihnachtstisch) gekommen. Das bedeutet, daß man mit seinen Arbeitskollegen, in seinem Heimatort und mit seinen Vereinen etc. gemeinsam essen geht. Meine Abteilung geht jedes Jahr nach Gamla Uppsala in das Restaurant Odins Borg, ein sehr rustikales Etablisment. Wie bereits schon letztes Jahr berichtet, gibt es zu Beginn glögg (Glühwein) gefolgt von einem Buffé mit schwedischen Weihnachtsspezialitäten, die  größtenteils nicht vegetarierfreundlich sind. Völlig unschwedischerweise gibt es danach sogar Desert in Form von Kuchen, roter Grütze mit Weihnachtsgewürzen und Reisbrei.  Zu trinken gibt es julmust (Weihnachtsmost), ein Faßbrause-artiges Getränk. Yummie!

Dienstag, 7. Dezember 2010

Nichts ist mehr wie es war

Wer hätte gedacht, daß sich so vieles ändert, bevor ich wieder zurückkomme nach Schweden? Mal abgesehen davon, daß mittlerweile fast alle meine Kollegen in unseren neuen Flur umgezogen sind und eine gute Freundin hier seit Freitag ihren Doktor hat, hat sich noch eine sehr weltbewegende und lebensverändernde Sache ergeben, die ich erfahren habe, als wir gestern Vormittag auf der Fähre von Puttgarden nach Dänemark waren:

Am Sonntag, den 5. Dezember 2010, wurde meine Nichte Christina Lucia geboren! Ein 3260 g schweres und 48 cm langes Baby, auf das ich mich schon lange gefreut habe.
Das erste Foto aus der Bildergalerie des St. Josephstifts.
Herzlichen Glückwunsch zur Geburt Eurer Tochter! Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Christina! Ich freu mich schon, Dich in 2 Wochen kennenzulernen.

Montag, 6. Dezember 2010

Fossilien und andere Altlasten

Der Besuch in Göttingen ist vorbei, und es gab eine Menge Dinge, die dort zu erledigen waren. Ein Grund, warum wir gerade jetzt nach Göttingen gereist sind, war das Alumnitreffen der Geologie, das umgangssprachlich auch "Fossilientreffen" genannt wird. 189 "Fossile" waren da und haben bei deftiger Hausmannskost ausgetauscht, was denn in den letzten Jahren und Jahrzenten passiert ist. Besonders habe ich mich gefreut, daß sehr viele Leute aus meinem Semester da waren. Manche von ihnen hatte ich seit Jahren nicht gesehen, zumal meine Kommilitonen nicht nur über Deutschland, sondern auch die Schweiz und Dänemark verteilt sind. Außerdem war es natürlich auch schön, alte Kollegen in Göttingen zu besuchen.

Abgesehen vom obligatorischen Besuch bei der Familie war ein anderer wichtiger Grund, mit dem Auto nach Deutschland zu fahren, daß wir noch so einiges in unserem alten Büro stehen hatten. Und so haben wir gestern Nachmittag alles ausgeräumt und in den Skoda geladen. Nur gut, daß wir einen Kombi haben!

Und natürlich haben wir auch noch ein paar Defizite des schwedischen Lebens kompensiert, z.B. mit einer Fleischdiät und dem Erwerb von Kaffeepads, Hallorenkugeln etc. Das war wirklich echt schön, mal wieder in Deutschland zu sein.

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Gesellschaftsstudien beim Shopping

Heute war ich hier in Göttingen in der Innenstadt einkaufen. Göttingen ist zwar eine kleine Stadt, aber ich mochte schon immer die kleinen Gassen mit winzigen Läden, von denen man sich fragt, wie sie sich überhaupt halten können. Trotz Kälte und Schnee war die Stadt voller Menschen. Das Gänseliesel ist vom Weihnachtmarkt umringt, und die Leute schlürfen fröhlich Glühwein. Heute Abend hole auch ich mir meinen alljährlichen Becher und nehme eine Tasse mit der JAhreszahl 2010 drauf (übrigens dann die 10. in meiner Sammlung) mit.

Auch ich habe mich einem nostalgischen Stadtbummel ergeben, war bei meinem alten Friseur, im ein oder anderen Geschäft und hab einen Cappucchino neben der Johanniskirche getrunken. Bis auf die normale Fluktuation von Imbissen (der Trend geht eindeutig zu gesundem Slowfood und weg von Fastfood) und die Eröffnung eines großen Thalia Buchladens ist die Innenstadt noch genau so, wie ich sie in Erinnerung habe.

Als ich im Karstadt war hat mir außerdem eine alte Dame entrüstet mitgeteilt, daß sie denkt, daß die kleinen Wollknäule viel zu teuer sind. Das würde einem in Schweden, glaube ich, nicht passieren. Dort sprechen einen Fremde auf keinen Fall an.

Ein Freund von mir aus Frankreich war übrigens im Sommer hier und hat sich das Gänseliesel angeschaut, in der besten Eisdiele der Stadt (Claudio) ein Eis gegessen und dem Glockenspiel gegenüber gelauscht. Er bestätigt, daß Göttingen durchaus eine Reise wert ist.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Im exotischen Süden

Augenblicklich befinde ich mich im warmen Süden. Warm ist natürlich relativ, denn zu Hause waren es letzte Nacht -25°C. Da ist es in Göttingen mit -9°C geradezu angenehm warm. Nach 15,5 Stunden und etwa 1300 km Autofahrt sind wir gestern Abend wohlbehalten angekommen.
 
Auf der Fahrt fallen einem dann schon mal ein paar ungewohnte Dinge auf. Zum Beispiel:
  • Je weiter man nach Süden kommt, umso aggressiver werden die Autofahrer.
  • In Deutschland kommt man nicht gerade gut mit Schneefall klar, der in Schweden eigentlich jeden kalt läßt.
  • An die Verkehrsdichte auf deutschen Autobahnen und in deutschen Städten muß man sich erst wieder gewöhnen.
  • Benzin wird nach Süden auch exorbitant teurer. In Schweden kostet der Liter 95 Oktan 12,6 SEK (ca. 1,30 €). Hier haben wir heute für 1,429 € den Liter getankt.
  • Es ist ein schönes Gefühl, wenn man in eine Stadt zurückkommt, in der man die Kassiererin erkennt, wenn man kurz in den real huscht, um eine Zahnbürste zu kaufen.
Heute ging es dann auf der alten Arbeit erstmal daran, alle alten Kollegen und Freunde zu besuchen, Neuigkeiten auszutauschen und sich darüber zu wundern, wie vertraut doch alles noch ist. Die Erkenntnis bisher: In Göttingen ist noch alles beim Alten - im Guten wie im Schlechten.

Montag, 29. November 2010

Büroumzug oder: Warum einfach, wenns auch kompliziert geht?

Bei uns im Institut ist gerade jede Menge los, denn viele Leute ziehen in neue Büros, so auch ich. Der Grund ist einfach ausgedrückt die Expansion einer Abteilung und der Mangel an Platz in deren Flur. Dieser einfache Grund hat aber eine nicht unkomplizierte logistische Kettenreaktion zur Folge, die man am ehesten mit diesem Plastikspiel vergleichen läßt, das ich aus meiner Kindheit kenne und bei dem man einen freien Platz hatte, den man benutzen konnte, um alle anderen Kästchen in eine bestimmte Ordnung zu bringen.

Also, man stelle sich vier parallele Flure vor. Abteilung A, die Expandierer, sitzt ursprünglich an einem Ende, also in Flur 1. Mit in Flur 1 ist die Administration, (dazwischen liegt der unbetroffene Flur 2), dann in Flur 3 sitzen meine Kollegen und ich, und in Flur 4 sitzen verschiedene Leute hauptsächlich von Abteilung A. Nun will Abteilung A aber nicht so weit auseinandergerissen werden. Was wäre also eine einfache Lösung für dieses logistische Problem? Einfach wäre, wenn die Mitarbeiter von Abteilung A in Flur 4 mit den Leuten der Verwaltung in Flur 1 tauschen.

Aber warum einfach, wenns auch kompliziert geht?! Die Administration möchte nämlich nicht in Flur 4 ziehen, weil man dort ja ganz außen im Gebäude wäre. Nicht daß sie nicht auch jetzt schon in Flur 1 außen säßen. Nein! Also wird momentan folgende Lösung umgesetzt:
Bei uns in Flur 3 wurde ein großes Büro eines Professors, der zur Zeit beurlaubt ist, ausgeräumt und in 2 Büros umgebaut. In Flur 4 wurde ein großes Büro in zwei kleine umgebaut und eine kleine Küche mit Esszimmer in ein großes Büro. Die Angehörigen von Abteilung A ziehen aus Flur 4 in die Räume der Verwaltung in Flur 1. Wir aus Flur 3 ziehen in Flur 4. Und die Administration aus Flur 1 zieht in Flur 3.

Flur 3, in dem ich bisher saß, hatte den Vorteil, daß es dort zwei Toiletten und die Gemeinschaftsküche/Mittagsraum/Kaffeemaschine aber eben auch  den Nachteil, daß es eine Menge Durchgangsverkehr und Lärm von der Küche gab.

Wir wußten seit ein paar Monaten, daß wir umziehen, aber wann genau das passieren würde, war nicht mal den Chefs klar. Uns wurde nur versprochen, daß wir keine Arbeit mit dem Umzug haben würden, den eine Firma sollte angeheuert werden. Nun standen aber am Donnerstag eine Sekretärin und der Intendent vor meiner Bürotür und sagten, ich müßte jetzt umziehen, weil die Möbel früher als geplant geliefert würden. Ja, die armen Sekretärinnen bekommen auch neue Möbel, um den Umzug zu kompensieren.

Mein neues Büro liegt, wie gesagt, in Flur 4 genau in der gleichen Lage wie vorher in Flur 3, also glücklicherweise mit Südfenster. Es ist auch etwa 20 cm breiter. Doch trotz versprochener Hilfe, mußte ich den Umzug selbst organisieren, Kartons packen, tranportieren und auspacken. Am Donnerstag und Freitag war außer mir keiner aus meinem Flur da, um so ungehaltener war mein Chef, als er heute das Ausmaß des Umzugsdesasters erfahren hat.

Alle anderen werden ab morgen umziehen. Das werde ich zum Glück ausblenden können, denn morgen geht es auf die Reise in ein exotisches Land im Süden, in dem es viel wärmer* ist als hier.
*Merke: es sind laut Wetterbericht gerade -17°C draußen.