Montag, 1. November 2010

Ein Monat Depression

Der November ist da und damit der schlimmste Monat des ganzen Jahres. Das sagen alle. Schon als ich letztes Jahr im August hier ankam, mußte ich mir anhören, wie schlimm es doch im November werden würde. Von mehreren Seiten wurde mir empfohlen, Schweden im November zu verlassen, wenn das möglich ist.

Der November letztes Jahr war tatsächlich ein schlimmer Monat, mein schlimmster Monat überhaupt. Im Allgemeinen ist das Wetter hier im November ähnlich wie in Deutschland: grau, kalt, naß. Dazu kommt hier noch dunkel. Nach der Zeitumstellung wird einem das so richtig bewußt. Letztes Jahr hatten wir hier keine 12 Sonnenstuden im November. Und selbst wenn mal die Sonne scheint, hat man nicht viel davon, da mal ja zu der Zeit arbeitet. Schnee gibt es meist auch noch nicht dauerhaft, und die bunten Blätter an den Bäumen sind seit Wochen schon zu einer braunen Masse auf den Gehwegen geworden.

Das schlägt aufs Gemüt. Und so laufen die Leute deutlich grimmiger durch die Gegend, sind schneller gestreßt und weniger gesellig.

Für mich persönlich war der letzte November wirklich furchtbar: Ich saß allein in einem kalten Haus ohne Möbel (mit nur wenigen Lampen) und ohne Bad. Dann gab es da noch die ihrerseits extrem anstrengende Katzenüberführung, sowie den Umzug in der letzten Novemberwoche. Da hätte ich einen mehrwöchigen Urlaub in der Sonne gut gebrauchen können.

Da ist es natürlich verständlich, daß ich nicht die allerhöchsten Erwartungen an den November habe. Aber mal ehrlich, es kann dieses Jahr nur besser werden!

Mittwoch, 27. Oktober 2010

schwedische Kinder und Vulkane

Ich vermute mal, die meisten Kinder finden Vulkane cool. Da ist es nicht weiter verwunderlich, daß meine Abteilungsleiter vor einiger Zeit eine Anfrage von einer Bibliothek hier in Uppsala bekam, ob nicht ein paar von uns Lust hätten, einen Beitrag in dieser Richtung für den sogenannten vetenskapsklub (Wissenschaftsklub) dieser Bibliothek zu gestalten. Zusammen mit einer Kollegin/Freundin aus England, mit der ich auch schon meinen Schwedischkurs gemacht habe, erklärte ich mich bereit dazu. Das ganze sollte für 15 bis 20 Kinder zwischen 10 und 12 Jahren sein und 1 bis 2 Stunden dauern.

Da wir beide keine Muttersprachler sind, erforderte die ganze Sache neben fachlicher und organisatorischer natürlich auch sprachliche Vorbereitung. Deshalb haben wir Anfang September eine Art schwedische Diskussionsgruppe ins Leben gerufen, wo wir uns auf schwedisch über Geologie und Vulkane unterhielten und uns die nötigen Vokabeln aneigneten. Abgesehen davon haben wir uns auch ausgedacht, was im Wissenschaftsklub veranstaltet werden sollte.

Wir entschieden uns für eine "Virtuelle Vulkanexkursion" mit allerlei Aktivitäten zum Thema Ausbruchsformen und -produkte mit Videos, Bildern und Experimenten. Wir hatten auch Mikroskope dabei und eine Menge Steine, Asche von der Eyjafjallajöjulleruption und Bimsstein. Die ganze "Exkursion" über mußten die Kinder ein eigenes "Geländebuch" ausfüllen, d.h. malen, einfache Fragen beantworten, und Bilder und Ascheproben einkleben.

Als Testlauf hatten wir uns von einem Kollegen seine beiden Söhne ausgeborgt, die mit uns eine Menge Spaß hatten am Montag Nachmittag. Gestern Nachmittag fand dann die eigentliche Veranstaltung in der Bibliothek statt, an der 17 Kinder teilnahmen. Zur Absicherung hatten wir uns noch einen unserer schwedischen Doktoranden mitgenommen. Aber es lief ganz gut mit dem Schwedisch, es war nur insgesamt sehr anstrengend. Ich bin jetzt noch völlig fertig.

Mein Fazit also: Lehrer zu sein, ist ein Knochenjob. Man verbrennt ca. 5000 kcal pro Stunde. und hat dauerhaft eine Körpertemperatur von 2°C über normal. Wir waren nur 2 Stunden zu Gange. Wie halten das Lehrer an Schulen den ganzen Tag aus? Ich bin nachträglich noch ganz gestreßt, was nicht zuletzt daran liegt, daß ich aufgrund der Vorbereitungen meine eigentliche Arbeit liegenlassen mußte. Außerdem vernachlässige ich meinen Besuch aus Göttingen. Schande auf mein Haupt!

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Makrofotografie

Wie man vielleicht hin und wieder anhand meiner Posts erkennen kann, ist Fotografieren eines meiner großen Hobbies. Ich fotografiere nicht gerne Menschen (außer vielleicht bei der Hochzeit meiner Schwester. Bei so unwiderstehlichen Fotomotiven muß man draufhalten!). Viel lieber mag ich Landschaftsfotografie, was eine gute Ergänzung ist, wenn man als Geologe an spektakuläre Orte reist und Eindrücke von dort mit nach Hause nehmen möchte. Ich habe aber auch schon immer gern kleine Dinge fotografiert, zum Beispiel Blumen.
Dieses Jahr habe ich von meinen Freunden hier in Schweden einen Satz Zwischenringe für die Spiegelreflexkamera bekommen. Diese Ringe können zwischen Kamera und Objektiv gesetzt werden und verringern so den Abstadt, den man zum Objekt (der Begierde) einhalten muß. Sie sind Ersatz für Makroobjektive, die wesentlich teurer sind als Zwischenringe.

Meine Freunde haben mir das Geld für die Ringe geschenkt, sodaß ich sie mir bei Amazon bestellen und (um Lieferkosten zu sparen) nach Heidelberg liefern lassen konnte. Dort habe ich sie im botanischen Garten ausprobiert. Trotz suboptimaler Bedingungen (zu dunkel, kein Stativ etc.) sind schonmal ein paar tolle Fotos dabei herausgekommen.
Eine Palmenblüte, vielleicht so groß wie eine Kinderfaust.
Wassertropfen auf einer Orchideenblüte.
Zurück in Schweden kann ich die Bedingungen für meine Makroexperimente natürlich verbessern, indem ich ein Stativ und einen Fernauslöser verwende und meine Fotoobjekte ordentlichausleuchte. Wir werden sehen, was dabei herauskommt. 

Ich hoffe, ich konnte schon mal einen kleinen Vorgeschmack geben.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Heidelberg im Herbst

Bei Heidelberg denkt man normalerweise an fast tropische Temperaturen im Süden Deutschlands. Jetzt durfte ich auch einmal eine andere Seite des Klimas dort kennenlernen - die untypische Seit, die kalte, herbstliche und die regnerische.

Trotzdem hatte ich eine tolle Zeit. Ich habe alte Freunde getroffen, 3x japanisch gegessen, das Heidelberger Schloß gesehen und die mannheimer Ausstellung "Die Staufer in Italien" besucht, geshoppt, gekocht, lustige italienische und spanische Krebsforscher kennengelernt und bin kilometerweit durch ganz Heidelberg gelaufen. Das nächste Mal muß nur noch die Sonne scheinen...

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Tagung in Darmstadt

Nur schnell ein kurzer Bericht zu meiner Tagung in Darmstadt diese Woche.

Darmstadt ist im Prinzip unspektakulär. Der Tagungsort, das Darmstadtium, ist ein häßlicher Glas-Beton-Bau um Reste der alten Stadtmauer herum. Der Architekt hat bestimmt einen Preis für das häßlichste und verwirrendste Gebäude verdient. Übrigens habe ich gerade bei der Wikipedia-Recherche herausgefunden, daß es tatsächlich ein chemisches Element mit dem Namen Darmstadtium (Ordnungszahl 110) gibt. Das würde auch erklären, warum die Räume in dem Tagungszentrum alle nach chemischen Elementen benannt waren.

Nun ja, ansonsten gibt es zur Tagung nur zu sagen, daß etwa 650 Leute da waren, daß es schön war, alte Freunde und Kollegen wiederzusehen und daß mein Vortrag gestern gut gelaufen ist.  Es gab einiges an Diskussionen innerhalb der Session. Es war also nicht umsonst, hergekommen zu sein.

Jetzt bin ich erst einmal in Heidelberg, bevor es am Sonntag wieder nach Hause in den Norden geht.

Samstag, 9. Oktober 2010

1 Jahr Villa Kunterbunt

Nun wohne ich schon ein ganzes Jahr im kleinen, schwedischen Landhaus. Die Zeit vergeht wirklich wie im Flug. Jeden Monat habe ich ein Foto gemacht. Da sieht man mal die Veränderungen, die die Jahreszeiten so mit sich bringen. Am schönsten war das Grundstück meiner Meinung nach im Mai, aber auch der Schnee hat natürlich seine schönen Seiten.

Welcher Monat gefällt Dir am besten?

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Hollywood in Uppsala

Seit letzter Woche herrscht gewissermaßen Ausnahmezustand in der Innenstadt Uppsalas. Schon seit mehr als 3 Wochen wird der Busverkehr um die Drottninggatan (Königinnenstraße) herumgeleitet. Seit letzter WOche ist auch der Fußgängerverkehr betroffen, und zwar aus keinem geringeren Grund, als daß zur Zeit die Dreharbeiten für Hollywoods Neuverfilmung von Stieg Larssons Verblendung laufen.

Letzte Woche wurde der Teil des Films gedreht, der in der Vergangenheit (50er/60er Jahre) spielt. Die Drottninggatan wurde dementsprechend umgestylt. Ein 7Eleven (so ne Art 24h-Kiosk) wurde zur Milchbar. Aus dem Nichts wurde das Schaufenster eines Schuhladens erschaffen. Sämtliche bunte Reklame, sowie beleuchtete Schilder über den Läden wurden verkleidet. Außerdem wurde in null-komma-nix ein Antiaquriat zum Café, eine Milchbar zum Kleidergeschäft. Selbst die Zebrastreifen wurden auf gelb getrimmt, wie es damals in Schweden wohl üblich war. Dabei ist dieser Teil des Films in Schwarz-Weiß! Für die Parade im Film, bei der das letzte Foto des verschwundenen Mädchens gemacht wurde, fuhren dann lustige 50er Jahre-Wagen durch die Straße. Außerdem gab es ein sehr authentisches Polizeifahrzeug aus der Zeit. Übrigens spielt dieser Teil des Films nicht wirklich in Uppsala.

Schuhladen und Café, aber alles nur Kulisse für den Film. Hier wird schon wieder abgebaut.
Ab Freitag wurde dann alles wieder auf Gegenwart getrimmt, denn heute und morgen ist Daniel Craig in der Stadt und dreht seine Szenen. Von außen wahr jedoch nicht viel zu sehen. Und wer außer den kleinen Schulmädchen, die sich an der Absperrung aufgereiht haben, hat schon die Zeit, sich in das windige Herbstwetter zu stellen, um James Bond zu sehen?