Heute werden die letzten Stimmen der im Ausland lebenden Schweden ausgezählt. Gleichzeitig wurde die Wahlstatistisk veröffentlicht mit Daten dazu, wer was gewählt hat. Interessant dabei ist, welche Bevölkerungsgruppen die rechtspopulistischen Sveriges Demokraterna gewählt haben:
mehr Männer als Frauen
Leute in Südschweden (Skåne und Blekinge Län)
Leute, die auf dem Land leben, wo ansonsten nur wenige Ausländer wohnen
Leute mit geringem Bildungsniveau
und eine kleine Gruppe streng gläubiger Christen aus dem Iran, die im südlichen Stockholmer Umland neben ihren muslimischen Landsmännern leben.
Und, was sagt uns das wohl über diese Partei? Frei nach dem Motto "Zeig mir deine Wähler und ich sag dir, welche Politik du machst."
In Schweden sind die Würfel gefallen. Die Sieger vom von 2006 haben auch dieses Mal gewonnen und werden die Regierung bilden. Allerdings hat die Allians dieses Mal die absolute Mehrheit verfehlt. Stattdessen sind die rechten Sveriges Demokraterna mit 5,7% ins Parlament eingezogen und werden es künftig der Minderheitsregierung von Fredrik Reinfeldt schwer machen. Fredrik will deshalb die Koalition mit der Miljöparti, den Grünen, erweitern, die bisher jedoch die kalte Schulter zeigt.
So sieht es also in Schweden aus. Für mehr Details empfehle ich diesen Spiegel-Artikel zum Thema. Die schwedische Meinung zum Wahlergebnis ist übrigens folgende: Verunsicherung. Der Radiomoderator war heute morgen auch etwas bestürzt über die internationalen Pressestimmen, die Schweden jetzt zum ultrarechten fremdenfeindlichen Land erklärt haben. Er meinte: "Man sollte nicht vergessen, daß 94,3% der Schweden fremdenfreundlich gewählt haben."
Heute wurde schwedenweit gewählt und zwar für den Reichstag (riksdag), die Bezirksregierung (landsting) und in den Kommunen. Als nichtschwedischer EU-Bürger darf man hier für landsting und Kommunalrat und natürlich für das Europaparlament wählen. So haben auch wir unseren Wahlzettel (röstkort) sowie Briefe von allen Parteien bekommen, um uns zu informieren und im Wahllokal - bei uns die örtliche Grundschule - wählen zu können.
Grund genug, mal einen kurzen Blick auf das politische System zu werfen, auch wenn ich mich sonst nicht für Politik begeistern kann. Aber ich möchte wenigstens wissen, was sich wie ändert, wenn eine bestimmte Partei die Wahl gewinnt.
Bisher wurde Schweden von von der sogenannten Allians, einer Koalition aus der Zentrumspartei (centerpartiet), den Christdemokraten (kristdemokraterna), der Volkspartei (folkpartiet) und den Moderaten (moderaterna) unter statsminister Fredrick Reinfeldt regiert. Außer diesen vier Parteien gibt es noch 3 wichtige Parteien, die es über die 4-Prozent-Hürde geschafft haben und daher als Opposition im riksdag sitzen. Dabei handelt es sich um die Sozialdemokraten (Sveriges socialdemokratiska arbetareparti), die Umweltpartei (miljöparti) und die Linken (Vänsterpartiet). Sie sind seit 2008 eine Art Koalition eingegangen, die sich rödgröna (Rotgrüne) nennt.
Dieses Jahr hat noch eine weitere Partei die Chance, in den riksdag zu kommen: Sveriges Demokraterna, eine rechte Partei, die mit Parolen wie"Gebt uns unser Schweden zurück!" vor allem gegen die muslimischen Einwanderer gerichtet ist.
Momentan werden die Stimmen ausgezählt. Ob die Allians es erneut schafft, die absolute Mehrheit zu erreichen, hängt in diesem Jahr davon ab, wieviele Stimmen die Rechten erhalten. Es ist also eine spannende Wahl, die darüber entscheiden wird, wohin es in Zukunft mit Schweden geht.
Laut einer OECD-Studie ist Schweden das sicherste Land der Welt, wenn es um das Thema Verkehrssicherheit geht. Pro gefahrener Milliarde Kilometer gibt es in Schweden nur 5,1 Verkehrstote (in Deutschland sind es 6,5).
Soweit zur Statistik. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Diese Sicherheit liegt nicht daran, daß die Schweden so unglaublich gute Autofahrer sind. Das sind sie wirklich nicht! Schweden fahren sehr geduldig und entspannt. Sie fahren stundenlang hinter Bummlern her, blinken aber selten und nehmen einem schon öfter mal die Vorfahrt. Warum es dann pro Milliarden Kilometern nur so wenige Tote gibt? Die Schweden haben halt die Milliarden Kilometer Straße, sehr wenige echte Städte und vergleichsweise wenige Autos.
Es ist so weit: Der Herbst ist da, auch wenn offiziell in Schweden noch Sommer ist (Wir erinnern uns, der Herbst beginnt, wenn die Durchschnittstemperatur an fünf aufeinanderfolgenden Tagen unter 10°C liegt). Dennoch färben sich die Blätter bereits jetzt gelb, wenn die Sonne nicht scheint, ist es unangenehm kalt, und die Sonne geht abends schon 19:16 unter. Jeden Tag gibt es 5 Minuten weniger Tageslicht, sodaß es Zeit wird, sich auf den Winter vorzubereiten.
Das ist zumindest die momentan vorherrschende Grundstimmung, vor allem wenn man auf dem Land lebt und den Jahreszeiten deutlich mehr ausgesetzt ist als die Stadtbewohner. Für den Landschweden (und zugezogene Landpomeranzen wie mich) beinhaltet der Herbst also eine Reihe typischer Herbstaktivitäten.
Die Lingonernte: Lingon (Preiselbeere) wächst in schwedischen Wäldern zu Hauf, mehr noch als Blaubeeren, die in diesem Jahr sehr unter der Trokenheit gelitten haben. Der Strauch der Preiselbeere ist bis etwa 20 cm hoch und besitzt kleine, ovale, recht feste, dunkelgrüne Blätter. Gegen Mitte September werden die Lingon an kleinen Rispen reif. Sie sind recht sauer und werden daher eher selten roh verzehrt. Sie lassen sich gut mit einem bärplockare ernten. Bisher haben wir schon ca. 3 kg Lingon geerntet. Man kann sie aber auch in Supermärkten und an Marktständen kaufen. Die dortigen Beeren wurden jedoch von unterbezahlten asiatischen Saisonarbeitern gepflückt, was dieses Jahr zu einem ziemlichen Skandal geführt hat.
Die Jagd: Die Schweden betrachten den Wald als so etwas wie einen Supermarkt, in dem man aber mit etwas Mühe kostenlos einkaufen kann. Dank des Allemansrätt (Jedermannsrecht) darf man überall jagen und Pilze und Beeren sammeln. Die Jagdsaison hat gerade begonnen, sodaß man sich besser farbenfroh kleidet, wenn man in den Wald geht. Wenn man auf jemandes Land ein Tier schießt, so muß man übrigens nur einen bestimmten Anteil an den Landbesitzer entrichten. Ansonsten gibt es natürlich Fangquoten für bestimmte Tierarten wie Elche.
Pilze sammeln: Was das Pilze sammeln angeht, sind die Schweden ein ziemlich verwöhntes Pack. In Schweden geht man nämlich nicht Pilze suchen, sondern Pilze einsammeln. Hier hat man im Wald die Auswahl. Da kann man schon mal wählerisch sein und nicht jeden Pilz mitnehmen. Allein auf dem weniger als 1 km langen Weg vom Lingon sammeln bis zum Auto haben wir schon wieder mehr als 1 kg Pilze gesammelt. Da muß man dann erfinderisch sein und sie nach Sorten getrennt einfrieren, trocknen, braten...
So dekorativ er auch aussieht, diesen Pilz würde kein Schwede mitnehmen.
Gestern war ganz Uppsala auf den Beinen: Das größte kulturelle Ereignis des Jahres stand an, die Nacht der Kultur. Das ist eine Art Tag der offenen Tür in Museen, Galerien, Bibliotheken, Schulen und allen sonstigen Einrichtungen den ganzen Tag und die halbe Nacht in der Innenstadt von Uppsala. Auf den Straßen gibt es Stände von kulturellen Vereinen, live-Konzerte, Tanzvorführungen und Gesangsdarstellungen. In fast jeder Kneipe gibt es live-Musik. Außerdem gibt es Mitmachaktionen zu allen möglichen Themen, z.B. Salsa- und Tangokurse und thematische Spaziergänge durch die Stadt. Die hunderten von Programmpunkten werden in einer Spezialausgabe der Zeitung veröffentlicht, sodaß man planen kann, was man sich wann ansieht.
Wir waren zu Anfang bei einer Gesangsdarbietung zum Thema "britische Musik vom Mittelalter bis heute" im English Bookshop. Dann haben wir uns Salsa und Bauchtanz einer Tanzschule angeschaut, bevor wir uns dann mit einigen anderen Freunden beim Thailänder zum Essen getroffen haben. Danach waren wir uns im schottischen Pub schottische Live-Musik angehört. Dann ging es langsam durch die feiernde Stadt vorbei an verrückten Elchen und den im Allgemeinen in Schweden sehr knapp bekleideten Mädchen. Selbst kurz nach Mitternacht, als wir uns auf den Heimweg begaben, war die kulturnatt noch in vollem Gange.
Technomusik mit tanzenden Tieren, die sinnlose Dinge in die Menge werfen. Das ist halt Kultur.
Leider ist die kulturnatt auch das letzte Ereignis vor dem Winter. Jetzt werden die Bürgersteige hochgeklappt, bis die Stadt Ende März wieder aus dem Winterschlaf erwacht.
Französisch-irisch-kenianisch-deutsche kulturelle Verständigung während der kulturnatt.
Zurück aus dem Angelurlaub in Norwegen folgt nun der exklusive Bericht mit Fotos.
Alles begann am Donnerstag, dem 26. August. Eine etwa 12stündigie Fahrt quer durch Schweden und halb Norwegen mit ein paar kleinen Zwischenstopps führte uns in den Dovrefjell-Nationalpark. Dieser ist vor allem für die dort freilebenden Moschusochsen bekannt. Diese legen sich hin und wieder auch gern mal mit einem Zug an. Da sind wir lieber in sicherem Abstand geblieben, um Fotos zu machen.
Eine Herde von Muschusochsen. Da möchte man doch Zöpfchen reinflechten.
Über Oppdal und Molde ging es über Brücken, durch Tunnel und mit Fähren auf die Insel Otröya in das Örtchen Heggdal. Dort hatten wir zu viert ein herrliches Ferienhaus mit großem Wohnzimmer mit Kamin, Sauna, Blick auf den Fjord und die Berge und großen Balkon. Zum Haus dazu gab es auch ein kleines Boot, das im dazugehörigen Hafen mit Abstellraum für die Ausrüstung, Sonnenbadedeck, Terrasse und Fischausnehmstelle lag.
Unser Ferienhaus, keine 20 m Luftlinie vom Wasser entfernt tronte es über dem kleinen Hafen und der Fischausnehmstation.
Der Balkon des Ferienhauses wurde hauptsächlich zum Lagern von Angelausrüstung und Fischfilets verwendet. Aber auch zum Kaffeetrinken mit Aussicht war er absolut geeignet.
Blick vom Balkon am Tag. Hin und wieder kam mal ein Boot vorbei oder auch ein größerer Frachter, oder ein Rudel Schweinswale.
Blick vom Balkon auf die abends vorbeifahrende Hurtigroute.
Der nagelneue Hafen, der von den Besitzern der Ferienhäuser in Heggdal gebaut wurde.
Die Terrasse, direkt unter unserem Haus gelegen, hat sogar einen Wirlpool.
Natürlich haben wir auch einen Ausflug in die Umgebung gemacht, und zwar am einzigen wirklichen Regentag. Da sind wir nach Ålesund gefahren. Diese hübsche kleine Stadt ist Anfang des 20. Jahrhunderts komplett abgebrannt und wurde mit internationalen Spendengeldern im Jugendstil vollständig neu erbaut. Die Innenstadt ist wirklich sehenswert. Auch ein Ausflug auf den Aussichtpunkt überhalb der Stadt lohnt sich, ebenso ein Besuch im Atlanterhavspark, einem der größten Meeresaquarien Skandinaviens.
Der innere, kleine Hafen der Jugendstilstadt Ålesund mit Häusern, Booten und Wasser so klar, daß man die Krabben auf dem Grund winken sehen kann.
Vom Aussichtsberg der Stadt aus hat man einen fantastischen Blick über Ålesund, das über eine Reihe von Inseln verteilt ist.
Das große Becken im Atlanterhavspark. So bekommt man mal einen Eindruck davon, was so unter dem Boot rumschwimmt. Unter anderem wohnt hinter dem 26,5 cm dicken Acrylglas ein 100 kg schwerer Heilbut namens Belinda.
Nun aber mal zum eigentlichen Gegenstand dieses Urlaubs: das Angeln im Meer. Das war wirklich das absolut Tollste, was ich seit langem gemacht habe. Meeresangeln ist alles andere als langweilig. Es ist voller action, schleimig, blutig, naß, anstrengend und großartig!!! Man nimmt also eine Menge Angelausrüstig, einen Behälter für die Fische und ein bißchen was zu essen (möglichst nicht so viel zu trinken) an Bord seines Bootes, zieht sich sexy Ölzeug und Schimmweste an und dann geht es los.
Der neueste Schrei der Angelmode! Man kombiniere möglichst viele bunte Farben. Die dazu gehörige Hose ist übrigens auch gelb.
Flaute? Von wegen! Das war blos auf dem Weg zum nächsten Fischgrund.
Und nun zu den harten Fakten: Was haben wir zu viert gefangen? In Zahlen ist das ein bißchen schwer nachzuvollziehen, denn wir haben nicht buchgeführt. Es waren ungefähr 23 Makrelen, 100 Seelachse (die wir nicht wieder zurückgesetzt haben), ein paar Heringe, 3 Leng, ein Hornhecht, 5 Dorsche, 6 Polacks, 6 Wittlinge, ein Schellfisch und ein Rotbarsch und beinahe eine Scholle. Man muß natürlich, bevor man die Fische ausnimmt oder filettiert, ein Trophäenfoto machen. So machen das echte Angler. Doch dann geht es ans Eingemachte: vom Fisch wird alles Unnötige entfernt und der Rest wird eingefroren und nach Schweden exportiert.
Zwei Wittlinge an einer Angel. Wie oft kommt das schon vor?
Mein größter und mein zweitgrößter Fang. Der linke der beiden Dorsche wog 9 kg und hat sich gut gewehrt beim hochhohlen aus ca. 50 m Tiefe. Fühlt sich unten an wie ein "atypischer Seelachsschwarm".
Hier ein Teil des Fangs des letzten Tages: der dicke Dorsch neben einem großen Seelachs und zum Größenvergleich ein Messer.
Das ist das Letzte, was ein Seelachs sieht, bevor er von einem großen Dorsch gefressen wird. Meine Faust hätte da auch locker reingepaßt. Nur rausbekommen hätte ich sie nicht mehr, denn die Zähne des Dorsches zeigen nach innen und wirken so wie Widerhaken.
Kleine Wittlingsparty. Übrigens schmeckt Wittling sehr lecker und angeblich ein bißchen wie Hummer.
Das sind die überflüssigen Teile eines Pollacks. Die gehen an die Möwen, während die Filets jetzt in unserem Tiefkühlfach wohnen.
Fischstäbchen, bevor sie Stäbchenform annehmen.
Hier noch mal für die Familienpackung Fischstäbchen. Das Filetieren dauert schon seine Zeit. Mit ein bißchen Übung ca. 3 Minuten pro Fisch.
Makrelenrarangement oder Kunst aus Fisch. Diese Jungs erwartet in Deutschland der Räucherofen und ein letzter Auftritt auf einer Geburtstagsparty.